25.11.2020

Refurbed verdreifacht 2020 Außen-Umsatz auf mehr als 100 Mio. Euro

Das Wiener Marktplatz-Startup Refurbed legte nun ein paar Zahlen für das laufende Jahr vor. Auch das Team wurde seit Beginn der Coronakrise deutlich vergrößert.
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Refurbed: Die Co-Founder Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl
(c) Refurbed: Die Co-Founder Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl

Eigentlich hätte man den heutigen Pressetermin natürlich lieber physisch veranstaltet, um das neue 1800 Quadratmeter-Büro am Austria Campus im zweiten Wiener Bezirk herzuzeigen, sagt Refurbed-Gründer Peter Windischhofer. Stattdessen gibt es per Zoom ein kurzes Video mit Eindrücken des neuen Hauptstandorts. Und das große repräsentative Büro allein deutet bereits an: Dem 2017 gegründeten Wiener Startup, das einen Marktplatz für „refurbishte“, also rundum-reparierte, Produkte betreibt, ist es auch im Corona-Jahr 2020 nicht schlecht ergangen.

Vor der Krise gestecktes Jahres-Ziel übertroffen

Das Geheimnis, so Windischhofer: „Die Produkte sind bei uns sowohl günstiger, als auch nachhaltiger. Üblicherweise ist nachhaltiger auch teurer, wie bei Bio-Produkten, oder mit einem Komfortverzicht verbunden, wie beim Verzicht aufs Fliegen“. Doch der Gründer betont: „Auch für Refurbed hatte 2020 viele Höhen und Tiefen. Bei unserer Finanzierungsrunde im März (Anm. ca. 16 Mio Euro) hatten wir Glück mit dem Timing und haben gerade noch am letzten Tag vor dem Lockdown beim Notar unterschrieben. Das gab uns zwar die Gewissheit, dass wir gut gut durch Krise kommen werden, aber Unsicherheiten gab es natürlich trotzdem“.

Nun, gegen Ende des Jahres, ist aber klar: Das schon vor der Krise gesteckte Ziel, 100 Millionen Euro Außen-Umsatz, wird übertroffen. Man erreiche hier etwa eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr, wo rund 40 Millionen Euro erzielt wurden, so der Gründer. Das sei auch dem Kapital aus der Investmentrunde geschuldet: Man habe stark in die Marke investiert und diese deutlich bekannter gemacht.

Schnelles Wachstum statt Profitabilität

Nach den Kernmärkten Deutschland und Österreich habe man zunächst nach Italien und Polen expandiert und sei seit kurzem in insgesamt 13 Märkten in Europa aktiv. Deutschland sei dabei der mit Abstand stärkste Markt. Bislang komme man auf insgesamt rund 300.000 Kunden – zu 90 Prozent B2C – im B2B-Bereich vorwiegend KMU. Wie viele Produkte man bislang verkauft hat, will Windischhofer nicht sagen, verrät dann aber doch: „Mit jedem Produkt, das wir verkaufen, pflanzen wir auch einen Baum. Bislang haben wir mehr als 400.000 Bäume gepflanzt“. Dies sei etwa über Projekte in Haiti und Nepal passiert, nach verheernden Waldbränden dieses Jahr aber etwa auch in Australien und Kalifornien.

Profitabel sei man bei all dem aber noch nicht. „Das ist auch nicht das Ziel. Die Firma soll so schnell wie möglich so groß wie möglich werden. Wir wissen aber, dass der Kern des Geschäftsmodells sehr profitabel ist“, so Windischhofer.

Refurbed-Team im Corona-Jahr auf mehr als 100 Personen ausgebaut

Das Wachstum in diesem Jahr drücke sich auch in noch weiteren Zahlen aus, sagt Co-Founder Kilian Kaminski: „Wir versuchen stetig, unser Händlernetzwerk weiter auszubauen und haben mittlerweile mehr als 100 zertifizierte Partner. Das Aufbereiten der Geräte passiert bei denen extrem professionell. Es herrscht eher Laboratmosphäre, nicht so wie in einem Reparatur-Shop am Hauptbahnhof“. Denn bei der Auswahl der Partner sei man sehr selektiv und nehme bei weitem nicht jeden, der will. Ganze 40 Schritte von der Überprüfung der Software über den Austausch von einzelnen Komponenten bis zum neu Aufsetzen, seien in dem Prozess zu beachten.

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Deutlich gewachsen ist im Corona-Jahr auch das Team. „Wir haben aktuell bereits mehr als 100 Mitarbeiter. Wir wollten die Chance nutzen, qualifizierte Leute zu bekommen, die vielleicht wegen Corona ihren Job verloren haben, und ihnen neue Perspektiven zu geben“, so Kaminski. Nun habe man Mitarbeiter mit 17 Nationalitäten. Mehr als die Hälfte der Belegschaft seien Frauen. „Diversität ist uns extrem wichtig. Wir sind darauf besonders stolz“, erklärt der Gründer.

Arbeit am Produkt: „Trade-In“ als nächster großer Meilenstein

Natürlich soll auch das Produkt weiterentwickelt werden. Bereits dieses Jahr führte das Startup mit „Refurbed Easy“ ein Mietmodell ein. „Damit kann man etwa für 20 Euro im Monat einen Laptop mieten. Das haben wir zu Beginn der Krise schnell umgesetzt und es wurde etwa für Homeschooling sehr gut angenommen“, erklärt Peter Windischhofer.

Das wichtigste Thema des kommenden Jahres, werde der Bereich „Trade-In“, an dem man intensiv arbeite. „Kunden können dann ihre gebrauchten Produkte über uns an Händler verkaufen. Wie bauen dazu eine eigene Plattform, die für Kunden möglichst einfach sein soll. Dadurch wird der Kreislauf bei uns geschlossen“, erklärt der Gründer. Wenn ein Produkt nicht mehr reparierbar sei und daher nicht verkauft werden könne, gebe es die Möglichkeit dieses zu spenden und recyclen zu lassen. „In jedem Handy steckt ein Restwert an Rohstoffen“, sagt Windischhofer. In dem Bereich kooperiere man etwa mit der Jane Goodall Foundation und unterstütze Projekte im Kongo. Im Laufe des kommenden Jahrs wolle man das neue Service launchen.

Schon diese Woche gibt es eine kurzfristige Aktion: Zum die gesamte Woche dauernden „Green Friday“ werden pro verkauftem Produkt zwei Bäume gepflanzt. Daneben läuft noch bis Weihnachten eine weitere Baumpflanz-Aktion – der brutkasten berichtete.

Refurbed-Gründer: „Wollen das ‚gute Amazon‘ werden“

Aktuell seien Smartphones und Laptops noch klar die Bestseller, doch auch in Sachen Produktkategorien baue man deutlich aus, erklärt Kilian Kaminski: „Wir wollen das ‚gute Amazon‘ für Refurbished-Produkte werden“. Schon im Sommer hat man E-Bikes ins Sortiment aufgenommen, nun auch E-Scooter. Als nächstes würden Haushaltsgeräte folgen. Windischhofer ergänzt: „Unser erstes großes Ziel war es, in den ersten fünf Jahren eine Million Produkte zu verkaufen. Das hat uns am Anfang niemand geglaubt und nun sind wir auf einem sehr guten Weg, es zu schaffen. Deswegen haben wir ein neues Ziel: Wir wollen, dass es künftig in jedem europäischen Haushalt zumindest ein Refurbished-Produkt gibt“.

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Scalable-Capital-Co-CEO Erik Podzuweit beim Interview in Wien | Foto: brutkasten
Scalable-Capital-Co-CEO Erik Podzuweit beim Interview in Wien | Foto: brutkasten

Die Münchner Banking- und Investmentplattform Scalable Capital verwaltet mittlerweile über 60 Milliarden Euro an Kundenvermögen. Seit Anfang Oktober hat das Unternehmen eine offizielle Bankniederlassung in Wien, damit können österreichische Kund:innen erstmals steuereinfach investieren. Das bedeutet: Scalable führt die Kapitalertragsteuer (KESt) auf Gewinne, Dividenden und Zinsen automatisch an das Finanzamt ab, Anleger:innen müssen ihre Kapitalerträge also nicht mehr selbst in der Steuererklärung angeben. Co-Founder und Co-CEO Erik Podzuweit war zum Start in Wien. brutkasten traf ihn zum Gespräch über die Expansionspläne, den Mitbewerb und seine Vision vom „Finanzcoach in der Tasche“.


brutkasten: Scalable Capital war in Österreich schon länger aktiv, seit Anfang Oktober gibt es eine Bankniederlassung in Wien. Warum gerade jetzt?

Erik Podzuweit: Wir sind als App auf den Systemen einer anderen Bank gestartet und haben in den letzten Jahren unsere gesamte technische Infrastruktur selbst entwickelt und vertikalisiert: mit eigenem Kernbankensystem, eigenem Market Making über einen Handelsplatz, den wir gemeinsam mit der Börse Hannover betreiben, sowie eigener Konto- und Depotführung. Diese Plattform können wir jetzt nutzen, um viel schneller und flexibler in andere Länder wie Österreich zu gehen.

Man konnte schon vor Jahren als Österreicher Kunde werden, aber nicht steuereinfach. Dafür mussten wir zwei Dinge tun: eine offizielle Bankniederlassung gründen, wie wir es auch vor kurzem in Italien getan haben, und die Steuersoftware entweder einkaufen oder selbst bauen. Für Österreich haben wir sie selbst gebaut. Dank moderner KI-Anwendungen geht das heute extrem effizient im eigenen Haus. Das waren die letzten Schritte zu einem massentauglichen Produkt in Österreich. Jetzt bauen wir das lokale Team weiter aus und fahren das Marketing hoch. Ab Mitte Oktober werden wir in ganz Österreich mit Werbung deutlich präsenter sein. Und es kommen weitere Produkte: im November Festgeld und später ein Kreditangebot.

Wie wollt ihr in die breite Masse gehen? Anbieter wie Bitpanda setzen stark auf Sportsponsoring.

Wir setzen sehr stark auf Außenwerbung, parallel spielen wir die ganze Klaviatur des Online-Marketings. Sportsponsoring machen wir nur in kleinem Umfang, da gibt es viele Streuverluste. Und wir sind in einem zyklischen Markt: Bei volatilen Börsen muss man das Marketing zurückfahren können. Bei Krypto hat man das gesehen, da ist das Handelsvolumen eingebrochen, und es war schwer, aus mehrjährigen Verträgen wieder rauszukommen.

Welche Zielgruppe sprecht ihr in Österreich an?

Vor ein paar Jahren waren wir viel nischiger. Unsere klassische Kundschaft waren die sogenannten Smart Busy Professionals: Menschen, die noch nicht zwangsläufig reich sind, aber gut ausgebildet, mit gutem Einkommen, oft städtisch, die in der Wirtschaft oder als Programmierer arbeiten. Bei einer klassischen Bank fallen diese Kundinnen und Kunden oft durchs Raster: Sie passen noch nicht ins Private Banking, sind aber auch keine Retailkunden, denen man irgendeinen Fonds verkauft. Mit der Zeit werden sie immer attraktiver. Heute gehen wir eine viel breitere Masse an. Neben dem Investieren haben wir mit Tagesgeld und Festgeld auch den Bereich Sparen. 2,6 Prozent Zinsen versteht jeder. Damit gewinnt man auch Kunden, die wenig Risiko wollen oder in Rente sind, und zwar von klassischen Banken. Die Smart Busy Professionals kommen eher von anderen Online-Banken zu uns.

Wer ist euer direkter Mitbewerber?

Mit Bitpanda sehen wir wenig Überschneidung. Wir haben ein Kryptoangebot, Bitpanda hat ein Aktienangebot, aber das sind zwei getrennte Welten. Dann schon eher alle Banken. Wenn man aber auf Preis, Zins, Gebühren und das Nutzererlebnis schaut, sind die klassischen Banken keine direkte Konkurrenz für uns. Der direkteste Mitbewerber ist Trade Republic. Aber es gibt Unterschiede im Preismodell und bei den Zinsen. Unser Zins ist etwas besser. Wir liegen bei 2,6 Prozent versus 2,5 Prozent.

Warum braucht es ein lokales Team in Wien, wenn Geldanlage ein globales Geschäft ist?

Wenn ein österreichischer Kunde eine Tesla-Aktie kauft, ist das dieselbe Aktie wie für einen italienischen Kunden. Aber im Kundengeschäft braucht man lokale Präsenz. Auch BlackRock hat ein Büro in Wien und eins in Mailand, man kann Europa nicht allein aus New York steuern, und wir nicht allein aus München. Die regionalen Unterschiede liegen vor allem auf der Steuerseite. Jetzt fangen auch einzelne Staaten der EU an, gezielte steuerliche Anreize und Zuschüsse zum Investieren zu geben. In Deutschland kommt das Altersvorsorgedepot, in Österreich wird das Zukunftsdepot diskutiert. Da muss man die Entscheidungen nah verfolgen und ein lokales Produkt bauen. Sobald das Zukunftsdepot kommt, werden wir es maßgeschneidert in Österreich anbieten.

Welche Ziele habt ihr euch für Österreich gesetzt?

Der österreichische Markt ist zwar kleiner als der deutsche, aber die durchschnittlichen Depotgrößen sind hier sogar etwas höher. Ziel ist es, in den nächsten Jahren ein Kundenvolumen von zehn bis zwanzig Milliarden Euro in Österreich aufzubauen. Aktuell liegen wir bei über 60 Milliarden auf der gesamten Plattform. In vier bis sechs Jahren soll die Hälfte des Kundenstamms von außerhalb Deutschlands kommen. Dabei sind wir klar auf Europa fokussiert, eine Expansion darüber hinaus planen wir nicht.

Ihr habt Agentic Investing eingeführt. Was ist die Idee, und wer nutzt das?

Wir haben zwei Schnittstellen geöffnet – technisch nennt sich die eine CLI (Command Line Interface) und die andere MCP (Model Context Protocol). Über die erste kann ein Kunde seine eigene KI-Anwendung anschließen. Über die MCP-Schnittstelle können auch Leute ohne Programmierkenntnisse in wenigen Minuten beispielsweise ChatGPT oder Claude mit ihrem Scalable-Konto verknüpfen. Man stellt die Freiheitsgrade ein: Im Read-Only-Modus sieht und analysiert der Agent das Portfolio, erstellt Charts oder aggregiert Newsfeeds. Wer möchte, kann ihn aber auch bis zum Ausführen von Trades und Trading-Strategien freischalten. Geblockt ist aus Sicherheitsgründen jede Zahlung, es kann nie Geld abfließen. Das Feature ist vor ein paar Wochen gestartet, die ersten 20.000 Agenten sind täglich aktiv. Noch nutzt es eher die technologieaffine Kundschaft, vor allem für Portfolioanalysen, manche fahren aber bereits aktive Strategien.

Und die Zukunft?

Ich erwarte nicht, dass jeder Kunde komplexe Trading-Strategien umsetzt, das macht für die meisten auch gar keinen Sinn. Die Vision ist eine Welt, in der jeder einen persönlichen Agenten hat. Der sagt nicht nur, dein Konto bei Bank XY hat zu wenig Zinsen, sondern eröffnet direkt ein Konto und Depot bei Scalable. Man sagt: “Ich habe zehn Euro im Monat übrig und möchte mit mittlerem Risiko anlegen” und der Agent sucht die passenden ETFs heraus und setzt einen Sparplan auf. Der Anspruch ist dabei nicht die zusätzliche Rendite, sondern dass der Zugang zum Kapitalmarkt einfacher wird. 80 Prozent der Menschen haben noch nie investiert. Ein Finanzcoach in der Tasche, der auch aktiv werden kann, das ist die Zukunft der Geldanlage. Das kommt nicht von heute auf morgen, aber in den nächsten Jahren. Private Geldanlage ist im Aufwind, Anbieter wie wir senken Hürden und Gebühren, und jetzt kommt KI dazu. Das ist ein ideales Zusammenspiel.


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AI Summaries

Refurbed verdreifacht 2020 Außen-Umsatz auf mehr als 100 Mio. Euro

  • Ein neues, großes, repräsentative Büro deutet bereits an: Dem 2017 gegründeten Wiener Startup Refurbed, das einen Marktplatz für „refurbishte“, also rundum-reparierte, Produkte betreibt, ist es auch im Corona-Jahr 2020 nicht schlecht ergangen.
  • Nun, gegen Ende des Jahres, ist klar: Das schon vor der Krise gesteckte Ziel, 100 Millionen Euro Außen-Umsatz, wird übertroffen.
  • Das Team wurde auf über 100 Personen erweitert.
  • Und es gibt umfassende Pläne zur Erweiterung des Produkts – etwa mit einem Trade-In-Portal.

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