07.06.2018

RateBoard: Millioneninvestment für Innsbrucker Startup

Das Innsbrucker Startup RateBoard, das eine Pricing-Software für Hotels entwickelt hat, holt sich ein "siebenstelliges Investment" unter dem Lead des aws Gründerfonds.
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RateBoard Falkensteiner Trenkwalder
©Andreas Friedle Photography: Die Rateboard-Gründer Simon Falkensteiner und Matthias Trenkwalder

„Viele Hotels treffen Preisentscheidungen immer noch aus dem Bauch heraus. Deswegen bleiben leider vielfach Zimmer leer oder werden zu einem zu günstigen Preis zu früh ausverkauft. Wir unterstützen die Hotels mit unserer Software bei der idealen Preisfindung“, erklärt Simon Falkensteiner, Co-Founder des Innsbrucker Startups RateBoard. Das Unternehmen hat ein webbasiertes Tool entwickelt, das mit Hilfe zahlreicher Daten aus unterschiedlichen Systemen, etwa Wetter, Preise der anderen Marktteilnehmer und Events, automatisiert den „optimalen Preis für den richtigen Gast zum richtigen Zeitpunkt“ eruiert. Das Startup verspricht dadurch bis zu 20 Prozent Umsatzsteigerung für seine Kunden.

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Mehr als 100 Hotels in vier Ländern als Kunden von RateBoard

Damit konnte man bereits mehr als 100 Hotels in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien als Kunden gewinnen. Das überzeugte nun auch den aws Gründerfonds, der den Lead in einer „siebenstelligen“ Kapitalrunde übernahm. In einer Aussendung werden zudem das Investoren-Netzwerk Next Floor GmbH und die Business Angels Gregor Hoch und Otmar Michaeler, die beide aus der Hotel-Branche kommen, als Co-Investoren genannt. „Das Team von RateBoard hat den in der Hotellerie-Szene vorherrschenden Need klar erkannt und uns von sich überzeugt. Die Lösung wird sich rasch europaweit verbreiten und ist in der Lage, großen wirtschaftlichen Nutzen zu stiften“, wird Ralf Kunzmann, Geschäftsführer aws Gründerfonds zitiert.

„Revenue Management gewinnt täglich mehr an Bedeutung“

„Mit dem Investment sollen das Team vergrößert und weitere Märkte erschlossen werden. Wir haben uns in den letzten Jahren einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im europäischen Markt aufgebaut und können mit dem Investment das Unternehmen nun auf ein noch höheres Level bringen“, sagt RateBoard-Co-Founder Matthias Trenkwalder. Der Preisalgorithmus des Startups berücksichtigt unter anderem die historische und aktuelle Buchungslage, Mitbewerber-Raten, Marktnachfrage, Events, Ferienzeiten, Wetter und Gästebewertungen. „Selbst in dieser Branche seit Jahrzehnten tätig bin ich überzeugt, dass das Revenue Management täglich mehr an Bedeutung für die Hotellerie gewinnt“, befindet Co-Investor Otmar Michaeler, Geschäftsführer der Falkensteiner Michaeler Tourism Group AG und Präsident der Südtiroler Volksbanken.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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