10.02.2026
STRATEGISCHE ÜBERNAHME

Exit: Linzer Startup ReDem wird in die USA verkauft

ReDem gelingt knapp sechs Jahre nach der Gründung der Exit: Das US-Unternehmen Rep Data kauft das Linzer Startup und übernimmt das siebenköpfige Team vollständig. Die Marke soll bestehen bleiben.
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Rep-Data CEO Patrick Stokes (Mitte) mit dem ReDem-Team rund um COO Julia Mittermayr (3. v.l.) und CEO Florian Kögl (3.v.r.)
Rep-Data CEO Patrick Stokes (Mitte) mit dem ReDem-Team rund um COO Julia Mittermayr (3. v.l.) und CEO Florian Kögl (3.v.r.) | Foto: ReDem

Das im März 2020 gegründete Linzer Startup ReDem bietet eine DIY-Datenbereinigungs-Software für quantitative Befragungen. Marktforscher:innen können Befragungsdaten hochladen, automatisiert bereinigen und auch wieder exportieren. Einer der größten Kunden des Startups ist schon länger das US-Unternehmen Rep Data, ein Datenbereinigungs-Dienstleister mit Sitz in New Orleans.

Nun intensiviert sich die Zusammenarbeit: Denn das US-Unternehmen übernimmt das Linzer Startup, wie am Dienstag bekannt wurde. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Auf Rückfrage von brutkasten sagte ReDem-COO Julia Mittermayr: „Was wir verraten können, ist, dass es eine strategische Übernahme war und es ein äußerst erfolgreicher Deal war.“ Man habe eigentlich noch nicht vorgehabt, ReDem zum aktuellen Zeitpunkt bereits zu verkaufen.

ReDem soll weiterhin als eigenständige Lösung am Markt angeboten werden und nicht exklusiv nur für Rep-Data-Kunden verfügbar sein. Alle sieben Mitarbeiter:innen von ReDem werden im Zuge der Übernahme Teil des Rep-Data-Teams, das aktuell aus etwas mehr als 100 Mitarbeiter:innen besteht. Florian Kögl (CEO) und Julia Mittermayr (COO) werden Teil des Executive Teams bei Rep Data.

Rep Data nun dank ReDem-Übernahme End-to-End-Lösung

„Die heutige Marktforschung erfordert Qualitätskontrollen, die ineinandergreifen und nicht isoliert arbeiten“, kommentiert Florian Kögl. „Indem wir die ‚In-Survey‘-Intelligenz von ReDem mit der Betrugsprävention vor der Umfrage (‚Pre-Survey‘) von Research Defender bei Rep Data zusammenführen, geben wir Forschern einen praktischen Weg an die Hand, die Datenqualität über den gesamten Lebenszyklus der Umfrage hinweg zu schützen.“

COO Julia Mittermayr wiederum erläutert gegenüber brutkasten: „Rep Data und ReDem verfolgen dasselbe Ziel: Datenqualität in der Marktforschung messbar zu stärken und Kundinnen und Kunden mit einem konsequenten Serviceansatz wirklich zu entlasten, deshalb war schnell klar, dass unsere Werte sehr gut zusammenpassen“.

Strategisch entscheidend sei gewesen, dass Rep Data End-to-End-Datenqualität anbieten möchte und dafür „gezielt eine starke In-Survey-Lösung“ gesucht habe. Aufgrund des Zukaufs des Unternehmens Research Defender vor einigen Jahren könne Rep Data mit Pre-Survey-Checks die vorgelagerten Prüfungen schon abdecken. „Mit ReDem als In-Survey-Baustein kann Rep Data nun das gesamte Spektrum der Datenqualitätsprüfung und Umfragebetrugserkennung in der Marktforschung aus einer Hand anbieten“, führt Mittermayr weiter aus.

Patrick Stokes, CEO von Rep Data, sagt: „Durch die Zusammenführung der führenden Lösungen für Qualität vor und während der Befragung eliminieren wir den Großteil der Qualitätsprobleme, bevor sie Analysen und Entscheidungen verfälschen. Dies ist das erste Mal, dass ein solches Niveau an Datenqualitätskontrolle in der Marktforschung möglich ist.“

Verkaufsprozess „sehr professionell strukturiert und extrem schnell“

Der Deal kann auch als eine Reaktion auf ein wachsendes Problem mit künstlicher Intelligenz (KI) gesehen werden: Durch KI-generierten Betrug und Bots wird die Verlässlichkeit von Online-Umfragen zunehmend untergraben. Die Kombination der Technologien soll hier künftig eine durchgehende Absicherung bieten. ReDem setzt auch selbst stark auf KI, um beispielsweise automatisiert offene Antworten in Umfragen auf Plausibilität zu prüfen.

Die Verhandlungen sind mit Rep Data und dem Private-Equity-Fonds Mountaingate Capital geführt worden. Dieser ist der Hauptinvestor von Rep Data. Gegenüber brutkasten hob Mittermayr hervor, dass die Gespräche „absolut auf Augenhöhe“ geführt worden seien und der gesamte Prozess „sehr professionell strukturiert und extrem schnell“ abgelaufen sei. Von der ersten Bekundung des Kaufinteresses über das Angebot und die Due Dilligence bis hin zum Signing seien „nur wenige Monate vergangen“.

ReDem 2020 gegründet, Plattform 2022 gestartet

ReDem ist 2020 von Florian Kögl gemeinsam mit David Mitterlehner gegründet worden (brutkasten berichtete). Der gelernte Elektrotechniker Kögl war der lange im Versicherungs- und Finanzbereich aktiv, bevor er sich zunächst mit einer Finanzplattform selbstständig machte.

Als er dabei nach einem geeigneten Daten-Reinigungstool suchte, bemerkte er, dass im deutschsprachigen Raum noch keine Komplett-Lösung existierte. So gründete er mit Mitterlehner – der zuvor Software-Engineering studierte – im März 2020 sein zweites Startup ReDem. Anfang 2022 war die Plattform dann verfügbar.

Kögl war vor dem Deal mit 42,59 Prozent der größte Anteilseigner der Redem GmbH. Investor Markus Weigl hielt 24,61 Prozent, Julia Mittermayr 15,71 Prozent. Co-Founder David Mitterlehner war zuletzt noch mit 5,99 Prozent beteiligt. Alle übrigen Anteilseigner lagen bei Werten von unter fünf Prozent.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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