01.08.2025
ENERGIEWENDE

Scale-Energy-Gründer: „Größere Klarheit zum Benefit von Batteriespeichern fehlt in Österreich noch“

Die Energiewende braucht mehr als nur Sonnen- und Windkraft – sie braucht Speicher. Das Berliner Startup Scale Energy will mit Containerlösungen und Stromhandel genau diese Lücke schließen. Wir haben mit dem österreichischen Co-Founder und CEO Elias Aruna über seinen Werdegang und die nächsten Wachstumsschritte gesprochen.
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Elias Aruna | (c) Marcella Ruiz Cruz

Wenn Windparks in Norddeutschland nachts mehr Strom produzieren als Leitungen aufnehmen können, rutschen Großhandelspreise schon einmal ins Minus. Nur wenige Stunden später, wenn Fabriken in den Frühschichten anlaufen, schnellen die Preise in die Höhe. Für Elias Aruna ist genau diese Volatilität der Hebel, mit dem er sein Startup Scale Energy positioniert. „Wir nutzen die negativen Strompreise, laden dann und sparen den Kunden später bis zu vierzig Prozent ihrer Energiekosten“, erläutert er den Kern des Geschäftsmodells. 

Scale Energy stellt containerisierte Lithium‑Speicher direkt neben die Transformatoren von Industrieunternehmen, Gewerbeimmobilien und Logistikzentren. Weil dort bereits Anschlüsse mit zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig Megawatt Leistung vorhanden sind, entfällt der kostspielige Netzausbau, und die Speicher können in Sekunden­bruchteilen Energie aufnehmen oder abgeben. Wird Strom im Überfluss erzeugt – etwa mittags bei wolkenlosem Himmel –, lädt das System; wird er knapp, entlädt es. Den Betrieb übernimmt Scale Energy selbst, ebenso den Stromhandel. „Der Betrieb bekommt einen Teil der Ersparnis, die dadurch entsteht“, fasst Aruna das Modell “Storage‑as‑a‑Service” zusammen. 

Wurzeln in der Steiermark

Die Geschichte beginnt im steirischen St. Jakob im Walde: Aruna verbringt in seiner Jugend viel Zeit auf einem Bauernhof, macht früh den Traktorführerschein und verinnerlicht dabei ein Prinzip: Es gibt immer etwas, das kaputtgehen kann – also lernt man zu improvisieren. Auch seine ersten Berührungen mit erneuerbaren Energien hat er dort: Auf dem Dach des Hofes wird bereits eine Photovoltaikanlage betrieben, die zwar nicht jedes Stromproblem löst, aber Neugier weckt.

Elias Aruna | (c) Marcella Ruiz Cruz

An der Wirtschaftsuniversität Wien studiert Aruna „Business and Economics“ und meldet sich 2021 gemeinsam mit Kommiliton:innen zur Business‑Case‑Challenge der eXplore!-Initiative an. Im Zuge des Wettbewerbs entwickelt er einen Plan, wie sich für das börsennotierte Unternehmen Montana Aerospace binnen weniger Jahre 100 Millionen Euro in einem neuen Geschäftsfeld erwirtschaften lassen. Arunas Team gewinnt – er schwärmt bis heute von der Initiative, denn sie habe ihm gezeigt, „wie unternehmerischer Erfolg an den Kapitalmärkten gedacht wird“. 

Aufstieg bei Montana Tech Components

Das Siegerprojekt öffnet eine Tür zu Montana Tech Components. Im M&A‑Team des Schweizer Industriekonglomerats analysiert Aruna Beteiligungen von Varta bis Montana Aerospace, schreibt seine Abschlussarbeit über die Internationalisierung mittelständischer Betriebe und lernt eine Unternehmenskultur kennen, die er als „sehr dynamisch, sehr schnelle Umsetzung“ charakterisiert.  Die Monate in Zürich und Wien zeigen ihm, wie Kapital, Technologie und Produktion zusammenspielen – eine Blaupause für das, was später Scale Energy werden soll.

Warum Berlin statt Wien?

Gründen möchte Aruna ursprünglich in Österreich. Doch als er Anfang 2023 Kapital sucht, findet er dort keinen Venture‑Fund, „der den ersten Schritt gemacht hat“.  Also zieht er nach Berlin, wo ein Accelerator das erste Seed‑Ticket in Aussicht stellt. In der deutschen Hauptstadt formiert sich das Gründertrio: Kindheitsfreund Christoph Kössler steuert Vertrieb und Kundenakquise; Co-Founder Nikolas Fendel entwickelt das technische Back‑End; Aruna selbst verantwortet Strategie, Finanzierung und den Stromhandel. Das Team passe „komplementär“ zusammen, erzählt er.

Wachstum ohne Umweg

Im ersten Jahr akquiriert Scale Energy rund zweihundert Projektstandorte – zusammen neunhundert Megawatt geplanter Speicherleistung.  Im Feber  2025 führt Climentum Capital gemeinsam mit Vireo Ventures eine siebenstellige Seed‑Runde an (brutkasten berichtete). Seit dem Closing, so Aruna, habe man „die Pipeline mehr als verdoppelt“; selbst eine Fabrik in Argentinien hätte über einen spanischen Industrie-Newsletter angefragt. 

Die Ambitionen sind messbar: Bis Sommer 2025 soll die Pipeline auf ein Gigawatt ausgebaut sein, bis Jahresende auf zwei Gigawatt.  Parallel dazu will Scale Energy die ersten eigenen Anlagen Anfang 2026 in Betrieb nehmen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen fünfzehn Mitarbeitende. Die Container für die Pilotanlagen sind bestellt, und die Netzanschlüsse mehrerer deutscher Automobilhersteller dienen als erste Testfelder.

Regulatorik als Wachstumsbremse – und Chance

Trotz des Tempos warnt Aruna vor einem strukturellen Hemmschuh: Deutschland sei „ein bisschen bewusster für das ganze Thema und auch schon weiter“ als Österreich, wo „größere Klarheit zum Benefit von Batteriespeichern“ fehle.  Er stört sich vor allem an den Netzentgelten: „Batteriespeicher müssen Netzentgelte zahlen, während Pumpspeicherkraftwerke sehr, sehr niedrige Netzentgelte zahlen.“  Diese Ungleichbehandlung schmälere den wirtschaftlichen Anreiz, obwohl beide Technologien dieselbe Systemdienstleistung erbringen.

Seine Forderung: Anträge für Speicher, die auf bestehenden Industriestandorten errichtet werden, sollten priorisiert werden, denn dort liege das Netzkabel bereits, „ohne dass neue Kosten für das System entstehen“.  Gelänge das, könnte die Alpenrepublik von ihrer Wasserkraftgrundlast und den wachsenden PV‑Kapazitäten profitieren, ohne das Risiko von Blackouts.

Charakter zwischen Improvisation und Kalkül

Wer Aruna im Gespräch erlebt, merkt schnell: Der 25‑Jährige argumentiert selten mit Hype‑Vokabular. Stattdessen fällt immer wieder das Wort „Flexibilität“. Das Stromsystem, sagt er, brauche sie, „weil das die Realität der heutigen Energieproduktion ist“.  Die Bodenständigkeit seiner Kindheit am Bauernhof prägte ihn ebenso wie die Börsenperspektive aus der Montana‑Zeit: Gute Ideen müssten sich „entwickeln und verändern“, sobald der Markt spreche. 

In der Praxis bedeutet das, dass Scale Energy nicht nur Hardware verkauft, sondern ein Finanz‑ und Betriebsmodell liefert. Der Standortpartner bezahlt keinen Cent für den Speicher, sondern stellt lediglich Fläche und Anschluss zur Verfügung. Aus den Einsparungen und Markt­erträgen erhält er einen prozentualen Anteil. Der Rest fließt an Scale Energy. So entsteht ein Dreieck aus Industrie, Technologie‑Plattform und Kapital – eine Struktur.

Ausblick auf Gigawatt‑Dimensionen

Bis Ende 2025 will Scale Energy so viel Pipeline gesichert haben, dass in Mitteleuropa rechnerisch das Äquivalent eines großen Gaskraftwerks ersetzt werden könnte. 2026 sollen die ersten Container nicht nur Kosten senken, sondern auch Sekundärregelleistung abrufen, um das Netz in Millisekunden zu stabilisieren.

Aruna richtet den Blick bereits darüber hinaus: Sobald das Betriebsmodell in Deutschland funktioniert, will er in weitere Länder expandieren – neben der österreichischen Heimat, später in sonnen‑ und windintensive Märkte Südeuropas. Voraussetzung ist jedoch ein regulatorischer Rahmen, der Batteriespeicher nicht länger wie gewöhnliche Verbraucher behandelt, sondern als Teil der Systeminfrastruktur anerkennt.


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Eine Auswahl an Speaker:innen von brutkasten MOMENTUM

Am 5. November öffnet das Wiener Palais Berg seine Türen für eine Premiere: Erstmals findet brutkasten MOMENTUM statt, das neue Flagship-Innovationsevent von brutkasten. Rund 300 kuratierte Gäste aus der Startup-, Investment- und Innovationsszene kommen zusammen – invite only, ohne Ticketverkauf und ohne Messestände. Der Anspruch: Gespräche zwischen Menschen, die man sonst selten gemeinsam in einem Raum antrifft.

Genau darin liegt die Stärke von brutkasten und MOMENTUM. Gründer:innen, Investor:innen, Corporate-Entscheider:innen sowie Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft begegnen einander hier auf Augenhöhe – ein Netzwerk, wie es in Österreich nur selten so geballt zusammenkommt. Die Türen öffnen um 14:30 Uhr, danach führt ein hochkarätiges Bühnenprogramm durch den Nachmittag, ehe der Tag mit der Verleihung des Innovator of the Year seinen feierlichen Höhepunkt erreicht.

Zwei Formate unter einem Dach

MOMENTUM und der Innovator of the Year sind zwei eigenständige Formate, die an diesem Tag unter einem Dach zusammenfinden: Ab 15:30 Uhr gehört die Bühne den Panels und Keynotes, am Abend folgt im Rahmen von MOMENTUM die feierliche Award Ceremony, bei der brutkasten die innovativsten Köpfe des Landes vor den Vorhang holt. Über allem steht eine Frage, die das gesamte Ökosystem beschäftigt: Was braucht es, damit aus guten Ideen richtig große Unternehmen werden?

Hochkarätiges Lineup für Österreichs exklusivstes Innovationsevent

Antworten darauf liefern jene, die es wissen müssen: Auf der Bühne treffen Gründer:innen, die es geschafft haben, auf Investor:innen und Konzernlenker:innen, die den Wandel vorantreiben. Etwa Julian Teicke: Der Seriengründer hat als CEO das Insurtech wefox zum Unicorn gemacht und ist heute Founding Investor bei The Delta. Gemeinsam mit Codesphere-Gründer Elias Schneider, der eine europäische Alternative zu den US-Hyperscalern aufbaut, geht er der Frage nach, ob man für echtes Wachstum in die USA muss – oder ob Europa selbst skalieren kann.

Ganz persönlich wird es im Kamingespräch mit Damian Izdebski. Wie nur wenige in der heimischen Szene hat der techbold-Gründer die Höhen und Tiefen des Unternehmertums erlebt. Er erzählt, was er nach Pleite und Neustart beim zweiten Mal anders gemacht hat, bis hin zum erfolgreichen Exit. Für den krönenden Abschluss des Bühnenprogramms sorgt Sarah Buchner, Gründerin und CEO von Trunk Tools, mit ihrer Keynote zu Risiko und Mut. Zwei Eigenschaften, die am Abend auch bei der Award Ceremony im Mittelpunkt stehen.

Dazwischen bildet das Programm die ganze Bandbreite des Ökosystems ab: Alexander Brix (fonio.ai) und Petra Dobrocka (byrd) sprechen über die Schlüsselmomente beim Skalieren, Business Angel Felix Porsche und Stiftungsvorstand Johannes Braith (RMF Privatstiftung, Franziska Fries Privatstiftung) über Familien- und Stiftungsgeld für Startups, Gerhard Schwarz (Swarovski), Matthias Leibetseder (WaVe-X) und Michael Harnisch (BCG) darüber, wie aus Innovation in etablierten Unternehmen tatsächlich neues Geschäft wird. Matthias Fukac (CeLLAI) und Andreas Gruber (NT-X Technology) rücken bahnbrechende Technologien made in Austria ins Rampenlicht.

Innovator of the Year: die Bühne für Österreichs Innovator:innen

Um 19:15 Uhr wird es feierlich. Mit dem Innovator of the Year holt brutkasten heuer bereits zum sechsten Mal die innovativsten Köpfe des Landes vor den Vorhang. Vergeben wird der Award in drei Kategorien: Startups, Scaleups und Corporate Innovation. Die Nominierten hat die brutkasten-Redaktion in einem sorgfältigen Auswahlprozess bestimmt, über die Sieger:innen hat die Community per Voting entschieden. Die Eröffnungsrede zur Verleihung hält Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.

Nach der Verleihung ist der Abend noch lange nicht vorbei: Beim anschließenden Networking bleibt bei Drinks Zeit, mit den Gewinner:innen anzustoßen, die Gespräche des Nachmittags weiterzuführen und neue Kontakte zu knüpfen.

10 Tickets zu gewinnen

Wer noch keine Einladung hat, kann trotzdem dabei sein: brutkasten verlost 10 Tickets für MOMENTUM und die Innovator of the Year Award Ceremony.


Möglich gemacht wird MOMENTUM von unseren Partner:innen BCG, Polestar, der Österreichischen Notariatskammer, der St. Martins Therme & Lodge und dem Science Park Graz.

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