25.09.2025
KONSORTIUM

RBI und acht europäische Banken geben Euro-Stablecoin heraus

Die Raiffeisen Bank International (RBI) wird in einem Konsortium mit acht weiteren europäischen Banken einen Euro-Stablecoin herausgeben. Wir sprachen mit Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der RBI, über die Hintergründe.
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Christian Wolf (RBI) im brutkasten-Interview | © brutkasten / Dervisevic
Christian Wolf (RBI) im brutkasten-Interview | © brutkasten / Dervisevic

Die ING aus den Niederlanden, die KBC aus Belgien, UniCredit und Banca Sella aus Italien, die CaixaBank aus Spanien, die Danske Bank aus Dänemark, die SEB aus Schweden und die DekaBank aus Deutschland – in einem Konsortium mit dieser Gruppe einiger der größten europäischen Banken präsentierte die Raiffeisen Bank International (RBI) nun ein neues Projekt. Gemeinsam will man Mitte 2026 einen Euro-Stablecoin herausgeben.

„Sind auch im traditionellen Bankbereich soweit, dass wir uns hier engagieren wollen“

Derer gibt es zwar bereits einige am Markt – auch solche, die dem Krypto-Regelwerk der EU, der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR), entsprechen. Erstmals stehen mit dem Konsortium aber mehrere etablierte Banken zusammen hinter der Einführung eines Euro-Stablecoins. „Wir haben uns in den letzten Jahren bereits intensiv mit den Thema Stablecoins auseinandergesetzt“, erzählt Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der RBI, gegenüber brutkasten.

„Jetzt ist der Markt reif, jetzt sind auch wir im traditionellen Bankbereich soweit, dass wir uns hier engagieren wollen. Und dazu haben wir uns in einem, glaube ich, sehr namhaften Setup zusammengefunden.“ Und dieses Netzwerk der „supportive banks“ soll weiter wachsen, so Wolf. Davon, das Projekt als Konsortium umzusetzen, erwarte man sich unter anderem eine schnelle weite Verbreitung des Coins aufgrund des großen Netzwerks – ein wichtiger Faktor für viele geplante Anwendungen.

Sitz in den Niederlanden

Sitz der betreibenden Gesellschaft ist in den Niederlanden – auch aufgrund der günstigen regulatorischen Lage dort. Später soll die Einheit dort, wie Wolf es sagt, „für sich selbst, mit Unterstützung durch die teilnehmenden Banken im Hintergrund, nicht nur lebensfähig, sondern auch wachstumsfähig“ sein. Einige Entscheidungen liegen aber noch in der Zukunft. So hat der Coin noch keinen Namen und auch die dafür genutzte Blockchain wurde noch nicht festgelegt.

„US-dominierter Stabelcoin-Landschaft etwas entgegensetzen“

Das große Ziel steht dagegen fest: „Einer US-dominierten Stabelcoin-Landschaft etwas entgegensetzen zu können“, wie Wolf es formuliert. „Wir wollen uns in Europa auch zunehmend unabhängiger von US-Dollar-basierten Zahlungssystemen machen und wir sehen, das ist ein guter Weg, das zu tun.“

Viele Anwendungsfälle für Stablecoin

Es gehe aber nicht nur um diese geopolitische Zielsetzung. „Stablecoins sind nicht mehr ausschließlich eine On- und Off-Ramp zur Kryptowelt. Wir sehen auch die Anwendung von Cash auf einer Blockchain-Technologie im Corporate- und Institutional-Geschäft und da erwarten wir uns als Bank natürlich auch entsprechende Anwendungsfälle zugunsten unserer Kunden, aber auch zu unseren Gunsten im Sinne einer effizienteren Abwicklung von Assets, Settlements, etc.“, so Christian Wolf.

Konkret könne der Stablecoin zukünftig etwa eine wichtige Rolle im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr spielen. Auch bei Transaktionen außerhalb des Euroraums mit Währungsumrechnung könne das der Fall sein. „Es geht darum, dass man möglichst schnell und transparent Zahlungen abwickeln möchte“, sagt Wolf.

„Programmability of Money“

Als weiteren Vorteil führt er die „Programmability of Money“ mittels Smart Contracts ins Treffen. „Das bietet die Möglichkeit, dass man Geldflüsse programmierbar machen kann in – sehr simplifiziert gesagt – ‚Wenn-Dann-Sonst-Bedienungen‘. Es gibt gerade im International-Trade-Business Anwendungsfälle, wo sichergestellt werden muss, dass gewisse Rahmenbedingungen oder Grundbedingungen eintreten müssen, bevor eine Zahlung ausgelöst wird. Und das kann man dann automatisieren“, erklärt Wolf.

Weiters könnte der Stablecoin als Zahlungsmittel etwa auch die Vorgänge bei der Tokenisierung von Assets vereinfachen. Und schließlich könnte er auch beim Liquiditäts- und Cash-Management der Banken selbst genutzt werden.

MiCAR als „Enabler“

Das Krypto-Regelwerk der EU, die MiCAR, soll, geht es nach Wolf, bei all dem für die notwendige Sicherheit sowohl auf Anbieter- als auch auf Kundenseite sorgen. „Die MiCA-Regulierung hat uns einen einheitlichen Rahmen gegeben, in dem wir uns als hochregulierte Banken auch sicher bewegen können. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen: Das war der Enabler, dass wir uns aus dem traditionellen regulierten Bereich auch in diese neuen Technologien und Anwendungsfälle vorwagen können.“

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(v.l.n.r.) Harald Gutschi (Otto Austria), Andreas Zahradnik (DORDA Rechtsanwälte), Peter Windischhofer (CO-Founder refurbed) & Rainer Will (Geschäftsführer Handelsverband) (c) Leadersnet / C. Stowasse

„Am 11. Juni beginnt die Fußball-WM. Österreich steht kurz davor, sich schon vor dem offiziellen Start ein Eigentor zu schießen“, beginnt Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband, seine einleitenden Worte bei der Pressekonferenz zur Paketabgabe am Dienstag. Die Frustration der teilnehmenden Vertreter, Harald Gutschi von OTTO Austria, Peter Windischhofer von refurbed, Andreas Zahradnik von den DORDA Rechtsanwälten und Rainer Will, gegenüber der geplanten Paketsteuer der Bundesregierung wächst.

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 soll die Paketabgabe in Höhe von zwei Euro pro zugestelltem Paket eingeführt werden. Diese Regelung richtet sich an umsatzstarke Online-Handelsplattformen, die einen jährlichen Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro erwirtschaften, wie brutkasten berichtete. Die genannten Vertreter haben dies zum Anlass genommen, die zentralen Kritikpunkte an der Paketsteuer aus volkswirtschaftlicher, rechtlicher, betriebswirtschaftlicher, politisch/regulatorischer und europäischer Perspektive sowie aus Sicht der Endkonsument:innen zu erläutern.

„Mehr als jede zweite Online-Bestellung betroffen“

Zwei Impact Analysen der GAW (Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung, Innsbruck) zeigen volkswirtschaftliche Folgekosten der Paketsteuer auf. „Mehr als jede zweite Online-Bestellung und mindestens jeder dritte österreichische Webshop wäre von der Paketsteuer unmittelbar betroffen. Die negativen Auswirkungen beschränken sich keineswegs nur auf einzelne Großkonzerne. Von EPUs über Klein- und Mittelbetriebe bis hin zu Großunternehmen hätten tausende Firmen erhebliche Verluste zu tragen. Kleinst- und Kleinbetriebe würden 128 Millionen Euro an Wertschöpfung verlieren“, warnt HV-Vizepräsident Harald Gutschi, Geschäftsführer von Otto Austria. Insgesamt würde die österreichische Wirtschaftsleistung durch die Paketsteuer und die daraus resultierenden Umsatzverschiebungen ins Ausland um 360 Mio. Euro reduziert werden.

Folgen für Endkonsument:innen

Im Auftrag des Handelsverbands hat Reppublika Research mehr als 1.000 Österreicher:innen zu ihrer Einstellung zur Paketsteuer befragt. Demnach sprechen sich 70 Prozent gegen eine geplante Paketsteuer aus. „Man wollte ursprünglich Fernost Plattformen treffen, jetzt belastet sie viele Geldbörsel der heimischen Konsumenten. 70 Prozent der Bevölkerung lehnen diese neue Massensteuer ab. Die Bundesregierung sollte das Signal ernst nehmen und jetzt die Reißleine ziehen“, fordert Rainer Will. Nach der Umfrage denken 69 Prozent, dass es die Konsument:innen am stärksten belasten wird und 92 Prozent befürchten höhere Endkundenpreise.

Kritik seitens der Startup- und Scaleup Szene

Die geplante Paketsteuer sorgt in der österreichischen Startup- und Scaleup-Landschaft für heftigen Gegenwind. Besonders problematisch sei sie etwa für Secondhand-, Refurbished- und Reuse-Geschäftsmodelle, wie jenes von refurbed. Dort sind die Margen i.d.R. deutlich geringer als im klassischen Neuwarenhandel. Während Tech-Riesen die Gebühr aufgrund hoher Margen kaum spüren, würde sie Unternehmen wie refurbed existentiell treffen: „Mit einem neuen iPhone macht Apple 30-40 Prozent Marge. Bei einem Refurbisher liegt diese bei drei bis fünf Prozent. Wenn man da jetzt zwei Euro draufschlägt, dann ist automatisch der Profit weg.“

Das bittere Resultat für den Standort wäre, dass ausgerechnet „jene Firmen, die regional produzieren, die in Europa Wertschöpfung betreiben und die Kreislaufwirtschaft und dadurch auch die Ökologie vorantreiben, massiv benachteiligt werden“. Windischhofer bezeichnet die Abgabe als reines „Greenwashing“, das ökologischen Zielen in Wahrheit sogar schade.

Paketsteuer möglicherweise verfassungs- bzw. unionsrechtswidrig

Laut einem Rechtsgutachten der Kanzlei DORDA, das ebenfalls präsentiert wurde, sei die neue Steuer weder verhältnismäßig noch konsistent ausgestaltet und stehe daher rechtlich auf „wackeligen Beinen“. Besonders kritisch wird bewertet, dass Lieferungen nach stationärem Kauf oder „Click & Collect“ ausgenommen sind, obwohl hier dieselben Transportvorgänge stattfänden. Juristische Schritte werden auch von Seiten des Handelsverbands angedacht: „Wir werden rechtlich gegen die Paketabgabe vorgehen und beim Verfassungsgerichtshof bzw. beim Europäischen Gerichtshof dagegen klagen. Ich kann dieser Bundesregierung nur dringend empfehlen, den Gesetzesentwurf vor Beschluss präventiv einem EU-Notifikationsverfahren zu unterziehen. Damit wird die Rechtsmäßigkeit im Vorfeld geprüft und das verhindert jahrelange Rechtsunsicherheit“, sagt Harald Gutschi.

Am Schluss: Appell an die Politik

„Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt wird durch die MwSt-Senkung ab 1. Juli laut Budgetdienst des Parlaments rund 6 Euro im Monat sparen – und durch die neue Paketabgabe ab 1. Oktober rund 6 Euro draufzahlen. Das ist klassische linke-Tasche-rechte-Tasche-Politik“, zieht Rainer Will sein Fazit. Der Handelsverband appellierte am Dienstag eindringlich an alle zuständigen Mitglieder der Bundesregierung, die nationale Paketsteuer zu stoppen und stattdessen Maßnahmen zur Stärkung von Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit umzusetzen.

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