29.06.2021

RecycleMich-App: Neue App belohnt das richtige Recycling von Flaschen mit Preisen

Die RecycleMich-App steht seit März 2021 in Wien in einer Pilotphase zur Verfügung. Weitere Städte und Gemeinden sollen folgen.
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RecycleMich-App
Die RecycleMich-App funktioniert jetzt auch mit dem Gelben Sack in Wien | © RecycleMich/Stefanie J. Steindl

Aktuell werden in Österreich jährlich rund 70 Prozent der 1,6 Milliarden PET-Flaschen gesammelt und recycelt. Angesichts des negativen Umwelt-Impacts von falsch entsorgten PET-Flaschen ist dieser Wert noch immer viel zu niedrig – in der Bundeshauptstadt Wien liegt der Wert sogar bei nur 50 Prozent.

Damit die Anzahl an recycelten Flaschen und Dosen hierzulande in den nächsten Jahren stetig steigt, hat die international tätige Abfallwirtschafts-Unternehmensgruppe Reclay Group gemeinsam mit Coca-Cola und weiteren Getränkeherstellern die RecycleMich-Initiative ins Leben gerufen. Laut Eigendefinition verfolgt die Initiative das Ziel, das „Bewusstsein fürs korrekte Recycling in der Bevölkerung zu stärken“.

RecycleMich-App setzt auf Nudging

Seit März diesen Jahres setzt die Initiative in ihrer Sensibilisierung auf digitales Nudging und die sogenannte RecycleMich-App. Über die Applikation können Nutzer für jede richtig recycelte PET-Flasche oder Aludose digitale Punkte sammeln und wöchentliche bzw. monatliche Preise gewinnen. Das Prinzip dahinter ist simpel: Je mehr ein Nutzer recycelt, desto höher sind seine Gewinnchancen.

Aktuell steht die App nur in der Bundeshauptstadt Wien zur Verfügung und funktioniert laut Reclay mit allen öffentlich zugänglichen gelben Tonnen. Die Daten werden hierfür von der Stadt Wien zur Verfügung gestellt, wobei die App auf Geolocation und Artificial Intelligence setzt. Nutzer müssen lediglich die gelbe Tonne fotografieren und anschließend den Barcode der leeren Getränkeverpackung scannen.

Die erste Bilanz nach vier Monaten

In den ersten vier Monaten der Pilotphase wurden laut den Betreibern mehr als 130.000 Getränkeverpackungen mittels App gesammelt, die sowohl im Google Play Store und Apple App Store zur Verfügung steht. Zudem wurden bis lang über 4000 Preise vergeben. Die Bandbreite reicht von Gutscheinen für Lieferservices, über Lifestyle-Produkte und Fitnesstrainings bis hin zum Hotelgutschein für den nächsten Urlaub. Auch heimische Startups, wie SunnyBag und getsby beteiligen an den zur Verfügung gestellten Preisen.

„Wir sind stolz und dankbar, dass so viele Wienerinnen und Wiener regelmäßig mittels RecycleMich-App ihre täglichen Getränkeverpackungen recyceln. Das innovative Know-how, das in dieser App steckt, verstärkt das bereits gelebte Trennverhalten von Verpackungsabfällen nachhaltig“, so Christian Abl, Mitglied der Geschäftsführung der Reclay Group.

Weiter Projekte in der Pipeline

Künftig soll die App auch an alle Wiener zur Verfügung gestellt werden, die ihre Verpackung über den gelben Sack sammeln. Damit werden rund 40.000 zusätzliche Haushalte die Möglichkeit bekommen, ihre Verpackungen mittels RecycleMich-App zu sammeln.

Zudem gibt außerhalb Wiens kleinere Pilotprojekte. So wurde laut der Reclay Group im Juni beispielsweise beim Sportevent „Sport Austria Finals 2021“ in Graz die ersten breit angelegten Versuche mit serialisierten Verpackungen und NFC-codierten Sammelbehältern erfolgreich durchgeführt. Auch auf drei Raststationen der ASFINAG entlang der A1 (Westautobahn) wurden PET-Presscontainer als Sammelstellen in der RecycleMich-App integriert, bei denen ebenfalls die neue NFC-Erkennung zur Anwendung kommt.

Und weitere Projekte sind bereits in Planung: So sollen ab kommenden Herbst auch Mehrwerg-Verpackungen in die App eingebunden werden. Auf Rückfrage des Brutkasten bestätigt eine Sprecherin, das es künftig eine Ausweitung der RecycleMich-App auf andere Städte und Gemeinden in Österreich geben wird. Gespräche laufen bereits, ein genauer Zeitplan ist allerdings noch nicht fixiert.


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Die Gründer Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler vor einem Sammelmodul | © Social Cycle

Jeder kennt es: Der Softdrink ist getrunken und übrig bleibt nur die leere Plastikflasche. Was soll man mit ihr machen? Wegwerfen und so Pfandsammlern die Arbeit erschweren oder doch bis zum nächsten Supermarkt gehen und dort die Flasche ordnungsgemäß retournieren? Genau diesem Problem nehmen sich die beiden Gründer von Social Cycle, Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler, an. Sie haben ein System zum Pfandsammeln entwickelt, das herkömmliche Pfandringe ersetzen soll. Laut den Gründern ist es u.a. flexibler einsetzbar, sauberer und billiger.

Sammeln mit einer Röhre

Social Cycle setzt auf eine röhrenartige Konstruktion, in die leere Flaschen und Dosen gesteckt werden können. Ihr Sammelsystem ist wesentlich günstiger als herkömmliche Pfandringe. „Unser System kostet zwischen 79 und 99 Euro. Die Pfandringe kosten alleine in der Produktion schon 300 Euro, mit genau der gleichen Kapazität an Flaschen. Außerdem spart man sich die Montage“, sagt der Unternehmensberater. Die Sammelkonstruktionen von Social Cycle werden nämlich nur mit Schellen fixiert, was für zusätzliche Flexibilität sorge. „Du kannst dann einfach die Module z.B. vom Bahnhof abmontieren und dann bei einem Fest montieren“, erklärt Schwarz.

Zudem sei die Reinigung wesentlich einfacher als bei allen anderen Systemen am Markt. Weiters passen die Module laut dem Co-Founder besser ins Stadtbild als bisherige Sammelsysteme. „Wir haben auch das Feedback bekommen, dass es einfach viel besser im öffentlichen Raum ausschaut, was natürlich eins der größten Probleme bei den Pfandringen ist“, erklärt Schwarz.

So sehen die Sammelmodule von Social Cycle aus. | © Social Cycle

Wien als nächstes Ziel

Social Cycle ist bereits an über 150 Standorten in Österreich und Deutschland vertreten, unter anderem in Bregenz, Steyr und Kahl am Main. Nur in Wien fehlen noch jegliche Pfandsammelsysteme. Auf brutkasten-Anfrage erklärt das Büro des Wiener Klimastadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ), dass Pfandsammelsysteme auch zur „Ablagerung sonstiger Abfälle“ verwendet würden, was zu höheren Reinigungskosten führe.

„Dabei haben wir eben unser System genau so entwickelt, dass es dieses Problem nicht gibt“, erklärt Schwarz. Ab September gebe es erneut Gespräche mit der SPÖ, den NEOS und den Grünen. Der 25-Jährige ergänzt: „Wir rechnen zu 100 Prozent mit einem positiven Ausgang. Wir sind wirklich überzeugt, dass es einfach eine perfekte Lösung auch für Wien ist.“

Dem Büro des Klimastadtrats sind Gespräche im Herbst nicht bekannt. Es erklärt, dass das Einwegpfand u. a. das Ziel verfolge, Getränkeverpackungen in den Recyclingkreislauf zurückzuführen. „Die Einführung von Pfandsammelbehältnissen würde diesem Grundgedanken entgegenstehen, da dadurch ein Anreiz entstehen kann, Pfandgebinde bewusst im öffentlichen Raum zurückzulassen und deren Rückführung auf Dritte zu verlagern“, ergänzt das Büro.

Präsenz in ganz Europa

Das im März 2026 gegründete Unternehmen finanziert sich mittels Bootstrapping. Investoren soll es keine geben. Als Kunden kommen für Social Cycle Städte, Gemeinden und Abfallverbände in Frage. Die Gründer wollen ihr Produkt durch konstantes Feedback verbessern und sich so gegenüber ihrer Konkurrenz durchsetzen. Dabei setzen sie auf Mundpropaganda, Medienberichte und die eigene Kommunikation z.B. mittels Mails. Schwarz und Linsbichler denken trotz langsamen Wachstums bereits an die nächsten großen Schritte. Das Startup soll u.a. nach Holland und Irland expandieren und seine Präsenz in Deutschland verstärken. Schwarz möchte mit dem Pfandsammelsystem auch in Hamburg und Berlin vertreten sein. „Unser Ziel ist es wirklich, dass unsere Module in die Infrastruktur eingebunden sind wie Mistkübel, in ganz Europa“, stellt der Co-Founder fest.

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