19.01.2016

Expansion: 3 Millionen für Videodolmetsch-Startup SAVD

SAVD vermittelt Dolmetscher für Menschen, die zum Arzt müssen, aber nicht Deutsch sprechen. Mit frischem Kapital gehen sie nun die Internationalisierung an. CTO Peter Merschitz erzählt dem Brutkasten exklusiv von den Expansionsplänen.
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SAVD sorgt dafür, dass jeder Patient seine Diagnose versteht.

Ein Arzt kann seine Patienten nur dann erfolgreich beraten, wenn er mit diesen auch kommunizieren kann. Das ist nicht so einfach, wenn der Patient der deutschen Sprache nicht mächtig ist. SAVD löst dieses Problem, indem per Videotelefonie ein Dolmetscher zum Arztgespräch hinzu geschaltet wird. Dieser übersetzt erst das Problem des Patienten und dann die Diagnose des Arztes. Das Startup mit Sitz in Wien garantiert, dass man innerhalb von zwei Minuten einen Übersetzer erreicht.

„Wir haben 750 ausgebildete Dolmetscher, die innerhalb von 120 Sekunden verfügbar sind und decken 45 Sprachen ab“, so CTO Peter Merschitz. Erst im Dezember erzählte er dem Brutkasten, dass SAVD als Sieger einer Ausschreibung einen Auftrag in der Höhe von 30 Millionen Euro abschließen konnte.

+++ 30 Mio Euro Ausschreibungsvolumen für Wiener Startup SAVD +++

3 Millionen Euro für SAVD

Nun erzählt Merschitz dem Brutkasten exklusiv von der Beteiligung durch den Manz Verlag in der Höhe von 10% am Unternehmen. Insgesamt drei Millionen Euro sollen zusammen mit einem Expansionsdarlehen vom AWS die nun anstehende Expansion vorantreiben. „Wir haben vor circa einem halben Jahr zu reden begonnen. Das Grundvertrauen war von Anfang an da, auch die Philosophie und die Art und Weise, wie man Geschäfte betreibt, passt zu uns“, erklärt Merschitz. Manz möchte überdies verstärkt im IT Bereich wachsen.

Manz bringe neben Kapital vor allem Know-How im rechtlichen Bereich ein. „Wir können auf breite Ressourcen zurück greifen wie Anwälte oder Antworten darauf, wie man den Schritt von einem kleinen zum mittleren Unternehmen meistert.“ Operativ wird sich Manz allerdings nicht einbringen.

(c) SAVD Videodolmetscher: Dr. Peter Merschitz
(c) SAVD Videodolmetscher: Dr. Peter Merschitz

Expansion nach Deutschland

Mit 2016 geht man nun die Nachbarländer an: „Wir verwenden das Geld, um in Deutschland flächendeckend präsent zu sein und planen noch im Jahr 2016 nach Skandinavien, Benelux, Frankreich und Italien zu expandieren.“ Im April und Mai startet man dazu die Beta-Phase mit ausgewählten Partnern im Ausland.

Trotzdem wird das Office in Wien bleiben. Zumindest was die Verwaltung und den Sales betrifft. Hier werde man in Zukunft auch noch weiter aufstocken.

 

 

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V.l.: Philipp von Lattorff, Johanna Pirker, Georg Kopetz und Dietrich Haubenberger bilden die Arbeitsgruppe
V.l.: Philipp von Lattorff, Johanna Pirker, Georg Kopetz und Dietrich Haubenberger bilden die Arbeitsgruppe "Science to Business" von Forwit | (c) Johannes Zinner

Die Verhandlungen zur gemeinsamen europäischen Gesellschaftsform EU Inc. bewegen sich langsam auf die Zielgerade zu. Mitsprache haben dabei nicht nur die EU-Kommission, die bereits im März ihren Entwurf vorlegte, und das EU-Parlament, das letztlich über das Regelwerk abstimmen wird, sondern auch der Rat der EU, also die Regierungen der Mitgliedstaaten. In der zweiten Reihe machen zudem einige mächtige Interessensvertretungen, etwa mehrere nationalstaatliche Notariatsverbände, ihren Einfluss geltend.

Eines zeichnet sich dabei bereits klar ab: Die Verhandlungen laufen auf einen Kompromiss hinaus, wie brutkasten bereits analysierte. Bereits der Kommissionsentwurf war eine im Vergleich zu den ursprünglichen Forderungen der im Startup-Umfeld formierten Initiative „EU-INC“ abgespeckte Version. Dass es in den Verhandlungen zu Abänderungen im Sinne der Initiative kommt, ist höchst unwahrscheinlich. Vielmehr stehen Streichungen zentraler Punkte im Raum, die für die Initiative zum Kern des Vorhabens zählen.

„Once in a generation-Chance für Österreich und Europa“

Diese adressiert nun auch die Arbeitsgruppe „Science to Business“ des österreichischen Rats für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (Forwit) in einem offenen Brief an mehrere österreichische Regierungsmitglieder. Der Arbeitsgruppe gehören TTTech-Gründer Georg Kopetz, Informatik-Professorin Johanna Pirker, Neurologe Dietrich Haubenberger und Philipp von Lattorff, Aufsichtsratsvorsitzender des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna, an.

Die EU Inc. sei eine „once in a generation-Chance für Österreich und Europa“, heißt es im offenen Brief. Während die Bundesregierung mit der strategischen öffentlichen Beschaffung und der Errichtung eines Dachfonds bereits zwei „kritische Schwachstellen“ im Wissenstransfer in Österreich angehe, könne dies gemeinsam mit der EU mit der EU Inc. auch beim Thema Skalierung „schlagkräftig“ gelingen.

Regierung soll sich für zentrales Handelsregister und Mitarbeiter:innenbeteiligung einsetzen

Zwei aus Sicht von Forwit dafür maßgebliche Elemente der EU Inc., nämlich ein zentrales europäisches Handelsregister und eine standardisierte Mitarbeiter:innenbeteiligung, würden aber aktuell drohen, im Zuge der Verhandlungen gestrichen zu werden. Ersteres brauche man, damit es sich bei der EU Inc. tatsächlich um einen europäischen Standard handle, zweiteres, damit europäische Wachstumsunternehmen im Wettbewerb um Talente bestehen könnten. Zudem betont die Forwit-Arbeitsgruppe auch die Möglichkeiten, die die neue Gesellschaftsform KMU im Allgemeinen bieten könne.

Entsprechend fordert sie die Regierungsmitglieder im offenen Brief konkret dazu auf, sich in den Verhandlungen für das zentrale Handelsregister und die Mitarbeiter:innenbeteiligung einzusetzen, ebenso wie für die freie Wahl des Registrierungssitzes, den Zugang für alle Unternehmen und die Geltung des lokalen Arbeits- und Steuerrechts. Und zudem „die EU Inc. als Bestandteil der Umsetzung der Industriestrategie 2035 zu erachten und in der Folge entsprechend mitzugestalten.“ Man stehe den Adressat:innen und der gesamten Bundesregierung „für eine Vertiefung und Begleitung der österreichischen Position selbstverständlich zur Verfügung.“

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