27.08.2025
CORPORATE STARTUP

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

Mit Rudi betreibt Uniqa ein Portal für die Vermittlung von Handwerker:innen und anderen Dienstleister:innen im Haushalt. Wir sprachen mit Geschäftsführer Tobias Knoll über den Aufbau des Corporate Startups.
/artikel/rudi-uniqa
Das Rudi-Team rund um Tobias Knoll (l.) | (c) Uniqa
Das Rudi-Team rund um Tobias Knoll (l.) | (c) Uniqa

Eine Vision, vier Mitarbeiter und „ein durchaus steiniger Weg“ – was klingt, wie die klassische Startup-Geschichte, würde man wohl nicht gleich in einem der größten Unternehmen Österreichs verorten. Doch Rudi – kurz für „Rund Um Deine Immobilie“, ein Portal zur Vermittlung von Handwerker:innen und anderen Dienstleister:innen für den Haushalt, ist als Corporate Startup der Uniqa genau dort.

Mit Mavie Next, einer Plattform für Gesundheitsservices, hat Rudi innerhalb des Versicherungs-Riesen eine „große Schwester“, die dieses Jahr unter anderem durch eine große Investment-Runde von sich hören ließ (brutkasten berichtete). „Ergänzende Angebote im Gesundheitsbereich sind als größter privater Krankenversicherer auf der Hand gelegen. Es gibt aber auch andere Lebenswelten, in denen sich die Kund:innen bewegen, in denen Uniqa als relevanter Partner wahrgenommen wird. Die haben wir uns vor einigen Jahren genauer angesehen“, erinnert sich Tobias Knoll. Er ist Geschäftsführer der Uniqa-Tochter Ecosyslab GmbH und damit Chef von Rudi.

„Wir sind explorativ in den Prozess gegangen“

„Wir haben damals Wohnen und Mobilität ergänzend zur Haushalts- bzw. KFZ-Versicherung als große Themen identifiziert“, erzählt Knoll. Nach etlichen Gesprächen mit relevanten Stakeholdern entschied man sich schließlich, das Thema Wohnen zuerst zu bearbeiten. „Wir sind explorativ in den Prozess gegangen und haben verschiedene Usecases getestet. Wir wollten ein vertrauensvolles Dienstleister-Vermittlungsangebot schaffen – alles digital mit Qualitätsprüfung“, so der Geschäftsführer.

Nach drei Jahren erfolgte schließlich diesen Februar der Launch. Das Versprechen an die Kund:innen ist dabei klar: ein End-to-End-Prozess auf der Plattform. „Wir wollten weg vom üblichen Vorgang: Man braucht einen Installateur, googelt, ruft an und holt ein Angebot ein. Man soll digital in Echtzeit buchen können, wie man es von großen Plattformen in anderen Bereichen gewohnt ist. Und in der Marktanalyse haben wir gesehen: Das gibt es so noch nicht“, erzählt Knoll.

Qualitätssicherung als entscheidendes Merkmal von Rudi

Das Ergebnis: Bei Rudi können Kund:innen Dienstleistungen direkt zu einem fixen Datum und mit Fixpreis buchen – und das rechtlich bindend. „Natürlich unter der Prämisse, dass alle Angaben stimmen“, ergänzt der Geschäftsführer. Brauche man also etwa einen Maler, müsse man korrekt angeben, um wie viele Wände es sich handle, wie groß und in welchem Zustand diese seien und welche Farbe benutzt werden soll.

Entscheidend ist dabei die Qualitätssicherung im Hintergrund, betont Knoll: „Wir haben verschiedene Prüfmechanismen“. Anders als bei vielen Marktplatz-Modellen, kann nicht jeder ein Angebot lancieren. „Wir gehen aktiv auf Firmen zu. Wenn sie sich bei uns melden, prüfen wir sie. Teilweise speist sich die Anbieter-Seite aus unserem Uniqa-Firmenportfolio – wir haben viele Tausend Firmen, die bei uns versichert sind, hier ergeben sich tolle Synergiepotenziale“, erklärt der Geschäftsführer.

„Es ist ein durchaus steiniger Weg“

Aktuell beschränkt sich das Angebot noch auf die Bundeshauptstadt Wien, die als Pilotmarkt fungiert. Kann das Geschäftsmodell hier bewiesen werden, soll im nächsten Schritt der österreichweite Rollout erfolgen. Und es ist nicht der erste Beweis, den das vierköpfige Team rund um Knoll, das auch mit externen Partnern wie Tailored Apps zusammenarbeitet, innerhalb der Uniqa erbringen muss.

Denn zwar habe man als Corporate Startup den großen Vorteil, die Assets des Konzerns nutzen zu können, sagt der Geschäftsführer. „Aber wir müssen trotzdem stark in den eigenen Markenaufbau gehen. Es ist ein durchaus steiniger Weg. Wir haben eben nicht irgendwas kopiert und ein Uniqa-Label draufgegeben, sondern versuchen die Art, wie Handwerker:innen gebucht werden, zu revolutionieren.“

„Wir wollen einen One-Stop-Shop bieten“

Und der Aufbau geht weiter. „Unsere Vision ist ganz klar, dass Rudi zum Marktführer im Bereich Dienstleistungsvermittlung für den Wohnalltag wird“, sagt Knoll – und das über den Uniqa-Kund:innenkreis hinaus. Stehe man aktuell bei sieben Produktkategorien wolle man langfristig „alles von A wie Aufsperrdienst bis Z wie Zimmerer“ bieten. „Es soll ähnlich sein, wie bei willhaben: Was auch immer du suchst, findest du. Wir wollen einen One-Stop-Shop bieten – in Uniqa-Qualität“, sagt der Geschäftsführer.

Doch Rudi muss nicht nur das eigene Modell beweisen. Als Corporate Startup soll es dem großen Mutterkonzern schließlich auch strategisch nutzen. „Aktuell sind wir noch relativ losgelöst vom Kerngeschäft und an keine Kernsysteme angebunden. In Zukunft wird es aber extrem relevant werden, dass wir die Plattform synergistisch mit dem Kerngeschäft der Uniqa verbinden“, sagt Knoll. Die Nähe zum Thema Haushaltsversicherung liege dabei auf der Hand. „Und es wird noch mehr strategisch sinnvolle Anknüpfungspunkte geben“.

Deine ungelesenen Artikel:
21.10.2026

Grazer Deep-Tech-Spin-off DiLT Analytics schließt siebenstellige Finanzierungsrunde ab

Das Grazer TU-Spinoff holt den Deep-Tech-Fonds Noctua Science Ventures als Investor an Bord und erhält zusätzlich eine Förderung aus dem Programm aws Seedfinancing – Deep Tech. Das Kapital soll in den Teamaufbau und in den Rollout der Diagnosesoftware FaciliMind fließen.
/artikel/grazer-deep-tech-spin-off-dilt-analytics-schliesst-siebenstellige-finanzierungsrunde-ab
21.10.2026

Grazer Deep-Tech-Spin-off DiLT Analytics schließt siebenstellige Finanzierungsrunde ab

Das Grazer TU-Spinoff holt den Deep-Tech-Fonds Noctua Science Ventures als Investor an Bord und erhält zusätzlich eine Förderung aus dem Programm aws Seedfinancing – Deep Tech. Das Kapital soll in den Teamaufbau und in den Rollout der Diagnosesoftware FaciliMind fließen.
/artikel/grazer-deep-tech-spin-off-dilt-analytics-schliesst-siebenstellige-finanzierungsrunde-ab
DiLT Analytics
© DiLT Analytics

DiLT Analytics hat eine siebenstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Sie setzt sich aus einem Equity-Investment von Noctua Science Ventures und einer Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Programms Seedfinancing – Deep Tech zusammen. Mit dem Geld möchte das 2021 gegründete Spinoff der TU Graz sein Team ausbauen und FaciliMind, seine Software zur automatisierten Fehlerdiagnose in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, zu weiteren Betreibern großer Gebäudeportfolios bringen

DiLT Analytics: „Substanziell wachsen“

Noctua Science Ventures ist ein Wiener Deep-Tech-Fonds und ein Joint Venture von Speedinvest und den Technischen Universitäten Österreichs. Der Fonds investiert gezielt in Ausgründungen, deren Produkt auf langjähriger Forschung beruht.

„Die aws-Förderung ergänzt das Investment und ist auf genau diese Phase zugeschnitten: den Schritt von einer erprobten Technologie zu einem Produkt, das sich über viele Standorte hinweg ausrollen lässt“, heißt es per Aussendung. Um im Sinne des Programms aws Seedfinancing – Deep Tech als Deep Tech zu gelten, muss das Vorhaben auf einer „anspruchsvollen technologischen und wissenschaftlichen Herausforderung“ basieren und einen klaren Technologiesprung gegenüber bestehenden Lösungen oder rein inkrementellen Weiterentwicklungen ermöglichen.

„Mit Noctua Science Ventures haben wir einen Partner gefunden, der beides kennt: die technischen Herausforderungen eines Deep-Tech-Produkts und den Weg in die Kommerzialisierung. Für ein junges Spinoff ist das der Best Case. Dass parallel auch die aws-Förderung zugesagt wurde, bestätigt uns, dass FaciliMind und unser Team auf dem richtigen Weg sind. Jetzt geht es darum, substanziell zu wachsen“, sagt Theresa Kohl, CEO von DiLT Analytics.

Philipp Stangl, Managing Director von Noctua Science Ventures, ergänzt: „Von unseren vielen Gesprächspartnern erhielten wir ein sehr einheitliches Bild zu DiLT: ein glaubwürdiger, technisch differenzierter Ansatz, umgesetzt von einem Team, mit dem Immobilienprofis gerne zusammenarbeiten. Genau diese Kombination aus Forschungsvorsprung und starker Kundenorientierung ist es, wonach wir in der Pre-Seed-Phase suchen.“

2021 gegründet

DiLT Analytics wurde Ende 2021 von Franz Wotawa und Gerald Schweiger als Spinoff des Instituts für Softwaretechnologie der TU Graz gegründet und ging aus der Forschungsgruppe „Intelligent Systems“ hervor. Erstes größeres Projekt war „Inframonitor“, eine herstellerunabhängige IoT-Datenplattform für den Campus Inffeldgasse der TU Graz.

Seither ist DiLT an mehr als 20 Forschungsprojekten mit über 15 Partnern beteiligt, einige davon FFG-gefördert und gemeinsam mit österreichischen und europäischen Universitäten. Die Ergebnisse fließen über den Forschungszweig DiLT Research direkt in die Produktentwicklung. Geführt wird das Unternehmen heute von Theresa Kohl (CEO), Christopher Gray (Business Development & Strategy), Thomas Hirsch (CTO), Reinhard Pertschy (CPO) und Thomas Schwengler (Head of Software).

Die entwickelte Software FaciliMind analysiert Betriebsdaten von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, erkennt dabei versteckte Fehler und Optimierungspotenziale und liefert Technikteams eine nach Dringlichkeit sortierte Maßnahmenliste, so der Claim. Die Software von DiLT Analytics arbeitet herstellerunabhängig und lässt sich über ein einzelnes Gerät an die bestehende Gebäudeleittechnik anbinden. Dank eines knowledgegraphbasierten Softwarestacks soll sie das digitale Abbild komplexer Anlagen weitgehend automatisiert innerhalb weniger Tage statt monatelanger Handarbeit erstellen können. Zielgruppe sind Betreiber großer Gebäudeportfolios, etwa in der öffentlichen Hand, an Flughäfen sowie in Industrie und Gesundheitswesen.

DiLT Analytics erhielt Preise

Zu den Kunden zählen u.a. die Technischen Universitäten Graz und Wien, Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), IG Immobilien Management GmbH und Industriekunden. 2025 wurde DiLT Analytics mit dem DREA Award und dem ÖGUT Umweltpreis ausgezeichnet. Und ist seit September 2026 nach ISO 27001 zertifiziert.

„Wissen über Anlagenbetrieb soll im Unternehmen bleiben“

Neben der Verstärkung des Teams und dem geplanten Rollout möchte DiLT Analytics künftig ein Übersetzungswerkzeug für den BACtwin-Standard als Open Source veröffentlichen und die Diagnose künftig auf weitere Technologien wie Wärmepumpen, Photovoltaik und Batteriespeicher ausweiten

„Ein Gebäudeportfolio überdauert seine Dienstleister und oft auch seine erfahrensten Mitarbeitenden“, sagt Kohl. „Unser Ziel ist, dass das Wissen über den Anlagenbetrieb im Unternehmen bleibt und dass Entscheidungen auf verifizierter Datengrundlage statt auf Bauchgefühl und Erinnerung beruhen.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rudi: Warum ein Versicherer Handwerker vermittelt