11.05.2021

Rezeptfreie Arzneimittel: gurkerl.at kooperiert mit DaVinci-Apotheke

Das im Vorjahr gestartete E-Commerce-Startup gurkerl.at erweitert sein Portfolio und vertreibt künftig gemeinsam mit der DaVinci Apotheke auch rezeptfreie Apothekenprodukte wie Arzneimittel, Kosmetik- & Pflegeartikel oder auch Artikel für Schwangerschaft, Babys und Kinder.
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gurkerl.at
gurkerl.at gerät wegen hoher Infektionszahlen unter Druck. © gurkerl.at

Der Onlineshop gurkerl.at ist seit Dezember 2020 im Großraum Wien präsent und überzeugt die Kunden mit einem Lieferservice innerhalb von drei Stunden ab Bestelleingang sowie einem qualitativ hochwertigen Sortiment, in dem sich auch viele regionale Kleinproduzenten finden. Der Unternehmensgründer und Startup-Investor Tomáš Čupr startete mit rohlik.cz 2014 in Tschechien durch – laut eigenen Angaben hält man dort die Marktführerschaft im Onlinehandel mit FMCG-Produkten.

Und auch in Österreich läuft das Geschäft sehr zufriedenstellend, wie gurkerl.at Geschäftsführer Maurice Beurskens auf Nachfrage vom brutkasten schildert: „Wir hatten mit dem Launch von gurkerl.at einen überaus guten Start. Wir sehen an den Reaktionen unserer Kundinnen und Kunden, dass gurkerl.at sehr gut angenommen wird, was uns natürlich sehr freut. Der Zeitpunkt während des Lockdowns ist gewiss gut gewählt, aber gurkerl.at ist so viel mehr. Wir liefern direkt vor die Haus- oder Wohnungstür; kombiniert mit frischen, hochqualitativen Produkten ist das in dieser Form neu am österreichischen Markt. Wir arbeiten sehr fokussiert daran uns vor allem in den Bereichen Qualität stetig zu verbessern, um die Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden garantieren zu können.“ 

4.000 Apothekenprodukte

Nun wird das 9.000 Artikel umfassende Lebensmittel- und Nearfood-Angebot von gurkerl.at um 4.000 rezeptfreie Apothekenprodukte sowie um Artikel bekannter Beauty-Marken wie Dr. Hauschka, Eucerin oder Vichy erweitert. Dafür hat sich das Unternehmen mit der im 10. Wiener Gemeindebezirk ansässigen DaVinci Apotheke zusammengetan, die man als Transportdienstleister und Payment Provider unterstützt. Die Hintergründe des Sortimentsausbaus begründet Beurskens wie folgt: „Da unser Mutterunternehmen Rohlik in Tschechien Apothekenprodukte im Sortiment führt, war es für uns nur eine Frage der Zeit, bis wir auch die Kapazitäten haben, um diese anbieten zu können. Wichtig war es hierbei einen geeigneten Partner zu finden, der nicht nur von der Lage zu unserem Warenhaus in Frage kommt, sondern auch die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen kann. Dabei ist unsere Entscheidung auf die DaVinci Apotheke gefallen.“ Diese ist nur zehn Minuten vom gurkerl.at-Lager entfernt und erfüllt damit alle notwendigen Anforderungen. Die Bestellungen werden direkt von der DaVinci-Apotheke bearbeitet und dann innerhalb einer Stunde an das gurkerl.at-Warenhaus zugestellt. Dort werden sie dann der anderen Bestellung beigelegt und anschließend in das Zustellungsfahrzeug verladen. „Somit können wir eine Zustellung in drei Stunden garantieren und sind davon überzeugt, dass wir durch die Erweiterung des Sortiments und die kurzfristige Lieferung den Alltag unserer Kunden vereinfachen“, betont Beurskens.

Seit 3. Mai hat gurkerl.at das Zustellgebiet erweitert und liefert nun neben Wien auch nach Korneuburg, Bisamberg, Hagenbrunn, Kleinengersdorf, Brennleiten, Klosterneuburg (Stadt), Weidling, Kierling und Kritzendorf.

Sortiment gurkerl.at
Bei gurkerl.at kann man künftig Lebensmittel und Apothekenprodukte mit nur einem Klick einkaufen. © gurkerl.at

Für die Digitalisierung der DaVinci-Apotheke zeichnet Pia Baurek-Karlic, Geschäftsführerin des Online Shopping-Portals beavit.at und das jüngste Mitglied der Apothekerfamilie Baurek, verantwortlich. „Gerade Zeiten wie diese zeigen, dass gewisse Dinge einfach modernisiert werden können. Wir freuen uns, als ursprünglicher Waldviertler Familienbetrieb zu einer der innovativsten Apotheken Österreichs zählen zu können. Mit gurkerl.at haben wir einen starken Partner gefunden und freuen uns umso mehr, ein bisschen frischen Wind in die Apotheken-Branche zu bringen”.

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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