Wiener Startup übernimmt Mitbewerber aus Deutschland mit über 800 Dolmetscher:innen
Das Wiener Startup SAVD Videodolmetschen übernimmt den Münchner Anbieter für Telefondolmetschen LingaTel. Künftig sollen beide Unternehmen unter der SAVD Holding operieren.
Ursprünglich aus einem wissenschaftlichen Pilotprojekt entstanden, wurde die SAVD Videodolmetschen GmbH 2014 in Wien gegründet. Die Idee dahinter: Sprachbarrieren sollten über einen Pool an zertifizierten Videodolmetscher:innen überwunden werden. Die Plattform für Remote-Dolmetschen fand zunächst im Gesundheitsbereich Anwendung und wurde später auf andere Bereiche ausgedehnt.
SAVD Expansion und Investment
Mittlerweile kommt die Anwendung aus Wien neben Krankenhäusern und Arztpraxen auch in Frauenhäusern oder im Gerichtsaal zur Anwendung. Das Unternehmen bezeichnet sich im Bereich des Videodolmetschens als Marktführer in Österreich und Deutschland. 2023 gab das Unternehmen an, über einen Pool von 300 zertifizierten Dolmetscher:innen zu verfügen (brutkasten berichtete).
Bereits 2022 konnte SAVD ein Investment in Höhe von drei Millionen Euro an Land ziehen. Damals beteiligte sich Impact Partners mit einer Mehrheit am Wiener Unternehmen (brutkasten berichtete). Impact Partners verfügt laut eigenen Angaben über ein verwaltetes Vermögen von rund 350 Millionen Euro und Standorte in Paris, Frankfurt, Kopenhagen und Barcelona.
Übernahme von LngaTel aus München
Nach dem Einstieg von Impact Partners im Jahr 2022 stärkt SAVD nun seine Marktposition mit der Übernahme des Mitbewerbers LingaTel aus München. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Der Pool von LingaTel beläuft sich auf über 800 ausgebildete Dolmetscher:innen.
Durch die Übernahme von LingaTel werden beide Unternehmen unter dem gemeinsamen Dach der SAVD Holding operieren. Bereits jetzt führen Lingatel und SAVD zusammengerechnet über 30.000 Dolmetschungen pro Monat durch.
„LingaTel hat wie wir viele Jahre Erfahrung im Bereich Video- und vor allem Audiodolmetschen. Das Team von LingaTel wird uns mit seiner Expertise stärken und unsere Kapazitäten erweitern“, so Gregory Heckl, CEO von SAVD Videodolmetschen und Geschäftsführer der SAVD Holding.
Der European Venture Sentiment Index von Venionaire für das 2. Quartal 2026 zeigt wieder einmal: Es ist anders gekommen, als erwartet. Dabei passen die harten Zahlen aktuell nicht unbedingt mit der Stimmung zusammen.
Der European Venture Sentiment Index von Venionaire für das 2. Quartal 2026 zeigt wieder einmal: Es ist anders gekommen, als erwartet. Dabei passen die harten Zahlen aktuell nicht unbedingt mit der Stimmung zusammen.
„Für das zweite Quartal könnten die Vorzeichen kaum schlechter stehen“, zitierte brutkasten Venionaire im April zur Veröffentlichung des European Venture Sentiment Index für das erste Quartal. Doch – wie so oft – kam es dann doch anders. Die im ersten Quartal durch den Angriff der USA auf den Iran hervorgerufene Krise schlug sich nämlich – anders als etwa die Krise nach Beginn des Ukraine-Kriegs – nicht auf die Risikokapital-Volumina nieder.
Die Zahlen sahen laut Venionaire-Analyse im zweiten Quartal nämlich gut aus: Die Gesamtinvestitionen am europäischen Risikokapitalmarkt nahmen weiter zu und erreichten mit 29 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekord. Weiters konnte auch die reine Deal-Anzahl um rund fünf Prozent auf 965 Deals gesteigert werden.
Dennoch sind die für den quartalsweisen Index befragten Investor:innen nicht in Jubelstimmung. Der Indexwert liegt mit 4,8 knapp unter der neutralen Marke 5. Er ist damit besser als der Wert im Vorquartal und besser als der für das Quartal erwartete Wert (siehe Grafik), aber immer noch nicht positiv. Auch die Erwartung für das kommende Quartal ist mit 4,4 wieder schlechter. „Die Zahlen zeichnen ein positiveres Bild als die Stimmung. Investor:innen sind weiterhin zurückhaltend und warten mit Investments“, analysiert Berthold Baurek-Karlic, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Venionaire Capital AG.
(c) Venionaire Capital
Man erkenne eine leichte Stabilisierung, so Baurek-Karlic weiter zum Index-Wert. „Zwar erwarten Investor:innen mehr Aktivität und Wettbewerb im dritten Quartal, doch die großen Sorgen rund um geopolitische Spannungen und handelspolitische Unsicherheit sind aber weiterhin da.“ Es verwundere also nicht, dass der erwartete Index-Wert lediglich 4,4 betrage. Investor:innen würden kurzfristig ohne verlässlichen Ausblick auf die kommenden Quartale agieren, meinen die Analysten von Venionaire Capital.
DeepTech im Vorteil
Und langfristig könnte sich eine Veränderung der Investitionskriterien abzeichnen, erwarten die Analysten. Effizienz und Produktdifferenzierung würden zunehmend als Grundvoraussetzungen gelten. In den Mittelpunkt rücke stattdessen die Frage, ob ein Unternehmen über einen dauerhaft verteidigungsfähigen Wettbewerbsvorteil verfüge. „Investoren hinterfragen verstärkt, ob KI-basierte Produkte tief in Infrastruktur und Arbeitsabläufen verankert sind oder lediglich auf bestehenden Basismodellen aufsetzen. Geschäftsmodelle, deren Kernfunktion kurzfristig von einem großen KI-Anbieter in dessen Plattform integriert werden könnte, werden entsprechend kritischer bewertet“, so Baurek-Karlic.
Davon würden insbesondere Bereiche mit höheren technologischen und physischen Eintrittsbarrieren profitieren, darunter DeepTech, Biotechnologie, Hardware, Robotik und fortschrittliche Fertigung. „Vielleicht stehen wir vor einem goldenen Zeitalter der DeepTech-Unternehmen“, mutmaßt der Venionaire-Gründer.
Größte Runden und stärkste Länder
Diese Erwartungen würden sich in den Top-Investments des zweiten Quartals widerspiegeln: Mit Eurowind Energy (2,3 Mrd. US-Dollar, Energie- und Abfallwirtschaft), Isomorphic Laboratories (2,1 Mrd. US-Dollar, KI-Biotechnologie) und Stegra (1,6 Mrd. US-Dollar, erneuerbare Energien) seien die größten Finanzierungsrunden an Unternehmen gegangen, die nicht einfach vom Markt verdrängt werden können. Im europäischen Risikokapital-Länderranking führte einmal mehr das Vereinigte Königreich (12,3 Mrd. US-Dollar) überlegen vor Deutschland (3,6 Mrd. US-Dollar) und – überraschend dank Eurowind Energy – Dänemark (3 Mrd. US-Dollar).
(c) Venionaire Capital
Und wie geht es weiter? Baurek-Karlic analysiert: „Der Risikokapitalmarkt befindet sich momentan im Wandel. Investor:innen sind bereit, mehr Kapital zur Verfügung zu stellen, wollen dafür aber auch ein gewisses Maß an Sicherheit. Auch im dritten Quartal werden es etabliertere Unternehmen mit einem felsenfesten Geschäftsmodell leichter haben.“
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