04.02.2019

Interview mit dem Mann, der um 400 Mio. Euro Bitcoin kaufte

Im Februar 2018 rätselte die Kryptowelt über einen unbekannten Großinvestor, der Bitcoin für rund 400 Millionen US-Dollar kaufte. Wir sprachen exklusiv mit dem deutschen Multi-Milliardär Ralf Dodt, der nach eigenen Angaben hinter dem Deal stand.
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Ralf Dodt 400 Mio. Dollar Bitcoin
(c) fotolia.com - deagreez; Bearbeitung

Es war ein Deal, der Beobachtern der Krypto-Märkte im Februar 2018 nicht entging. Bitcoin hatte nach dem Allzeit-Hoch im Dezember 2017 (Kurs bei rund 20.000 Dollar) am 6. Februar 2018 einen vorläufigen Tiefstand (Kurs bei rund 6000 Dollar) erreicht. Wenig später, zwischen 9. und 12. Februar stockte ein damals unbekannter Großinvestor, der erst im Dezember eingestiegen war, sein Bitcoin-Depot massiv auf. 400 Millionen US-Dollar waren es, die der Unbekannte in mehreren Schüben investierte. Damit beeinflusste er auch den Kurs. Heute wissen wir, wer hinter dem Riesen-Bitcoindeal stand. Es war der deutsche Multi-Milliardär Ralf Dodt, wie dieser im exklusiven Gespräch mit dem brutkasten bestätigt.

+++ Gastkommentar: 10 Jahre Bitcoin – Warum die Reise jetzt erst losgeht +++

Ralf Dodt – ein acht Milliarden schwerer Unbekannter 

Ralf Dodt hat ein kolportiertes Vermögen von rund acht Milliarden US-Dollar und ist alleiniger Eigentümer der Millhouse Capital Investment Group. Er bezeichnet sich gegenüber dem brutkasten als bodenständiger Mensch, der die Öffentlichkeit scheut. Sein Name ist zwar im Internet zu finden, aber nicht das passende Foto dazu. Er könnte neben einem an der Supermarktkasse stehen und man wüsste nicht, wer er sei, meint er im Gespräch.

Das sei ihm sehr wichtig, Skandale und die Yellow Press brauche er nicht, er bevorzuge sein „langweiliges“, aber freies Leben. „Sicher habe ich auch meine Spielzeuge wie eben die MiG Kampfflugzeuge und andere Dinge, aber das ist ja nicht so interessant wie eine neue Gigayacht, die keinen Liegeplatz findet“, antwortet er etwa süffisant auf eine Rückfrage. Auf eine Frage zu seinem Vermögen und Erfolgsgeheimnis sagt er: „Ich bin ein ‚alter Mann‘ der gesetzt ist und in sich selbst ruht. Und dieses Verhalten hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin“. Denn: „In der Ruhe liegt die Kraft und der Gewinn“.

Millhouse Capital: Von Diamanten über Fluglinien bis Banken

Der österreichischen Öffentlichkeit wurde Ralf Dodt 2014 bekannt, als er ein Angebot für die Übernahme der CEE-Töchter der Hypo Alpe Adria legte. Ganz nach seinem Motto „traue keiner Bank, die dir nicht gehört“, hat Millhouse Capital nun auch eine eigene Bank im Portfolio.

Die in Belgrad/Serbien ansässige Gesellschaft investiert nach Unternehmensangaben in die Felder (Schwer-)Industrie, Industrie-Immobilien, Investment-Gesellschaften, Rohstoff-Abbau (Öl, Gas, Gold, Diamanten), Schiffahrt, Fluglinien, Raffinerien und Banken. Ein geographischer Fokus liegt dabei auf Russland und den GUS-Staaten.

Im exklusiven Interview erklärt Ralf Dodt, warum er „Spielgeld“ für Bitcoin übrig hatte, worin aus seiner Sicht der größte Unterschied zwischen dem Kryptomarkt und dem Aktienmarkt liegt und warum für Groß- und Kleinanleger im Prinzip die gleichen Spielregeln gelten.


Sie haben Bitcoin für 400 Mio. Euro gekauft. Wie ist es dazu gekommen?

Ralf Dodt: Es war nicht von vornherein mein Plan, Bitcoins zu kaufen. Ich hatte seinerzeit einen langjährigen Deal mit der Regierung eines Landes abgeschlossen und daraus einen überdurchschnittlich hohen Gewinn erwirtschaftet. Mein Plan war, von dem Gewinn eine neue Raffinerie zu kaufen. Durch gewisse Umstände kam ich dann letztendlich wesentlich günstiger an die Raffinerie und habe auch sofort mit Großkunden langjährige Verträge abschließen können. Durch diesen Umstand war also eine nicht unerhebliche Summe plötzlich zur freien Verfügung. Da ich mich schon längere Zeit mit Bitcoins beschäftigt hatte, erschien mir diese Gelegenheit günstig, um mich einzukaufen. Mein Soll, die Raffinerie zu kaufen, hatte ich ja bereits erfüllt. Alles darüber hinaus war dann „Spielgeld“ zur freien Verfügung.

Bereuen Sie aus heutiger Sicht dieses Investment?

Ralf Dodt: Nein, ich habe dieses Investment nicht bereut. Warum sollte ich? Ich mache mir im Vorfeld Gedanken darüber, ob ich in diesen oder jenen Bereich investieren soll. Da kann ich dann nicht im Nachhinein hingehen und ein Investment bereuen, sollte es denn tatsächlich zu einem Verlust kommen. Grundsätzlich sollten immer Verluste mit einkalkuliert werden, das gehört zum Geschäft dazu. Wer nicht die Nervenstärke und das Kapital besitzt, auch mal Verluste einzustecken, sollte die Finger grundsätzlich von Investments lassen. Außerdem suche ich mir meine Investments grundsätzlich immer selbst aus, schalte nie Vermittler und Banken ein, lass mich auch nie von sogenannten Experten beraten. Sämtliche Entscheidungen treffe ich alleine.

Was ist für jemanden der ganze Großunternehmen aufkaufen kann der Reiz an Bitcoin?

Ralf Dodt: Es ist ja unabhängig davon, ob ich nun ganze Großunternehmen aufkaufe. Letztendlich geht es in der Wirtschaft immer um den Handel bzw. Verkauf und die Bezahlung. Ich bin überzeugt davon, das der Markt für digitale Währungen weiter wachsen wird. Auch wird er langsam aber sicher unaufhaltsam in die Wirtschaft als Zahlungsmittel einfließen. Etwa in den Rohstoffhandel und den Handel zwischen den verschiedenen Ländern. Ich selbst habe in meinen verschiedenen Unternehmen schon einige Kunden, die in Bitcoins bezahlen. Als Komplementärwährung zu den bestehenden Währungen sehe ich einen wachsenden Bedarf für die nächsten Jahre.

Inwiefern unterscheiden sich der Krypto- und der Aktienmarkt?

Ralf Dodt: Die Unterschiede zwischen Kryptowährungen und Aktien bzw. Wertpapieren sind gravierend. Letztendlich ist die Systematik, die jeweils hinter der jeweiligen Geldanlage steckt, eine komplett andere. Bei Aktien erwirbt man jeweils einen kleinen Anteil am Unternehmen. Durch diese Beteiligung am Unternehmen erhält man eine entsprechende Gewinnbeteiligung. Darüber hinaus kann man selbstverständlich auch über den Kurs Gewinne und Verluste einfahren.

Bei Kryptowährungen sieht das anders aus. Ähnlich wie bei Devisenkursen, wird auch bei Bitcoin und Co. eine Währung gehandelt, die jedoch nur in virtueller Form vorhanden ist. Trotzdem funktioniert das Prinzip bei Kryptowährungen ähnlich wie bei klassischen Währungen wie Euro und US-Dollar.

Beim Euro und US-Dollar tauscht man klassischerweise Euro gegen US-Dollar um. Sollten die Kurse daraufhin steigen, besteht die Möglichkeit, die US Dollar nach einem gewissen Zeitraum wieder gegen Euros mit einem Gewinn zu tauschen. Grundlegend schwanken die Kurse von Devisen jedoch nur minimal, sodass die Gewinne erst nach einer gewissen Zeit realisierbar sind und die Gewinne auch nicht in endloser Höhe ausfallen.

Bei Kryptowährungen ist das komplett anders, hier schwanken die Kurse unkontrollierbar und man kann den Kursverlauf im Vorhinein kaum erahnen. Auf diese Art und Weise kann natürlich auf der einen Seite sehr viel Geld gewonnen, aber auch sehr viel Geld verloren werden. Dieses ist auch der Hauptunterschied zu normalen Devisen- und Aktienkursen.

Was ist aus Ihrer Sicht erfolgskritisch, wenn man in Aktienmärkte oder in Krypromärkte investiert?

Ralf Dodt: Grundsätzlich ist ein Streuinvestment immer das Beste, also nie in nur einen Bereich oder ein Produkt investieren. Je breiter man aufgestellt ist, desto geringer die Gefahr große, oder überhaupt Verluste einzufahren. Man sollte von allem etwas im Portfolio haben. Es ist äußerst unwahrscheinlich das von zehn verschiedenen Bereichen oder Produkten plötzlich alle gleichzeitig an Wert verlieren. In so einem Portfolio könnte dann maximal 15 Prozent des zur Verfügung stehenden Kapitals den Kryptomärkten gewidmet werden. Bitcoin & Co sind einfach zu unberechenbar, als das man sein komplettes freies Kapital darin investieren sollte. Daher ist mein Empfehlung: Der Anleger sollte zweimal nachdenken, ehe er eine Order ausschließlich in Kryptomärkten platziert. Unruhigen und nervösen Investoren würde ich grundsätzlich von Kryptomärkten abraten, oder sie sollten sich zumindest anfangs mit sehr kleinen Beträgen erstmal an die Materie rantasten. Es bleibt also der gute alte Aktienmarkt immer noch die besser Alternative zu den Kryptomärkten.

Beobachten Sie täglich die Aktien- und Krypto-Kurse?

Ralf Dodt: Ich habe bisher nur ein einziges Mal den Kurs des Bitcoin verfolgt und das war kurz nach dem Kauf. Mir ist es ehrlich gesagt egal, ob der Kurs nun fällt oder steigt, das macht er so oder so, egal ob ich nun alle halbe Jahre mal den Kurs kontrolliere oder 20 mal pro Tag.

„Aktien sind wie eine gute Ehe. Die verändert sich immer ein wenig, hält ewig und wird aber dann von Jahr zu Jahr besser.“

Gleiches gilt für die Aktienkurse. Man investiert in ein gutes Unternehmen und lässt die Aktie einfach in Ruhe. Zur Millhouse Capital Unternehmensgruppe gehören 52 Tochterunternehmen, zwei Banken und mehr als 100 Beteiligungen an anderen Unternehmen, Raffinerien, Tankfarmen usw. Wo sollte ich da noch die Zeit finden, täglich die Aktien- und Krypto-Kurse zu kontrollieren? Einmal im Jahr, wenn für die jeweiligen Unternehmen die Bilanzen erstellt werden, werden die aktuellen Kurse herangezogen um den Gewinn oder Verlust festzuhalten.

Aktien sind wie eine gute Ehe. Die verändert sich immer ein wenig, hält ewig und wird aber dann von Jahr zu Jahr besser. Rechnen Sie mal die Prozente aus, die gute Aktien in der Vergangenheit über einen Zeitraum von 10, 15, 20 oder 25 Jahren generiert haben. So geht man mit Aktien um: Man kauft sie, legt sie in den Safe oder ins Depot und kümmert sich nicht weiter. Nach 20 Jahren holt man sie hervor und oh Wunder, man hat einen Gewinn eingefahren.

Gelten hier für Großanleger grundsätzlich andere Regeln als für Kleinanleger?

Ralf Dodt: Grundsätzlich sind die Regeln für den Großanleger mit denen des Kleinanlegers indentisch. Regeln sind Regeln. Das eingesetzte Kapital der Großanleger kann aber den Markt zum Nachteil des Kleinanlegers beeinflussen – oder auch zum Vorteil.

Es wird sehr häufig gesagt, als Kleinanleger könne man nicht mit den großen Anlegern konkurrieren, als Kleinanleger mache es keinen Sinn Aktien nachzukaufen oder die Kosten seien als Kleinanleger viel zu hoch. Das würde ich so nicht bestätigen.

Institutionelle Anleger können zwar wesentlich mehr Research betreiben und die Unternehmenszahlen bis in den letzten Winkel durchleuchten, aber die Prognosekraft durch diese Form der Analysen nimmt nur unwesentlich zu. Das liegt daran, dass die Zukunft eben trotz Research nicht prognostiziert werden kann. Ferner kann der Kleinanleger die Strategien großer Anleger kopieren und das ohne den gesamten Research zu betreiben.

Wenn Warren Buffett sich entscheidet seine Position in Firma A aufzustocken, dann kann der Kleinanleger das genauso machen. Man kann ihn und seine Strategie zum Nulltarif kopieren. Im übrigen investieren auch viele Großanleger passiv und das kann der Kleinanleger in genau gleicher Form 1:1 umsetzen, ohne Nachteile. Der Kleinanleger kann in der Regel sogar die gleichen Produkte kaufen.

Was für eine Rolle spielt hier Speedtrading?

Gegen Profis mit schnellen Computern hatte man als Kleinanleger nie eine Chance. Der dem Einzelnen entstehende Schaden durch Speedtrader ist aber vernachlässigenswert. Statt mit dem Hasen mitzurennen, sollten Privatanleger es lieber wie der Igel halten und mit langfristigen, klug durchdachten Investmentideen an der Börse mitstreiten.

Ich glaube, dass die meisten Nachteile hausgemacht sind. Viele Anleger können außerdem nicht in Aktien investieren, da der Großteil des Vermögens im Eigenheim steckt, was ich an der Stelle in keinster Weise kritisieren möchte. Es ist immer eine persönliche Entscheidung. Fakt ist jedenfalls, dass ein Eigenheim viel Kapital bindet und damit die Handlungsfähigkeit an der Börse einschränkt.

„Letztendlich ist es wie in einem Pokerspiel: Das größte Kapital kauft den ganzen Pott, unabhängig davon welches Blatt man in der Hand hält.“

Wer schlussendlich Aktien kauft, der macht dann häufig folgende Fehler: Aktien werden im Hoch gekauft. Im Tief werden Aktien aus Angst verkauft und es wird umgeschichtet in vermeintlich sichere Anlagen. Zu viel Hin und Her. Das Geld wird zu einem ungünstigen Zeitpunkt benötigt. Die eigene Risikotoleranz wird überschätzt.

All diese Fehler können vermieden werden. Einige der Fehler werden durch Bankverkäufer aktiv unterstützt, da die Begehung des Fehlers dem Verkauf von Produkten dient. Der Verkauf im Tief und auch das Hin und Her zählen zu dieser Kategorie.

Und wann ist für Sie der richtige Zeitpunkt, ihre Bitcoin zu verkaufen?

Ralf Dodt: Es gibt keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt die Bitcoins zu verkaufen. Ja herrje, der Kurs steigt und fällt, das ist völlig normal, aber uninteressant. Wenn ich aber die Bitcoins abstoßen und einen Gewinn einfahren wollte, würde ich warten, bis der Bitcoin wieder den Kurs hat, zu dem ich gekauft habe, oder darüber liegt. Dann würde ich nochmal für ein paar Millionen kaufen, lasse damit den Zug aus dem Bahnhof rollen und jeder springt auf, kauft Bitcoins wie verrückt und der Preis steigt wieder enorm an. Das ist dann der Moment wo ich verkaufen würde, streiche den Gewinn ein und verabschiede mich mit einem Lächeln. Man kann einen Kurs nicht nur negativ beeinflussen durch hysterische Massenverkäufe oder „Flash Crashs“, sondern auch positiv durch einen überlegten Großeinkauf. Letztendlich ist es wie in einem Pokerspiel: Das größte Kapital kauft den ganzen Pott, unabhängig davon welches Blatt man in der Hand hält.

Wie viel Macht verleiht Ihnen Ihr Bitcoin-Depot also über den Markt?

Ralf Dodt: Das Wort Macht hört und liest sich immer so kriegerisch, aber es ist schon richtig, das man gewisse Möglichkeiten hat, wenn man ein großes Depot besitzt. Je mehr man an einem Pott besitzt, desto mehr kann man Einfluss nehmen, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Das ist aber nicht nur bei Bitcoins so, sondern grundsätzlich bei allen Investitionen. Man kann durchaus den Kaufanreiz bei Anlegern steigern als auch den Verkaufsanreiz. Durch wirklich relevante Zukäufe kann man den Kurs drastisch in die Höhe treiben, bei weitem höher als es bei Aktien möglich ist. Der Bitcoin als virtuelle Währung reagiert schon von Haus aus wesentlich empfindlicher als Aktien. Man könnte also festhalten, dass man durch seine eigenen Handlungen den Kurs durchaus für sich selbst positiv beeinflussen kann und dementsprechende Gewinne einfahren kann.

Welche Assets empfehlen sie jemandem, der nur einige Tausend Euro investieren will? Zählt Bitcoin dazu?

Ralf Dodt: Vorab, ich bezeichne mich weder als Experte noch bin ich allwissend. Ich spreche nur für mich. Ich möchte keine Empfehlungen für dieses oder jenes Asset aussprechen. Jemandem, der nur einige Tausend Euro investieren will oder kann, würde ich aber grundsätzlich nicht dazu raten in Bitcoins zu investieren. Wie schon oben erwähnt sind die Schwankungen zu unkontrollierbar, um wirklich eine klare Prognose abgeben zu können. Diese gravierenden Schwankungen machen es besonders für Kleinanleger schwierig, das Geld langfristig und sicher anzulegen.

Was nun andere Assets betrifft muss ich dazu vorab was grundlegendes sagen: Ich möchte jetzt auch nicht den Anlageberatern zu nahe treten. Aber sind wir doch mal ehrlich, wenn ich Beratung brauche wie ich mein Geld anlegen kann, warum sollte ich dann zu einem Bankberater oder Investmentberater gehen? Wenn der doch so absolut renditeträchtige Investments kennt, warum sitzt er dann als Berater in einer Bank, bezieht sein Gehalt zuzüglich Provisionen und besitzt selbst nicht zumindest das Vermögen, das er den Anlegern verspricht, durch Investment X, das er gerade in der Schublade hat?

„Ich bin auch nicht dazu da, den „Beliebtheitspreis“ verliehen zu bekommen.“

Soll heißen, dass sehr viele Anleger einfach viel zu wenig bis gar keine Ahnung von der Materie haben und auf bunte schöne Prospekte hereinfallen. Hinzu kommt dann, dass die Bearbeitungsgebühren und Agio schon in den meisten Fällen die zu erwartende Rendite auffressen. Etwas mehr gesunder Menschenverstand wäre schon angebracht, wenn es um Kapitalanlagen geht.

Ich bin auch nicht dazu da, den „Beliebtheitspreis“ verliehen zu bekommen. Aus diesem Grund rate ich jedem Anleger, die Kapitalanlage genauestens zu prüfen. Sowohl den Berater, der diese empfiehlt als auch das Produkt selbst. Sollte das eigene Wissen nicht ausreichen, sollte man entweder grundsätzlich die Finger von solchen Angeboten lassen, oder sich fachmännisches neutrales Wissen kaufen von einem neutralen Sachverständigen.

Sind unabhängige Investmentberater nicht neutral?

Leider erlebe ich es oft genug, dass Menschen, die eine Investition tätigen wollen, einfach nicht genügend aufgeklärt werden. Hinzu kommt dann, dass jeder Anleger ab einer gewissen Höhe der Rendite unvorsichtiger wird – ein Opfer für die Anlageberater. Ich nenne das einfach „Gier frisst Hirn“ – man lässt die Vorsicht hinten anstehen.

Ich möchte hier auch keine Empfehlungen für gute oder weniger gute Assets geben. Was ich aber dem Investor mit auf den Weg geben kann ist folgendes: Er sollte sich an den Großen orientieren, wie die es machen. Es gibt weltweit genügend private Großunternehmen, die nicht an den Börsen gehandelt werden, die kontinuierlich Jahr für Jahr ihre Gewinne und ihr Netto-Kapital steigern. An solchen Unternehmen, die kein Agio verlangen, wo kein Anlageberater angeraten ist und die überdurchschnittlich gute Renditen ausschütten, kann man sich ohne Börsenstress beteiligen. Darauf sollte sich der Anleger konzentrieren der sein Geld sicher anlegen will, egal in welcher Größenordnung.

Das sind fahrende Züge auf die man versuchen kann aufzuspringen und daran mitzuverdienen. Wenn es einem Unternehmen gut geht, warum geht es an die Börse? Börse bedeutet immer eine Kapitalerhöhung, die von den Anlegern bedient, aber auch im Falle eines Verlustes mitgetragen wird. Börse bedeutet aber auch immer Schwankungen. Warum sollte aber ein Unternehmen hingehen und sich an der Börse verkaufen, wenn es finanziell gut aufgestellt ist, von ganz bestimmten Situationen und Unternehmen einmal abgesehen?


Anmerkung der Redaktion

Wir haben mit Ralf Dodt ein langes, ja mehrtägiges Interview geführt und eine sehr spannende Persönlichkeit kennengelernt, mit viel Erfahrung, Business-Sinn und trotzdem einer erstaunlichen Bodenständigkeit. Er wirkt sehr professionell, hört auf sein Bauchgefühl, ist respektvoll, bedacht, hilfsbereit und sehr zuverlässig. Überlebensinstinkt und Kämpfergene zeichnen ihn als Unternehmer aus, diese seien in seinem Umfeld überlebensnotwendig. Denn „da oben“ sei die Luft sehr dünn. „Freunde“ seien ein Fremdwort.

Ob er nicht vermögend genug ist und jemals abspringen wollte? Als Unternehmer in seinem Rang müsse man wie eine Dampframme nach vorne preschen und weitermachen. Den Zeitpunkt, abzuspringen, habe er verpasst. Der Stress habe ihm im mittleren Alter drei Herzinfarkte eingebracht. Er habe es trotzdem nie bereut, dieses Tempo gefahren zu sein. Er habe gelernt, mit dem Stress zu leben und umzugehen, sei fit und gesund und seine Arbeit mache ihm viel Spaß. Seine Kindheit bezeichnet er als verkorkst, diese habe sein Leben stark geprägt.

Auf die Fragen antwortet er sehr offen und ehrlich und drückt sich vor keiner kritischen Frage. Er erklärte uns unter Anderem, warum er Raffinerien und VLCC Supertanker kauft, wie er an Milliarden-Projekte kommt, wie diese Deals funktionieren und wieso er 400 Mio. US-Dollar in Bitcoin investierte. Wird er jemals genug haben? „Das bestimme ich doch schon lange nicht mehr. Da kommt einfach jeden Monat mehr dazu.“

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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