09.07.2025
FOODTECH

Revo Foods startet nach Kontroverse Serienproduktion von veganem Oktopus

Revo Foods bringt seine täuschend echten Kraken-Tentakel jetzt regulär in den Handel. Doch die hyperrealistische Optik der Tentakel sorgten für eine Kontroverse in den sozialen Medien.
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(c) Revo Foods

Das Wiener Food-Tech-Unternehmen Revo Foods startet die Serienproduktion seines pflanzlichen Produkts „The Kraken – Inspired by Octopus“. Die Tentakel-Imitation auf Basis fermentierten Pilzproteins war im März 2024 nur als Testlauf gedacht, war jedoch laut Revo Foods binnen 48 Stunden ausverkauft. Ab sofort läuft sie regulär in der firmeneigenen „Taste Factory“, einem 2024 eröffneten 3D-Extrusionsbetrieb, vom Band. Parallel beginnt der europaweite Versand über den Revo-Webshop sowie Vertriebspartner wie Billa Online, Gurkerl.at, Alfies (Österreich) und Knuspr.de oder Kokku Vegan Market (Deutschland).

Zusammensetzung und Anwendung

Gefertigt wird ausschließlich in Wien; drei Patente schützen die kontinuierliche 3D-Extrusion, die sichtbare Saugnäpfe und eine faserige Textur erzeugt. Die Basis des Kraken bildet Mykoprotein, eine fermentierte Biomasse mit vollständigem Aminosäureprofil. Ergänzt wird es um Mikroalgenöl (Omega-3) und Ballaststoffe; der Nutri-Score liegt bei A. Das Produkt kann roh verzehrt werden, erreicht aber laut Hersteller sein volles Aroma beim Braten oder Grillen in klassischen Pulpo-Gerichten. Revo Foods positioniert die Neuentwicklung als Alternative in einem Segment, das bislang auf Tintenfisch aus Wildfang oder Zucht angewiesen ist.

Polarisierende Meinungen

In sozialen Medien löste die realistische Tentakelform im März 2024 gemischte Reaktionen aus. In einem Instagram-Posting mit über 6.000 Likes von Plant Based News reichten die Kommentare von Ablehnung („zu realistisch“) bis zu Begeisterung.

Für Revo-Food-Tech-Leiter Niccolò Galizzi ist genau diese Spannbreite ein Teil der Strategie, weil sie Aufmerksamkeit für die nächste Generation pflanzlicher Produkte schafft und Diskussionen über Meerestiere anstößt. Hintergrund: In der EU werden jährlich mehr als 200 000 Tonnen Oktopus konsumiert. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die kognitiven Fähigkeiten der Tiere, nicht zuletzt durch Dokumentationen wie My Octopus Teacher; in Kalifornien wird bereits über ein Zuchtverbot debattiert.

Expansion durch Kooperation

Gleichzeitig nutzt Revo Foods die Nachfrage, um international zu wachsen. Erst Mitte Juni gab das Unternehmen eine Kooperation mit dem slowenisch-amerikanischen Startup Juicy Marbles bekannt (brutkasten berichtete). Unter dem Co-Brand „Juicy Marbles & Friends“ vertreiben beide Partner das Weißfisch-Imitat „Kinda Cod“ nun exklusiv im Juicy-Marbles-Onlineshop in den USA.


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Bild: KI-generiert / Google Gemini

Die europäischen NATO-Länder werden ihre Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren massiv erhöhen. Neben den direkten Verteidigungsausgaben, die auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen sollen, sind weitere 1,5 Prozent des BIP für sicherheitsrelevante Investitionen vorgesehen: etwa für die Anpassung der Verkehrsinfrastruktur, für den Bevölkerungsschutz oder für Cyber- und Netzwerksicherheit. Europaweit entspricht das jährlich rund 320 Mrd. Euro.

Auch für Österreich als Nicht-NATO-Staat hat das Folgen. Legt man das 1,5-Prozent-Ziel als Referenzmaßstab zugrunde, ergibt sich ein potenzieller jährlicher Investitionsbedarf von rund 7,5 Mrd. Euro. Das geht aus der Studie „Verteidigungsrelevante Infrastruktur als Rückgrat souveräner Sicherheitsvorsorge“ von EY und der deutschen DekaBank hervor.

Jeder Euro löst 2,45 Euro aus

Die Investitionen stoßen laut Studie in den europäischen NATO-Ländern eine Produktion von insgesamt 822 Mrd. Euro pro Jahr an, 17 Mrd. Euro davon entfallen auf Österreich. Jeder investierte Euro führt demnach zu einem gesamtwirtschaftlichen Impuls von etwa 2,45 Euro. Profitieren dürften vor allem Bauunternehmen, Informations- und Kommunikationsunternehmen, Logistikfirmen sowie die Elektronik- und Elektrotechnikbranche.

Dazu kommen die Beschäftigungseffekte: Sofern die Infrastrukturinvestitionen wie vorgesehen zu ohnehin geplanten Projekten erfolgen, entstehen europaweit 4,4 Millionen Arbeitsplätze. Knapp 1,8 Millionen davon direkt in der Infrastrukturindustrie, ähnlich viele bei Zulieferern. In Österreich wären es rund 75.000 Jobs.

„Investitionen in Infrastruktur, von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit, bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten“, sagt Axel Preiss, Partner bei EY Österreich und Defence Leader Europe. Die Effekte gingen über den Rüstungssektor hinaus: Solche Investitionen könnten die Konjunktur stärker ankurbeln als Rüstungsinvestitionen im engeren Sinn und bieten zugleich die Chance auf eine Modernisierung von Logistik, Verkehr und Energie.

Investitionsstau und knappe Kassen

Der Bedarf trifft allerdings auf strukturelle Engpässe. In Österreich wie in ganz Europa besteht bereits heute ein hoher Investitionsstau, die zugesagten Mittel müssten zusätzlich und möglichst kurzfristig aufgebracht werden.

Für Matthias Danne, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der DekaBank, führt daran kein Weg vorbei: „Der Staat wird die hohen Kosten der militärischen Infrastrukturinvestitionen nicht allein schultern können, ohne privates Kapital ist eine ausreichende Resilienz nicht erreichbar.“ Er verweist auf ÖPP-Modelle, die bei deutschen Behörden unbeliebt, international aber etabliert seien. Besonders bei Dual-Use-fähiger Infrastruktur in den Bereichen Energie, Netze, Logistik und Kommunikation ermögliche privates Kapital eine zügigere Skalierung. Auch in Österreich werde verstärkt diskutiert, wie sich privates Kapital für öffentliche Zukunftsprojekte mobilisieren lässt, ergänzt Preiss.

Als weitere Hürden nennt der EY-Partner lange Vorlaufzeiten, komplexe Genehmigungsverfahren und begrenzte kurzfristige Skalierbarkeit. Nötig seien daher beschleunigte Genehmigungen, eine koordinierte zivil-militärische Planung und eine stärkere europäische Abstimmung bei grenzüberschreitender Infrastruktur.

Was das für die heimische Szene bedeutet

Für Österreichs Technologieunternehmen trifft der erwartete Investitionsschub auf ein Feld, das sich gerade erst öffnet. Reine DefenseTech-Startups gibt es hierzulande kaum, die meisten agieren im Dual-Use-Bereich, also mit Produkten, die sich zivil wie militärisch einsetzen lassen. Genau dort setzt auch die Studie an, wenn sie Dual-Use-fähige Infrastruktur in Energie, Netzen, Logistik und Kommunikation als bevorzugtes Feld für privates Kapital nennt. Bewegung kommt zusätzlich von politischer Seite: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat angekündigt, gesetzliche Hürden für die heimische Rüstungs- und DefenseTech-Branche abzubauen, unter der Bedingung, dass die Neutralität gewahrt bleibt.

Erste Finanzierungsrunden zeigen, dass das Thema auch bei Investor:innen ankommt. Das 2025 gegründete Grazer Startup GuardAero, dessen Systeme Drohnenbedrohungen an Militärfahrzeugen autonom erkennen und neutralisieren, holte sich zuletzt ein Seed-Investment im niedrigen Millionenbereich von Angels United und der Beteiligungsgesellschaft von Bernhard Klemen. Zuvor hatte das Team die „Austrian Defence Innovation Garage 2025“ gewonnen und kooperiert bei Entwicklungstests mit dem Bundesheer. Ob die von EY skizzierten Milliarden tatsächlich auch bei heimischen Startups landen, wird weniger von den Zusagen abhängen als von Genehmigungsverfahren, Vergabepraxis und der Frage, wie schnell Österreich seinen eigenen regulatorischen Rahmen nachschärft.

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