24.05.2022

refurbed holt Schweizer Finanzexperten als neuen CFO

refurbed besetzte mit dem international erfahren Finanzexperten Daniel Müller die Position des CFO neu.
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Daniel Müller, neuer CFO von refurbed © refurbed

Erst im April diesen Jahres sorgte das Wiener Scaleup refurbed mit einer Personalmeldung für Schlagezeilen, indem es eine ehemalige Zalando Top-Managerin für sich gewinnen konnte. Nun wurde die nächste Neubesetzung kommuniziert: Wie refurbed am Dienstag bekannt gab, übt bereits seit Mitte Feber der Schweizer Daniel Müller die Position des Chief Financial Officer (CFO) aus. Müller war zuvor als CFO der Technologie-Unternehmen WayRay und Numbers Personal Finance AG in Zürich tätig.

Daniel Müller wird neuer refurbed CFO

Während seiner Zeit als CFO von Numbrs (Zürich), einem europäischen Unicorn-Fintech, fuhr er gemeinsam mit dem Gründer-Team Investitionen in dreistelliger Millionen-Höhe ein. Auch beim Augmented-Reality-Technologie-Experten WayRay war Müller für die Kapitalbeschaffung und Vorbereitung des Unternehmens für die öffentlichen Kapitalmärkte zuständig. WayRay ist mit 100 Millionen US-Dollar von namhaften Investoren wie Porsche, Alibaba, Hyundai oder Mubadala finanziert.

Letzte Finanzierungsrunde erfolgte im August 2021

Diese Erfahrung in Bezug auf Finanzierungsrunden soll der 39-Jährige nun auch beim Wiener Scaleup einbringen. „Mit Daniel Müller haben wir einen international erfahrenen Finanzexperten gewonnen, der uns unserem Ziel, der europäische Online-Marktplatz für nachhaltige Produkte zu werden, einen Schritt näher bringt“, so Mitgründer Peter Windischhofer über die Neubesetzung.

Die letzte Finanzierungsrunde für refurbed erfolgte übrigens im August 2021. Im Zuge einer Series-B-Runde sammelte das Scaleup 52 Millionen Euro für das weitere Wachstum ein. Aktuell gilt das Unternehmen mit seinem Online-Marktplatz für generalüberholte Elektronik als Unicorn-Anwärter und ist derzeit in insgesamt zwölf Ländern in Europa aktiv.

Konkrete Angaben zu einer bevorstehenden Finanzierungsrunde machte das Scaleup allerdings nicht. Dazu heißt es in der Aussendung lediglich: „Schon in der Vergangenheit konnte refurbed mit starken Finanzierungsrunden auf sich aufmerksam machen. Diese Entwicklung soll durch den neuen CFO nun fortgesetzt werden.“


Videotipp: Refurbed Gründer Kilian Kaminski über Unicorn-Status & One-Stop-Shop für nachhaltigen Konsum

Im April diesen Jahres gab refurbed Co-Founder Kilian Kaminski im Zuge eines Brutkasten-Talks erste Einblicke zu „refurbed Fashion“. Seit diesem Frühjahr können Nutzer:innen auf der Plattform neue Kleidung aus recycelten Stoffen kaufen. Mittelfristig möchte sich das Scaleup zu einem One-Stop-Shop für nachhaltigen Konsum entwickeln.

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Mathias Lipp-Rosenthal, Gründer der KI Schmiede | Foto: Lipp-Rosenthal

Das im August veröffentlichte Gesamtstaatliche Lagebild 2026 des Krisensicherheitsberaters im Bundeskanzleramt enthält einen Satz, der bislang wenig Beachtung fand: Angesichts der Cyberbedrohung rücke digitale Souveränität weiter in den Fokus der nationalen Sicherheit. Daraus leitet es eine unbequeme Handlungsoption ab, nämlich die Förderung von EU-Anbietern und den Verzicht auf externe Anbieter bei künftigen Beschaffungen. Im (ersten) Lagebild 2025 kam der Begriff nicht vor. Aus einem Standortthema wurde binnen eines Jahres eine Sicherheitsfrage.

Der Ist-Zustand ist bekannt. Verwaltung und Wirtschaft in Österreich laufen weitgehend auf Infrastruktur dreier US-Konzerne. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die diese Unternehmen verarbeiten, unabhängig vom Standort des Rechenzentrums. Als Microsoft im Frühjahr 2025 plötzlich das Konto des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs sperrte, wurde sichtbar, dass die Verfügbarkeit einer digitalen Grundleistung an einer Entscheidung außerhalb Europas hängen kann. Die Leistungsfähigkeit der Hyperscaler steht außer Streit. Zu klären ist, welche Funktionen ein Staat in fremder Hand belassen kann.

Vorbilder im öffentlichen Sektor

Das Österreichische Bundesheer hat mit der Umstellung auf LibreOffice die Kontrolle über einen zentralen Arbeitsplatzbaustein zurückgeholt, die Schweizer Armee migriert ihr Kommando Cyber auf openDesk.

Am weitesten gehen die Niederlande. Dort stellt die Regierung die gesamte Bundesverwaltung auf digitale Souveränität um. Seit Juli 2026 ist von US-Clouds für E-Mail und Dokumente abzuraten, Daten müssen in Europa bleiben und für jeden Dienst muss ein Ausstiegsplan vorliegen.

Sicherheit als Grundbedürfnis der Wirtschaft

Die Frage stellen sich zunehmend auch heimische Unternehmen. Sie wollen wissen, ob ihre Daten in Europa liegen, wer darauf zugreifen kann und ob der Dienst, auf dem ihr Tagesgeschäft läuft, morgen noch verfügbar ist. Souverän zu arbeiten heißt für sie vor allem, Sicherheit zu haben: dass Daten nicht von Drittstaaten abgegriffen werden können und dass sie sich auf die Infrastruktur, die ihr Geschäft trägt, tatsächlich verlassen können.

Anbieter, die diesen Wechsel möglich machen, gibt es in Österreich und Europa bereits. Sie stellen Rechenleistung, Plattformdienste und KI-Modelle bereit, die europäischem Recht unterliegen und deren Betrieb nachvollziehbar bleibt. Was ihnen fehlt, ist nicht die Kompetenz, sondern die Nachfrage, die sie in jene Größe trägt, in der sie für den Mittelstand zur echten Option werden.

Mehr als ein Hackathon

Im Mai 2026 haben das Bundeskanzleramt und die TU Austria dazu einen Public AI Hackathon veranstaltet. In 48 Stunden entwickelten 25 Talente Prototypen für die öffentliche Verwaltung, präsentiert vor Staatssekretär Alexander Pröll und einer Jury aus Verwaltung, Politik und Forschung. Das Format zeigt, dass der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Staat und Nachwuchs vorhanden ist. Es zeigt auch, wo die Grenze liegt. Zwei Tage Hackathon ersetzen keine Strategie, mit der die Startup-Szene dauerhaft in den Aufbau souveräner Infrastruktur eingebunden wird. Auf einen Prototyp sollte eine Beschaffung folgen, auf eine Veranstaltung ein Förderprogramm, auf ein Teilnahmezertifikat ein zahlender Kunde.

Der Hebel heißt öffentliche Nachfrage

Genau hier liegt der Hebel für Österreich. Öffentliche Nachfrage entscheidet, ob heimische Anbieter jene Größe erreichen, die sie brauchen, um für die Wirtschaft eine echte Option zu sein. Wenn Bund, Länder und Förderstellen gezielt bei europäischen und österreichischen Anbietern beschaffen, stärkt das deren Marktposition und signalisiert der gesamten Startup-Branche, dass sich Investitionen in souveräne Technologie lohnen. Souveränität und Innovation stehen dabei nicht im Widerspruch, sie bedingen einander: Wer die Kontrolle über seine Infrastruktur behält, kann auf ihr aufbauen, statt sie nur zu mieten.

Für Österreich heißt das, die Empfehlung des Lagebilds über einzelne Prototypen hinaus zu denken. Jede Ausschreibung, jedes Förderprogramm und jede Anschlussfinanzierung entscheidet mit darüber, ob die österreichische Startup-Branche zu jenem Anbieter heranwächst, von dem Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Mittelstand in zehn Jahren abhängen können. Wer Gründerinnen und Gründer heute mit mehr als einem Zertifikat ausstattet, entscheidet mit über die technologische Souveränität von morgen.


Über den Gastautor:

Mathias Lipp-Rosenthal ist Gründer der KI Schmiede, einer im Juni 2026 gestarteten Beratung, die Unternehmen im DACH-Raum bei der Einführung und Schulung von KI begleitet. Zuvor war er stellvertretender Klubdirektor der Neos und Mitgründer von Voter AI; die Gründung der KI Schmiede hat brutkasten hier bereits vorgestellt.

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