03.06.2025
WACHTUMSKURS

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

2021 gegründet, steht Reploid vor dem Start im „Direct Market Plus“ der Wiener Börse – und soll dort zum zweitgrößten Titel werden. Die Pläne gehen jedoch weit darüber hinaus.
/artikel/reploid-welser-insekten-scaleup-4-jahre-nach-gruendung-vor-boersengang
Philip Pauer | (c) Reploid
Philip Pauer, CEO und Gründer von Reploid | (c) Reploid

„Wir sind ein klassisches Nicht-Startup“, sagt Philip Pauer im Gespräch mit brutkasten. Gegen seine Aussage spricht: Sein Unternehmen Reploid ist keine fünf Jahre alt, verdient sein Geld mit einem forschungsbasierten, innovativen bis disruptiven Produkt und legt dabei ein steiles Wachstum an den Tag. Es ist also per definitionem ein Bilderbuch-Startup.

„Ich habe einige Firmen gegründet und durfte die sehr gut verkaufen“

Doch tatsächlich unterscheidet sich die Entwicklung von Reploid deutlich von jener der meisten klassischen Startups. 2021 in Wels gegründet, hielt Pauer noch bis zur Umwandlung der GmbH in eine AG im Jahr 2024 99 Prozent der Unternehmensanteile. Investmentangebote habe er bis dahin abgelehnt, erzählt Pauer. „Ich bin seit 20 Jahren Unternehmer. Ich habe einige Firmen gegründet und durfte die sehr gut verkaufen.“

Keine Private-Equity-Firmen, keine VCs und keine Business Angels

Mittlerweile hat das Unternehmen 40 Aktionäre. „Wir haben keine Private-Equity-Firmen, keine VCs und keine Business Angels drinnen. Es sind 40 hochspannende Unternehmen“, so Pauer. Hochspannend deshalb, weil sie „mitgehen, Türen aufmachen, mitmachen“. Unter ihnen ist etwa Deutschlands größter Fleischverarbeiter Tönnies. Für das Unternehmen ist wohl auch das Produkt von Reploid relevant – wiewohl Gründer Pauer gegenüber brutkasten keine Kunden nennt.

Die richtige Larve für den richtigen Kunden

Worum handelt es sich bei diesem Produkt? Die Anlagen von Reploid verarbeiten Abfälle aus dem Lebensmittelbereich zu Dünger, Futter und anderen wertvollen Produkten. Dabei setzt das Unternehmen auf die Larven der schwarzen Soldatenfliege. Larve ist aber nicht gleich Larve, erklärt Pauer. „Es gibt Hunderte verschiedene Arten von schwarzen Soldatenfliegen. Wir wählen je nach Ausgangsstoff des Kunden die richtige aus.“ Diese Kunden seien etwa Schlachtbetriebe oder Bierbrauereien ebenso wie Molkereien oder Kartoffelverarbeiter bis hin zu großen Landwirtschaften oder Lebensmittelhändlern.

„Nach Melk, Mautern, Berlin oder Abu Dhabi“

Entscheidend sei dabei: „Wir verkaufen nicht nur Anlagen, sondern bieten eine schlüsselfertige Lösung.“ Und die könne man „nach Melk, Mautern, Berlin oder Abu Dhabi“ stellen. Eine einzelne solche Anlage verarbeitet nicht weniger als 40 Tonnen organische Reststoffe pro Tag. „Die Larve ist ein Allesfresser und sie frisst und wächst sehr schnell. Innerhalb von sieben Tagen wird sie im Verhältnis von einem Feldhasen zu einem ausgewachsenen afrikanischen Elefanten“, erklärt Pauer.

30 Anlagen zu 4,4 Millionen Euro in diesem Jahr

An diesen Wachstums-Faktor kommt Reploid als Unternehmen dann doch nicht heran. Schlecht unterwegs ist das Scaleup aber keineswegs. Viereinhalb Jahre nach der Gründung steht es bei rund 70 Mitarbeiter:innen und ist dabei profitabel. Dieses Jahr plane man, 30 Anlagen zu verkaufen, sagt Pauer. Eine davon kostet 4,4 Millionen Euro. Weil aber viele davon nicht in diesem Geschäftsjahr verrechnet werden, lautet das fast schon bescheidene Umsatzziel 40 Millionen Euro.

Start im Direct Market Plus als zweithöchster Titel

Und das ist nur der Anfang. Denn nun fixierte Reploid seinen Börsengang in Wien. Vermutlich wird dieser noch im Juni stattfinden. Dann startet das Scaleup im dritten Markt der Wiener Börse – dem „Direct Market Plus“. Eine Bewertung darf Pauer zwar nicht nennen, aber durchaus verraten, dass man der zweithöchste Titel sein werde. Damit wird die Marktkapitalisierung also irgendwo zwischen den derzeit rund 140 Millionen Euro der ReGuest S.p.A. und den etwa 280 Millionen Euro der Steyr Motors AG (Stand 2.6.) liegen.

Erst Kapitalerhöhung mit „50 Millionen Euro oder höher“, dann Uplisting

Der dritte Markt soll für das Scaleup aber nur eine Zwischenstation werden. „Wir wollen alles so aufsetzen, dass wir in den nächsten Monaten eine Kapitalerhöhung machen können“, sagt Pauer. Diese soll „50 Millionen Euro oder höher“ ausfallen, sagt der Gründer. Einen Abschluss noch 2025 hält er für unwahrscheinlich, aber möglich. Ab 2026 soll dann auch ein Uplisting in den zweiten oder sogar ersten Markt der Wiener Börse gelingen. „Mit den Vorbereitungen haben wir bereits begonnen und werden uns nach dem Listing noch stärker aufstellen“, sagt Pauer. Wenn es soweit sei, brauche es aber auch die nötige Nachfrage und weitere Parameter.

Bereits zwei Marktführer übernommen

Und wofür braucht Reploid die 50 Millionen Euro Kapital? „Wir könnten auch wachsen, ohne Equity abzugeben, aber mit geht es schneller“, sagt Pauer. Konkret gehe es hier auch um anorganisches Wachstum, sprich Übernahmen. Damit hat das Scaleup bereits Erfahrungen. Die Übernahme der deutschen Nummer 1 madebymade schloss man nach mehreren Etappen kürzlich mit „einem höheren siebenstelligen Betrag“ ab. Auch die Liechtensteiner Nutryfly, die Marktführer in der Schweiz ist, wurde bereits aufgekauft. Man beobachte international einige Unternehmen – in Österreich habe man aber kein Target, verrät Pauer.

Deine ungelesenen Artikel:
29.07.2026

iDWELL: Wiener PropTech holt sich siebenstellige Wachstumsfinanzierung von US-Kapitalgeber

Riverside Acceleration Capital stellt iDWELL einen siebenstelligen Betrag bereit. Es handelt sich laut dem Wiener PropTech nicht um eine Beteiligung, sondern um eine nicht verwässernde Wachstumsfinanzierung. brutkasten hat nachgefragt.
/artikel/idwell-wiener-proptech-holt-sich-siebenstellige-wachstumsfinanzierung-von-us-kapitalgeber
29.07.2026

iDWELL: Wiener PropTech holt sich siebenstellige Wachstumsfinanzierung von US-Kapitalgeber

Riverside Acceleration Capital stellt iDWELL einen siebenstelligen Betrag bereit. Es handelt sich laut dem Wiener PropTech nicht um eine Beteiligung, sondern um eine nicht verwässernde Wachstumsfinanzierung. brutkasten hat nachgefragt.
/artikel/idwell-wiener-proptech-holt-sich-siebenstellige-wachstumsfinanzierung-von-us-kapitalgeber
iDWELL-Gründer und CEO Alexander Roth mit COO Anna-Katharina Matzenberger | Foto: iDWELL

Das 2017 gegründete Wiener PropTech iDWELL hat sich frisches Kapital gesichert: Der US-Kapitalgeber Riverside Acceleration Capital (RAC) stellt dem Unternehmen einen siebenstelligen Euro-Betrag zur Verfügung. Anders als bei der Finanzierungsrunde im November 2024 handelt es sich diesmal aber um kein Investment im klassischen Sinn.

„Es handelt sich um eine nicht verwässernde Wachstumsfinanzierung. Die Eigentümerstruktur von iDWELL wird dadurch nicht verändert“, bestätigt Gründer und CEO Alexander Roth auf Anfrage von brutkasten. Zu Laufzeit, exakter Höhe und Rückzahlungsmodell will sich das Unternehmen nicht äußern: Mit RAC sei Stillschweigen vereinbart worden.

RAC verfolgt nach eigener Darstellung zwei Strategien: Minderheitsbeteiligungen über RAC Growth Equity und nicht verwässernde Wachstumsdarlehen über RAC Growth Lending. Nach eigenen Angaben hat der Kapitalgeber seit seiner Gründung 2016 mehr als 100 B2B-Softwareunternehmen unterstützt. RAC ist Teil von The Riverside Company.

Bestandsinvestoren: Unterstützung ja, Beteiligung offen

Im November 2024 hatte iDWELL rund zehn Millionen Euro in einer klassischen Runde aufgenommen (brutkasten berichtete). Lead-Investor war die Amsterdamer Investmentgesellschaft Knight Capital, auch die bestehenden Investoren Flashpoint Venture aus London und Wecken & Cie aus Basel beteiligten sich.

Warum diesmal Fremd- statt Eigenkapital, beantwortet Roth allgemein: „In der aktuellen Unternehmensphase war eine nicht verwässernde Finanzierung die passende Lösung.“ Seit der letzten Runde habe man den Umsatz „signifikant“ gesteigert. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Die langjährigen Bestandsinvestoren würden den eingeschlagenen Wachstumskurs „weiterhin voll“ unterstützen. Ob sie sich an der aktuellen Finanzierung beteiligt haben, lässt die Antwort offen.

Auch auf die Frage, wie stark der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) zuletzt gewachsen ist und ob iDWELL heute cash-flow-positiv arbeitet, gibt es keine Zahlen. Man verfüge über eine „solide langfristige Basis“, heißt es dazu.

Kapital fließt in KI-Produkte

Das Geld soll in den Ausbau der KI-gestützten Produktwelt fließen. Ein Schwerpunkt liegt auf „iDWELL Finance“, einer Lösung für automatisiertes Rechnungsmanagement. Sie stammt vom Wiener Startup domonda, an dessen Finanzsoftware sich iDWELL im Dezember 2025 die exklusiven Rechte für die Immobilienbranche gesichert hatte (brutkasten berichtete). Domonda hatte im Juni 2023 Insolvenz angemeldet und wurde zwei Monate später saniert. Nach Angaben von iDWELL setzten Ende 2025 rund 100 Immobilienunternehmen die Lösung ein.

Zweiter Baustein ist die hauseigene KI „Greta-AI“, die Verwaltungs-, Dokumentations- und Rechnungsprozesse automatisieren soll. Christian Stein, Senior Partner bei RAC, verweist auf die Positionierung im deutschsprachigen Raum und das Ökosystem an ERP-Integrationen, mit dem iDWELL die Digitalisierung der professionellen Immobilienverwaltung vorantreiben könne.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Reploid: Welser Insekten-Scaleup vier Jahre nach Gründung vor Börsengang