11.10.2021

Scewo Bro: Wie ein Rollstuhl Treppen überwindet

Das Schweizer Startup Scewo will mit ihrem Elektrorollstuhl das Leben von Menschen mit eingeschränkter Mobilität revolutionieren.
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(c) Scewo: Der erste Rollstuhl, der selbstständig Treppen bewältigen kann.

Oft ist es nicht die Behinderung an sich, die Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen im Alltag einschränkt, sondern die Umwelt, die sie umgibt. Dazu gehören die zwei Stufen zum Lieblingsrestaurant oder die hohe Gehsteigkante vor der Haustüre. Der Elektrorollstuhl Scewo Bro soll diese Barrieren selbstständig überwindbar machen. 

Vom Uni-Projekt zum Startup

Die Idee entstand 2014 als Studierendenprojekt in Kooperation zwischen der Züricher ETH und der Hochschule der Künste. Nach neun Monaten war der erste fahrtüchtige Prototyp fertig. An dem Projekt arbeiteten die Gründer Bernhard Winter, Thomas Gemperle und Pascal Buholzer mit. Infolgedessen gründete das Trio das Unternehmen Scewo AG.

Ihr erklärtes Ziel ist es, eine Welt zu schaffen, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität selbstständig und flexibel entdecken können. “Wir sagen immer, wir bauen den Tesla unter den Rollstühlen”, sagt Bernhard Winter. Demgemäß soll der Scewo Bro die Rollstuhlindustrie aufmischen und ganz neue Maßstäbe setzen.

Funktion und Design vereint

Gerade Treppen meistert der elektrische Rollstuhl mit einem Raupenantrieb. Dabei bleibe der Sitz immer waagerecht und stabil positioniert, meint das Unternehmen. Die Steuerung des Geräts läuft über iPhone oder Steuerungskonsole mit Joystick. Auch äußerlich hat der Scewo Bro wenig mit herkömmlichen Rollstühlen gemeinsam, denn auch ein modernes Design spielt für die Gründer eine große Rolle.

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Modi, die unter anderem auch das Fahren auf unebenen Untergründen ermöglichen sollen. Außerdem gibt es einen Höhenverstellmodus. „Mit denselben Motoren, die wir bereits für das Treppensteigen benutzen, können wir den Sitz auf bis zu 87 Zentimeter Höhe hochfahren.” So erreichen Scewo-Benuter:innen zum Beispiel auch selbstständig die Produkte im obersten Supermarktregal oder können auf Augenhöhe mit ihren Mitmenschen sprechen.

Kommenden Montag ist das Schweizer Startup in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ zu sehen. Auch in dieser Folge: Iss doch Wurscht, Hackboe, HealthMe und Catlabs.

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v. l. n. r. Stefan Kampusch (AURIMOD GmbH), Leonardo Peikoff (KPMG), Daniela Haunstein, Nikolaus Futter (beide invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Christian Tauber (NEOALP), André Felker (backbone.one), Lea Krebs (fibionic GmbH), Michael Reip (openmaind) und Benjamin Behr (KPMG) | Foto beigestellt von KPMG

Der Austrian Tech Innovator wird von KPMG veranstaltet und soll österreichischen Startups und Scaleups eine Bühne vor Publikum aus Wirtschaft und Investor:innen bieten. Heuer ging der Sieg an die Aurimod GmbH. Das Unternehmen entwickelt ein tragbares Gerät zur Vagusnerv-Stimulation am Ohr, mit dem Schmerzen ohne Medikamente behandelt werden sollen.

„Unser Ziel ist, Betroffenen eine wirksame Ergänzung zu herkömmlichen Schmerzbehandlungen anzubieten. Mittels Vagusnerv-Stimulation am Ohr können Schmerzen wie beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Migräne oder akute postoperative Schmerzen nachhaltig behandelt werden“, erklärt Stefan Kampusch, CEO von Aurimod.

Seit Herbst letzten Jahres tritt das Unternehmen unter einer Doppelspitze auf: Manuel Leal Garcia, seit Mitte 2024 Head of Business Development, wurde zum Chief Commercial Officer und Co-Geschäftsführer neben Kampusch bestellt. Er verantwortet Vertrieb, Marketing und das internationale Geschäft, mit Fokus auf Deutschland, die Schweiz, Großbritannien sowie weitere europäische und nordamerikanische Märkte.

Ticket für den Global Tech Innovator

Mit dem Sieg hat sich Aurimod auch die Teilnahme am Global Tech Innovator gesichert. Dort tritt das Unternehmen gegen die Gewinner:innen der anderen teilnehmenden Länder an. Das internationale Finale findet zum sechsten Mal im Rahmen des Web Summit in Lissabon statt.

„Sichtbarkeit, ein starkes Netzwerk, professionelle Begleitung und ein klarer Blick auf den Markt können den entscheidenden Unterschied machen, um als Startup auch globale Reichweite zu erlangen“, sagt Benjamin Behr, Director im Bereich Advisory bei KPMG und Host des Abends.

Neoalp, fibionic und openmaind unter den Finalisten

Neben Aurimod standen vier weitere Unternehmen im Finale. Drei davon sind brutkasten-Leser:innen bereits bekannt:

Das Wiener Startup Neoalp entwickelt eine vendor-neutrale Operations-Plattform für industrielle humanoide Robotik. Anfang des Jahres berichtete brutkasten, wie das Startup Semperit bei der Einführung humanoider Roboter in der Fertigung unterstützt, gemeinsam mit Projektpartner Cancom.

Das Tiroler Startup fibionic aus Götzens setzt mit seinem patentierten Verfahren „fibionic fiber placement“ auf bionisch inspirierten Leichtbau: Fasern werden gezielt entlang realer Lastpfade ausgerichtet, das Vorbild sind Strukturen wie die Flügel einer Libelle. Im März holte sich das 2021 gegründete DeepTech-Startup drei Millionen Euro, angeführt von Redstone und Euregio+.

Das Grazer Startup openmaind arbeitet an einer KI-basierten Intelligence-Layer für industrielle Robotikprozesse. Die Software vernetzt autonome Transportroboter unterschiedlicher Hersteller in Produktionshallen und lässt sich per natürlicher Sprache steuern. Im Herbst 2025 stieg KaPa Ventures mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ein. Die Mitgründer Michael Reip und Christoph Zehentner hatten 2021 bereits ihr Unternehmen Incubed IT an Verizon verkauft.

Vierter Finalist war die backbone.one GmbH, die eine digitale Infrastruktur für erneuerbare Energie entwickelt und das Konzept „Energy-as-a-Currency“ verfolgt.

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