17.07.2020

Grazer Startup „Schau aufs Land“ matcht Camper mit Landwirten

Das Grazer Startup "Schau aufs Land" rund um das Gründertrio Leonard Röser sowie Karin und Christian Gruber-Steffner hat eine Reise-Plattform entwickelt, die Camping-Urlauber mit landwirtschaftlichen Betrieben zusammenbringt, die kostenlose Stellplätze für Wohnmobile oder Zelte zur Verfügung stellen. Derzeit beteiligen sich 130 Betriebe, die dadurch vom Ab-Hof Verkauf, Workshops und Führungen in der Region profitieren sollen. 
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Schau aufs Land
(c) Schau aufs Land

Das Konzept Camping-Urlauber mit Landwirten zusammenzubringen, die auf ihren Höfen kostenlose Stellplätze für Wohnwägen und Zelte zur Verfügung stellen und im Umkehrschluss vom Ab-Hof Verkauf profitieren, stammt ursprünglich aus Frankreich und wird dort seit zirka 20 Jahren praktiziert. Neben Frankreich ist diese Form des Tourismus auch in Deutschland, der Schweiz und Schweden populär.

Seit diesem Jahr gibt es ein ähnliches Konzept auch für Österreich, das vom Gründertrio rund um Leonard Röser sowie Karin und Christian Gruber-Steffner entwickelt wurde. Im März 2020 gründeten die drei Entrepreneure dafür das in Graz ansässige Startup „Schau aufs Land“, das einen besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit legt.

130 Betriebe machen mit

Über die Plattform können sich Nutzer für eine jährliche Mitgliedsgebühr von 35 Euro anmelden und erhalten so Zugriff auf ein Pool an landwirtschaftlichen Betrieben, die einen gratis Stellplatz anbieten. Derzeit sind laut dem Startup 130 österreichische Betriebe mit knapp 300 kostenlosen Stellplätzen auf der Plattform vertreten. Wohnmobil- oder Zeltreisende dürfen für 24 Stunden am Stellplatz des jeweiligen registrierten landwirtschaftlichen Betriebes bleiben.

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Das „Goodwill-Konzept“ von Schau aufs Land

Die Betriebe sollen laut dem Startup wiederum durch Einkäufe regionaler Produkte und Buchungen von Führungen oder Workshops vor Ort profitieren. Die Listung auf der Plattform ist für sie kostenlos.

Co-Founder Röser über das „Goodwill-Konzept“ von Schau aufs Land: „Die Betriebe sollen natürlich auch etwas für die kostenlosen Stellplätze zurückbekommen. Die Dankbarkeit kann man ganz einfach zeigen, indem der Einkauf beim Hofladen anstatt im Supermarkt gemacht wird oder auch sonstige Angebote des jeweiligen Betriebes wie Kräuterseminare, Alpakas- Wanderungen, Verkostungen etc. genutzt werden“.

Keine „schwarzen Schafe“

Von „schwarzen Schafen“, die das Konzept ausnutzen und lediglich den gratis Stellplatz nutzen, geht Röser nicht aus. „Das Konzept funktioniert natürlich nur dann, wenn die Reisenden die Nutzung der kostenlosen Stellplätze wertschätzen. Dazu zählt zum einen, dass sie sich an unseren Verhaltenskodex halten, der z. B. besagt, dass keinerlei Verschmutzung an den Stellplätzen toleriert wird aber auch, dass sie die jeweiligen Regeln und Wünsche der Betriebe respektieren.“

Nachhaltigkeit spiele dabei ein zentrale Rolle so Röser, der über die Plattform zudem einen eigenen Blog zum Thema „Nachhaltigkeit und Reisen“ betreibt. Zudem soll es ab kommenden Jahr auch eine eigene App geben, damit die Plattform noch nutzerfreundlicher wird.

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Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

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