23.12.2016

RITA bringt’s: „Wollen groß werden, aber klein bleiben“

2014 wurde RITA bringt's als vegetarischer Lieferservice für die Wiener Innenbezirke gelauncht. Inzwischen sind ein Catering-Dienst und ein Marktlokal dazugekommen. Und Founderin Rita Huber hat noch einiges vor.
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(c) Rita bringt's: Rita Huber mit einem ihrer Lastenräder und einem Teammitglied.
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Am ersten April 2014 legte Rita Huber in Wien mit ihrem vegetarischen Lieferservice RITA bringt’s los. An ihrer Seite hatte sie ihren Schwager Gerald Költringer, der einiges an Business-Erfahrung mitbrachte. Das Konzept lässt sich mit einigen Schlagworten zusammenfassen: vegetarisch, regional, saisonal, nachhaltig. Daher wird das Essen auch nur per Lastenrad ausgeliefert – das Liefergebiet war zu Beginn mit den Wiener Innenbezirken entsprechend klein.

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200 Adressen bekommen 700 Artikel

(c) Rita bringt's: Die Flotte
(c) Rita bringt’s: Die Flotte

An jenem ersten Geschäftstag belieferte das Startup 12 Adressen. Heute sind es im Durchschnitt 200. „Wir können inzwischen täglich 700 Artikel von Muffins bis Hauptspeisen vorbereiten und ausliefern“ erzählt Huber. Das Liefergebiet umfasst inzwischen einen relativ großen Radius um das Wiener Stadtzentrum. Im Winter sei man komplett ausgelastet. Im Sommer werde hingegen nicht immer das Potenzial ausgeschöpft. „Die Leute gehen, wenn es warm ist, eher selber hinaus und lassen sich seltener etwas liefern“, vermutet Huber.

Catering als Ausgleich

Doch das stört sie inzwischen recht wenig. Denn um die fehlende Auslastung wettzumachen, kam relativ bald nach dem Launch ein weiteres Geschäftsfeld hinzu, das Huber ursprünglich gar nicht auf dem Radar gehabt hatte: Catering. „Das Catering gleicht die geringere Nachfrage im Sommer gut aus“, erzählt Huber. Um die Weihnachtszeit komme man dann etwas ins Schwitzen. Denn dann sei die Nachfrage sowohl im Lieferservice, als auch im Catering groß.

„Es war ein kleines, etwas grindiges Lokal gegenüber von einem Geflügelstand“

Lokal im Stadterneuerungsgebiet

Das hielt Huber jedoch nicht davon ab, bereits ein Jahr nach dem Start ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen. Im April 2015 kam eine Expertin der Gebietsbetreuung zur Stadterneuerung des Vorgartenmarkts im 2. Bezirk auf sie zu und bot ihr ein leerstehendes Marktlokal zur Miete an. „Es war ein kleines, etwas grindiges Lokal gegenüber von einem Geflügelstand“, erinnert sich Huber. Nach einer kurzen Phase des Zweifels überwog der Reiz gerade da ein vegetarisches Restaurant aufzumachen.

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Zweiter Standort in Planung

Huber sieht das als Investment in die Zukunft: „Es ist ein Viertel von dem man weiß, dass es sich entwickelt, aber es ist im Moment noch nicht am Ziel“, sagt sie. Das Lokal am Vorgartenmarkt ist jedoch nicht ihr einziges Zukunftsprojekt. Als nächstes steht ein zweiter Lieferservice-Standort in Wien über der Donau am Plan. Man habe aber noch keinen passenden Platz gefunden. Für die Finanzierung dieses Projekts denkt Huber laut über eine Crowdinvestingkampagne nach. Feststehen würde aber noch nichts.

„Wir wollen groß werden, aber dabei klein bleiben“

Franchise-System als Zukunftsmodell?

Damit ist Hubers Zukunftsplanung jedoch noch lange nicht abgeschlossen. „Man darf ruhig größer denken“, sagt sie. Und für diesen größeren Schritt schwebt ihr der Aufbau eines Franchise-Systems vor, den sie im Moment auch schon prüft. Wieder gilt: Nichts ist fix. Das System böte sich an, weil damit ihr Grundprinzip der kleinen Strukturen an anderen Standorten weitergeführt werden könne. „Wir wollen groß werden, aber dabei klein bleiben“, sagt sie.

„Kein schlechtes Gewissen bei Zwölfstundentag“

Und wie bringt sie all das in ihrem Zeitplan unter? „Es hat lange gedauert, aber ich habe gelernt, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich an einem Tag nur zwölf Stunden gearbeitet habe“, sagt sie lachend. Dadurch, dass sie inzwischen ein perfekt eingespieltes Team habe, müsse sie sich nicht mehr durchgehend ums Tagesgeschäft kümmern. Das einzige, was sie dabei störe ist, dass sie nun nicht mehr so viel koche. Dafür könne sie nun zuhause neue Rezepte entwickeln.

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Einarbeitungszeiten um mehr als 35 Prozent und Fertigungsfehler um 20 Prozent reduzieren; gleichzeitig das Vertrauen der Mitarbeitenden in die eigenen Fähigkeiten um mehr als 20 Prozent steigern und die körperliche und mentale Belastung senken – das sind die ambitionierten Ziele des Projekts Manufactor.

Mit sechs Millionen Euro von Horizon Europe gefördert

14 Partner aus zehn EU-Ländern sind daran beteiligt, darunter Universitäten wie TU Darmstadt (Deutschland) und Universität Uppsala (Schweden), Industriebetriebe wie Hitachi Energy Sweden und Volkswagen Autoeuropa (Portugal) und Startups wie u-sense.it (Italien) und Viscando (Schweden). Mit dem oberösterreichischen Maschinenbauer Fill und dem Wiener Datenbrillen-Startup Viewpointsystem sind auch zwei österreichische Unternehmen bei dem im Rahmen von Horizon Europe mit sechs Millionen Euro geförderten EU-Projekt dabei.

Zusammenführung mehrerer Technologien

Um die zuvor genannten Ziele zu erreichen, sollen im Rahmen des auf drei Jahre angesetzten Forschungs- und Entwicklungsprojekts mehrere Technologien zusammengeführt werden und ein validierter Prototyp entstehen: tragbare Sensoren, XR-Brillen, Eye Tracking, 3D-Bildsensoren, KI-Agenten und Human Digital Twins. „Zusammen liefern sie Informationen über die körperliche und kognitive Situation der Mitarbeitenden und ermöglichen eine situationsgerechte Unterstützung direkt am Arbeitsplatz. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mensch und die Frage, wie Technologie ihn bei seiner Arbeit bestmöglich unterstützen kann“, heißt es von Projektpartner Viewpointsystem in einer Aussendung.

Vom Eye-Tracking zum „Human Digital Twin“

Das Wiener Startup steuert als einer von vier zentralen Technologiepartnern eine Weiterentwicklung seiner Eye-Tracking-Brille bei. Die Eye-Tracking- und Kameradaten der Brille sollen im Projektverlauf mit weiteren Sensordaten zusammengeführt werden. Daraus soll ein Echtzeitbild der körperlichen und kognitiven Situation von Mitarbeitenden, also ein sogenannter „Human Digital Twin“ entstehen. KI-Agenten sollen diese Informationen dann nutzen, um die Unterstützung an die jeweilige Situation anzupassen, etwa durch Audioanweisungen oder direkt in der XR-Brille eingeblendete Informationen.

„KI kann ihre Unterstützung an die Person und die jeweilige Situation anpassen“

„Wirklich adaptive Unterstützung beginnt damit, den Menschen hinter der Aufgabe zu verstehen. Eye Tracking gibt uns in Echtzeit Aufschluss über die Aufmerksamkeit und kognitive Belastung eines Menschen“, erklärt Frank Linsenmaier, CTO von Viewpointsystem. „Auf dieser Grundlage kann KI ihre Unterstützung an die Person und die jeweilige Situation anpassen und damit über eine reine Automatisierung von Assistenz hinausgehen.“

Test in der Next World Factory von Fill

Getestet wird das unter anderem bei Industriepartner Fill, konkret im firmeneigenen Ausbildungs- und Lernzentrum Next World Factory. Im Projekt soll untersucht werden, wie adaptive, KI-gestützte Assistenz den Kompetenzerwerb beschleunigen und die sichere Anwendung im Arbeitsalltag unterstützen kann. Martin Muik, Forschung und Entwicklung bei Fill, nennt auch den Fachkräftemangel als Grund für das Projekt. „Mit Manufactor wollen wir erproben, wie intelligente Assistenz das Lernen individueller, effizienter und motivierender gestalten und Menschen dabei unterstützen kann, ihr Potenzial bestmöglich zu entfalten.“

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