14.03.2023

refurbed holt sich politischen Berater für Kreislaufwirtschaft an Bord

Das Wiener Scaleup refurbed heuerte Paul Ploberger als Politberater an. Künftig soll er als Public Affairs Manager die Interessen des Unternehmens auf EU vertreten.
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Paul Ploberger ist Public Affairs Manager bei refurbed | © refurbed

Klimapolitische Entscheidungen auf EU-Ebene haben für Unternehmen und deren Geschäftsmodelle weitreichende Folgen. Größere Unternehmen versuchen daher bereits im Gesetzgebungsprozess auf Entscheidungsträger:innen Einfluss zu nehmen. In der Regel erfolgt dies über sogenannte Public Affairs Manager:innen. Sie vertreten die Interessen von Unternehmen auf europäischer Ebene und pflegen dabei Kontakte zu Vertreter:innen von Mitgliedsstaaten, dem EU-Parlament oder Verbänden.

Paul Ploberger kommt zu refurbed

Auch das Wiener Scaleup refurbed, das einen Online-Marktplatz für refurbished Produkte in der DACH-Region betreibt, setzt mittlerweile auf Public Affairs. Dafür holte das Unternehmen nun mit Paul Ploberger eigens einen Politikberater an Bord, wie refurbed am Dienstag bekannt gab. Als Public Affairs Manager soll er sich künftig für die Interessen von refurbed auf EU-Ebene stark machen.

Sein Schwerpunkt ist laut refurbed der Ausbau einer „ambitionierten Nachhaltigkeitspolitik der EU“, vor allem im Bereich Kreislaufwirtschaft. Ploberger war zuvor viele Jahre als Policy Advisor für die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Brüssel tätig und hat zudem Politikwissenschaft in Wien, Helsinki und Kopenhagen studiert.

„Unternehmen wie refurbed, die zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise beitragen wollen, sind leider immer noch in der Unterzahl und müssen gegen deutlichen Widerstand aus traditionellen Wirtschaftszweigen ankämpfen“, so Ploberger über seine neue Aufgabe.

refurbed ist Unicorn-Anwärter

Erst unlängst wurde das Scaleup aus Wien im Rahmen der Tech Tour Growth Europe von 90 Investor:innen als einziges Unternehmen aus Österreich auf die Growth50-Liste gewählt. Das internationale Kommitee nominierte dabei vielversprechende Scaleups aus den Bereichen Digital, Health und Sustainability, die innerhalb von zehn Jahren nach ihrer Gründung eine Milliardenbewertung erhalten könnten.

refurbed erfüllte die Growth50-Kriterien wohl aufgrund seiner erfolgreichen Finanzierungsrunden der letzten Jahre. In einer im August 2021 abgeschlossenen Investment-Runde konnte das 2017 in Wien gegründete Startup für vollständig erneuerte Elektronik 54 Millionen US-Dollar lukrieren. Laut Crunchbase hat refurbed insgesamt ein Finanzierungsvolumen von 73,2 Millionen US-Dollar erzielt. 


Tipp der Redaktion: Kreislaufwirtschaft-Schwerpunkt

Mit Anfang Jänner 2023 startete die brutkasten-Redaktion einen neuen thematischen Schwerpunkt zum Thema Kreislaufwirtschaft. Im Zentrum stehen Innovationen von Startups, Corporates und Mittelstand, die eine ressourceneffiziente und schadstoffarmen Produktion ermöglichen. Zudem berichten wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe rund um eine kreislauforientierte Wirtschaft – unter anderem auch über das Thema Kunststoff Recycling.

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v. l. n. r. Stefan Kampusch (AURIMOD GmbH), Leonardo Peikoff (KPMG), Daniela Haunstein, Nikolaus Futter (beide invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Christian Tauber (NEOALP), André Felker (backbone.one), Lea Krebs (fibionic GmbH), Michael Reip (openmaind) und Benjamin Behr (KPMG) | Foto beigestellt von KPMG

Der Austrian Tech Innovator wird von KPMG veranstaltet und soll österreichischen Startups und Scaleups eine Bühne vor Publikum aus Wirtschaft und Investor:innen bieten. Heuer ging der Sieg an die Aurimod GmbH. Das Unternehmen entwickelt ein tragbares Gerät zur Vagusnerv-Stimulation am Ohr, mit dem Schmerzen ohne Medikamente behandelt werden sollen.

„Unser Ziel ist, Betroffenen eine wirksame Ergänzung zu herkömmlichen Schmerzbehandlungen anzubieten. Mittels Vagusnerv-Stimulation am Ohr können Schmerzen wie beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Migräne oder akute postoperative Schmerzen nachhaltig behandelt werden“, erklärt Stefan Kampusch, CEO von Aurimod.

Seit Herbst letzten Jahres tritt das Unternehmen unter einer Doppelspitze auf: Manuel Leal Garcia, seit Mitte 2024 Head of Business Development, wurde zum Chief Commercial Officer und Co-Geschäftsführer neben Kampusch bestellt. Er verantwortet Vertrieb, Marketing und das internationale Geschäft, mit Fokus auf Deutschland, die Schweiz, Großbritannien sowie weitere europäische und nordamerikanische Märkte.

Ticket für den Global Tech Innovator

Mit dem Sieg hat sich Aurimod auch die Teilnahme am Global Tech Innovator gesichert. Dort tritt das Unternehmen gegen die Gewinner:innen der anderen teilnehmenden Länder an. Das internationale Finale findet zum sechsten Mal im Rahmen des Web Summit in Lissabon statt.

„Sichtbarkeit, ein starkes Netzwerk, professionelle Begleitung und ein klarer Blick auf den Markt können den entscheidenden Unterschied machen, um als Startup auch globale Reichweite zu erlangen“, sagt Benjamin Behr, Director im Bereich Advisory bei KPMG und Host des Abends.

Neoalp, fibionic und openmaind unter den Finalisten

Neben Aurimod standen vier weitere Unternehmen im Finale. Drei davon sind brutkasten-Leser:innen bereits bekannt:

Das Wiener Startup Neoalp entwickelt eine vendor-neutrale Operations-Plattform für industrielle humanoide Robotik. Anfang des Jahres berichtete brutkasten, wie das Startup Semperit bei der Einführung humanoider Roboter in der Fertigung unterstützt, gemeinsam mit Projektpartner Cancom.

Das Tiroler Startup fibionic aus Götzens setzt mit seinem patentierten Verfahren „fibionic fiber placement“ auf bionisch inspirierten Leichtbau: Fasern werden gezielt entlang realer Lastpfade ausgerichtet, das Vorbild sind Strukturen wie die Flügel einer Libelle. Im März holte sich das 2021 gegründete DeepTech-Startup drei Millionen Euro, angeführt von Redstone und Euregio+.

Das Grazer Startup openmaind arbeitet an einer KI-basierten Intelligence-Layer für industrielle Robotikprozesse. Die Software vernetzt autonome Transportroboter unterschiedlicher Hersteller in Produktionshallen und lässt sich per natürlicher Sprache steuern. Im Herbst 2025 stieg KaPa Ventures mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ein. Die Mitgründer Michael Reip und Christoph Zehentner hatten 2021 bereits ihr Unternehmen Incubed IT an Verizon verkauft.

Vierter Finalist war die backbone.one GmbH, die eine digitale Infrastruktur für erneuerbare Energie entwickelt und das Konzept „Energy-as-a-Currency“ verfolgt.

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