28.02.2025
NACHGEFRAGT

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

Wie bewerten heimische Gründer:innen von Energy-Startups die Maßnahmen im Regierungsprogramm zur Energiewende? Wir haben nachgefragt.
/artikel/regierungsprogramm-energy-startups

Gestern haben ÖVP, SPÖ und NEOS ihr gemeinsames Regierungsprogramm vorgestellt – mit einem starken Schwerpunkt auf der Energiewende. Das Programm sieht unter anderem beschleunigte Genehmigungsverfahren und ein neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) vor. Weitere zentrale Maßnahmen sind die Reform der Netztarife sowie die Förderung von Speichern – alles Eckpunkte, die den nächsten Schub für eine flexible und dezentrale Energiezukunft einleiten sollen.

brutkasten hat sich unter Energie-Startups umgehört: Im Großen und Ganzen begrüßen die Gründer:innen das Programm, weisen aber auch darauf hin, dass konkrete Umsetzungsmaßnahmen, insbesondere der Abbau bürokratischer Hürden und gezielte Investitionsanreize, noch ausstehen.


Michael Altrichter | Co-Founder und Investor 2nd Cycle

Das vorgelegte Programm der neuen Bundesregierung enthält Maßnahmen, auf die der Energiesektor schon lange wartet: schnellere, unkompliziertere Genehmigungsverfahren beispielsweise oder weitere Vereinfachungen beim Stromhandel für private Anlagenbetreiber. Der Ausbau von Speicheranlagen, also Batterien, soll forciert werden, was ich gut und notwendig finde. Beim Ausbau des Wasserstoffs frage ich mich als studierter Physiker nach wie vor, ob das wirtschaftlich im großen Stil jemals Sinn machen wird – aber das ist ein industriepolitisch emotionalisiertes Thema, das (noch) nicht rational diskutiert wird.

Der Wille zur digitalen Innovation, Stichwort KI-Einsatz für die Netzsteuerung, ist zeitgemäß und sinnvoll. Spannend ist die in den Raum gestellte Überarbeitung der Merit-Order, weil bisher 100-Prozent-Grünstombezieher durch dieses Prinzip mit hohen Gaspreisen „bestraft“ worden sind.

Zusammengefasst: Die Vorhaben gehen in die richtige Richtung, aber Papier allein produziert keine Kilowattstunden – es geht um das Umsetzen!


Lorena Skiljan und Peter Gönitzer | Founder und CEOs Nobile

Zunächst möchten wir unserer Freude Ausdruck verleihen, dass wir in Österreich nach monatelangem Tauziehen und Stillstand in vielen Bereichen endlich eine neue Regierung haben, welche mit dem vorliegenden Regierungsprogramm ganz klar die richtigen Themen in Angriff nimmt, um unser Land wieder aus der Krise und in eine erfolgreiche Richtung zu führen. Ganz besonders freut es uns, dass die Energiepolitik dabei einen wesentlichen Eckpfeiler bildet und vor allem auch die richtigen Vorhaben und Stoßrichtungen setzt. Natürlich muss das erst in konkrete Maßnahmen übersetzt und umgesetzt werden.

Mit dem klaren Bekenntnis zur Fortführung der Dekarbonisierung unter Beibehaltung der Klimaziele sowie der Fortführung der Energietransformation werden absolut die richtigen Zukunftsthemen priorisiert und forciert: Leistbare Energiepreise, Stärkung des Wettbewerbs, Ausbau der Modelle für Energiegemeinschaften, Beschleunigungsmaßnahmen als Turbo für die Energiewende, Vorantreiben des erneuerbaren Ausbaus, zukunftsfähige und leistbare Energienetze sowie die Steigerung der Resilienz und Sicherheit gegen externe Schocks bilden die wesentlichen Schwerpunkte.

Als Anbieter von Plattformlösungen und Serviceleistungen für Energy Sharing und dynamische Energietarife liegt unser Hauptaugenmerk ganz klar auf den Themen Ausbau von Energiegemeinschaften, erneuerbarer Ausbau und zukunftsfähige Energienetze. In einer Welt von zunehmender Elektrifizierung werden diese Maßnahmen zu einem kritischen Erfolgsfaktor für eine moderne, zunehmend dekarbonisierte Volkswirtschaft.

Insbesondere im Bereich der Energiegemeinschaften sehen wir ein sehr hohes schlummerndes Potenzial, um im Rahmen der Energietransformation in mehrfacher Hinsicht wertvolle positive Effekte zu erreichen. Einerseits ermöglichen Energiegemeinschaften den direkten Zugang zu leistbarer, erneuerbarer Energie. Daher ist es absolut folgerichtig, das Konzept für energiearme Haushalte und größere Unternehmen auszubauen. Andererseits führen sie zu einer Stärkung des Wettbewerbs und der Möglichkeit für Haushalte und Unternehmen, sich aktiv an der Transformation des Energiesystems zu beteiligen und von der Energiewende zu profitieren. Darüber hinaus können Energiegemeinschaften, wenn sie zweckmäßig aufgesetzt sind, stabilisierend auf Energienetze und Marktpreise wirken. Kein Wunder also, dass in Europa Österreich vielfach für die bisherigen Erfolge und Fortschritte in diesem Sektor bewundert und als Vorbild gehandelt wird. Und wir brauchen noch mehr davon.

In Expertenrunden, wie zu lesen ist, sollen nun diese Vorhaben in konkrete Maßnahmen übersetzt und danach umgesetzt werden. Das ist mit Sicherheit der richtige Weg. Dabei bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung sich dabei von einem breiten Kreis von Experten aus unterschiedlichen Bereichen und Sektoren der Energiewirtschaft beraten lässt und nicht nur wieder auf die „üblichen Verdächtigen“ und „Platzhirsche“ setzt. Denn sonst bekommen wir „more of the same“ und wo das hinführt, haben wir alle in den letzten Jahren schmerzhaft erlebt.


Walter Kreisel | Founder und CEO neoom

Walter Kreisel | (c) brutkasten / viktoria waba

Ich bin begeistert, aber auch wachsam. Der nächste Schub zur Energiewende mit Hausverstand ist längst überfällig – und dieses Programm zeigt, dass die Politik das endlich ernst nimmt.

Beschleunigte Genehmigungsverfahren und das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) könnten einen Wendepunkt markieren, da nun auch große Stromspeicher über 1 MW im Fokus stehen. Für uns bei neoom ist es ein Highlight, dass diese Speicher – ebenso wie Pumpspeicherkraftwerke – im ELWG netzkostenbefreit werden sollen. Dadurch können sie ohne finanzielle Nachteile gleichberechtigt betrieben werden – ein Durchbruch für die Demokratisierung und Liberalisierung des Energiemarktes.

Unsere Solarspeicherkraftwerke ermöglichen es Bürgern, Unternehmen und Energiegemeinschaften, selbst in erneuerbare Energien zu investieren und unabhängiger zu werden. Weg von zentralen Strukturen hin zu einer Energiewelt, die den Menschen gehört – das ist unsere Vision.

Die Reform der Netztarife mit Anreizen für systemdienliches Verhalten und die Förderung großer Speicher über 1 MWh – die Überschüsse speichern, Spitzen abfangen und das Netz stabilisieren – sind weitere entscheidende Schritte. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch Spitzenkappungen bei Photovoltaik und Wind sowie eine integrierte Infrastrukturplanung, die Synergien schafft und die Energiewende effizienter macht.

Bei neoom gleichen unsere Technologien täglich Schwankungen aus und stärken dezentrale Systeme. Wenn die Politik konsequent umsetzt – etwa durch eine stärkere Besteuerung fossiler Energie – könnten wir eine Investitionswelle bei Energiegemeinschaften und privaten Akteuren auslösen. Steigende zentrale Energiepreise machen unsere dezentralen Lösungen noch attraktiver, da sie günstige Solarenergie speichern und unabhängig von Netzschwankungen verfügbar machen.

Kritisch sehe ich jedoch den „Standortbeitrag“ von 200 Millionen Euro jährlich. Bei neoom investieren wir jeden Cent in Innovationen, Speicherlösungen und Arbeitsplätze. Diese Abgabe schränkt den dringend benötigten Investitionsspielraum ein. Statt zu belasten, sollte die Politik Bürokratie abbauen oder Investitionen steuerlich fördern.

Ich hoffe auf Tempo und Mut – die Klimakrise duldet keinen Aufschub. Mit Technologie, Vision und unseren Systempartnern sind wir bereit. Wenn die Regierung das Spielfeld bereitet und unsere Arbeit, wie die Netzkostenbefreiung im ELWG, Früchte trägt, können wir die Energiezukunft sicher, sauber, leistbar und dezentral gestalten – ein Erfolg für alle. Wir sind seit über fünf Jahren mit Vollstrom dabei.


Michael Kowatschew | Co-Founder Heizma

Foto: Michael Kowatschew | Foto: morgen ventures, Adobe Stock (Hintergrund)

Mit dem Regierungsprogramm will die neue Koalition die richtigen Impulse für die Energiewende setzen, aber jetzt braucht es eine schnelle und klare Umsetzung. Industrien wie Wärmepumpen, Heizungstausch und erneuerbare Energien boomen bereits – doch ohne stabile Rahmenbedingungen riskieren wir, dass Investitionen stocken und bereits aufgebaute Strukturen ins Leere laufen. Dabei geht es nicht nur ums Klima – die Energiewende ist ein globaler Billionenmarkt und eine enorme wirtschaftliche Chance für Österreich. Jetzt muss schnell gehandelt werden, damit wir weiterhin mitgestalten statt nur nachzuziehen.


Alexander Hojas | Co-Founder Sonnenschmiede

Grundsächlich bringt das Regierungsprogramm der neuen Koalition mit der geplanten Umsetzung des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes und des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes wichtige Schritte für den Ausbau erneuerbarer Energien. Besonders für gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) könnte das neue ELWG eine Vereinfachung und rechtliche Klarheit bringen. Ein positives Signal ist das klare Bekenntnis zur stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien in der dezentralen Energieversorgung. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) könnte endlich die dringend benötigte Rechts- und Investitionssicherheit schaffen. Zudem unterstreicht das Regierungsprogramm die Weiterentwicklung von Energiegemeinschaften und die Evaluierung bürokratischer Erleichterungen, um den Zugang zu erleichtern. Besonders erfreulich ist, dass Modelle für die Gründung von Energiegemeinschaften für größere Unternehmen und energiearme Haushalte geprüft werden – was neue Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen könnte.

Dennoch bleibt Luft nach oben: Es ist noch offen, wie die bürokratischen Hürden für die Abwicklung und Verwaltung einer GEA verringert werden sollen. Dabei könnten gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen eine direkte Entlastung gegen die steigenden Netzkosten bieten, indem sie den Strom lokal erzeugen und verbrauchen. Ohne klare Vereinfachungen könnten viele potenzielle Projekte ausgebremst werden.

Unser Fazit: Die Weichenstellung für eine saubere Energiezukunft ist da, aber es bedarf noch Nachbesserungen. Besonders bei der Förderung von gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen und Energiegemeinschaften sowie der Unterstützung von Batteriespeichern und flexibler Netzintegration bleibt die Regierung mit Antworten gefragt. Die Sonnenschmiede GmbH wird sich weiterhin für praktikable und faire Lösungen einsetzen, die den Ausbau von Sonnenstrom für alle vorantreiben.


Matthias Nadrag | Co-Founder und CEO Enixi

Die überfällige Erneuerung des Rechtsrahmens für die Energiewende soll laut neuem Regierungsprogramm bis zum Sommer 2025 geschaffen werden. Das bietet nicht nur Rechtssicherheit, sondern eröffnet auch neue Geschäftsmodelle, z. B. im Bereich der Batteriespeichernutzung. Die Flexibilisierung des Energiesystems und die Digitalisierung der Netze sind wesentliche Treiber einer rascheren Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energie. Energy Sharing ermöglicht durch die Öffnung und Entbürokratisierung von Energiegemeinschaften noch mehr Menschen und Unternehmen den einfachen Zugang zu regional erzeugter erneuerbarer Energie.

Deine ungelesenen Artikel:
27.05.2026

Vertrauen ist die neue Währung – Warum Gründer:innen heute selbst zur Marke werden müssen und wie das gelingt

Im brutkasten-Interview erklärt Branding-Expertin Lirone Glikman, warum unsichtbare Gründer:innen Deals verlieren und wie „Founder-Led Branding“ im KI-Zeitalter zur wichtigsten Währung für Vertrauen und Erfolg wird.
/artikel/vertrauen-ist-die-neue-waehrung
27.05.2026

Vertrauen ist die neue Währung – Warum Gründer:innen heute selbst zur Marke werden müssen und wie das gelingt

Im brutkasten-Interview erklärt Branding-Expertin Lirone Glikman, warum unsichtbare Gründer:innen Deals verlieren und wie „Founder-Led Branding“ im KI-Zeitalter zur wichtigsten Währung für Vertrauen und Erfolg wird.
/artikel/vertrauen-ist-die-neue-waehrung
Lirone Glikman, Branding-Expertin und Gründerin der Agentur The Human Factor, spezialisiert auf Founder-Led Branding

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einer Welt, in der KI Inhalte massenhaft produziert und Unternehmen täglich neu entstehen, verschiebt sich der entscheidende Wettbewerbsfaktor: weg vom reinen Produkt, hin zum Vertrauen. „Founder Led Branding“ heißt das Konzept, das Gründer:innen dazu bringt, sich selbst als sichtbare Persönlichkeiten ihrer Unternehmen zu positionieren – authentisch, strategisch und mit klarer Botschaft. Anders als beim klassischen Personal Branding geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern um die enge Verzahnung von Founder-Identität und Unternehmensmission. Studien und Beobachtungen auf LinkedIn zeigen: Beiträge von Personen erzielen deutlich höhere Reichweiten als jene von Unternehmensseiten. Investoren prüfen Profile, bevor sie ein Meeting zusagen. Kunden googeln Gründer, bevor sie kaufen. Wer als Founder unsichtbar bleibt, verliert Deals – noch bevor sie überhaupt verhandelt werden.

Eine, die dieses Thema international bearbeitet, ist Lirone Glikman. Die israelisch-französische Branding-Expertin begann bereits mit 16 Jahren ihre Karriere, indem sie beim CEO eines israelischen Radiosenders an die Tür klopfte und kurz darauf jüngste Radiomoderatorin des Landes wurde. Heute leitet sie ihre Agentur The Human Factor, die sich auf Founder-Led Branding spezialisiert hat, unterrichtet seit über zwölf Jahren in 28 Ländern und ist Autorin des Buchs „The Super Connector’s Playbook“. Zudem ist sie Executive Director des NGO Committee on Sustainable Development – NY, das mit der UNO affiliiert ist. Im Interview spricht sie über die Trust Economy, häufige Fehler von Gründern und darüber, warum es heute nicht mehr genügt, einfach nur ein gutes Produkt zu haben.

brutkasten: Frau Glikman, beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Glikman: Ich pendle zwischen Berlin und Tel Aviv. Meine Klienten sind Startups in frühen oder späteren Phasen, die Sichtbarkeit brauchen; meist dann, wenn sie Kapital aufnehmen, Kunden gewinnen oder in einen neuen Markt eintreten wollen. Dazu kommen Innovationsmanager in Konzernen.

Ein Beispiel ist Celleste Bio, ein israelisches Startup, das als erstes Unternehmen der Welt Milchschokolade mit echter Kakaobutter aus Zellsuspensionskultur-Technologie vorgestellt hat; ein Meilenstein für eine skalierbare, kommerziell tragfähige Kakao-Lieferkette. Jüngst wurde gemeinsam mit Mondelez die erste Tafel produziert, deren Kakaobutter zu 100 Prozent bio-identisch im Labor erzeugt wurde.

Wie nähern Sie sich einem Founder, der mehr Sichtbarkeit braucht?

Zuerst geht es um die Bereitschaft. Viele Gründer wissen, dass sie sichtbar sein müssen – bevor sie einen Raum betreten, ist die Entscheidung beim Investor oft schon teilweise gefallen. Er googelt, schaut auf LinkedIn, gleicht ab, ob das Gesagte zum Gesendeten passt. Unsere Marke arbeitet für uns, bevor wir den Raum betreten – aber zwischen dem Wissen und dem Tun klafft eine Lücke. Viele sind kamerascheu oder arbeiten lieber am Produkt.

Wenn sie zu mir kommen, beginnen wir mit der Strategie. Founder-Persönlichkeit und Unternehmenswerte liegen am Anfang oft sehr nah beieinander. Wir bauen eine Markenidentität auf – authentisch, nicht aufgesetzt. Welche Botschaften, welche Werte, welche Stärken? Ist die Person warm, eher kühl, fürsorglich? Wir nehmen, wer sie sind, und betonen die relevanten Aspekte online.

Was unterscheidet Founder-Led Branding vom klassischen Personal Branding?

Personal Branding ist ein abgenutzter Begriff – wir alle haben eine Marke, ob wir wollen oder nicht. Founder-Led Branding bedeutet, dass man als Gründer bewusst Botschaften platziert, die einem selbst und dem Unternehmen dienen. Heute vertrauen wir Institutionen, großen Namen und Regierungen weniger – wir vertrauen einander.

Wenn Vertrauen zur Währung wird – gerade in einer Welt, in der KI Posts schreibt und Unternehmen über Nacht entstehen lässt – bleibt das Menschliche. Wenn Sie mir vertrauen, vertrauen Sie vielleicht auch meinem Unternehmen.

Auf LinkedIn performt Founder-Content stärker als Unternehmenscontent. Warum?

Der Algorithmus will, dass Sie sich mit einer Person verbinden. Unternehmensbeiträge werden weniger ausgespielt. Es geht um die Verbindung von Mensch zu Mensch.

Was sind die größten Fehler, die Gründer machen?

Erstens: Viele halten Sichtbarkeit für ein „Nice to have“. Damit fehlt die Konsistenz.

Zweitens: Es gibt keinen roten Faden. Wenn man sich Posts der letzten Monate ansieht, sollte ein Muster erkennbar sein. An einem Tag der Urlaub, am nächsten das Unternehmen, dann etwas anderes – das funktioniert nicht. Es braucht Markensäulen.

Drittens: Viele teilen nur Beiträge ihrer Firmenseite oder von Kollegen. LinkedIn mag das nicht. Die Plattform will wissen, was Sie zu sagen haben, was Ihre Kämpfe und Erkenntnisse sind.

Und viertens: Manche gehen zu Medien, die nicht zu ihrer Phase passen. Wenn das Produkt noch nicht reif ist, sollte man etwa in einem Podcast über das Feld sprechen, nicht über die Lösung. Sonst verspricht man zu viel und liefert zu wenig.

Wie viele Posts pro Woche sind realistisch sinnvoll?

Optimal wären zwei pro Woche. Realistisch reicht ein guter, tiefgehender Post pro Woche, der eine eigene Perspektive zeigt. LinkedIn liebt sogenannte „Scar Stories“ – Geschichten von Verletzungen, aus denen man gelernt hat.

Über Fehler zu sprechen ist guter Content?

Ja, weil es verbindet. Es muss nicht der größte Fehler sein. Sie können sagen: Wir haben anfangs in diese Richtung investiert, dann hat sich der Markt verändert, also haben wir gepivotet. Das ist „Building in Public“ – Sie nehmen Ihre Follower mit auf die Reise. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre eigene Show!

Im DACH-Raum spricht kaum jemand über Misserfolge. Wie ist das in anderen Kulturen?

Es geht nicht darum, sich in schlechtem Licht zu zeigen, sondern Lernerfahrungen zu teilen. Die israelische Kultur ist sehr expressiv und leidenschaftlich. Wir haben Gründer, die ihre tiefen Kämpfe und Frustrationen während des Aufbaus ihres Unternehmens radikal offen teilen. Das gibt anderen Gründern die Erlaubnis, es ihnen gleichzutun – was am Ende sowohl persönlich als auch für das Unternehmen hilfreich ist.

In asiatischen Kulturen, im Baltikum, im DACH-Raum oder in Skandinavien sind Menschen reservierter und risikoaverser. Das ist nicht schlecht – Israelis springen auf jede Idee; manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Die Frage ist: Wie viel kann ich teilen, das mir dient, anderen Wert gibt, mir aber nicht schadet?

Wie misst man eigentlich, ob Sichtbarkeit auch Umsatz bringt?

Anders als im Vertrieb, wo Sie 50 Leute ansprechen und zwei Deals abschließen, geht es hier um Signale. Verbinden sich qualitativ relevante Menschen aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen? Merken Sie, dass Investoren Sie schon kennen, bevor Sie den Raum betreten? Sprechen Menschen über Sie? Das nennt man „Dark Social“ – wenn das passiert, funktioniert Ihre Marke.

Ein konkreter Tipp zur Monetarisierung: Vor jedem Meeting werden Sie beobachtet. Posten Sie zwei oder drei Tage vorher etwas, das Fragen oder Einwände beantwortet, die im Gespräch kommen werden. Wenn Investoren an der Skalierbarkeit zweifeln könnten, schreiben Sie über die Skalierbarkeit Ihrer Branche.

Das ist strategische Kommunikation pur…

Genau. Wenn Sie sich auf ein Meeting vorbereiten, gehört ein LinkedIn-Post auf die To-do-Liste. Sichtbarkeit ist kein Privileg, sondern ein Business-Tool, eine Infrastruktur.

Wie viel Zeit sollte ein Gründer investieren?

Mit KI ist das heute leichter. Erstellen Sie ein Projekt in ChatGPT oder Claude, füttern Sie es mit Ihrer Marke, Werten, Botschaften, kopieren Sie E-Mails oder Texte hinein. Dann sagen Sie: Ich möchte über die Skalierbarkeit unseres Geschäfts schreiben, hier sind drei Punkte. So entstehen Posts in Ihrer Stimme. Minimum: ein Post pro Woche. Sie können sich 30 Minuten wöchentlich Zeit nehmen oder einmal im Monat ein, zwei Stunden für alle Posts.

LinkedIn ist mit KI-Content geflutet. Sehen wir eine Gegenbewegung hin zu mehr Authentizität?

Es heißt, etwa 80 Prozent der Posts seien KI-generiert – ich denke, es sind mehr. Was Sie vermeiden sollten: den langen Gedankenstrich, den alle KI-Tools lieben; und typische Strukturen wie „Don’t do X, do Y“ oder kurze Sätze mit Punkt am Ende. Ich habe gestern in einem Post einen Tippfehler gefunden und ihn drin gelassen – weil er menschlicher ist. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie sonst nie benutzen. KI können Sie trainieren, aber vertrauen Sie ihr nicht zu 100 Prozent.

Welche Trends sehen Sie auf LinkedIn?

Authentizität mit eigenem Stil und visuellen Wiedererkennungsmerkmalen. Und Spezifität: LinkedIn will Sie mit relevanten Menschen vernetzen – fokussieren Sie sich also auf Ihr Fachgebiet.

In Österreich gibt es Gründer, die sehr laut auftreten. Birgt das Risiken?

Kulturell, ja. Wenn Sie Wertvolles teilen, das anderen hilft, ist Lautstärke okay. Aber im DACH-Raum kann das Türen schließen. In Israel sind die Menschen wie gesagt von Natur aus lauter und leidenschaftlicher. Heute sehen wir auch einen Shift zu Solopreneuren oder Drei-Personen-Unicorns. Als Solopreneur müssen Sie Ihre Marke draußen haben – das Ziel sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Gibt es internationale Vorbilder?

Jensen Huang von Nvidia versteht, dass er das Gesicht des Unternehmens ist. Auf seinem LinkedIn-Profil steht Nvidia und davor ein Job als Tellerwäscher in einem Burgerladen.

Oder Sam Altman: Vor drei Jahren, als die Menschen Angst vor OpenAI hatten, machte er mit seinem Mitgründer eine Welttournee, traf Menschen auf Events. Sie nutzten ihre Founder-Marke, um Botschaften zu transportieren und Vertrauen aufzubauen.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Regierungsprogramm: Stimmen von Energy-Startups zu den geplanten Maßnahmen