Ein Wiener Erfinder will die Zahnseide revolutionieren und setzt dazu auf ein System aus einer Zahnschiene und einer speziellen Paste. „Revodent“ heißt die neue Art, Zahnzwischenräume sauber zu bekommen und auf die Idee kam Franz Rathkolb am Strand. „Beim Schwimmen am Strand spülte ich Meerwasser, welches mit feinem Sand versetzt war, vielfach durch den Mund und die Zähne. Am Abend bemerkte ich, dass meine Zähne auffallend weiß und sauber waren“, so Rathkolb, der eine Zeit lang Medizin studiert hat.
Schiene lenkt Paste in Zahnzwischenräume
Revodent ist natürlich weder eine Meerwasserspülung, noch eine Sandstrandpaste. Nach jahrelanger „Tüftelei“ kam der Erfinder auf eine Paste aus Marmormehl und pflanzlichen Fasern. Damit Zahnzwischenräume auch wirklich gereinigt werden, soll man mit dieser Paste aber nicht einfach so spülen, wie Rathkolb einst am Strand. Stattdessen hat der Unternehmer noch eine Schiene entwickelt, die zwischen die Zähne geklemmt wird und die Flüssigkeit, welche feinste Marmorpartikel enthält genau dorthin lenkt, wo sie hin soll.
Individuelle Anpassung
Die Kunststoffschiene wird dazu daheim individuell an die Kauflächen des Nutzers angepasst. Dazu legt man sie kurz in sehr heißes Wasser und presst sie dann im eigenen Mund in Form. Im Mund mixt man „zwei Zentimeter“ der Paste mit Wasser und schiebt die Mischung mit der Zunge an der Schiene vorbei durch die Zahnzwischenräume. Drei bis fünf Minuten lang. Dadurch werden Bakterien in den Zahnzwischenräumen entfernt. Gemeinsam mit dem Zahnmediziner Martin Mai hat Rathkolb das System perfektioniert. In einer In Vitro Model-Untersuchung wurde Revodent an der Universitäts-Zahnklinik in Wien drei Jahre lang geprüft und als sehr wirkungsvolle Methode bezeichnet, die Zahnzwischenräume von bakteriellen Belägen zu reinigen.
Revodent setzt auf Schonung der Umwelt
Neben der Zahnreinigung ist dem Unternehmer auch die Umwelt wichtig. Die Paste bestehe größtenteils aus Naturstoffen und enthalte kein Mikroplastik. Außerdem seien Verpackung und Schiene recycelbar. Praktisch wie umweltfreundlich: Die Schiene muss nicht aufgeladen werden, enthält dementsprechend keinen Akku und verbraucht keine Energie.
Im Jänner hat der 59-Jährige sein Startup Revodent gegründet und testet nun in der TV-Show 2 Minuten 2 Millionen, wie der Zahnseiden-Killer bei Investoren ankommt.
„Wir haben ein Fähigkeitsproblem, kein Diversitätsproblem“: Warum Europas Sicherheit mehr Frauen braucht
Im Rahmen des European Forum Alpbach luden Natascha Fürst, Geschäftsführerin von Female Founders, und Lisa-Marie Fassl, General Partner bei Fund F ein, um über kritische Infrastruktur und Sicherheitsfragen zu diskutieren. Die Kernaussage: Weibliche Expertise sei kein sanftes „Nice-to-have“, sondern eine geopolitische Notwendigkeit.
„Wir haben ein Fähigkeitsproblem, kein Diversitätsproblem“: Warum Europas Sicherheit mehr Frauen braucht
Im Rahmen des European Forum Alpbach luden Natascha Fürst, Geschäftsführerin von Female Founders, und Lisa-Marie Fassl, General Partner bei Fund F ein, um über kritische Infrastruktur und Sicherheitsfragen zu diskutieren. Die Kernaussage: Weibliche Expertise sei kein sanftes „Nice-to-have“, sondern eine geopolitische Notwendigkeit.
Defence, Security & Resilience waren 2025 laut Dealroom und NATO Innovation Fund der am schnellsten wachsende VC-Sektor Europas, nach KI. 2025 flossen laut PitchBook weltweit rund 49,9 Milliarden US-Dollar in den Sektor, fast doppelt so viel wie im Jahr davor. Europäische Startups aus den Bereichen Defence, Security & Resilience sammelten laut Dealroom und NATO Innovation Fund 2025 insgesamt 8,7 Milliarden US-Dollar ein, ein Allzeithoch. Damit macht Verteidigung mittlerweile 13 Prozent des gesamten europäischen VC-Fundings aus. Vor 2020 waren es noch unter einem Prozent.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wer in diesem schnell wachsenden Markt eigentlich mitbaut und wer dabei außen vor bleibt. Im Böglerhof luden Natascha Fürst, Geschäftsführerin von Female Founders, und Lisa-Marie Fassl, General Partner bei Fund F, zu einer Session ein, die genau diese Frage stellte. Die Kernthese: Echte europäische Souveränität und der Schutz kritischer Infrastrukturen seien ohne die aktive Führung von Frauen nicht zu erreichen.
Zwei Perspektiven prägten den Abend vor allem für die Startup-Szene: die geopolitische Analyse von Women-in-Defense-Tech-Founderin Eveline Beer und das finanzielle Plädoyer von Fund-F-Investorin Lisa-Marie Fassl. Außerdem diskutierten auf dem hochkarätigen Panel Katharina Rogenhofer (Geschäftsführerin Kontext Institut), Antonella Mei-Pochtler (EFA-Vizepräsidentin), Monika Unterholzner (stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke) und Sabine Gromer (Gründerin Magnolia Tree Consulting).
Für Eveline Beer, CEO und Mitgründerin von Women in Defense Tech, ist die mangelnde Einbindung von Frauen in Sicherheits- und Verteidigungsfragen kein moralisches Wohlfühlthema mehr. „Wir neigen dazu, dies als Diversitätsproblem zu bezeichnen. Ich denke, wir müssen anfangen, es als ein Fähigkeitsproblem zu benennen“, stellte Beer klar. Wenn Europa angesichts massiver Fachkräfte- und Innovationslücken die Hälfte seines Talentpools ignoriere, schwäche dies direkt die europäische Handlungsfähigkeit, fügt sie hinzu.
„Es gibt keine Infrastruktur ohne Verteidigung, und es gibt keine Verteidigung ohne Infrastruktur“, sagt Beer. Sicherheit werde heute maßgeblich davon bestimmt, ob Energienetze resilient sind, ob Europa die Kontrolle über seine Daten behält, kritische Komponenten selbst produzieren kann und Zugriff auf Rohstoffe hat. Frauen dürften in diesem Transformationsprozess nicht mehr nur als passive Schutzbedürftige in Krisen verstanden werden. „Frauen müssen diese Systeme bauen, sie finanzieren, sie verwalten und sie leiten“, forderte Beer. Es gehe am Entscheidungstisch letztlich um Macht und demokratische Mitbestimmung.
Startups und Kapitalströme als geopolitischer Hebel
Hier kommt die Schnittstelle zum Risikokapital ins Spiel. Lisa-Marie Fassl machte deutlich, dass Technologieentwicklung die Handschrift ihrer Schöpfer:innen trägt. Werden Frauen vom Aufbau kritischer Technologien ausgeschlossen, profitieren sie auch nicht von deren gesellschaftlichem Nutzen. Hierbei ginge es nicht nur um Gründerinnen, sondern auch um Investorinnen. „Frauen investieren in andere Dinge“, sagt sie. Es ginge Frauen neben finanziellen Faktoren auch um soziale oder ökologische Wertschöpfung. Fassl fordert, Kapitalströme gezielt als strategisches Steuerungselement einzusetzen: „Die Zukunftsszenarien wachsen dort, wo das Geld fließt.“
Als Beispiel aus ihrem eigenen Portfolio, das ausschließlich Startups mit mindestens einer Gründerin umfasst, nennt Fassl das luxemburgisch-britische Startup Uplift360. Das Unternehmen entwickelt ein chemisches Verfahren zum Recycling von Carbonfasern und Kevlar, zwei Materialien, die etwa aus alten Windkraft-Rotorblättern beziehungsweise aus militärischer Schutzausrüstung stammen und in der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie stark nachgefragt sind, wie Fassl erläutert. Fund F beteiligte sich Ende 2025 an einer Seed-Runde über 7,4 Millionen Euro für Uplift360, angeführt vom VC-Fonds Extantia und mit weiterer Beteiligung unter anderem des NATO Innovation Fund und von Promus Ventures. Die Investorin beschreibt einen Business Case, der nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern sich auch als ökonomisch lukrativ erweist.
Natascha Fürst verwies darüber hinaus auf eine Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2018. Laut dieser erzielten die untersuchten 350 Startups mit mindestens einer Gründerin über fünf Jahre 78 Cent Umsatz je investiertem Dollar, gegenüber 31 Cent bei Unternehmen ohne weibliche Gründerin. Gleichzeitig erhielten sie im Durchschnitt deutlich weniger Kapital. Fürst argumentiert daraus, dass die aktuell ungleiche Kapitalverteilung auf Gründerteams in Bezug auf Genderdiversität somit ökonomisch schlichtweg unlogisch sei.
Den Tisch verschieben, erweitern und neu bauen
Am Ende der intensiven Debatte im Böglerhof stand Einigkeit in einer Sache: Für einen echten Wandel reiche es nicht mehr aus, auf eine Einladung an die bestehenden Machtzirkel zu hoffen.
Es geht darum, neue Tische zu bauen, bestehende Tische aktiv zu verschieben und international auszuweiten, um strategische Allianzen auf Augenhöhe zu schmieden. Europa könne sich im globalen Ringen um digitale, energetische und militärische Souveränität keine geschlossenen Türen mehr leisten.
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