29.12.2025
JAHRESWECHSEL

Rück- und Ausblick 2025/2026: „Ein Jahr, das mehr verlangt hat, als jedes zuvor“

Einige der bekanntesten Gesichter der heimischen Startup- und Innovations-Szene gaben uns ein Statement zum Jahreswechsel.
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vlonru: Petra Dobrocka, Hansi Hansmann, Christiane Holzinger, Sander van de Rijdt, Hannah Wundsam, Michael Hurnaus | (c) byrd / Studio KoeKart / 360 Business Planner / brutkasten, Martin Pacher / Hannah Wundsam / tractive
vlonru: Petra Dobrocka, Hansi Hansmann, Christiane Holzinger, Sander van de Rijdt, Hannah Wundsam, Michael Hurnaus | (c) byrd / Studio KoeKart / 360 Business Planner / brutkasten, Martin Pacher / Hannah Wundsam / tractive

Die heimische Startup-Szene steht am Ende eines weiteren Krisenjahrs. Das zeigt nicht nur unser jährlicher Rundruf bei bekannten Köpfen der Community deutlich. Die Finanzierungssituation bleibt – mit Ausnahme von KI und DefenseTech – schwierig: Die Investment-Statistik konnte nach einem verheerenden ersten Halbjahr auch in der zweiten Jahreshälfte nur wenig aufgebessert werden. Refurbed hat hier mit seiner 50-Millionen-Euro-Runde aus dem Oktober den Schnitt ein wenig angehoben.

Mehrere bekannte Startups mit durchaus umfangreichem Track-Record und Millioneninvestments in der Vergangenheit, mussten dieses Jahr Insolvenz anmelden. Bei einigen mitunter großen Scaleups, sogar bei refurbed, das später, wie oben erwähnt, für die größte Finanzierungsrunde des Jahres sorgte, gab es einen Stellenabbau bzw. Umstrukturierungsmaßnahmen. Richtig große Erfolgsmeldungen gab es dieses Jahr dagegen selten. Und in der Politik gab es zwar einige Ansagen – Stichwort: Dachfonds – aber kaum tatsächliche Maßnahmen.

Was ist in so einem Jahr vom Rück- und Ausblick von bekannten Gesichtern aus der Community zu erwarten? Nun, es wäre nicht die Startup-Szene, wenn sich berechtigte Unzufriedenheit und Kritik an der Politik nicht da und dort mit einer gehörigen Portion Optimismus vermengen würden. Es ist also durchaus ein Wechselbad der Gefühle, dass sich dieses Jahr zeigt.


Die Statements werden im Folgenden im Wortlaut wiedergegeben:

Hansi Hansmann, Business Angel

Hansi Hansmann
Hansi Hansmann | (c) Studio KoeKart

Man kann meinen Text vom Vorjahr ident wiederverwenden, bloß 2024 durch 2025 und 2025 durch 2026 ersetzen (siehe hier). Die Gesamtlage in Europa ist mindestens so schlecht, wie sie in vielen Medien dargestellt wird – Stichwort: Abwärtsspirale. Und Österreich ist halt noch schlechter, als der europäische Durchschnitt. Das liegt in beiden Fällen an einer enormen Entscheidungsschwäche und einem Nichterkennen bzw. Nichtwahrhabenwollen von riesigen strukturellen Problemen.

Dazu kommt für Startups, dass VCs nur einen Bruchteil des Kapitals aufgenommen haben, wie in den Vorjahren. Das bedeutet: no money in den nächsten Jahren! Und die VCs stürzen sich alle auf AI und DefenseTech, weil nur dort durch die hohen Bewertungen, die durch FOMO entstanden sind, eine mathematische Chance besteht, dass sich die Fonds rechnen. Zumindest, was KI betrifft, würde ich ein böses Erwachen nicht ausschließen.

Um etwas Positives zu erwähnen: Gründen ist momentan leiwand, aber mit viel Bootstrappen und ganz schnell den Break-even anpeilen – jedenfalls die Möglichkeit dazu.

Hannah Wundsam, Managing Director Austrian Startups

Hannah Wundsam | (c) Hannah Wundsam

2025 war ein Jahr der Gegensätze. Auf der einen Seite eine enorm schnelle Entwicklung im KI-Bereich, die laufend neue Use Cases für Gründer:innen schafft. Europaweit sehen wir eine Rekordzahl an neuen Startup-Gründungen und immer mehr Belege dafür, dass aus Europa globale Tech-Champions entstehen können.

Gleichzeitig war 2025 für viele etablierte Startups in Österreich ein hartes Jahr. Insolvenzen namhafter Startups und eine insgesamt schwache Investmentlandschaft haben das deutlich gemacht. Umso wichtiger war es, dass der Dachfonds ins Regierungsprogramm aufgenommen wurde – LPs und VCs warten nun sehnsüchtig auf die Umsetzung. Daher auch mein klarer Appell an die Regierung: Schnelle Hilfe ist gute Hilfe. Jetzt heißt es liefern.

Auf europäischer Ebene war sich das Startup-Ökosystem selten so einig wie heute, wenn es darum geht, was es braucht, damit Europas Startups und Scaleups wachsen können: Harmonisierung durch eine einheitliche, digitale Rechtsform – die EU Inc. Das ist eine enorme Chance für Europa. Gelingt ihre Umsetzung, kann das den Glauben der Szene an Europa nachhaltig stärken. Wenn nicht, drohen ein massiver Backlash und ein Vertrauensverlust genau jener Menschen, die unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit in der Hand haben: der Gründer:innen.

2026 wird daher ein Schicksalsjahr für den europäischen Startup-Standort.

Sander van de Rijdt, Co-Founder & Co-CEO PlanRadar

PlanRadar Co-Founder und CEO Sander van de Rijdt
Sander van de Rijdt | (c) brutkasten / Martin Pacher

Anfang des Jahres hatten wir viel Hoffnung, dass sich mit Mitte 2025 die Vorzeichen am Wirtschaftsstandort Österreich und insbesondere in der Bau- und Immobilienbranche als Hauptzielmarkt für PlanRadar wieder verbessern.

In der Bau- und Immobilienindustrie sehen wir seit September/Oktober einen leichten Aufwind, es kommen wieder mehr Projektfinanzierungen (aufgrund der veränderten Zinslage) zustande und es herrscht wieder positivere Stimmung und mehr Aktivität in der Branche, auch wenn die Markterholung deutlich langsamer verläuft, als wir es uns gewünscht hätten. Trotz der schwierigen Großwetterlage konnten wir unseren Umsatz wieder steigern und gleichzeitig positiv wirtschaften, was einen tollen Erfolg darstellt, auch wenn wir uns natürlich noch mehr erwartet hätten.

Für den Wirtschaftsstandort Österreich sieht es allerdings nicht so rosig aus. Von den groß angekündigten Effizienzmaßnahmen und Bürokratieabbau habe zumindest ich noch nichts wahrgenommen. Der heimische Produktionsstandort wird immer teurer und wettbewerbsfähig sind wir auch schon lange nicht mehr – siehe laufende Hiobsbotschaften zu frei gesetztem Personal, ins Ausland verlagerter Wertschöpfung und zahlreichen Standortschließungen.

Für 2026 wünsche ich mir, dass losgelöst von politischem Kalkül die auf dem Tisch liegenden Konzepte endlich umgesetzt werden. Ich befürchte allerdings, dass da der Wunsch Vater des Gedankens bleibt. Zumindest bei PlanRadar wollen wir unseren Beitrag auch 2026 leisten und den längst überfälligen Aufschwung in der Branche nutzen. Wir planen mit einem deutlichen Umsatz- und Gewinnwachstum, nicht nur an unseren internationalen Standorten sondern insbesondere auch wieder in Europa.

Christiane Holzinger, Business Angel und Gründerin

Christiane Holzinger | (c) 360 Business Planner

Schon 2024 war ein Jahr der Konsolidierung, der strategischen Weichenstellungen und klarer Botschaften. In einem zunehmend herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld habe ich mich bewusst auf Qualität statt Quantität konzentriert. Die anhaltende Unsicherheit am Markt hat meine Entscheidungen noch datengetriebener, strukturierter und – ja – auch selektiver gemacht. Themen wie Teamqualität, Leadership und finanzielle Resilienz haben dabei klar an Bedeutung gewonnen.

2025 hat sich diese Entwicklung nicht nur fortgesetzt, sondern deutlich verschärft. Gefühlt hat das Jahr für mich folgende Headline gehabt: „Krisen sind kein Charaktertest, sie sind ein Charakteroffenbarungseid.“ Es war ein Jahr, das mehr verlangt hat als jedes zuvor. Trouble-Shooting war nicht die Ausnahme, sondern der Alltag. Bridge-Runden, stockende Finanzierungen und strategische Neuausrichtungen im Portfolio haben gezeigt, wie dünn die Kapitaldecke vieler Startups tatsächlich ist und wie wenig Resilienz teilweise vorhanden ist. In dieser Phase wurden Unterschiede gnadenlos sichtbar: zwischen Gründer:innen, die Verantwortung übernehmen, und jenen, die sie delegieren wollen; zwischen Teams, die liefern, und solchen, die erklären.

Trotz – oder gerade wegen – dieser Achterbahnfahrt gab es auch Lichtblicke. Einige Gründer:innen haben mich positiv überrascht: durch Konsequenz, Lernfähigkeit und echte Führungsstärke. Andere wiederum haben klar gezeigt, warum frühes Kapital allein kein Geschäftsmodell ersetzt. In Summe war 2025 das bisher forderndste und persönlich anstrengendste Jahr meiner Tätigkeit als Business Angel und rückblickend auch jenes, das mir am wenigsten Freude bereitet hat.

Für 2026 bedeutet das nicht Rückzug, sondern Fokussierung. Frühphasen-Investments bleiben relevant, aber nur dort, wo Teams Substanz, Tempo und Realitätssinn mitbringen. Co-Investments mit erfahrenen Angels und institutionellen Partnern werden weiter an Bedeutung gewinnen, nicht zuletzt als Mittel zur Risikoteilung in einem weiterhin instabilen wirtschaftlichen Umfeld. Diversität in Gründerteams bleibt für mich kein „Nice-to-have“, sondern ein klarer Performancefaktor.

Gleichzeitig wird immer deutlicher: Ohne bessere politische und steuerliche Rahmenbedingungen verspielen wir als Standort enormes Potenzial. Startups und Investor:innen brauchen keine Sonntagsreden, sondern funktionierende Anreizsysteme, einfachere Kapitalzugänge und mehr unternehmerische Bildung. Investieren ist kein Elitenthema: Es ist ein zentraler Hebel für wirtschaftliche Entwicklung in Österreich und Europa.

Mein Fazit: 2024 war strategisch, 2025 war brutal ehrlich. 2026 wird selektiv, klar und konsequent. Nicht jedes Investment muss gemacht werden, aber jedes Investment muss Sinn machen.

Michael Hurnaus, Gründer und CEO Tractive

Tractive, Hauster Versicherung, Insurance, Pet Cover
Michael Hurnaus | (c) Tractive

2025 war für Tractive ein prägendes Jahr – mit unserer ersten Akquisition (Whistle) und erneut starkem Wachstum von über 30 Prozent. Auch wenn uns Trump mit seinen neuen Zöllen keinen Gefallen getan hat, konnten wir unsere Marktführerschaft weiter deutlich ausbauen – in den USA ebenso wie in Europa.

Die wirtschaftliche Lage bleibt herausfordernd, und auch wir würden wohl noch stärker wachsen, wenn sie besser wäre. Trotzdem sind wir dank eines gesunden Geschäftsmodells und klarer Fokussierung auf unsere Kernmärkte Europa und USA sowie dem expliziten Fokus auf Hunde und Katzen hervorragend aufgestellt. 2025 haben wir auch unser eigenes Versicherungsbusiness verkauft, um noch mehr Fokus auf unser wachsendes Kerngeschäft zu bekommen. Viele Startups mussten 2025 kämpfen, und es wird wohl noch etwas dauern, bis die Wirtschaft wieder richtig Schwung aufnimmt.

Unser Fokus liegt klar auf dem Thema Gesundheitstracking und frühzeitiger Krankheitserkennung, das ist unsere große Wette für die Zukunft. Ich freue mich auf 2026, auf eine Reihe neuer Produkte und spannende Chancen für organisches und anorganisches Wachstum. Persönlich war ich selten so optimistisch wie jetzt. Wer auf ein Jahr ohne Herausforderungen wartet, wird vermutlich enttäuscht werden – aber wir bei Tractive haben die Ärmel längst hochgekrempelt und sind bereit für 2026.

Petra Dobrocka, Gründerin und CCO byrd

Petra Dobrocka | (c) byrd

Diese Jahr lag bei byrd der Fokus voll auf Kundenzufriedenheit. Der Logistik- und E-Commerce Markt war 2025 sehr stark von Kostendruck betroffen, viele Händler haben Wege gesucht, ihre Logistik weiter zu optimieren. Deshalb war es unser Ziel, unseren Kunden mit bester operativer Qualität und maximaler Flexibilität zur Seite zu stehen.

Wir haben diverse neue Features gelaunched und neue Versandoptionen eingeführt, um die Optionalität für unsere Kunden zu erhöhen. Außerdem haben wir unseren Kundenservice auf ein neues Tooling-Setup umgestellt, und unsere internen Strukturen angepasst. Jeder Kunde hat nun eine/n Account Manager:in, was es uns ermöglicht, auch komplexe Anfragen sehr schnell zu lösen. Wir beenden das Jahr 2025 und unsere „Peak Season“ mit sehr guter operativer Performance und positivem Kundenfeedback, was uns sehr stolz macht.

Für 2026 erwarten wir ein sehr intensives Jahr mit sehr positiven Zeichen in Richtung Neukundengeschäft, jedoch mit weiter anhaltendem Kostenerhöhungen, die unsere Margen unter Druck setzen. Der Fokus auf Effizienz und volle Unterstützung unserer Kunden bleiben also auch weiterhin die Top-Prioritäten.

Werner Wutscher, Gründer und CEO New Venture Scouting

Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Das Jahr 2025 war so zäh wie erwartet. Die Inflation blieb hoch und die makroökonomischen Daten spiegeln die unsichere Sicherheitslager wider. Österreich ist seit drei Jahren in der Rezession und der Produktivitäts- und Wohlfahrtsverlust wird für viele spürbar – das ist auch in unserem Sektor merkbar.

Dennoch sind Dinge weitergegangen: In meinem Bereich habe viele Hochschulen, wie die Medizinuniversität Innsbruck, die Montanuniversität Leoben sowie die TU und WU Wien begonnen, ihre Innovationsökosysteme neu aufzustellen. Es macht viel Freude da mitzuarbeiten. Da entstehen gerade in neuen Strukturen spannenden Projekten – die Spinoffs und Hidden Champions von morgen. Politisch ist trotz vieler Prognosen die Welt nicht untergegangen und die Regierung hat sich bewegt.

Im neuen Jahr wird sich die makroökonomische Situation nicht ändern. Für Europa kommt die Trendwende sicher erst mit einer Lösung für den Konflikt in der Ukraine und diese Lösung wird nicht schnell erreicht. Dennoch schaue ich optimistisch auf das neue Jahr: Viele Unternehmen und Startups haben sich auf die neue Situation eingestellt: Kosten runter, Liquidität ist key. Auch die Investoren haben viele Bridge-Rounds hinter sich und es bleibt zu hoffen, dass ihnen nicht der finanzielle Atem ausgeht.

Ich denke, dass die Hochschulen weiter am universitären Innovationsökosystem bauen und wir langsam auch die Früchte sehen werden. 2026 werden sicher die ersten erfolgreichen Projekte auftauchen.

Aber Jahreswechsel sind ja immer Zeiten, wo man sich etwas wünschen darf:

  • Von den VCs wünsche ich mir, dass sie wieder mutiger werden und nicht jede Runde hinausschieben und immer später investieren und damit die Startups im Kreis schicken mit neuen Auflagen: Es gibt jetzt wirkliche viele spannende Projekte, die es wert sind, finanziert zu werden.
  • Den österreichischen VCs im Fundraising-Mode wünsche ich viel Glück und gute Argumente und Closings – vor allem bei internationalen Investoren.
  • Dem Dachfonds, dass er endlich Realität wird und seine Wirkung entfaltet.
  • Der österreichischen Bundesregierung wünsche ich mehr Mut!
  • Ich wünsche mir, dass die Debatte um die Budgetkonsolidierung dazu führt, dass wir die Fragmentierungen in unserem Ökosystem überwinden und stärker und intensiver zusammenarbeiten; dass Programme aufeinander aufbauen und gute qualitätsvolle Costumer Journeys für Gründer:innen da sind, die sich derzeit oft im Förder/Support-Dschungel verlaufen.

Ich bin überzeugt, dass erfolgreiche Startups und Spinnoffs die Basis für den Wohlstand von morgen liefern und damit liefern wir auch die positiven Stories, die wir in diesen Tagen dringend alle brauchen: 2026 wird ein gutes Jahr!

Laura Raggl, Gründerin ROI Ventures

Laura Raggl (c) Fabianklima.at

2025 war insgesamt ein durchwachsenes Jahr. Insbesondere im Softwarebereich wurde das Investieren schwieriger, da sich die Technologie – vor allem durch AI – extrem dynamisch entwickelt und viele Segmente stark kompetitiv geworden sind. Gleichzeitig sehen wir im AI-Bereich sehr hohe Bewertungen für herausragende Teams, was die Selektivität weiter erhöht hat. Grundsätzlich blieb die Deal-Aktivität im Pre-Seed- und Seed-Bereich jedoch auf hohem Niveau.

Ein neues und strategisch relevantes Feld hat sich 2025 im Defense-Bereich entwickelt. Defense hat sich als richtiges Venture-Capital-Segment etabliert, und wir haben mit ROI Ventures in diesem Jahr in drei Startups aus diesem Segment investiert. Wir sehen hier eine große Chance für Europa, technologisch unabhängiger von den USA zu werden und eigene Innovations- und Technologietreiber aufzubauen.

Mit Blick auf 2026 wird entscheidend sein, wie sich die Aktienmärkte – insbesondere die Performance der führenden Tech-Aktien – entwickeln. Diese werden maßgeblichen Einfluss auf Exit- und IPO-Möglichkeiten sowie auf die Verfügbarkeit von Wachstumskapital speziell in den späteren Phasen haben. Politisch steht 2026 vor allem die Umsetzung des angekündigten Dachfonds im Vordergrund, der für die weitere Entwicklung des österreichischen Startup-Ökosystems zentral ist.

Kambis Kohansal Vajargah, Head of Startup-Services WKÖ

Kambis Kohansal Vajargah | (c) WKÖ

Das Jahr 2025 hat deutlich gemacht: Der Markt belohnt Substanz. Startups mit klarem Kundennutzen, belastbaren Geschäftsmodellen und konsequenter Umsetzung konnten sich durchsetzen. Kapital ist anspruchsvoller geworden – und damit auch die Qualität der Projekte. Parallel dazu wurden wichtige Weichen für den Standort gestellt. Die Bilanzierung eigens entwickelter Software stärkt innovationsgetriebene Unternehmen nachhaltig. Der neue Dachfonds schafft zusätzliches Kapital für Wachstum und signalisiert, dass Innovationspolitik auch finanzielle Schlagkraft braucht.

2026 muss dieses Momentum genutzt werden. KI wird zum Produktivitätsfaktor, nicht zum Marketingbegriff. Entscheidend wird sein, wie schnell wir Innovation in marktfähige Lösungen übersetzen. Dafür braucht es weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und den Mut, vom Reden ins Umsetzen zu kommen.

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Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline
Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline

Wer zuhause technischen Support, etwa mit Internet, TV oder Smartphone braucht, bekommt vom Wiener Startup Helferline innerhalb weniger Stunden eine:n Techniker:in aus seinem flächendeckenden Netzwerk vermittelt. Das ist bereits seit der Gründung vor etwas mehr als zehn Jahren so, in denen mehr als 100.000 Personen das Service nutzten.

Zu diesem B2C-Angebot kam schon bald nach dem Start eine B2B2C-Schiene dazu. Mit A1, Magenta und Drei setzen die drei großen heimischen Mobilfunker ebenso bereits seit Jahren im Service auf Helferline, wie etwa MediaMarkt, Emporia, die Uniqa oder Assa Abloy.

„Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben“

Doch die betriebswirtschaftliche Realität hinter den großen Namen und beachtlichen Zahlen war über lange Zeit hinweg weniger rosig, wie die beiden Gründer, Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer, im Gespräch mit brutkasten im Büro im 9. Wiener Bezirk erzählen. „Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben und in denen wir das Glück hatten, dass auch unsere Mitarbeiter so sehr an die Idee geglaubt haben, dass sie mehrmals längeren Verzögerungen beim Gehalt zugestimmt haben“, sagt Schmidgruber.

„Wir konnten auch nicht, wie andere Tech-Unternehmen, Corona mitnehmen. Auf uns hat sich das negativ ausgewirkt, die Nachfrage nach Vor-Ort-Service ist zurückgegangen“, ergänzt Niederhofer. Und Jahre der Dauerkrise hätten ihre Spuren hinterlassen. „Die Belastung ging bei mir bis zum Burnout. Und irgendwann sind wir an den Punkt gekommen, an dem wir gesagt haben: Wenn es zu Weihnachten immer noch so aussichtslos ist, hören wir auf.“

Das war vor rund zwei Jahren. Mittlerweile schreibt das Unternehmen monatlich sechsstellige Gewinne. Was ist also in der Zwischenzeit passiert?

Eine Reihe von Gamechangern

„Wir haben damals bei einem Event Hansi [Anm. Hansmann] getroffen und sehr offen mit ihm über die schwierige Situation gesprochen. Ihm hat die Idee immer noch gefallen, er hat Potenzial gesehen und meinte, man kann immer noch was machen“, erzählt Schmidgruber. Schließlich stieg das Hansmann Family Office über einen Secondary in das Unternehmen ein. „Wir haben davor oft versucht, Kapital zu raisen, sind aber gescheitert. Die Zahlen haben nie entsprechend ausgesehen, wir hatten kein Hockeystick-Wachstum. Aber Hansi ist jemand, der Chancen erkennt und einfach anpackt, und hatte damit – wie so oft – den richtigen Riecher. Das hat uns den Atem gegeben, doch noch weiterzumachen“, sagt Niederhofer.

Doch das war nicht der einzige Gamechanger für Helferline. „In den letzten Jahren haben alle direkten Konkurrenten in Mitteleuropa aufgegeben bzw. ihr Geschäftsmodell geändert, dadurch mussten alle Firmen mit Bedarf an Vor-Ort-Service zu uns“, so Niederhofer. Und dieser Bedarf bestehe durchaus. „Über Jahre hinweg haben die Anbieter immer mehr auf Plug & Play und do it yourself gesetzt und den Field Service abgebaut. Das hat sich als nicht richtig herausgestellt. Der Bedarf ist weiterhin da – auch in der Telekom-Branche. Auch 2026 kennen sich immer noch nicht alle mit Technik aus“, sagt der Gründer.

O2 wird zum großen Hebel

Und ein Großauftrag in genau diesem Bereich war es schließlich auch, der bei Helferline zum großen Hebel wurde. „Ende vergangenen Jahres haben wir mit einem riesigen Projekt für O2 begonnen. Der Anbieter schenkt jedem Neukunden einen Helferline-Einsatz – und das bei zehntausenden Neukunden im Monat“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer ergänzt: „Mit diesem Angebot will O2 sich vom Wettbewerb absetzen und die Nummer 1 im Bereich Kundenzufriedenheit werden.“

Helferline habe die Aktion unter anderem einen Auftritt in deutschlandweiten TV-Spots und indirekte Werbung auf der Titelseite der Bild-Zeitung gebracht. Die Kapazitäten in kurzer Zeit für einen derartigen deutschlandweiten Auftrag auszubauen, sei aber alles andere als einfach gewesen, erzählt Schmidgruber und zeigt auf den „Schlachtplan“, der zur Erinnerung noch immer an der Bürotür im 9. Bezirk hängt: „Wir haben ja ein Freelancer-Modell. Wir mussten innerhalb weniger Wochen hunderte neue Techniker rekrutieren, onboarden und auf die Plattform bringen, um das Projekt abbilden zu können.“

Niederhofer führt aus: „Es war letztlich ein großer Team-Effort: Wir haben jede Menge Growth Hacks genutzt, haben Techniker als Promotoren an technische Unis geschickt, jedes schwarze Brett genutzt, Flyer verteilt und sogar Bierflaschen beklebt.“ Die teuerste Maßnahme sei das Engagement der größten deutschen Tech-Influencer gewesen. „Die haben uns dann auch über Nacht tausende Bewerbungen gebracht“, erklärt Niederhofer.

Doch bei diesem einen Großauftrag sollte es nicht lange bleiben. Gerade als das O2-Projekt in trockenen Tüchern war, sei bereits der nächste gekommen, erzählen die Gründer – und zwar auf ungewöhnliche Weise. „Es kam eine Mail an Alex [Anm. Niederhofer] herein, die auf den ersten Blick extrem nach Spam aussah“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer führt aus: „Da schreibt jemand, der meint, er arbeitet bei Starlink und sie suchen jemanden, der die Installation für die Starlink-Satellitenschüsseln in ganz Europa übernimmt.“

Entgegen des ersten Impulses habe man die Mail ernstgenommen. „Wir haben uns gefragt: Ist es realistisch, dass unsere Techniker in Zukunft Sat-Schüsseln installieren, obwohl wir zu dem Zeitpunkt noch niemanden hatten, der das machen konnte? Sollen wir uns das trauen?“, erzählt Schmidgruber. Die beiden haben die Frage mit Ja beantwortet – ohne zu ahnen, was auf sie zukommen wird. Die Kooperation mit dem Musk-Unternehmen war von Anfang an nicht mit den europäischen Kooperationspartnern vergleichbar.

Niederhofer bringt ein Beispiel: „In einem Call wurde kurz darüber gesprochen, ob wir theoretisch die Logistik für Ersatzteile übernehmen könnten und wer unser Logistikpartner sei. Ein paar Tage später ruft mich unser Logistiker aus Deutschland an: Drei LKWs von Starlink stehen vor der Halle und wollen jetzt tonnenweise Hardware ausladen. Ohne jede Vorankündigung. Es gab zu dem Zeitpunkt weder einen Vertrag noch sonst etwas Schriftliches. Wir haben das dann mit den Amerikanern geklärt, die Ware übernommen und ein paar Tage später die erste Installation durchgeführt.“

Kurios sei auch gewesen, wie Helferline zu dem Auftrag kam: „Die amerikanischen Mitarbeiter haben einfach bei Claude eingegeben, welches Unternehmen im DACH-Raum diese Montagen am besten durchführen könne – und Claude hat geantwortet: Helferline“, erzählt Niederhofer. Das Service lief an. „Mittlerweile installieren wir in Deutschland und Österreich vierstellig Starlink-Schüsseln pro Monat – und es könnte bald fünfstellig werden“, sagt Schmidgruber. Und inzwischen installiert man schon erste Starlink-Antennen in Frankreich und den Niederlanden.

„Das war noch lange nicht alles“

Und die Welle an neuen Aufträgen reiße seitdem nicht ab. Weitere, teilweise noch größere Projekte seien bereits in der Pipeline oder unterschrieben und werden gerade vom mittlerweile 40-köpfigen Team umgesetzt. „Wir mussten so viele Hürden überwinden und sind einfach nur dankbar, dass wir jetzt eine so positive und spannende Zeit erleben dürfen“, sagt Niederhofer. Und Schmidgruber verspricht: „Aber das war noch lange nicht alles.“

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