05.03.2021

Internationale Fachkräfte arbeiten gerne in Österreich – allerdings virtuell

In der Pandemie ist "virtuelle Mobilität" unter Fachkräften beliebter geworden – für Arbeitgeber aus Österreich eine große Chance.
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© Unsplash
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Home Office und Remote Working sind für viele Menschen längst Normalität. Die Corona-Pandemie und ihre Lockdowns haben aber einen weiteren New-Work-Trend verstärkt: Virtuelle Mobilität. Gemeint ist, wenn man bleibt, wo man gerne wohnt und sich einen virtuellen Arbeitsplatz im Ausland sucht. Für Österreichische Arbeitgeber könnte das eine große Chance sein, internationale Fachkräfte anzulocken, wie eine aktuelle Studie zeigt. In dem Ranking der Top-Destinationen für Remote Working liegt Österreich weltweit in den Top 10.

„Die neue virtuelle Mobilität bietet Arbeitnehmern den Vorteil, dass sie weltweit ihre Fähigkeiten anbieten können. Arbeitgeber haben die Möglichkeit, sehr rasch auf einen größeren Talentpool zurückzugreifen“, fasst Rainer Strack, Senior Partner und Experte für Human Resources bei BCG, zusammen. Für die Studie hat die Boston Consulting Group (BCG) gemeinsam mit StepStone und The Network 208.000 Arbeitnehmer in 190 Ländern befragt.

Herausforderung virtuelle Fachkraft

57 Prozent der Befragten waren offen für die Idee, aus der Ferne für einen Arbeitgeber im Ausland zu arbeiten. Die Chance, neue internationale Fachkräfte virtuell nach Österreich zu locken, birgt allerdings auch einige Herausforderungen, mahnt Strack. Zu beachten seien neben den Zeitzonen auch rechtliche Rahmenbedingungen und Datenschutz.

Virtuelle Mobilität: Österreich zählt zu den Top-Destinationen weltweit © Boston Consulting Group
Virtuelle Mobilität: Österreich zählt zu den Top-Destinationen weltweit © Boston Consulting Group

Österreich für Umzug weniger beliebt

Gleichzeitig mit dem Trend zur „virtuellen Mobilität“ ist die Bereitschaft, für einen neuen Job umzuziehen, weltweit gesunken. 2014 hatten noch 64 Prozent der Befragten diese Bereitschaft signalisiert, nun sind es nur noch 50 Prozent. Und Österreich ist in der Liste der beliebten Destinationen um vier Plätze auf Rang 15 abgerutscht. Allerdings: Bei hochqualifizierten Fachkräften ist Österreich mit Platz 8 höher im Kurs. „Österreichische Unternehmen sollten die Attraktivität des Landes bei den Hochqualifizierten als Wettbewerbsvorteil verstehen und insbesondere bei schwer zu besetzenden Stellen im Ausland nach Talenten suchen“, sagt Nikolai Dürhammer, Geschäftsführer von StepStone Österreich.

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PrixxOne, Klemmbausteine, Lego-Möbel
© PrixxOne

Im Netz kursieren seit langer Zeit witzige Memes und Aussagen solcher Art: „Ja, ein Autounfall tut weh, aber bist du schon Mal auf einen Legostein draufgestiegen?“ Eher das Gegenteil zu Pein, nämlich die Liebe zu den dänischen Bausteinen hat PrixxOne-Gründer Jürgen Sommer schon als kleines Kind entwickelt. Sein He-Man aus der „Masters of the Universe“-Reihe saß damals auf einem Lego-Thron, mit Pölstern aus Watte und Taschentüchern.

PrixxOne: Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken

Diese Leidenschaft lebte er später auch als Vater weiter. Als seine beiden Söhne acht und vier waren, baute das Trio ein riesiges Haus aus Lego mit Möbeln darin. „Ich habe mir damals sogar gewünscht, so groß wie eine Lego-Figur zu sein“, gesteht der Founder.

Doch statt wenige Zentimeter groß zu sein, war Sommer vor seiner Unternehmer-Karriere Lehrling bei der Wiener Städtischen und 18 Jahre lang u.a. als Manager bei Uniqa tätig. Dort und auch bei Raiffeisen gestaltete er Prozesse für interne sowie Außenpartner der Versicherungsbranche und verantwortete den Bereich digitale Signaturen.

„Ich habe immer sehr viel gearbeitet, manchmal 16 Stunden am Tag“, sagt er, „also habe ich eine Auszeit genommen und bin dem Projekt nachgegangen.“

© PrixxOne – Jürgen Sommer.

Das Projekt heißt PrixxOne und entwickelt ein Produkt, bei dem es nicht nur nicht wehtut, draufzusteigen, sondern es ist dafür gemacht, sich draufzusetzen. Sommers Startup bietet ein Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken (oder Klemmbausteinen) im Maßstab 15:1 an. Patentrechtlich ist diese Prinzip frei nutzbar, denn der ursprüngliche Patentschutz für das Klemmsystem lief 1978 aus und der Europäische Gerichtshof hat 2010 die Form des Steins als Marke zu schützen abgelehnt. Wobei sich Lego immer wieder und auch aktuell in Rechtsstreitigkeiten befindet, zum Design oder bestimmten Bausteinen etwa, wie hier im Juni berichtet wurde.

Made in Austria

Unabhängig davon produziert das durch Investments aus dem familiären Bereich gestützte Unternehmen von Sommer diese Klemmbausteine, die nicht nur zum Möbelstück gebaut werden können, sondern auch designgeschützt sind: Jede Seite des PrixxOne-Bausteins verfügt über eine zwei Zentimeter hohe Ausnehmung, sodass man den Stein ohne jegliches Werkzeug auseinandernehmen, aufbauen, umbauen und erweitern kann – vom Hocker zum Sessel, bis hin zur Couch. Laut Gründer trage die Konstruktion das Gewicht von Erwachsenen – das sei intensiv getestet worden.

Die Bausteine werden in Wien designt und bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. „Wir nehmen Material, das sonst auf Deponien landen würde, und verwandeln es in zirkuläres, langlebiges Design komplett ohne Verschwendung“, sagt Sommer.

So richtig durchstarten möchte er Anfang nächsten Jahres und hat für die Produktion im Sinne von „Made in Austria“ drei potentielle österreichische Partner an der Hand. „Es ist nur noch eine Skalierungsfrage“, sagt Sommer, der mit seiner Idee auch einen Nachhaltigkeitsgedanken verfolgt: „In den vergangenen 25 Jahren habe ich als Operations-Manager und COO große Unternehmensstrukturen optimiert. Mein zentraler Antrieb ist das Lean-Management: Starrheit aufbrechen und Verschwendung radikal eliminieren. Genau dieses Mindset übertrage ich nun von der Unternehmenswelt mit PrixxOne auf die Möbelbranche.“

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