10.03.2021

Rohla-Startup KastlGreissler holt 250.000 Euro über Crowdfunding für Deutschland-Expansion

Das Nahversorgungs-Startup um den "2 Minuten 2 Millionen"-Investor will nun mit Standorten in Bayern und Sachsen am deutschen Markt starten.
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Der KastlGreissler in Tulbing im Tullnerfeld
Der KastlGreissler in Tulbing im Tullnerfeld | Foto: KastlGreissler

Das Nahversorgungs-Startup KastlGreissler hat in einer Crowdfunding-Kampagne 250.000 Euro erhalten – und will damit nun die Expansion nach Deutschland starten. „Mit Ihrer Investition verhindern Sie, dass Menschen 2 Tonnen Autoblech 20 Kilometer weit bewegen für 2 Liter Milch“, hatte der Aufruf von Mitgründer und „2 Minuten 2 Millionen“-Investor Martin Rohla zur Kampagne gelautet.

Und wie funktioniert das? Durch das Aufstellen von Selbstbedienungscontainern. In diesen namensgebenden „Kastln“ werden auf 15 Quadratmetern Fläche rund 450 unterschiedliche Produkte untergebracht. Mindestens 50 Prozent der Waren müssen dabei direkt aus der Region kommen, an manchen Standorten liegt der Anteil tatsächlich aber sogar bei 70 bis 80 Prozent.

Standorte in fünf Bundesländern

KastlGreissler basiert auf einem Franchise-System. Aktuell gibt es sechs Franchisenehmerinnern und -nehmer, die acht Standorte betreiben. Noch diese Woche starten zwei weitere Container in Osttirol und Oberösterreich. Damit ist das Konzept dann in fünf Bundesländern mit insgesamt zehn Containern vertreten. Bis Jahresende soll die Zahl in Österreich bis auf 40 steigen. Als Langfristziel peilt das Unternehmen 140 Container bis 2024 an.

Christoph Mayer, Mitgründer KastlGreissler; Moritz Schuschnigg, KastlGreissler im Mittelburgenland; Katrin Schöggl, KastlGreisslerin in der Region Neusiedlersee-Carnuntum; Gerald Gross, Geschäftsführer KastlGreissler
Christoph Mayer, Mitgründer; Moritz Schuschnigg, KastlGreissler im Mittelburgenland; Katrin Schöggl, KastlGreisslerin in der Region Neusiedlersee-Carnuntum; Gerald Gross, Geschäftsführer | Foto: KastlGreissler

Deutschland-Expansion startet mit Sachsen und Bayern

Nun steht aber zunächst einmal die Expansion nach Deutschland am Programm – zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. In einem ersten Schritt soll das Modell nach Bayern und Sachsen gebracht werden. Die Crowdfunding-Kampagne dazu erreichte auf der Plattform Green Rocket im Februar nach nur 13 Minuten die Fundingschwelle von 50.000 Euro. Das Limit wurde daraufhin von 150.000 auf 250.000 Euro erhöht. Bereits im Vorjahr hatte das Unternehmen eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne durchgeführt.

„Wir haben mitten in der Krise gestartet und dabei von einem verstärkten Bedürfnis nach Regionalität profitiert“, sagt KastlGreissler-Geschäftsführer Gerald Gross. Genauso sei man aber davon überzeugt, dass der Wandel ein langfristiger sei und auch nach der Corona-Pandemie anhalten werde.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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