04.02.2019

Interview mit dem Mann, der um 400 Mio. Euro Bitcoin kaufte

Im Februar 2018 rätselte die Kryptowelt über einen unbekannten Großinvestor, der Bitcoin für rund 400 Millionen US-Dollar kaufte. Wir sprachen exklusiv mit dem deutschen Multi-Milliardär Ralf Dodt, der nach eigenen Angaben hinter dem Deal stand.
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Ralf Dodt 400 Mio. Dollar Bitcoin
(c) fotolia.com - deagreez; Bearbeitung

Es war ein Deal, der Beobachtern der Krypto-Märkte im Februar 2018 nicht entging. Bitcoin hatte nach dem Allzeit-Hoch im Dezember 2017 (Kurs bei rund 20.000 Dollar) am 6. Februar 2018 einen vorläufigen Tiefstand (Kurs bei rund 6000 Dollar) erreicht. Wenig später, zwischen 9. und 12. Februar stockte ein damals unbekannter Großinvestor, der erst im Dezember eingestiegen war, sein Bitcoin-Depot massiv auf. 400 Millionen US-Dollar waren es, die der Unbekannte in mehreren Schüben investierte. Damit beeinflusste er auch den Kurs. Heute wissen wir, wer hinter dem Riesen-Bitcoindeal stand. Es war der deutsche Multi-Milliardär Ralf Dodt, wie dieser im exklusiven Gespräch mit dem brutkasten bestätigt.

+++ Gastkommentar: 10 Jahre Bitcoin – Warum die Reise jetzt erst losgeht +++

Ralf Dodt – ein acht Milliarden schwerer Unbekannter 

Ralf Dodt hat ein kolportiertes Vermögen von rund acht Milliarden US-Dollar und ist alleiniger Eigentümer der Millhouse Capital Investment Group. Er bezeichnet sich gegenüber dem brutkasten als bodenständiger Mensch, der die Öffentlichkeit scheut. Sein Name ist zwar im Internet zu finden, aber nicht das passende Foto dazu. Er könnte neben einem an der Supermarktkasse stehen und man wüsste nicht, wer er sei, meint er im Gespräch.

Das sei ihm sehr wichtig, Skandale und die Yellow Press brauche er nicht, er bevorzuge sein „langweiliges“, aber freies Leben. „Sicher habe ich auch meine Spielzeuge wie eben die MiG Kampfflugzeuge und andere Dinge, aber das ist ja nicht so interessant wie eine neue Gigayacht, die keinen Liegeplatz findet“, antwortet er etwa süffisant auf eine Rückfrage. Auf eine Frage zu seinem Vermögen und Erfolgsgeheimnis sagt er: „Ich bin ein ‚alter Mann‘ der gesetzt ist und in sich selbst ruht. Und dieses Verhalten hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin“. Denn: „In der Ruhe liegt die Kraft und der Gewinn“.

Millhouse Capital: Von Diamanten über Fluglinien bis Banken

Der österreichischen Öffentlichkeit wurde Ralf Dodt 2014 bekannt, als er ein Angebot für die Übernahme der CEE-Töchter der Hypo Alpe Adria legte. Ganz nach seinem Motto „traue keiner Bank, die dir nicht gehört“, hat Millhouse Capital nun auch eine eigene Bank im Portfolio.

Die in Belgrad/Serbien ansässige Gesellschaft investiert nach Unternehmensangaben in die Felder (Schwer-)Industrie, Industrie-Immobilien, Investment-Gesellschaften, Rohstoff-Abbau (Öl, Gas, Gold, Diamanten), Schiffahrt, Fluglinien, Raffinerien und Banken. Ein geographischer Fokus liegt dabei auf Russland und den GUS-Staaten.

Im exklusiven Interview erklärt Ralf Dodt, warum er „Spielgeld“ für Bitcoin übrig hatte, worin aus seiner Sicht der größte Unterschied zwischen dem Kryptomarkt und dem Aktienmarkt liegt und warum für Groß- und Kleinanleger im Prinzip die gleichen Spielregeln gelten.


Sie haben Bitcoin für 400 Mio. Euro gekauft. Wie ist es dazu gekommen?

Ralf Dodt: Es war nicht von vornherein mein Plan, Bitcoins zu kaufen. Ich hatte seinerzeit einen langjährigen Deal mit der Regierung eines Landes abgeschlossen und daraus einen überdurchschnittlich hohen Gewinn erwirtschaftet. Mein Plan war, von dem Gewinn eine neue Raffinerie zu kaufen. Durch gewisse Umstände kam ich dann letztendlich wesentlich günstiger an die Raffinerie und habe auch sofort mit Großkunden langjährige Verträge abschließen können. Durch diesen Umstand war also eine nicht unerhebliche Summe plötzlich zur freien Verfügung. Da ich mich schon längere Zeit mit Bitcoins beschäftigt hatte, erschien mir diese Gelegenheit günstig, um mich einzukaufen. Mein Soll, die Raffinerie zu kaufen, hatte ich ja bereits erfüllt. Alles darüber hinaus war dann „Spielgeld“ zur freien Verfügung.

Bereuen Sie aus heutiger Sicht dieses Investment?

Ralf Dodt: Nein, ich habe dieses Investment nicht bereut. Warum sollte ich? Ich mache mir im Vorfeld Gedanken darüber, ob ich in diesen oder jenen Bereich investieren soll. Da kann ich dann nicht im Nachhinein hingehen und ein Investment bereuen, sollte es denn tatsächlich zu einem Verlust kommen. Grundsätzlich sollten immer Verluste mit einkalkuliert werden, das gehört zum Geschäft dazu. Wer nicht die Nervenstärke und das Kapital besitzt, auch mal Verluste einzustecken, sollte die Finger grundsätzlich von Investments lassen. Außerdem suche ich mir meine Investments grundsätzlich immer selbst aus, schalte nie Vermittler und Banken ein, lass mich auch nie von sogenannten Experten beraten. Sämtliche Entscheidungen treffe ich alleine.

Was ist für jemanden der ganze Großunternehmen aufkaufen kann der Reiz an Bitcoin?

Ralf Dodt: Es ist ja unabhängig davon, ob ich nun ganze Großunternehmen aufkaufe. Letztendlich geht es in der Wirtschaft immer um den Handel bzw. Verkauf und die Bezahlung. Ich bin überzeugt davon, das der Markt für digitale Währungen weiter wachsen wird. Auch wird er langsam aber sicher unaufhaltsam in die Wirtschaft als Zahlungsmittel einfließen. Etwa in den Rohstoffhandel und den Handel zwischen den verschiedenen Ländern. Ich selbst habe in meinen verschiedenen Unternehmen schon einige Kunden, die in Bitcoins bezahlen. Als Komplementärwährung zu den bestehenden Währungen sehe ich einen wachsenden Bedarf für die nächsten Jahre.

Inwiefern unterscheiden sich der Krypto- und der Aktienmarkt?

Ralf Dodt: Die Unterschiede zwischen Kryptowährungen und Aktien bzw. Wertpapieren sind gravierend. Letztendlich ist die Systematik, die jeweils hinter der jeweiligen Geldanlage steckt, eine komplett andere. Bei Aktien erwirbt man jeweils einen kleinen Anteil am Unternehmen. Durch diese Beteiligung am Unternehmen erhält man eine entsprechende Gewinnbeteiligung. Darüber hinaus kann man selbstverständlich auch über den Kurs Gewinne und Verluste einfahren.

Bei Kryptowährungen sieht das anders aus. Ähnlich wie bei Devisenkursen, wird auch bei Bitcoin und Co. eine Währung gehandelt, die jedoch nur in virtueller Form vorhanden ist. Trotzdem funktioniert das Prinzip bei Kryptowährungen ähnlich wie bei klassischen Währungen wie Euro und US-Dollar.

Beim Euro und US-Dollar tauscht man klassischerweise Euro gegen US-Dollar um. Sollten die Kurse daraufhin steigen, besteht die Möglichkeit, die US Dollar nach einem gewissen Zeitraum wieder gegen Euros mit einem Gewinn zu tauschen. Grundlegend schwanken die Kurse von Devisen jedoch nur minimal, sodass die Gewinne erst nach einer gewissen Zeit realisierbar sind und die Gewinne auch nicht in endloser Höhe ausfallen.

Bei Kryptowährungen ist das komplett anders, hier schwanken die Kurse unkontrollierbar und man kann den Kursverlauf im Vorhinein kaum erahnen. Auf diese Art und Weise kann natürlich auf der einen Seite sehr viel Geld gewonnen, aber auch sehr viel Geld verloren werden. Dieses ist auch der Hauptunterschied zu normalen Devisen- und Aktienkursen.

Was ist aus Ihrer Sicht erfolgskritisch, wenn man in Aktienmärkte oder in Krypromärkte investiert?

Ralf Dodt: Grundsätzlich ist ein Streuinvestment immer das Beste, also nie in nur einen Bereich oder ein Produkt investieren. Je breiter man aufgestellt ist, desto geringer die Gefahr große, oder überhaupt Verluste einzufahren. Man sollte von allem etwas im Portfolio haben. Es ist äußerst unwahrscheinlich das von zehn verschiedenen Bereichen oder Produkten plötzlich alle gleichzeitig an Wert verlieren. In so einem Portfolio könnte dann maximal 15 Prozent des zur Verfügung stehenden Kapitals den Kryptomärkten gewidmet werden. Bitcoin & Co sind einfach zu unberechenbar, als das man sein komplettes freies Kapital darin investieren sollte. Daher ist mein Empfehlung: Der Anleger sollte zweimal nachdenken, ehe er eine Order ausschließlich in Kryptomärkten platziert. Unruhigen und nervösen Investoren würde ich grundsätzlich von Kryptomärkten abraten, oder sie sollten sich zumindest anfangs mit sehr kleinen Beträgen erstmal an die Materie rantasten. Es bleibt also der gute alte Aktienmarkt immer noch die besser Alternative zu den Kryptomärkten.

Beobachten Sie täglich die Aktien- und Krypto-Kurse?

Ralf Dodt: Ich habe bisher nur ein einziges Mal den Kurs des Bitcoin verfolgt und das war kurz nach dem Kauf. Mir ist es ehrlich gesagt egal, ob der Kurs nun fällt oder steigt, das macht er so oder so, egal ob ich nun alle halbe Jahre mal den Kurs kontrolliere oder 20 mal pro Tag.

„Aktien sind wie eine gute Ehe. Die verändert sich immer ein wenig, hält ewig und wird aber dann von Jahr zu Jahr besser.“

Gleiches gilt für die Aktienkurse. Man investiert in ein gutes Unternehmen und lässt die Aktie einfach in Ruhe. Zur Millhouse Capital Unternehmensgruppe gehören 52 Tochterunternehmen, zwei Banken und mehr als 100 Beteiligungen an anderen Unternehmen, Raffinerien, Tankfarmen usw. Wo sollte ich da noch die Zeit finden, täglich die Aktien- und Krypto-Kurse zu kontrollieren? Einmal im Jahr, wenn für die jeweiligen Unternehmen die Bilanzen erstellt werden, werden die aktuellen Kurse herangezogen um den Gewinn oder Verlust festzuhalten.

Aktien sind wie eine gute Ehe. Die verändert sich immer ein wenig, hält ewig und wird aber dann von Jahr zu Jahr besser. Rechnen Sie mal die Prozente aus, die gute Aktien in der Vergangenheit über einen Zeitraum von 10, 15, 20 oder 25 Jahren generiert haben. So geht man mit Aktien um: Man kauft sie, legt sie in den Safe oder ins Depot und kümmert sich nicht weiter. Nach 20 Jahren holt man sie hervor und oh Wunder, man hat einen Gewinn eingefahren.

Gelten hier für Großanleger grundsätzlich andere Regeln als für Kleinanleger?

Ralf Dodt: Grundsätzlich sind die Regeln für den Großanleger mit denen des Kleinanlegers indentisch. Regeln sind Regeln. Das eingesetzte Kapital der Großanleger kann aber den Markt zum Nachteil des Kleinanlegers beeinflussen – oder auch zum Vorteil.

Es wird sehr häufig gesagt, als Kleinanleger könne man nicht mit den großen Anlegern konkurrieren, als Kleinanleger mache es keinen Sinn Aktien nachzukaufen oder die Kosten seien als Kleinanleger viel zu hoch. Das würde ich so nicht bestätigen.

Institutionelle Anleger können zwar wesentlich mehr Research betreiben und die Unternehmenszahlen bis in den letzten Winkel durchleuchten, aber die Prognosekraft durch diese Form der Analysen nimmt nur unwesentlich zu. Das liegt daran, dass die Zukunft eben trotz Research nicht prognostiziert werden kann. Ferner kann der Kleinanleger die Strategien großer Anleger kopieren und das ohne den gesamten Research zu betreiben.

Wenn Warren Buffett sich entscheidet seine Position in Firma A aufzustocken, dann kann der Kleinanleger das genauso machen. Man kann ihn und seine Strategie zum Nulltarif kopieren. Im übrigen investieren auch viele Großanleger passiv und das kann der Kleinanleger in genau gleicher Form 1:1 umsetzen, ohne Nachteile. Der Kleinanleger kann in der Regel sogar die gleichen Produkte kaufen.

Was für eine Rolle spielt hier Speedtrading?

Gegen Profis mit schnellen Computern hatte man als Kleinanleger nie eine Chance. Der dem Einzelnen entstehende Schaden durch Speedtrader ist aber vernachlässigenswert. Statt mit dem Hasen mitzurennen, sollten Privatanleger es lieber wie der Igel halten und mit langfristigen, klug durchdachten Investmentideen an der Börse mitstreiten.

Ich glaube, dass die meisten Nachteile hausgemacht sind. Viele Anleger können außerdem nicht in Aktien investieren, da der Großteil des Vermögens im Eigenheim steckt, was ich an der Stelle in keinster Weise kritisieren möchte. Es ist immer eine persönliche Entscheidung. Fakt ist jedenfalls, dass ein Eigenheim viel Kapital bindet und damit die Handlungsfähigkeit an der Börse einschränkt.

„Letztendlich ist es wie in einem Pokerspiel: Das größte Kapital kauft den ganzen Pott, unabhängig davon welches Blatt man in der Hand hält.“

Wer schlussendlich Aktien kauft, der macht dann häufig folgende Fehler: Aktien werden im Hoch gekauft. Im Tief werden Aktien aus Angst verkauft und es wird umgeschichtet in vermeintlich sichere Anlagen. Zu viel Hin und Her. Das Geld wird zu einem ungünstigen Zeitpunkt benötigt. Die eigene Risikotoleranz wird überschätzt.

All diese Fehler können vermieden werden. Einige der Fehler werden durch Bankverkäufer aktiv unterstützt, da die Begehung des Fehlers dem Verkauf von Produkten dient. Der Verkauf im Tief und auch das Hin und Her zählen zu dieser Kategorie.

Und wann ist für Sie der richtige Zeitpunkt, ihre Bitcoin zu verkaufen?

Ralf Dodt: Es gibt keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt die Bitcoins zu verkaufen. Ja herrje, der Kurs steigt und fällt, das ist völlig normal, aber uninteressant. Wenn ich aber die Bitcoins abstoßen und einen Gewinn einfahren wollte, würde ich warten, bis der Bitcoin wieder den Kurs hat, zu dem ich gekauft habe, oder darüber liegt. Dann würde ich nochmal für ein paar Millionen kaufen, lasse damit den Zug aus dem Bahnhof rollen und jeder springt auf, kauft Bitcoins wie verrückt und der Preis steigt wieder enorm an. Das ist dann der Moment wo ich verkaufen würde, streiche den Gewinn ein und verabschiede mich mit einem Lächeln. Man kann einen Kurs nicht nur negativ beeinflussen durch hysterische Massenverkäufe oder „Flash Crashs“, sondern auch positiv durch einen überlegten Großeinkauf. Letztendlich ist es wie in einem Pokerspiel: Das größte Kapital kauft den ganzen Pott, unabhängig davon welches Blatt man in der Hand hält.

Wie viel Macht verleiht Ihnen Ihr Bitcoin-Depot also über den Markt?

Ralf Dodt: Das Wort Macht hört und liest sich immer so kriegerisch, aber es ist schon richtig, das man gewisse Möglichkeiten hat, wenn man ein großes Depot besitzt. Je mehr man an einem Pott besitzt, desto mehr kann man Einfluss nehmen, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Das ist aber nicht nur bei Bitcoins so, sondern grundsätzlich bei allen Investitionen. Man kann durchaus den Kaufanreiz bei Anlegern steigern als auch den Verkaufsanreiz. Durch wirklich relevante Zukäufe kann man den Kurs drastisch in die Höhe treiben, bei weitem höher als es bei Aktien möglich ist. Der Bitcoin als virtuelle Währung reagiert schon von Haus aus wesentlich empfindlicher als Aktien. Man könnte also festhalten, dass man durch seine eigenen Handlungen den Kurs durchaus für sich selbst positiv beeinflussen kann und dementsprechende Gewinne einfahren kann.

Welche Assets empfehlen sie jemandem, der nur einige Tausend Euro investieren will? Zählt Bitcoin dazu?

Ralf Dodt: Vorab, ich bezeichne mich weder als Experte noch bin ich allwissend. Ich spreche nur für mich. Ich möchte keine Empfehlungen für dieses oder jenes Asset aussprechen. Jemandem, der nur einige Tausend Euro investieren will oder kann, würde ich aber grundsätzlich nicht dazu raten in Bitcoins zu investieren. Wie schon oben erwähnt sind die Schwankungen zu unkontrollierbar, um wirklich eine klare Prognose abgeben zu können. Diese gravierenden Schwankungen machen es besonders für Kleinanleger schwierig, das Geld langfristig und sicher anzulegen.

Was nun andere Assets betrifft muss ich dazu vorab was grundlegendes sagen: Ich möchte jetzt auch nicht den Anlageberatern zu nahe treten. Aber sind wir doch mal ehrlich, wenn ich Beratung brauche wie ich mein Geld anlegen kann, warum sollte ich dann zu einem Bankberater oder Investmentberater gehen? Wenn der doch so absolut renditeträchtige Investments kennt, warum sitzt er dann als Berater in einer Bank, bezieht sein Gehalt zuzüglich Provisionen und besitzt selbst nicht zumindest das Vermögen, das er den Anlegern verspricht, durch Investment X, das er gerade in der Schublade hat?

„Ich bin auch nicht dazu da, den „Beliebtheitspreis“ verliehen zu bekommen.“

Soll heißen, dass sehr viele Anleger einfach viel zu wenig bis gar keine Ahnung von der Materie haben und auf bunte schöne Prospekte hereinfallen. Hinzu kommt dann, dass die Bearbeitungsgebühren und Agio schon in den meisten Fällen die zu erwartende Rendite auffressen. Etwas mehr gesunder Menschenverstand wäre schon angebracht, wenn es um Kapitalanlagen geht.

Ich bin auch nicht dazu da, den „Beliebtheitspreis“ verliehen zu bekommen. Aus diesem Grund rate ich jedem Anleger, die Kapitalanlage genauestens zu prüfen. Sowohl den Berater, der diese empfiehlt als auch das Produkt selbst. Sollte das eigene Wissen nicht ausreichen, sollte man entweder grundsätzlich die Finger von solchen Angeboten lassen, oder sich fachmännisches neutrales Wissen kaufen von einem neutralen Sachverständigen.

Sind unabhängige Investmentberater nicht neutral?

Leider erlebe ich es oft genug, dass Menschen, die eine Investition tätigen wollen, einfach nicht genügend aufgeklärt werden. Hinzu kommt dann, dass jeder Anleger ab einer gewissen Höhe der Rendite unvorsichtiger wird – ein Opfer für die Anlageberater. Ich nenne das einfach „Gier frisst Hirn“ – man lässt die Vorsicht hinten anstehen.

Ich möchte hier auch keine Empfehlungen für gute oder weniger gute Assets geben. Was ich aber dem Investor mit auf den Weg geben kann ist folgendes: Er sollte sich an den Großen orientieren, wie die es machen. Es gibt weltweit genügend private Großunternehmen, die nicht an den Börsen gehandelt werden, die kontinuierlich Jahr für Jahr ihre Gewinne und ihr Netto-Kapital steigern. An solchen Unternehmen, die kein Agio verlangen, wo kein Anlageberater angeraten ist und die überdurchschnittlich gute Renditen ausschütten, kann man sich ohne Börsenstress beteiligen. Darauf sollte sich der Anleger konzentrieren der sein Geld sicher anlegen will, egal in welcher Größenordnung.

Das sind fahrende Züge auf die man versuchen kann aufzuspringen und daran mitzuverdienen. Wenn es einem Unternehmen gut geht, warum geht es an die Börse? Börse bedeutet immer eine Kapitalerhöhung, die von den Anlegern bedient, aber auch im Falle eines Verlustes mitgetragen wird. Börse bedeutet aber auch immer Schwankungen. Warum sollte aber ein Unternehmen hingehen und sich an der Börse verkaufen, wenn es finanziell gut aufgestellt ist, von ganz bestimmten Situationen und Unternehmen einmal abgesehen?


Anmerkung der Redaktion

Wir haben mit Ralf Dodt ein langes, ja mehrtägiges Interview geführt und eine sehr spannende Persönlichkeit kennengelernt, mit viel Erfahrung, Business-Sinn und trotzdem einer erstaunlichen Bodenständigkeit. Er wirkt sehr professionell, hört auf sein Bauchgefühl, ist respektvoll, bedacht, hilfsbereit und sehr zuverlässig. Überlebensinstinkt und Kämpfergene zeichnen ihn als Unternehmer aus, diese seien in seinem Umfeld überlebensnotwendig. Denn „da oben“ sei die Luft sehr dünn. „Freunde“ seien ein Fremdwort.

Ob er nicht vermögend genug ist und jemals abspringen wollte? Als Unternehmer in seinem Rang müsse man wie eine Dampframme nach vorne preschen und weitermachen. Den Zeitpunkt, abzuspringen, habe er verpasst. Der Stress habe ihm im mittleren Alter drei Herzinfarkte eingebracht. Er habe es trotzdem nie bereut, dieses Tempo gefahren zu sein. Er habe gelernt, mit dem Stress zu leben und umzugehen, sei fit und gesund und seine Arbeit mache ihm viel Spaß. Seine Kindheit bezeichnet er als verkorkst, diese habe sein Leben stark geprägt.

Auf die Fragen antwortet er sehr offen und ehrlich und drückt sich vor keiner kritischen Frage. Er erklärte uns unter Anderem, warum er Raffinerien und VLCC Supertanker kauft, wie er an Milliarden-Projekte kommt, wie diese Deals funktionieren und wieso er 400 Mio. US-Dollar in Bitcoin investierte. Wird er jemals genug haben? „Das bestimme ich doch schon lange nicht mehr. Da kommt einfach jeden Monat mehr dazu.“

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Hilla Haddad Chmelnik, Co-Founderin & CEO von Moonshot

Hilla Haddad Chmelnik, Mitgründerin von Moonshot, will die Weltraum-Logistik mit ihrem 25-köpfigen Team vorantreiben. Statt auf teure chemische Raketen setzt das israelische DeepTech-Startup auf elektromagnetische Beschleunigung. Im brutkasten-Interview spricht die ehemalige „Iron Dome“-Projektleiterin über das enorme Potenzial im All, das Scheitern in Simulatoren und was Europa von Israels Innovationskraft lernen kann.

Sie sind Luft- und Raumfahrttechnikerin, waren Projektleiterin beim Iron Dome und Generaldirektorin im israelischen Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Technologie. Jetzt haben Sie Moonshot gegründet, ein Unternehmen, das Transporte im All per elektromagnetischer Beschleunigung statt mit klassischen Raketen anpackt. Sie sitzen da ja wirklich genau an der Schnittstelle von SpaceTech, DeepTech, Verteidigung und Politik. Wenn wir mal aufs große Ganze schauen: Wo steht SpaceTech gerade allgemein?

Für mich sind das gar keine getrennten Dinge. SpaceTech oder eigentlich der Weltraum an sich ist einfach die nächste Stufe für die Menschheit. Um Quantentechnologie, Energie oder KI wirklich weiterzuentwickeln, müssen wir ins All. Der Weltraum ist eine ganz eigene Domäne. Das ist im Grunde wie beim Internet: Wir sagen heute ja auch nicht „Internet-Tech“, das Internet ist einfach die Basis für alles andere.

Die Erde wird langsam ziemlich voll, und uns gehen hier die Ressourcen aus. Selbst wenn wir über Quantencomputing oder Smartphones reden: Dafür brauchen wir Seltene Erden. Und davon haben wir auf der Erde schlicht nicht genug.

Und Sie glauben fest daran, dass wir diese Stoffe im All finden?

Naja, sie kamen ja ursprünglich von dort, also werden wir sie auch dort finden. Wir wissen, dass es sie auf dem Mond gibt und auf Meteoriten. Und das Thema Energie ist im All ein Selbstläufer, es gibt dort keine Atmosphäre, die Sonne scheint also ununterbrochen. Deshalb reden wir ja auch über Rechenzentren im Weltraum. Warum sollte man das tun? Weil uns auf der Erde der Strom ausgeht, selbst wenn wir über Atomkraft nachdenken.

Bei erneuerbaren Energien auf der Erde hat man immer Probleme mit der Atmosphäre und dem Tag-Nacht-Wechsel. Im All hat man diese Sorgen nicht, dafür eben andere. Aber da der Zugang zum All in den letzten zehn Jahren so viel billiger geworden ist, und die Preise fallen weiter, sind die Wege jetzt frei. Wenn wir erst mal dort sind, entsteht da eine völlig neue Industrie. Alles, was Sie genannt haben, Quanten, Cyber, Mobile, Verteidigung, wird eine Anwendung im All brauchen. Deswegen ist das Ding so riesig. Und deshalb ist der SpaceX-Börsengang auch so eine Riesensache: Es ist das Fundament, die nackte Infrastruktur.

Und wo hakt sich Moonshot da ein? Welches Problem löst ihr genau?

Bei uns dreht sich alles um die Lieferkette. Es ist reine Logistik. Die Straße ins All steht ja jetzt. Und weil es diese Straßen gibt, wird es dort oben immer mehr Infrastruktur geben. Ganz egal, ob das eine private Raumstation als Fabrik ist, ein Rechenzentrum oder ein Satellit: Sie alle brauchen eine funktionierende Lieferkette. Irgendwer muss die Rohstoffe, das Wasser oder die Ersatzteile ja hochbringen. Genau das macht Moonshot.

Sie bauen also sozusagen den Lastwagen für den Weltraum? Über welchen Zeithorizont reden wir da eigentlich?

Wir bauen eher das FedEx fürs All. Wir peilen den Anfang der 30er-Jahre an, also so 2030, 2032 wollen wir ins All. Wenn man heute Fracht hochschicken will, muss man bei den aktuellen Preisen immer den ganzen Truck buchen, also eine komplette Falcon-Rakete oder ein ganzes Starship. Jedes Mal, wenn man ins All will, muss man 21 Tonnen bei einer Falcon oder 100 Tonnen bei einem Starship mitnehmen.

Wenn Sie da oben aber schon metaphorisch gesagt Ihren Kaffeeladen haben und eigentlich nur jede Woche frische Bohnen brauchen, mieten Sie ja nicht jedes Mal den ganzen Sattelschlepper. Sie brauchen einen Paketdienst, eben wie FedEx. Moonshot nutzt dafür eine ganz andere Physik: Wir arbeiten mit elektromagnetischen Beschleunigern, nicht mit chemischen Raketen. Dadurch schaffen wir dieselben Preise, aber eben für kleine Pakete. Wir schicken 200 oder 300 Kilo zum gleichen Kilopreis hoch wie das Starship. Man bestellt einfach eine Lieferung.

Sind Sie damit nicht ein Konkurrent für SpaceX?

Nein, überhaupt nicht. Wir ergänzen uns perfekt. Wir brauchen SpaceX ja, damit sie immer mehr Masse ins All schießen. Und je mehr Masse die hochbringen, desto mehr Kunden haben wir am Ende. Das ist eigentlich genau das Gegenteil von Konkurrenz. Wir wollen, dass die chemischen Raketen so oft wie möglich fliegen.

Denken Sie an einen Umzug von Europa in die USA: Es ist völlig klar, dass Sie selbst in der Business Class nach New York fliegen. Aber es macht überhaupt keinen Sinn, Ihr Sofa im Flugzeug neben sich zu setzen. Das schicken Sie im Frachtcontainer. Im Moment sind die chemischen Raketen im All die Business Class. Sie sind teuer. Und obwohl es billiger ist als vor 20 Jahren, zahlt man für jedes Kilo exakt dasselbe. Das heißt, das Kilo Astronaut, das Teuerste, was man hochschicken kann, kostet im Transport genauso viel wie das Kilo Wasser, das er trinkt. Wenn wir also einen guten Preis für das Kilo Astronaut haben, zahlen wir für das Wasser schlicht viel zu viel.

Mit unserer Technologie bei Moonshot werden wir niemals Astronauten transportieren können. In einem Frachtcontainer reist man ja auch nicht nach New York, es ist zu heiß, dauert zu lange, das hält kein Mensch aus. Unsere Anlage arbeitet mit extremen Kräften von bis zu 800 G. Das überlebt kein Mensch und auch keine empfindliche Elektronik. Aber Wasser, Treibstoff, mechanische Bauteile oder Ersatzteile wie Solarpaneele stecken das locker weg.

Wir trennen diese Fracht also von den teuren Raketen. Die Raketen bleiben für die Menschen und die feine Sensorik. So baut man eine echte Industrie auf. Eine hochentwickelte Wirtschaft braucht Häfen, Schienen, Lkw und Flugverkehr. Wenn eine Insel nur ein einziges Transportmittel hat, wird die Wirtschaft dort nie richtig laufen. Und genau das machen wir im All: Wir bauen die nächste Logistikebene neben den klassischen Raketen auf.

Entwickeln Sie diese elektromagnetische Beschleunigung eigentlich komplett neu oder nutzen Sie bestehende Technologien?

Wir bauen natürlich unsere eigene Technologie, aber wir machen keine Grundlagenforschung. Bei uns ist das reines Engineering. Die Wissenschaft dahinter hat sich im letzten Jahrzehnt quasi von selbst entwickelt, durch die erneuerbaren Energien, durch die Medizintechnik. Die Basiskomponenten wie Kondensatoren, Schalter oder spezielle Materialien, die extreme Kräfte und Hitze aushalten, gibt es alle schon auf dem Markt, und sie sind viel billiger geworden. Vor zehn Jahren hätten wir uns an diese Sache gar nicht herangewagt, weil die Technik noch nicht so weit war.

Jetzt nehmen wir diese Komponenten, die gar nicht primär für uns entwickelt wurden, und fügen sie in unserer Maschine zusammen. Wir erfinden also keine neuen Kondensatoren, sondern kaufen sie von der Stange und passen sie so an, dass sie genau unsere Spezifikationen erfüllen und bezahlbar bleiben. Es ist also kein neues wissenschaftliches Rätsel, sondern clevere Ingenieursarbeit und Integration.

Wie viel von diesem Ingenieur-Know-how bringen Sie aus Ihrer Zeit beim Iron Dome mit? Hilft Ihnen diese militärische Erfahrung bei Ihrem heutigen Projekt?

Der entscheidende Punkt ist eigentlich die ganze Philosophie der israelischen Verteidigungsindustrie. Mein Chefingenieur hat das David’s Sling-Programm geleitet, eine andere Kollegin kommt aus dem Arrow-Raketenprogramm. Die wahre Kunst in Israels Verteidigungssektor ist es, hochkomplexe Hardware und Luftfahrtsysteme extrem billig, wahnsinnig schnell und fast ohne reale Systemtests zu bauen. Und das liegt schlicht daran, dass Israel klein ist, wir haben gar keinen Platz für riesige Testgelände. Deshalb haben wir über die Jahrzehnte hinweg ganz andere Methoden entwickelt als die Amerikaner oder Europäer: Wir setzen massiv auf Simulatoren.

Sie setzen also voll auf digitale Zwillinge?

Genau. Wir bauen hochkomplexe digitale Zwillinge des gesamten Systems. Die testen wir dann im Labor im ganz kleinen Maßstab. Weil wir das so akribisch machen, können wir uns blind auf unsere Simulatoren verlassen. Wenn wir das finale, echte System bauen, wissen wir fast schon, dass es funktioniert. Reale Systemtests heben wir uns wirklich nur für den allerletzten Schritt auf. Denn wenn wir in Israel ein echtes System testen, ist das kein Experiment mehr, da muss es klappen. Wir haben weder das Geld noch den Platz für Fehler, und uns schaut ständig jeder auf die Finger. Als ich beim Iron Dome war, war praktisch jeder reale Test ein Volltreffer.

Elon Musk hat völlig recht, wenn er sagt: Wenn ein realer Test klappt, war es eigentlich kein richtiger Test, weil man nur durch Fehler lernt. Also machen wir unsere Fehler in den Simulatoren. Und genau das ist auch das Fundament von Moonshot. Wir arbeiten mit Ingenieuren zusammen, die genau diese Schule durchlaufen haben. Wir bauen ein kleines Labormodell mit gerade mal sechs Zentimetern Durchmesser und eineinhalb Metern Länge. Damit schießen wir 300 Gramm mit 100 Metern pro Sekunde ab. Aber damit beweisen wir exakt die Präzision im Mikrosekundenbereich, die Latenz und die Kontrollierbarkeit, die wir später im Großen brauchen. Wir machen das so, weil wir in Israel wegen unserer Größe gar keine andere Wahl hatten.

Schauen wir mal auf die nackten Zahlen: Wie zieht man so ein DeepTech-Startup für Weltraum-Logistik strategisch hoch? Wie viel Geld braucht man für die R&D-Phasen, wie sieht Ihr Team aus und wie lief die erste Finanzierung?

Wir sind zu dritt im Gründerteam. Am Anfang brauchten wir gar nicht so viel Geld. Unsere These war einfach: Wenn wir ein bisschen Startkapital kriegen, können wir in Israel ein großartiges Team aufbauen. Solche Leute sind schwer zu kriegen, man braucht ganz spezielle Talente. Aber wir wussten, dass Israel ein riesiges Reservoir für genau diese Talente ist. Wenn das Geld da ist, können wir sie anheuern.

Und was heißt „ein bisschen Startkapital“ im SpaceTech-Bereich?

In unserer Pre-Seed-Runde waren das 2,5 Millionen Dollar. Für Weltraumverhältnisse ist das tatsächlich wenig. Dazu kamen noch 1,5 Millionen von der israelischen Innovationsbehörde, das war unser Fundament fürs erste Jahr. Gerade haben wir unsere Seed-Runde mit rund 14 Millionen Dollar abgeschlossen. Damit finanzieren wir die Fertigstellung unseres ersten echten Produkts: die EMA (Electromagnetic Mass Accelerator). Das ist ein Beschleuniger mit 30 Zentimetern Durchmesser. Damit testen wir nicht nur unsere Simulatoren, sondern bringen auch direkt ein Produkt auf den Markt, das für den Verteidigungssektor extrem spannend ist, weil es als Testumgebung für Hyperschall-Technologie dient.

Das Verteidigungsministerium hat zu uns gesagt: „Dass ihr irgendwann ins All wollt, ist super. Aber im Moment brennen wir darauf, mit eurem Beschleuniger Hyperschall-Tests superschnell und billig durchzuführen.“ Wir feilen gerade am Vertrag, um dieses Labor gemeinsam mit ihnen aufzubauen. Für das Weltraumprojekt reicht uns eine EMA-Geschwindigkeit von 1.000 Metern pro Sekunde, aber das Ministerium braucht 2.000 Metern pro Sekunde. Die Anlage wird deshalb 25 Meter lang sein statt der geplanten 7 Meter. Mit den 14 Millionen Dollar kommen wir erst mal ein Jahr aus. Danach gehen wir in die nächste Runde.

Welches Volumen peilt ihr für die nächste Runde an und was wollt ihr damit machen?

Wir planen eine Runde von etwa 20 bis 30 Millionen Dollar. Damit wollen wir die finalen Bausteine für unseren großen Beschleuniger im All entwickeln, den Magnetar. Wichtig ist: Das Geld fließt nicht in die riesigen Baukosten der Anlage, sondern in die reine Technologie. Die massiven Errichtungskosten für das finale System, das wir übrigens in Alaska aufbauen wollen, kommen später direkt von den Kunden und Partnern, sobald die Technik steht.

Ihre ersten Kunden sind also vor allem Regierungen?

Es geht vor allem um Gelder aus Verteidigungsbudgets. In den USA unterschreibt man heute oft gar nicht direkt bei der Regierung, sondern bei privaten Firmen, die wiederum über staatliche Programme bezahlt werden. Es läuft also im Rahmen von Regierungsprojekten. In Israel arbeiten wir direkt mit dem Verteidigungsministerium zusammen, weil das Projekt dort als strategisches, nationales Gut gilt. Das Ministerium sichert den Zugang, damit die großen Player wie IAI (Israel Aerospace Industries) oder Rafael das System uneingeschränkt nutzen können.

Zum Schluss noch ein Blick auf Europa: Wir diskutieren hier ja ständig über mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und das Problem, dass geniale Forschung viel zu selten den Weg in den Markt findet. Israel gilt da weltweit als das absolute Vorbild beim Technologietransfer. Was kann Europa von Israel lernen, wenn es darum geht, Forschung in Produkte zu verwandeln und Richtlinien zu schaffen, die Startups wie Ihres überhaupt erst ermöglichen?

Niemand wünscht sich Krieg, das ist klar. Aber der fundamentale Unterschied ist schlicht: Wir müssen innovativ sein, um zu überleben. In Europa gibt es diesen existenziellen Druck zum Glück nicht. Ihr müsst also andere Wege und Motive finden, um diesen Zug zu entwickeln und Länder wie Österreich oder Deutschland haben dafür ja durchaus gute, eigene Strukturen.

Aber der wahre Kern unseres Erfolgs und unserer Resilienz ist einfach, dass wir keine andere Wahl haben. Wir müssen abliefern, und zwar extrem schnell. Und es muss auf Anhieb funktionieren. Beim Iron Dome haben uns damals fast alle Experten weltweit gesagt, das sei technisch unmöglich. Aber wenn du in Israel lebst und ständig Raketen aus dem Gazastreifen angeflogen kommen, akzeptierst du die Aussage „das geht nicht“ einfach nicht. Es muss gehen. Und genau dieser Druck zwingt dich dazu, einen Weg zu finden, wie es klappt. Das ist es, was uns voranbringt.

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Interview mit dem Mann, der um 400 Mio. Euro Bitcoin kaufte

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