31.03.2025
TRUNK TOOLS

Sarah Buchner: „Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der es negativ gesehen wird, Risiko zu nehmen“

Sarah Buchner gab ihre Konzernkarriere in Österreich auf, um in den USA zu gründen. Für ihr KI-Startup holte sie 30 Mio. Dollar Kapital – und will jetzt die Baubranche aufmischen.
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Sarah Buchner, Gründerin und CEO von Trunk Tools
Trunk-Tools-Gründerin Sarah Buchner | Foto: Trunk Tools

Dieser Text über Sarah Buchner und Trunk Tools ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von März 2025 “Hoch hinaus” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Mit 19 war sie als Bauleiterin bereits für 50 Personen verantwortlich, mit Mitte 20 war sie Führungskraft bei der Strabag und auf dem besten Weg, eine steile Konzernkarriere zu machen – doch Sarah Buchner entschied sich dagegen und ging in die USA. Nach einem MBA in Stanford gründete sie 2021 das Startup Trunk Tools, das mit künstlicher Intelligenz die Baubranche verändern will. Investoren steckten in zwei Finanzierungsrunden insgesamt 30 Millionen Dollar in das Unternehmen mit Sitz in New York. Mit dem Kapital will die heute 33-jährige Buchner nun in den „Hypergrowth-Modus“ schalten und ihr Team bis Jahresende auf 100 Personen verdoppeln.


Das Team des Startups Trunk Tools rund um Gründerin Sarah Buchner am Times Square
das Trunk-Tools-Team rund um Gründerin Sarah Buchner (dritte von rechts)

„Nasdaq congratulates Trunk Tools on its 20 $ M Series A“. Das prangte am 24. August 2024 in großen Lettern auf dem Billboard, das die US-Aktienbörse am New Yorker Times Square angebracht hat. Davor stand das Team von Trunk Tools. Mittendrin: Sarah Buchner, die das US-Startup gegründet hat und es als CEO führt. Trunk Tools hat sich zum Ziel gesetzt, mit künstlicher Intelligenz die Baubranche zu verändern.

Die Geschichte des Startups beginnt aber 6.600 Kilometer weiter östlich: in der 900-Einwohner-Gemeinde Eitzing im oberösterreichischen Innviertel. Hier ist Buchner aufgewachsen. Schon in der Schule zeigte sich ihr spezielles Talent für Mathematik; sie nahm an mehreren Mathematik-Olympiaden teil und gab Fußballern des geografisch nahe gelegenen Bundesligavereins SV Ried Nachhilfe – als sie selbst noch Schülerin war.

Doch ebenso früh kam Buchner mit Handwerk in Berührung: Ihr Vater war als Tischler selbstständig. Schon im Alter von zwölf Jahren arbeitete sie selbst mit und wurde von ihrem Vater auf Baustellen mitgenommen.

Sarah Buchner
Sarah Buchner | Foto: Trunk Tools

„Harte Arbeit und Bildung“

„Für mich waren es vor allem zwei Dinge, die mir meine Eltern mitgegeben haben: harte Arbeit und Bildung“, sagt Buchner im Gespräch mit brutkasten. „Wenn ich ein besseres Leben haben will, braucht es das. Das habe ich wirklich verinnerlicht.“ Um Geld zu verdienen, arbeitete Buchner auch als Kellnerin, unter anderem am Oktoberfest in München. „Geld war Freiheit, Geld war Sicherheit“, sagt sie heute. Buchner maturierte mit einem Notenschnitt von 1,0 und ging dann nach Wien, um zu studieren.

Parallel zum Studium arbeitete sie schon Vollzeit und war als Bau- und Projektleiterin tätig. Dass sie einmal selbst gründen würde, stand damals noch nicht auf ihrer Agenda. Beruflich kam sie schnell voran: Ab 2016 arbeitete sie beim Strabag-Tochterunternehmen Züblin, später bei der Strabag selbst. „Ganz viel von meiner Geschichte ist sicherheitsgetrieben“, blickt Buchner zurück. „Dann gab es plötzlich diese Konzernjobs, die relativ viel Geld zahlen und komplett abgesichert sind. Das hat mir viel Spaß gemacht.“

Allerdings hätten ihr diese Konzernjobs auch „ein falsches Gefühl von Sicherheit“ gegeben, sagt Buchner. „Ich kannte halt auch keine wirklich andere Variante.“ Das begann sich aber allmählich zu ändern: „Ich lernte immer mehr Menschen mit anderen Lebenswegen kennen, die etwas auf die Beine gestellt hatten“, erinnert sich die Gründerin.

„Wenn ich weiß, dass ich es eh schaffe, ist es keine Herausforderung mehr“

Während sie beruflich aufstieg, studierte Buchner parallel. Sie schloss sogar zwei Studiengänge jeweils als Diplom-Ingenieurin ab. In der Strabag übernahm sie dann die Leitung einer Gruppe, die auf die Digitalisierung der Baubranche spezialisiert war. Sie war gerade Ende 20 und hatte eine realistische Perspektive, langfristig in den Vorstand aufzusteigen.

Auf Anraten eines Mentors in der Strabag entschied sie sich, eine Dissertation im Bereich Civil Engineering & Data Science zu schreiben. Die an der Technischen Universität Wien verfasste Doktorarbeit trägt den Titel „Disruptive Innovations in the Field of Construction“; sie legte später auch den Grundstein für die Arbeit mit Trunk Tools. Doch bis dahin sollten noch ein paar Jahre vergehen.

Indes reifte in Buchner immer stärker der Gedanke, eine neue Herausforderung zu suchen. „Mir war klar, wenn ich Vorstand werden will, dann kann ich das. Das wird vielleicht zehn Jahre dauern, vielleicht 20 Jahre, und vielleicht nicht bei der Strabag sein, sondern bei einem anderen Unternehmen; aber ich wusste, dass ich es schaffen kann“, erinnert sie sich heute. „Und dann war es für mich schon wieder uninteressant. Wenn ich weiß, dass ich es eh schaffe, ist es keine Herausforderung mehr.“

„Um mit den ganz Großen mitzuspielen, muss ich ins Silicon Valley“

Sarah Buchner
Sarah Buchner | Foto: Trunk Tools

Für Buchner kristallisierte sich immer mehr heraus: Sie wollte selbst gründen. Auf eine Konzernkarriere zu verzichten, um ein Startup zu gründen, ist schon per se ein großer Schritt. Buchner dachte aber noch größer: Sie wollte in die USA – und dort gründen: „Wenn ich mir selbst beweisen will, dass ich mit den ganz Großen mitspielen kann, muss ich ins Silicon Valley.“

Auch bezüglich des unternehmerischen Spirits fühlte sich Buchner in den USA besser aufgehoben: „Jedes Mal, wenn ich in Europa gründen wollte, hat man mir eingeredet, dass damit meine Karriere vorbei sei“, sagt Buchner. Und auch unabhängig vom Startup-Thema sah die spätere Gründerin einige Dinge kritisch: „In Europa herrscht häufig die Einstellung, dass Normalität das Ziel ist. Das habe ich nicht ausgehalten.“ So sei ihr etwa ständig gesagt worden, sie solle doch nicht am Samstag oder Sonntag arbeiten: „Mein Drive ist als negativer Einfluss auf andere dargestellt worden – das ist absurd.“

Dabei bräuchte es ihrer Meinung nach genau das Gegenteil: „Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der es negativ gesehen wird, Risiko zu nehmen. So werden wir niemals nach vorne kommen.“

„Ohne Stanford hätte ich das nie so geschafft“

Ein Risiko ist es sicherlich, in den USA zu gründen. Zu Beginn stellt sich schon einmal die Frage: Wenn man in ein anderes Land geht, noch einmal von vorne anfängt – wie bekommt man die Glaubwürdigkeit bei den Investor:innen, wie die notwendigen Kontakte? Buchner entschied sich, ein MBA-Programm in Stanford zu absolvieren. Es ging ihr dabei zum einen um das Business-Know-how – denn auch, wenn sie mehrere Studienabschlüsse und einen starken akademischen Track Record hatte, war dieser eher im technischen Bereich angesiedelt.

Noch wichtiger war ihr aber ein anderer Aspekt: „Die meisten fachlichen Inhalte hätte ich auch online lernen können, über YouTube oder Google. Der Grund, warum ich einen richtigen MBA gemacht habe, war, dass ich in Amerika nicht von null beginnen wollte“, erläutert Buchner. Mit dem MBA gibt es einerseits ein Visum; und andererseits kann man sich ein Netzwerk aufbauen: „Ich habe das in Europa in der Baubranche schon gesehen, dass das Netzwerken einer der wichtigsten Aspekte für meinen Karriereerfolg war. Und das wollte ich in Amerika wiederholen.“

Dieses Netzwerk aufzubauen ermöglichte das Studium in Stanford, wie Buchner sagt: „Ohne Stanford hätte ich das nie so geschafft. Auch meine Firma gäbe es so nicht. Man muss das schon klar sagen: Man kauft sich ein Network.“

Das sei eine Investition wie alles andere. Ein MBA in Stanford kostet inklusive aller Neben- und Lebenskosten wahrscheinlich 200.000 bis 250.000 Dollar. „Das habe ich in meine berufliche Zukunft investiert.“ Der Return on Investment (ROI) eines Stanford-Studiums liege bei rund sechs Millionen Dollar, so Buchner. Beim Abschluss schwöre man, dass man auf jede Kontaktaufnahme eines anderen Stanford-Alumnus reagiere. „Das zeigt, wie das Mindset dort funktioniert. Ich muss auf jede Mail antworten, die mir jemand schickt, der in Stanford war“, so die Gründerin.

„Create genuine relationships“

Ein Selbstläufer ist es aber dennoch nicht. Das Geheimnis, ein gutes Netzwerk aufzubauen, ist laut Buchner auf eine einfache Formel zu bringen: Create genuine relationships. „Wenn mich einer meiner Kunden oder Mitarbeiter oder auch Ex-Mitarbeiter nach Hilfe fragt, würde ich das immer machen, weil ich mich für diese Menschen und deren Leben wirklich interessiere.“

Das sei der Unterschied zu manchen Sales-Personen, die auf den schnellen Deal aus seien und dann nie wieder von sich hören ließen: „Ich bin immer noch in Kontakt mit meinen Mentoren bei der Strabag oder mit meinem Bauleiter, der mir mit 15 Jahren beigebracht hat, wie man einen Bauplan liest“, so Buchner. Wenn echtes Interesse dahinter stehe, können Beziehungen fürs Leben entstehen.

Im Silicon Valley angekommen versuchte Buchner direkt, eine erste Idee umzusetzen. „Ich habe das nach einem halben Jahr wieder aufgegeben“, erzählt sie heute; sie habe nicht ausreichend Daten von Bauunternehmen erhalten, um ihre Idee umzusetzen. Doch Buchner gab nicht auf. „Ich habe mir gesagt: ‚Jetzt schaue ich mir mal ein, zwei Jahre an, wie das System hier funktioniert, und verstehe, wie man das Spiel spielt. Dann komme ich zurück und spiele!‘“, blickt sie auf ihre Anfangszeit in Kalifornien zurück. So kam es dann auch.

„Wer sollte mir nicht glauben, dass ich weiß, was ich tue?“

Sarah Buchner
Sarah Buchner | Foto: Trunk Tools

2021 schloss Buchner den MBA ab. Sie war nun bereit für den nächsten Schritt: ihr Startup Trunk Tools. Dabei traf sie eine weitere nicht alltägliche Entscheidung: Sie gründete Trunk Tools alleine, ohne Co-Founder:in.

„Ich bin ein Zahlenmensch und habe mir Daten angeschaut, warum Startups scheitern. Einer der Top-3-Gründe, egal welche Studie du dir anschaust, sind immer Probleme zwischen Co-Foundern“, erläutert die Gründerin. „Wenn ich einen der Top-3-Gründe, warum Startups scheitern, vermeiden kann, erhöht das meine Erfolgswahrscheinlichkeit schon einmal.“

Die Solo-Gründung brachte auch Herausforderungen mit sich: „Als weiblicher Solo-Founder aus dem Ausland gab es schon einige Themen, die einfacher gewesen wären, wenn ich ein größeres oder ein männliches Gründerteam gehabt hätte.“ Aber dennoch: „Ich war 20 Jahre in der Baubranche, ich habe ein Doktorat in dem Bereich, ich habe einen MBA von Stanford. Wer sollte mir nicht glauben, dass ich weiß, was ich tue?“

Sobald man bewiesen habe, dass es funktioniere, werde es auch nicht mehr hinterfragt, sagt Buchner. „Schwierigkeiten aus dem ersten Jahr verschwinden – und neue kommen“, blickt sie zurück. Die Gründerin startete mit drei Angestellten und setzte die ersten Monate noch auf Bootstrapping, finanzierte also Trunk Tools mit ihrem eigenen Geld. „Wir hatten ein Produkt und Umsatz, bevor ich wichtige Positionen besetzt und Geld aufgenommen habe“, erzählt die Gründerin.

Zehn Millionen Dollar Investment für erstes Produkt

Was aber war dieses Produkt? Trunk Tools begann ursprünglich mit einem digitalen Incentive-Programm, das vor allem auf die Baustellenpraxis zugeschnitten war: Es erfasste die geleisteten Stunden der Arbeiter:innen und setzte gezielte Anreize, um ihre Leistungen zu steigern und ihre Motivation zu erhöhen. „Das hat wahnsinnig gut funktioniert“, erzählt Buchner – so gut, dass es zunächst zu einem Deal über 500.000 Dollar und schließlich zu einer Finanzierungsrunde über zehn Millionen Dollar geführt hat, die im Sommer 2023 abgeschlossen wurde.

ChatGPT war damals gerade einmal ein paar Monate auf dem Markt. Der Hype rund um generative künstliche Intelligenz und Large Language Models (LLMs) war neu. Auch in den Gesprächen mit Investor:innen kam das Thema immer wieder auf. Nach dem Abschluss der Finanzierungsrunde ließ Buchner ihr Team daher untersuchen, wie man LLMs zur Skalierung des Produkts einsetzen könnte.

Das Ergebnis: Es gäbe potenziell noch viel mehr Möglichkeiten, LLMs in der Baubranche einzusetzen. Das Team ging direkt in den Austausch mit Bauarbeiter:innen – und kam mit mehreren möglichen MVPs zurück. Das beste Feedback von den Arbeiter:innen gab es für eine Lösung, die die Dokumente schnell und strukturiert durchsuchbar macht.

„Man braucht weniger Menschen, die Dokument A mit Dokument B vergleichen“

So entstand „Trunktext“, eine KI-basierte Anwendung, die große Mengen von Baudokumenten – mittlerweile fast ausschließlich in digitaler Form vorhanden – per Schnittstelle anbindet, vorab aufbereitet und mithilfe von Retrieval Augmented Generation (RAG) gezielt abfragt. „Wir nehmen all diese Daten aus den Datensilos und verwenden verschiedene deterministische und probabilistische Modelle, um diese unstrukturierten Daten in strukturierte Daten zu übersetzen“, erläutert Buchner. Darauf basierend könnten KI-Agenten dann Workflows übernehmen. Das Ergebnis: „Man braucht weniger Menschen, die Dokument A mit Dokument B vergleichen oder andere bürokratische Workflows bewältigen.“

Buchner präsentierte die Lösung ihrem Board und schlug vor, von den zehn aufgenommenen Millionen neun für das eigentliche Produkt zu verwenden und eine für den neuen Ansatz. Es sollte anders kommen: Denn tatsächlich stellte sich bald heraus, dass das neue Produkt mehr Potenzial hatte. Mittlerweile fokussiert sich Trunk Tools hauptsächlich darauf, führt aber auch das ursprüngliche Produkt weiter. Buchner hat das Startup mittlerweile vom Silicon Valley nach New York übersiedelt. Außerdem hat das Unternehmen noch einen weiteren Standort in Austin in Texas.

„Wir nehmen die Modelle, die es auf dem Markt gibt, und finetunen sie für die Baubranche“

Sarah Buchner
Sarah Buchner | Foto: Trunk Tools

Trunk Tools ist auf der Anwendungsebene von künstlicher Intelligenz positioniert. In diesem Bereich sieht Buchner auch das größte Potenzial für Startups. Demgegenüber steht erstens die Ebene der Foundational Models, das sind beispielsweise die großen Sprachmodelle, wie sie von OpenAI, Google oder Deep Seek herausgegeben werden. „Das ist unglaublich teuer und ein Race to the Bottom. Das ist etwas, das ich nicht machen wollen würde“, sagt die Gründerin. Zweitens gibt es auch noch die Infrastruktur-Ebene; dort sei der Wettbewerb „sehr hoch“.

Im Gegensatz dazu steht eben die Anwendungsebene: Startups setzen Lösungen auf bestehenden KI-Modellen auf und optimieren sie für Use Cases in bestimmten Branchen. „Wir nehmen die Modelle, die es am Markt gibt, und finetunen sie für die Baubranche“, erläutert Buchner. Doch auch in anderen Branchen gebe es für Startups hier viele Möglichkeiten, da nach wie vor viele Ineffizienzen zu beseitigen wären.

20 Millionen Dollar in zwei Wochen

Für Trunk Tools folgte im Sommer 2024 die nächste Finanzierungsrunde. Buchner und ihr Team nahmen weitere 20 Millionen Dollar auf – und zwar schneller als gedacht: Eigentlich hatte sie den Abschluss der Runde erst ein oder zwei Quartale später geplant, der Lead-Investor Redpoint Ventures sagte die von der Gründerin angepeilte Bewertung allerdings bereits direkt zu. Buchner schlug ein, zwei Wochen später war das Geld am Bankkonto.

Wichtig dabei: Die Trunk-Tools-Gründerin ist konstant im Gespräch mit Wunsch-Investoren – auch, wenn gerade keine Finanzierungsrunde unmittelbar ansteht. Sie hat dabei eine Liste mit den zehn bis 20 Investoren, die sie gern an Bord hätte, und versucht, mit diesen einmal pro Quartal im Austausch zu sein.

Rund ein halbes Jahr später sieht Buchner Trunk Tools „in einer Hypergrowth-Phase“. Das Startup ist seit dem Vorjahr von zwölf auf 50 Leute angewachsen; noch in diesem Jahr soll sich die Belegschaft auf 100 Personen verdoppeln. Aufgestockt werden soll vor allem in zwei Bereichen: im Go-to-Market- sowie im Produkt- und Engineering-Bereich.

IPO, Übernahme – und „eine Million andere Möglichkeiten“

Und langfristig? Könnte Trunk Tools an die Börse gehen oder verkauft werden? Buchner will sich hier noch nicht festlegen. Für einen Börsengang hätte Trunk Tools „definitiv das Potenzial“; allerdings sei Construction Tech „traditionell ein M&A-Bereich“. Trunk Tools habe auch bereits Übernahmeangebote erhalten, aber diese abgelehnt. Mögliche künftige Angebote werden dem Board vorgelegt, gemeinsam wird eine Entscheidung getroffen. Aber Buchner hält auch fest: „Daneben gibt es noch eine Million andere Möglichkeiten.“ Es gebe auch Startups, die die Profitabilität erreicht haben und dann ihre Investoren ausgezahlt hätten. Selbst ein Scheitern der Firma sei nicht ausgeschlossen.

Und auch, wenn aktuell nichts darauf hindeutet, hat Sarah Buchner keine Angst, zu scheitern. Das ist auch ihr wichtigster Tipp, den sie an angehende Gründer:innen hat: „Ich bin oft gescheitert in meinem Leben. Ich habe mich zwei- oder dreimal bei McKinsey beworben und nicht einmal ein Interview bekommen – und letztes Jahr haben sie mich dann eingeladen, bei deren Konferenz in Dubai zu sprechen. Ich bin in Harvard nicht reingekommen und habe später dann den Stanford-MBA gemacht, in den es noch schwieriger war, reinzukommen. Wenn man sich mein Leben anschaut, glaubt man, es hat alles perfekt geklappt – aber das ist überhaupt nicht wahr.“


Aus dem Archiv: Sarah Buchner im brutkasten-Videotalk (September 2024)

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Der globale KI-Wettlauf hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geopolitische Dimensionen erreicht. Sowohl die USA als auch Europa erkennen die Bedeutung strategischer Initiativen, um KI-Entwicklung aktiv zu fördern und zu gestalten. Trotz unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen verfolgen beide Regionen ähnliche Ziele, die auf strukturellen Innovationen beruhen. Insbesondere in den Bereichen Regulatory Sandboxes, Datenzugang und Behördenstrukturen existieren bemerkenswerte Parallelen.

Sandboxes: Flexibilität als Innovationstreiber

Sowohl die USA als auch Europa setzen auf Regulatory Sandboxes – flexible Räume, in denen Unternehmen Innovationen im Dialog mit Regulierungsbehörden entwickeln können, ohne sofort den vollen regulatorischen Anforderungen zu begegnen. Dies ermöglicht eine schnellere Markteinführung, während die Behörden wertvolle Erkenntnisse über Technologie sammeln.

In den USA sind Sandboxes bereits in zahlreichen Bundesstaaten etabliert (z.B. im Bereich FinTech, LegalTech). Das AI Legislative Framework aus März 2026 sieht nunmehr auch die Einrichtung von spezifischen KI-Sandboxes vor. Europa hingegen hat mit dem EU AI Act bereits in 2024 die Notwendigkeit von Sandboxes für den KI-Bereich formalisiert. Jeder EU-Mitgliedsstaat hat bis August 2026 mindestens eine horizontale KI-Sandbox zu etablieren, wobei ergänzend auch lokale, sektorspezifische und grenzüberschreitende Sandboxes möglich sind, um Innovationspotenziale zu bündeln. Ergänzend ermöglicht der EU AI Act auch das Testen von Hochrisiko-KI-Systemen unter Realbedingungen außerhalb von Sandboxes als innovationsfördernde Maßnahme.

Während die USA sehr markt- und wettbewerbsorientiert agieren, werden in der EU aktuell Ressourcen für die Umsetzung von Regulatory Sandboxes in Diskussionen zum Digitalen Omnibus gebunden. Durchführungsrechtsakte bleiben auf der Strecke, der Aufbau der Organisationsstruktur ist deutlich im Verzug. Debattiert wird sogar eine Verschiebung der Deadline für Sandboxes auf Dezember 2027.

Während die USA schneller agieren, könnte Europa trotz der Herausforderungen von der langfristigen Strukturierung profitieren. Für Unternehmen bedeutet dies, dass es unerlässlich ist, die regulatorischen Landschaften zu verstehen und in strategische Innovationspläne zu integrieren.

Daten: Zugang als Wettbewerbsvorteil

Zugang zu großen, qualitativ hochwertigen Datensätzen bleibt ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im KI-Bereich. Die USA setzen im National AI Legislative Framework auf die Öffnung von staatlichen Datensätzen, um Unternehmen eine breitere Datenbasis für präzisere KI-Modelle zu bieten. Europa verfolgt einen ähnlichen Weg, allerdings mit stärkerer Berücksichtigung von Datenschutz und Sicherheit. Die Europäische Datenstrategie, unterstützt durch den Data Act und den Data Governance Act, fördert den freien Datenfluss innerhalb definierter regulatorischer Grenzen.

Der Data Act ermöglicht einen effizienteren Zugang zu und Austausch von Daten zwischen Unternehmen und öffentlichen Institutionen, indem er den rechtlichen Rahmen für die Nutzung öffentlicher und privater Datensätze schafft. Der Data Governance Act sorgt für eine verantwortungsvolle Nutzung dieser Daten, indem er die Einrichtung von sicheren Datenräumen fördert. Zusammen zielen diese Gesetze darauf ab, dass der freie Datenfluss vorangetrieben wird, ohne die Rechte der betroffenen Personen zu gefährden, was Unternehmen einen stabilen und sicheren Rahmen für die Nutzung von Daten zur Innovation und Wettbewerbsfähigkeit bietet.

Behördenstrukturen: Optimierung statt Expansion

Eine weitere bemerkenswerte Parallele ist die Nutzung bestehender Behördenstrukturen zur Überwachung von KI-Entwicklungen. In den USA soll die Aufsicht durch bereits etablierte Institutionen wie die Federal Trade Commission (FTC) und die Food and Drug Administration (FDA) erfolgen, die mit den jeweiligen Sektoren vertraut sind und schnell auf neue Entwicklungen reagieren können.

In Europa verfolgt der EU AI Act ebenfalls den Ansatz der Einbindung bestehender Aufsichtsbehörden und delegiert grundsätzlich die Marktüberwachungskompetenzen im KI-Bereich an bereits zuständige Sektorbehörden (z.B. Maschinen, Medizinprodukte, Spielzeug) und Datenschutzbehörden, um bürokratischen Overhead zu minimieren. Für jene Bereiche, für die es noch keine dezidierte Aufsichtsbehörde gibt (z.B. Personal, Bildung), muss eine Zuordnung der Aufsichtskompetenz erfolgen. Für KI-Modelle ist das neue EU AI Office in Brüssel zuständig, das zentralisiert die Aufsicht über KI-Modelle übernimmt. Auch hier liegt der Fokus auf der Optimierung bestehender Strukturen und der Vermeidung unnötiger bürokratischer Hürden.

Europa und die USA setzen in ihrer Struktur auf bewährte regulatorische Institutionen, um die Effizienz zu steigern und gleichzeitig Innovation zu fördern. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie aktiv mit den bestehenden Institutionen zusammenarbeiten müssen, um sicherzustellen, dass ihre Innovationen in beiden Regionen reibungslos integriert werden. Das Verständnis der regulatorischen Struktur wird zum Vorteil in einem zunehmend komplexen Marktumfeld.

An dieser Stelle ist die frühzeitige Einrichtung der KI-Servicestelle in Österreich bei der RTR GmbH hervorzuheben, die Unternehmen als Ansprechpartnerin bei allgemeinen Fragen und Anlaufstelle dient. Die KI-Servicestelle hat in diesem komplexen Marktumfeld, in dem noch einige (Zuständigkeits-)Fragen ungeklärt sind, einen sehr positiven Mehrwert für den KI-Standort Österreich erreicht und wurde als Best Practice auch auf europäischer Ebene als Blueprint identifiziert und als Instrument übernommen. Eine vergleichbare Informations- und Anlaufstelle ist in den USA nicht eingerichtet.

Fazit: Der strategische Blick

In der Wahrnehmung vieler gilt der US-Markt als der Goldstandard – mehr Möglichkeiten, weniger Regulierung, schnellere Innovation. Doch die Realität ist differenzierter: Auch in Europa gibt es gleiche Mittel und potenzielle Chancen.

Der zentrale Unterschied liegt in der Innovationskultur und der Bereitschaft, Risiken einzugehen und zu experimentieren. In den USA ist Fehlerkultur (Fail-forward Culture) tief verankert, Unternehmen sind häufig bereit, Fehler als Lernprozesse zu betrachten und unternehmerisches Scheitern nicht zu stigmatisieren. Diese Einstellung, gepaart mit einer dynamischen Finanzierungslandschaft insbesondere durch Venture Capital, ermöglicht es Startups und etablierten Unternehmen, schneller zu skalieren und zu innovieren.

In Europa hingegen bieten stabile Rahmenbedingungen ein Umfeld, das Sicherheit und langfristige Planung fördert. Mit einem Netzwerk von AI Factories findet in Europa ein bedeutender Infrastrukturausbau statt. Gleichzeitig bleibt jedoch die Fehlerkultur oft zurückhaltend, was zu einer vorsichtigeren Herangehensweise an Innovationen führt. Risikobereitschaft ist hier häufig geringer. Der Kapitalmarkt in Europa ist zwar gut etabliert, aber im Vergleich zu den USA oft weniger agil und fokussiert sich stärker auf etablierte Unternehmen, wodurch Startups und risikobehaftete Innovationen nicht immer die nötige finanzielle Unterstützung erhalten, um schnell zu skalieren und zu experimentieren.

Die Frage ist daher nicht, ob die Möglichkeiten vorhanden sind, sondern wer in beiden Märkten die nötige Geschwindigkeit und Innovationskultur aufbaut, um im globalen Wettbewerb nachhaltig zu wachsen. Ebenso entscheidend ist die richtige Balance zwischen langfristigem Investitionsansatz und agiler Kapitalbeschaffung, um eine erfolgreiche und nachhaltige Expansion zu ermöglichen.

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