10.09.2025
REUSETEX

Saubermacher aus der Steiermark entwickelt KI-gestütztes Sortiersystem für Alttextilien

Sau­ber­ma­cher ar­bei­tet ge­mein­sam mit For­schungs­part­nern aus In­dus­trie und Wis­sen­schaft an der Ent­wick­lung ei­nes au­to­ma­ti­sier­ten und KI-ge­stütz­ten Sor­tier­sys­tems für Alt­tex­ti­li­en. Mit­hil­fe von Künst­li­cher In­tel­li­genz und Ro­bo­tik sol­len wie­der­ver­wend­ba­re Klei­dungs­stü­cke von Re­cy­cling­wa­re ge­trennt wer­den.
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Saubermacher
© Saubermacher

Das steirische Unternehmen Saubermacher hat 2023 eine niedrige sechsstellige Summe in einen neuen Standort in Graz-Puntigam investiert – brutkasten berichtete. Nun arbeitet man gemeinsam mit der TU Graz, dem AIT Aus­tri­an In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy, dem stei­ri­schen Technologieunternehmen Knapp, Bern­hard Bin­der Me­cha­tro­nics & Au­to­ma­ti­on und Re­so­lut Consul­ting an einem au­to­ma­ti­sier­ten und KI-ge­stütz­ten Sor­tier­sys­tem für Alt­tex­ti­li­en. Ziel ist ei­ne effizi­en­te­re und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Sor­tie­rung. So sol­len wert­vol­le Roh­stof­fe län­ger im Kreislauf ge­hal­ten wer­den. Das Ge­samt­vo­lu­men für das For­schungs­pro­jekt „ReU­se­Tex“ be­trägt 1,7 Millionen Eu­ro.

Saubermacher: „Zweites Leben“

Im Sau­ber­ma­cher „Tech­ni­kum“ in der Gra­zer Puch­stra­ße wer­den Alt­tex­ti­li­en zu­nächst mit­tels KI ana­ly­siert und klas­si­fi­ziert. Gut er­hal­te­ne Alt­klei­der sol­len au­to­ma­tisch der Wie­der­ver­wen­dung, be­schä­dig­te Tex­ti­li­en ei­nem mög­li­chen Re­cy­cling zu­ge­führt wer­den. Der ma­nu­el­le Sor­tier­auf­wand soll ge­senkt, ein zwei­tes Le­ben, et­wa für Ho­sen oder T-Shirts, er­mög­licht wer­den.

Dank De­ep-Learning-Al­go­rith­men wird das Ver­fah­ren schritt­wei­se im lau­fen­den Pro­zess op­ti­miert. Ziel ist es, ein ska­lier­ba­res Sor­tier­sys­tem zu ent­wi­ckeln, das als Grund­la­ge für künf­ti­ge in­dus­tri­el­le An­wen­dun­gen dient. Da­mit wollen die Part­ner ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Re­duk­ti­on von Textilabfällen und zur Res­sour­cen­-Scho­nung leisten.

EU-weit 5 Mio. Tonnen an Kleidung jährlich entsorgt

EU-weit wer­den laut Eu­ro­päi­scher Kom­mis­si­on jähr­lich rund fünf Mil­lio­nen Ton­nen an Klei­dung ent­sorgt. Nur ein Pro­zent da­von wird dem Re­cy­cling zu­ge­führt. „Seit der Grün­dung von Sau­ber­ma­cher ist es un­ser An­spruch, mit in­no­va­ti­ven Lö­sun­gen Res­sour­cen zu scho­nen und Kreis­läu­fe zu schlie­ßen“, sagt Hans Roth, Sau­ber­ma­cher-Grün­der. „Mit ReU­se­Tex ge­hen wir ei­nen wich­ti­gen Schritt in Rich­tung nach­hal­ti­ge Tex­til­wirt­schaft. Ge­mein­sam mit star­ken Part­nern ent­wi­ckeln wir Sys­te­me, die Ef­fi­zi­enz und Trans­pa­renz er­hö­hen und so den Weg für ei­ne le­bens­wer­te Um­welt ebnen.“

As­trid Arn­ber­ger, Lei­te­rin For­schung & Ent­wick­lung bei Sau­ber­ma­cher, weiß, dass sich in den letz­ten 15 Jah­ren die Tex­til­pro­duk­ti­on ver­dop­pelt hat, wäh­rend die Le­bens­dau­er von Klei­dung stark ge­sun­ken ist. „Welt­weit ent­ste­hen so jähr­lich rund 114 Mil­lio­nen Ton­nen Tex­til­ab­fäl­le – zu­gleich wächst das In­ter­es­se an Se­cond-Hand-Mo­de. Sau­ber­ma­cher ent­wi­ckelt in­no­va­ti­ve Tech­no­lo­gi­en, um als ver­läss­li­cher Part­ner den Wan­del zu ei­ner kreis­lauf­ori­en­tier­ten Mo­de­bran­che pro­ak­tiv mitzu­ge­stal­ten“, sagt sie. Das Pro­jekt ReU­se­Tex wird aus Mit­teln des BMI­MI und der FFG ge­för­dert.

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Korbinian Kasinger will mit kW-Solutions "zum SAP für die Logistik" werden. | Foto: Paul Gruber

Eine große Gründungsvision stand am Anfang nicht. Nach dem Studium stieg Kasinger in die Unternehmensberatung ein und arbeitete viel in Deutschland, unter anderem an einem Strategieprojekt für einen großen deutschen Automobilkonzern. Dort kam er erstmals intensiv mit der Automobilwirtschaft in Berührung, eine Zeit, die ihn fachlich prägte. Mit der Zeit reifte der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen. Gemeinsam mit einem Freund aus Innsbruck setzte er ihn um: Benjamin Walch brachte den technischen Hintergrund mit, Kasinger das Betriebswirtschaftliche. Am 3. September 2021, einen Tag vor seinem 29. Geburtstag, trugen die beiden ihr Unternehmen ein. Das Thema: Ladestationen.

Vom Projektgeschäft zum Software-Unternehmen

Der erste Ansatz war B2C, ein Bundle aus Hardware, Förderabwicklung und Installation. Kasinger erkannte früh das größere Potenzial im wiederkehrenden Geschäft, drehte Richtung B2B und ins Betreiben von Ladepunkten. Große Kund:innen kamen rasch: Magna, die Falkensteiner Hotelgruppe, Casinos Austria sowie der Lebensmittelhändler HOFER – allesamt darf kW-Solutions mit einer Vielzahl an Ladepunkten im In- und Ausland, betreuen.

Der eigentliche Hebel lag in der eigenen Software. Mit „Charly“ baute kW-Solutions einen intelligenten Energiemanager, der Ladeinfrastruktur, Fahrzeuge, Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemärkte zu einem System verbindet. Elektromobilität soll so nicht isoliert, sondern wirtschaftlich, skalierbar und netzdienlich betrieben werden, indem jede Kilowattstunde zum günstigsten Zeitpunkt verladen wird, bis hin zu negativen Strompreisen, bei denen Laden zwischenzeitlich Geld zurückbringen kann. Im Wohnbau, für Kasinger ein „gigantischer Markt“, ist das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen Marktführer, mit rund 10.000 vorgerüsteten Stellplätzen und etwa 30 verkauften Projekten allein im ersten Halbjahr 2026. „Mittlerweile sage ich: Wir sind ein Software-Unternehmen.“

Vom Pkw bis zum schweren Lkw: kW-Solutions bündelt Ladeinfrastruktur und Energiemanagement auf einer Plattform. | Foto: Paul Gruber

„Charge with Friends“ und die Wette auf die Logistik

Aus dem Wohnbau heraus stieß das Team auf einen Markt mit höherem Puls: die Transportwirtschaft. Daraus entstand „Charly Transportation“, aufgesetzt auf drei Säulen: Sicherheit über einen lokalen Controller, Optimierung über aktives Flottenmanagement und Vernetzung über die Plattform „Charge with Friends“. Dort öffnen Transportunternehmen ihre Depot-Ladeinfrastruktur gegenseitig, bestehende Anlagen werden besser ausgelastet, und statt 50 Cent aufwärts laden Branchenkolleg:innen zu 30 bis 40 Cent netto, nahe an der Preisparität zum Diesel. Entwickelt wurde das Produkt in nur rund drei Monaten. Bis Jahresende will kW-Solutions ganz Österreich abdecken. „Wir haben einen Nerv der Zeit getroffen, zu hundert Prozent“, sagt Kasinger.

Das Potenzial ist groß: Von rund 75.000 schweren Nutzfahrzeugen in Österreich ist erst etwas mehr als ein Prozent vollelektrisch, bei Neuzulassungen sind es bereits rund zwölf Prozent. Kasinger denkt entsprechend weit: „Ich glaube, wir werden, hinsichtlich wechselseitiger Integrationstiefe sowie Relevanz, in 2 bis 3 Jahren zum SAP für die Logistik.“ Den deutschen Markt geht er strategisch an, gesteuert vom neuen Münchner Standort. Für 2026 erwartet er 60 bis 70 Prozent Umsatzwachstum auf rund vier bis viereinhalb Millionen Euro. Auch beim bidirektionalen Laden meldet das Unternehmen einen Erfolg: den nach eigenen Angaben ersten erfolgreichen V2G-Test im Netzgebiet der Wiener Netze.

Antrieb und Haltung

Anerkennung gab es zuletzt reichlich: den brutkasten „Innovator of the Year 2025″, einen Umweltpreis als Jungunternehmen des Jahres und eine Auszeichnung auf einer großen Immobilienmesse in München. Mit 20 Mitarbeitenden und einem Management-Team rund um CCO Matthias Moldaschl ist die Führung breit aufgestellt. Kasinger weiß genau, wo seine Stärken liegen: im schnellen Gespür für den Markt und in der Beharrlichkeit, Dinge auf den Boden zu bringen. Wichtig ist ihm eine Kultur, in der sich Aufrichtigkeit und Wertschätzung überlappen.

Würde er noch einmal in Österreich gründen? „Ja, ganz klar. Ich fühle mich Österreich sehr verbunden.“ Seine Mission liegt eine Ebene höher: den Strommarkt zu dynamisieren, Nachfrage und Angebot digital in Einklang zu bringen, smarte Netze statt reinem Netzausbau. Die Grundfrage sieht er als entschieden: „Wir haben uns als Gesellschaft darauf verständigt, dass Strom der primäre Energieträger der Zukunft ist. Das läuft schon.“ Es ist dieselbe Haltung, die ihn von Anfang an trägt: einmal entschieden, dann dranbleiben.


Disclaimer: Dieses Porträt entstand im Rahmen des Innovator of the Year 2025.

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