02.06.2025
REPLIENT.AI

Linzer Startup verspricht 80 Prozent Zeitersparnis durch KI-Social-Media-Tool

Das Linzer Startup replient.ai entwickelte einen KI-gestützten Social-Media-Kommentarmanager für Unternehmen. Durch diese automatisierte Lösung im Bereich Community-Management soll eine bislang wenig genutzte Chance im digitalen Marketing besser ausgeschöpft werden.
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Die beiden Gründer von replient.ai: Thomas und Markus Danninger © Doppel N Marketing

Auch wenn es viele Unternehmen noch nicht wahrhaben wollen: Social Media ist bereits ein zentraler Bestandteil jeder Marketingstrategie. Natürlich hängt die Relevanz immer von der Zielgruppe ab – dennoch gibt es kaum einen besseren Ort, um Inhalte zielgerichtet zu platzieren. Gleichzeitig ist Social-Media-Marketing mit einem hohen Aufwand verbunden, kann viel Energie kosten und läuft nicht selten aufgrund fehlender Kompetenz ins Leere.

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist das Community-Management. Kommentare unter Beiträgen bleiben oft unbeachtet, statt sie aktiv zu liken, zu beantworten oder gegebenenfalls zu moderieren. Ein oberösterreichisches Startup sieht darin eine große verpasste Chance. „E-Commerce-Unternehmen geben tausende Euro für Performance-Ads aus, aber lassen die wichtigste Schnittstelle – die Kommentare – unbearbeitet. Dabei steckt genau dort die echte Conversion-Chance“, sagt Markus Danninger, Co-Founder von replient.ai.

In der Kommentarspalte verbergen sich oft wertvolle Hinweise zur Weiterentwicklung von Produkten: Nutzer:innen geben direktes Feedback, stellen Fragen, markieren Freunde oder äußern Kritik. „Wer diese Stimmen ignoriert, riskiert nicht nur Umsatz – sondern auch Vertrauen“, warnt replient.ai.

Grundlage des KI-Modells

Der KI-basierte Manager soll „in Echtzeit individuelle, markenkonsistente Antwortvorschläge für Social-Media-Kommentare“ liefern – und das plattformübergreifend an einem zentralen Ort. Aktuell unterstützt der Assistent Facebook, Instagram und TikTok; eine Integration für LinkedIn ist bereits in Planung.

Dabei legt replient.ai Wert darauf, dass die Antworten nicht wie automatisierte Standardtexte wirken. Die KI analysiert dafür vergangene Reaktionen des jeweiligen Unternehmens und greift zusätzlich auf aktuelle Produktpreise sowie laufende Werbeaktionen von der Website zu. So soll sichergestellt werden, dass jede Antwort „korrekt, aktuell und auf die Steigerung der Conversions“ ausgerichtet ist, heißt es vonseiten des Startups.

Als Datenbasis dienen dem KI-Modell also unterschiedliche Quellen, von vergangenen Social-Media-Kommentaren über die Analyse von Website-Inhalten bis hin zu manuell hochgeladenen Dateien. Auf dieser Grundlage soll eine „effektive Kommunikationsstrategie“ für die sozialen Netzwerke entstehen.

Snocks, Ocean Apart, DJ Ötzi

Das Startup wirbt mit einer Zeitersparnis von bis zu 80 Prozent bei der Verwaltung von Kommentaren – dank des Einsatzes seines KI-Modells. Neben der Effizienzsteigerung soll auch das Community-Engagement deutlich zunehmen. „Wir schützen die Marke, indem wir Spam, Beschwerden, Negativität oder Beleidigungen automatisch ausblenden“, erklären die Gründer. Kritische Kommentare würden dabei nicht unbeantwortet bleiben oder übersehen werden. 

„Jede Kundeninteraktion bietet die Chance, den Umsatz zu steigern, den ROAS [Kennzahl im Online-Marketing, die die Effektivität von Werbeausgaben misst] zu verbessern und die Engagement-Rate Ihrer Social-Media-Profile zu erhöhen. Mit replient kann man sich auf das Geschäft konzentrieren und gleichzeitig Zeit und Geld sparen“, heißt es auf der Website.

Die Versprechen zeigen offenbar Wirkung: Zu den Kund:innen von replient.ai zählen bekannte Marken wie das deutsche Sockenlabel Snocks, die Activewear-Brand Oceans Apart, das Supplements-Unternehmen Health Routine sowie Influencer und Musiker wie DJ Ötzi. Johannes Kliesch, Co-Founder und CEO von Snocks, schrieb auf LinkedIn: „Seitdem fast alle Kommentare automatisiert kaufen, sparen wir locker 0,5 FTE [Anm.: Full Time Equivalent]. Vor einigen Monaten haben wir dann auf replient.ai umgestellt, und ganz ehrlich – das war ein absoluter Gamechanger.“

Ursprung der Idee

Gegründet wurde replient.ai im Jahr 2024 von den Brüdern Markus und Thomas Danninger in Lichtenberg bei Linz. Ihren Ursprung hat die Idee in der gemeinsamen E-Commerce-Agentur der Beiden. Immer wieder stießen sie in ihrer täglichen Arbeit auf dasselbe Problem: „Wir haben Ads geschaltet, Shops skaliert – aber am Ende saßen wir selbst am Wochenende da und haben Kundenkommentare beantwortet“, erinnert sich einer der Gründer.

Aus dieser wiederkehrenden Herausforderung entwickelte sich schließlich das heutige KI-Tool – zunächst als interne Lösung, später auch für befreundete Brands. “Die Nachfrage war so groß, dass daraus 2024 ein eigenständiges SaaS-Produkt wurde“, erzählen die Gründer. Bis heute wächst replient.ai ohne externes Kapital. Das mittlerweile sechsköpfige Team bringt langjährige Erfahrung in den Bereichen Marketing und Werbung mit.

Marketing, Produktentwicklung und Logistik

Replient.ai will künftig nicht nur bei der Beantwortung von Kommentaren unterstützen, sondern auch „wirkliche Business-Insights“ liefern. Das KI-Tool soll erkennen, welche Themen besonders häufig auftreten, wie sich die Stimmung innerhalb der Community verändert und an welchen Stellen interne Abläufe möglicherweise Schwächen zeigen.

Ein Beispiel: Wird unter Beiträgen vermehrt erwähnt, dass ein Produkt „zu klein“ ausfalle, kann replient.ai diesen Hinweis automatisch markieren und kategorisieren. So erhalten Marken konkrete Rückmeldungen aus erster Hand. Das Community-Management werde damit zur wertvollen Datenschnittstelle zwischen Marketing, Produktentwicklung und Logistik.

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Korbinian Kasinger will mit kW-Solutions "zum SAP für die Logistik" werden. | Foto: Paul Gruber

Eine große Gründungsvision stand am Anfang nicht. Nach dem Studium stieg Kasinger in die Unternehmensberatung ein und arbeitete viel in Deutschland, unter anderem an einem Strategieprojekt für einen großen deutschen Automobilkonzern. Dort kam er erstmals intensiv mit der Automobilwirtschaft in Berührung, eine Zeit, die ihn fachlich prägte. Mit der Zeit reifte der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen. Gemeinsam mit einem Freund aus Innsbruck setzte er ihn um: Benjamin Walch brachte den technischen Hintergrund mit, Kasinger das Betriebswirtschaftliche. Am 3. September 2021, einen Tag vor seinem 29. Geburtstag, trugen die beiden ihr Unternehmen ein. Das Thema: Ladestationen.

Vom Projektgeschäft zum Software-Unternehmen

Der erste Ansatz war B2C, ein Bundle aus Hardware, Förderabwicklung und Installation. Kasinger erkannte früh das größere Potenzial im wiederkehrenden Geschäft, drehte Richtung B2B und ins Betreiben von Ladepunkten. Große Kund:innen kamen rasch: Magna, die Falkensteiner Hotelgruppe, Casinos Austria sowie der Lebensmittelhändler HOFER – allesamt darf kW-Solutions mit einer Vielzahl an Ladepunkten im In- und Ausland, betreuen.

Der eigentliche Hebel lag in der eigenen Software. Mit „Charly“ baute kW-Solutions einen intelligenten Energiemanager, der Ladeinfrastruktur, Fahrzeuge, Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemärkte zu einem System verbindet. Elektromobilität soll so nicht isoliert, sondern wirtschaftlich, skalierbar und netzdienlich betrieben werden, indem jede Kilowattstunde zum günstigsten Zeitpunkt verladen wird, bis hin zu negativen Strompreisen, bei denen Laden zwischenzeitlich Geld zurückbringen kann. Im Wohnbau, für Kasinger ein „gigantischer Markt“, ist das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen Marktführer, mit rund 10.000 vorgerüsteten Stellplätzen und etwa 30 verkauften Projekten allein im ersten Halbjahr 2026. „Mittlerweile sage ich: Wir sind ein Software-Unternehmen.“

Vom Pkw bis zum schweren Lkw: kW-Solutions bündelt Ladeinfrastruktur und Energiemanagement auf einer Plattform. | Foto: Paul Gruber

„Charge with Friends“ und die Wette auf die Logistik

Aus dem Wohnbau heraus stieß das Team auf einen Markt mit höherem Puls: die Transportwirtschaft. Daraus entstand „Charly Transportation“, aufgesetzt auf drei Säulen: Sicherheit über einen lokalen Controller, Optimierung über aktives Flottenmanagement und Vernetzung über die Plattform „Charge with Friends“. Dort öffnen Transportunternehmen ihre Depot-Ladeinfrastruktur gegenseitig, bestehende Anlagen werden besser ausgelastet, und statt 50 Cent aufwärts laden Branchenkolleg:innen zu 30 bis 40 Cent netto, nahe an der Preisparität zum Diesel. Entwickelt wurde das Produkt in nur rund drei Monaten. Bis Jahresende will kW-Solutions ganz Österreich abdecken. „Wir haben einen Nerv der Zeit getroffen, zu hundert Prozent“, sagt Kasinger.

Das Potenzial ist groß: Von rund 75.000 schweren Nutzfahrzeugen in Österreich ist erst etwas mehr als ein Prozent vollelektrisch, bei Neuzulassungen sind es bereits rund zwölf Prozent. Kasinger denkt entsprechend weit: „Ich glaube, wir werden, hinsichtlich wechselseitiger Integrationstiefe sowie Relevanz, in 2 bis 3 Jahren zum SAP für die Logistik.“ Den deutschen Markt geht er strategisch an, gesteuert vom neuen Münchner Standort. Für 2026 erwartet er 60 bis 70 Prozent Umsatzwachstum auf rund vier bis viereinhalb Millionen Euro. Auch beim bidirektionalen Laden meldet das Unternehmen einen Erfolg: den nach eigenen Angaben ersten erfolgreichen V2G-Test im Netzgebiet der Wiener Netze.

Antrieb und Haltung

Anerkennung gab es zuletzt reichlich: den brutkasten „Innovator of the Year 2025″, einen Umweltpreis als Jungunternehmen des Jahres und eine Auszeichnung auf einer großen Immobilienmesse in München. Mit 20 Mitarbeitenden und einem Management-Team rund um CCO Matthias Moldaschl ist die Führung breit aufgestellt. Kasinger weiß genau, wo seine Stärken liegen: im schnellen Gespür für den Markt und in der Beharrlichkeit, Dinge auf den Boden zu bringen. Wichtig ist ihm eine Kultur, in der sich Aufrichtigkeit und Wertschätzung überlappen.

Würde er noch einmal in Österreich gründen? „Ja, ganz klar. Ich fühle mich Österreich sehr verbunden.“ Seine Mission liegt eine Ebene höher: den Strommarkt zu dynamisieren, Nachfrage und Angebot digital in Einklang zu bringen, smarte Netze statt reinem Netzausbau. Die Grundfrage sieht er als entschieden: „Wir haben uns als Gesellschaft darauf verständigt, dass Strom der primäre Energieträger der Zukunft ist. Das läuft schon.“ Es ist dieselbe Haltung, die ihn von Anfang an trägt: einmal entschieden, dann dranbleiben.


Disclaimer: Dieses Porträt entstand im Rahmen des Innovator of the Year 2025.

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