18.03.2021

Warum Open API, Blockchain und Elevator Lab für die RBI zusammen gehören

Die Raiffeisenbank International (RBI) verschmolz Open API, Blockchain Hub und Elevator Lab zu einer Abteilung. Wir sprachen mit deren Leiter Christian Wolf über Hintergründe und Pläne.
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Christian Wolf: Warum Open API, Blockchain und Elevator Lab für die RBI zusammen gehören
(c) RBI: Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems
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Im Zentrum stehe der Plan, ein Ökosystem zu schaffen, sagt Christian Wolf. Der Mann mit dem Titel „Head of Strategic Partnerships & Ecosystems“ der Raiffeisenbank International (RBI) spricht von der Abteilung, deren Leiter er ist. In dieser wurden die Aktivitäten in Sachen Open Banking / Open API, Blockchain und das FinTech Partnership-Programm Elevator Lab zusammengeführt.

„Wir sehen uns auf einer strategischen Ebene an, wie sich die Geschäftsmodelle der Banken weiterentwickeln, welche Schritte wir über den nächsten logischen Schritt hinaus gehen können und wie wir neue Technologien bewerten können“, erklärt Wolf im Gespräch mit dem brutkasten. Die drei genannten Bereiche sieht er zunehmend miteinander verknüpft. „Wir möchten die Themen zusammenbringen und gemeinschaftlich die Fähigkeiten dazu nutzen, um Partnerschaften aufzubauen und zusammen neue Produkte und Services zu entwickeln“, so Wolf.

„Die Beschäftigung mit diesen Bereichen führt zu einer Änderung der Geschäftsmodelle. In dieser B2B-Kette sind Fintechs besonders wegweisend. In diesem Sinne war es ein Ziel, auch das Fintech-Partnership Programm, Elevator Lab, zu integrieren“, so Wolf. Zusammen soll nun also noch größeres entstehen. Doch auch innerhalb der Teilbereiche kann die RBI bereits einige Projekte vorweisen.

Open API: „Single Point of Entry für die gesamte Gruppe“

„Wir haben uns sehr früh mit dem Thema Open Banking auseinandergesetzt, das im Bankenbereich ja bekanntlich von der Zahlungsverkehrsdirektive (Anm.: PSD2) getrieben wurde. Wir haben schon zu Beginn beschlossen, dass wir darüber hinausgehen wollen und Open Banking als Möglichkeit verstehen, unsere Produkte und Services in einem externen Ökosystem zu positionieren und externe Dienste schneller bei uns zu integrieren“, sagt Wolf. APIs seien für die RBI „weniger ein Mittel der Digitalisierung und mehr der Connectivity“.

Konkret betreibt die Bankengruppe einen API Marketplace, der externen Partnern und Mitarbeitern in allen Netzwerkbanken offensteht. „Auch wenn die APIs da sind, sind sie per se einmal unsichtbar“, sagt Wolf. Mit dem Marktplatz wolle man für die Sichtbarkeit gegenüber Kooperationspartnern sorgen. „Wir sagen bewusst ‚Marktplatz‘ und nicht ‚Developer Portal‘ dazu, weil wir glauben, dass er nicht nur als technische Dokumentation dienen soll, sondern auch aufzeigen soll, was wir in unserem RBI-Portfolio bereits zu Verfügung haben und was man businessseitig gemeinsam mit Partnern auf Basis dieser APIs bauen kann“. Ziel sei ein möglichst niederschwelliger Zugang, der technisch nicht sehr kompliziert sei und einheitliche Prozesse im Onboarding biete. Die regulatorisch notwendigen Zertifizierungsprozesse wolle man dabei transparent und einfach halten.

„Wir wollten mit dem RBI API Marketplace Möglichkeiten schaffen, wo man über einen Single Point of Entry mit der gesamten RBI Gruppe an digitalen Lösungen arbeiten kann“, sagt Wolf. Und er spricht von einem großen Vorhaben: Die RBI ist mit ihren Netzwerkbanken in insgesamt 13 Ländern aktiv, wo gegenwärtig noch sehr unterschiedliche Setups herrschen.

Blockchain: „Unser Major-Asset ist Cash. Das wollten wir tokenisieren“

Auch im Bereich Blockchain sieht Wolf den Ökosystem-Gedanken als zentral an. „Eine Blockchain-Lösung für mich selbst macht wenig Sinn. Sie lebt vom Ökosystem“, sagt er. Dabei beschränke man sich keineswegs auf den Bereich Kryptowährungen. Im Gegenteil: „Sie sind in der RBI-Gruppe nicht im Hauptfokus. Wir beobachten den Markt aber natürlich intensiv“. Stattdessen gehe es darum, zu verstehen, welche neuen Anwendungsfälle die Technologie ermögliche und wo sie zur Auflösung bestehender Geschäftsmodelle führen könnte.

Besonders relevant seien für die Bankengruppe Kryptoassets mit realen Gegenwerten. „Unser Major-Asset in der Bank ist Cash. Das wollten wir tokenisieren. Aus der Frage, wie wir das so machen können, dass es handelbar und rekonvertierbar wird und sinnvolle Usecases für uns erfüllt, entstand der RBI Coin„, erzählt Wolf. Der Token hat einen Gegenwert von einem Euro und wird für Transaktionen in der Bankengruppe verprobt. „Und er dient nicht nur dem Zahlungsverkehr sondern auch dem Dokumentenaustausch“, erklärt Wolf – die Blockchain macht’s möglich.

Die Bankengruppe hat aber noch einen zweiten Ein-Euro-Stable-Token: REST. „Dieser dient vor allem der Bewusstseinsbildung innerhalb der Gruppe. Man kann damit etwa in den Kantinen bezahlen. Unsere Mitarbeiter sollen auf diese Weise sanft an die Benutzung von Krypto-Assets herangeführt werden“.

Ein weiteres Projekt im Blockchain-Bereich ist die Beteiligung am Forschungsprojekt Pantos von Bitpanda und der TU Wien. „Für unterschiedliche Usecases sind verschiedene Blockchains geeignet. Bei Pantos geht es um die Blockchain-Kompatibilität, also die Möglichkeit Werte von einer auf die andere Blockchain zu transferieren“, erklärt Wolf.

Elevator Lab: Entwicklung über den FinTech-Bereich hinaus

Auch zum Elevator Lab gibt er im brutkasten-Talk einen kurzen Rückblick und Ausblick: „Corona war natürlich auch hier, bei einem stark auf physische Anwesenheit aufgebauten Programm, eine große Herausforderung. Doch der Wechsel in rein virtuelles Programm hat sehr gut funktioniert. Derzeit haben wir wieder vier PoCs am Laufen“, so Wolf.

Auch 2021 werde man das Elevator Lab durchführen – „auf die aktuelle Situation angepasst und noch mehr auf lokale Bedürfnisse der Netzwerkbanken eingehend“. Auch wolle man es weiter über die Zielgruppe der FinTechs hinaus öffnen, in „Teilbereiche, die man nicht unmittelbar einer Bank zuordnen kann“ und eine stärkere Öffnung gegenüber Corporate-Co-Innovation forcieren.

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Bildunterschrift: V. l. n. r.: Jonathan Grothaus (CEO & Founder myflexbox), Martin Trittler (CFO DeinFach), Lukas Beckedorff (CEO DeinFach) und Peter Klima (CTO & Founder myflexbox) | (c) myflexbox

Der Salzburger Paketstationen-Anbieter myflexbox und DeinFach, eine Tochter der Deutschen Post AG, schließen sich zusammen. Das gaben die DHL Group und myflexbox am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Die anbieteroffenen Automatennetze der beiden Unternehmen sollen künftig unter der Marke myflexbox geführt werden. Die Marke DeinFach wird schrittweise in myflexbox überführt.

Laut Aussendung betreibt myflexbox rund 3.000 Paketstationen in Deutschland und Österreich. Sie ergänzen das deutsche Automatennetz aus rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten. Nach Angaben der Unternehmen entsteht damit das mit Abstand größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum. Das Modell, Stationen für verschiedene Paketdienstleister bereitzustellen, soll erhalten bleiben.

Verkauf an die DHL-Gruppe

Wie der Deal rechtlich und wirtschaftlich ausgestaltet ist, geht aus der Aussendung nicht hervor. Dort ist von einem Zusammenschluss die Rede, Angaben zu Anteilen, Kaufpreis und künftiger Führung fehlen.

Laut einem Bericht von salzburg.ORF.at wird myflexbox an die DHL-Gruppe verkauft. Der Kauf erfolge über die DHL-Tochter AZL GmbH, die bisher die Marke DeinFach betreibt. Verkäufer sei Star Capital, zum Kaufpreis gebe es keine Angaben.

brutkasten hat bei der Deutschen Post AG zur Deal-Struktur angefragt. Bis zum Erscheinen dieses Artikels gab es keine Rückmeldung.

50.000 Paketautomaten bis 2030

Die Deutsche Post AG verbindet mit dem Schritt ein Ausbauziel. Bis 2030 will sie Verbraucher:innen in Deutschland insgesamt rund 50.000 Paketautomaten zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte davon sollen anbieteroffene myflexbox-Stationen sein. Langfristig soll die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation in fünf bis zehn Gehminuten erreichen.

„Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstations-Netzwerks auf eine neue Ebene“, wird myflexbox-CEO und Founder Jonathan Grothaus in der Aussendung zitiert. DeinFach-Geschäftsführer Lukas Beckedorff erklärt, man nutze bestehende Standorte, erschließe zusätzliche und verkürze damit die Wege für Verbraucher:innen.

Gegründet bei der Salzburg AG

myflexbox wurde 2018 als Corporate-Startup der Salzburg AG gegründet und 2022 ausgegründet. Im Februar 2023 holte das Unternehmen 75 Millionen Euro vom Star IV Fonds, der von Star Capital Partnership LLP verwaltet wird (brutkasten berichtete). Seither stand es im Mehrheitsbesitz eines Investorenkonsortiums.

Zuletzt ist das Unternehmen stark gewachsen. Im September 2025 betrieb myflexbox fast 1.400 Paketstationen in Deutschland und Österreich, davon 660 in Österreich (brutkasten berichtete). Mit den nun genannten rund 3.000 Stationen hat sich das Netz in etwa einem Jahr mehr als verdoppelt.

Mitgründer und Ex-Co-CEO Lukas Wieser ist seit Mai 2026 als Interim Head of Growth beim Linzer HR-Tech teamecho tätig (brutkasten berichtete).

Post und DPD als Partner in Österreich

In Österreich zählen unter anderem die Österreichische Post und DPD zu den Logistikpartnern. Die Post mietet seit 2024 Abholfächer in den myflexbox-Stationen (brutkasten berichtete). DPD sicherte sich im Vorjahr rund 9.000 Fächer und damit fast ein Viertel der hierzulande verfügbaren Fächer. Wie sich der Deal mit einer Tochter der Deutschen Post AG auf diese Partnerschaften auswirkt, lässt die Aussendung offen.

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