04.11.2025
REZENSIONEN

Raitify: Wiener KI-Startup baut „Manager“ für Online-Bewertungen

Das Wiener Startup Raitify möchte der Gastronomie und Hotellerie helfen, die vielen Online-Bewertungen im Auge zu behalten und ordentlich zu managen.
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Raitify
© Raitify - Sebastian Arnezeder (l.) und Robert Paulak von Raitify.

Die Idee zu Raitify ist direkt aus der Praxis entstanden: CEO Sebastian Arnezeder kommt selbst aus der Hotellerie und betreibt Apartments in Wien und Oberösterreich. Schon früh hat er seine Betriebe digitalisiert – von Türcodes bis zu automatisierten Buchungsprozessen.

Raitify: KI-Lösung, die Rezensionen sichtet und ordnet

Ein Bereich ist jedoch aufwendig geblieben und wurde oft vernachlässigt: das Managen und Analysieren von Bewertungen. Dabei weiß der Founder aus Erfahrung, wie stark Online-Rezensionen über Sichtbarkeit und Buchungsrate entscheiden können. Er hat daher gemeinsam mit Robert Paulak, der langjährige Erfahrung aus dem IT-Consulting vorweisen kann, eine KI-Lösung entwickelt, die Antworten automatisiert und Feedback kanalisiert.

„Wer täglich Dutzende Rezensionen auf Google, Booking oder Airbnb im Blick behalten will, kämpft mit einem enormen Zeitaufwand“, heißt es vom Gründer-Duo. Genau hier setzen die Wiener an. Mit der Lösung, die Antworten automatisiert und Feedback kanalisiert, soll Betrieben, nach eigener Rechnung, bis zu 90 Prozent an Zeit erspart werden.

„Eine professionelle Antwort kann den Eindruck eines Gastes komplett verändern – selbst bei kritischem Feedback. Mit Raitify ermöglichen wir es Betrieben, präsent und professionell zu wirken, ohne dass wertvolle Ressourcen im Alltagsgeschäft verloren gehen“, sagt CEO Arnezeder.

Zielgruppen: Hotels und Gastro

Raitify bietet konkret eine Software-as-a-Service (SaaS)-Plattform für Hotels, Apartmentbetreiber, Restaurants und andere Branchen. Das Modell basiert auf einer Subscription-Gebühr pro Standort. Kund:innen erhalten Zugang zu einem cloudbasierten System, das Bewertungsmanagement, KI-Antworten, Performance-Analysen und Gästekommunikation bündelt.

Zusatzmodule wie ein QR-Code-Tool für mehr und bessere Bewertungen oder die Telefon-KI-Rezeption, die Anrufe automatisch beantwortet, können flexibel aktiviert werden. In den kommenden Monaten möchte Raitify einen Schwerpunkt auf „Answer Engine Optimization“ setzen – damit Betriebe auch in den Antworten von KI-Tools wie ChatGPT oder Perplexity besser sichtbar werden und ihre Alleinstellungsmerkmale gezielter positionieren können, so die Hoffnung.

Expansion in die USA geplant

Raitify ist vollständig bootstrapped aufgebaut worden. Statt einer Finanzierungsrunde steht derzeit der Aufbau strategischer Partnerschaften mit Branchenexpert:innen und komplementären Technologieanbietern im Fokus. Sowie auch Expansionspläne.

„Nach unserem Start in Österreich wird die Plattform im gesamten DACH-Raum ausgerollt. Parallel laufen Gespräche mit Partnern in Frankreich und Italien“, sagen die beiden Founder. Durch die Teilnahme am „GoUSA Silicon Valley Incubator“-Programm im Oktober 2025 bereitet das Team zudem den Markteintritt in den USA vor. Raitify wird hierbei im Rahmen der „San Francisco Tech Week“ bei der „Austrian Startup Demo Night“ in den SAP Labs pitchen. Langfristig ist außerdem geplant, gezielt Investor:innen an Bord zu holen, um die Expansion in weitere europäische Märkte und die USA zu beschleunigen.

Zu neuen Kunden zählen HolidayCheck und Expedia, weitere Integrationen wie Tripadvisor und Hotels.com seien in Arbeit. Zudem entwickelt das Team neue Module – darunter die Telefon-KI-Rezeption, die Anrufe automatisch beantwortet und Anfragen weiterleiten soll.

Fokus auf Gäste

Aktuell arbeiten zwölf Personen aus den Bereichen Sales, IT und Operations bei Raitify; langfristig möchte man die führende KI-Plattform für Gästekommunikation und Bewertungsmanagement in Europa werden. Technologie sei jedoch für das Team kein Ersatz, sondern eine Erweiterung menschlicher Gastfreundschaft, wie es betont.

„Raitify soll Hoteliers und Gastgeber:innen helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – ihre Gäste“, sagt das Gründer-Duo. „Denn, je mehr Routineprozesse automatisiert werden, desto mehr Zeit bleibt für das echte Erlebnis.

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Das Gründerteam von Theradocx. (v.l.) Petronel Liciu, Selin Matun, Jan Hoppel | © Theradocx

Theradocx möchte den Arbeitsalltag von Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen erleichtern. Eine eigens entwickelte KI-Anwendung erstellt Protokolle und Zusammenfassungen, indem sie Sitzungen aufnimmt und analysiert, wie brutkasten berichtete. Kürzlich erhielt Theradocx ein FFG-Förderprojekt mit einem Projektvolumen von 580.000 Euro.

Verbesserung der KI

Im Zuge dieses Projekts will das 2025 gegründete Unternehmen seine KI weiterentwickeln. Das heißt: Die Transkription soll präziser werden, unterschiedliche Sprecher besser erkannt und die Erstellung von Protokollen sowie thematischen und emotionalen Analysen verbessert werden. „Ein großer Teil der Projektmittel fließt in den Ausbau unseres Entwicklungs- und Forschungsteams und damit direkt in die technologische Weiterentwicklung von Theradocx“, erklärt Co-Founderin Selin Matun.

Zudem wird laut Matun die Plattform auch rechtlich und regulatorisch weiterentwickelt. Stichwort: Datenschutz und EU AI Act.

Kooperation mit Sigmund Freud Privatuniversität

Im Zuge des geförderten Projekts ging Theradocx eine Kooperation mit der Sigmund Freud Privatuniversität ein, durch die seine KI-Systeme validiert werden sollen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Spracherkennung. Unterschiedliche Dialekte, Sprecher:innen und akustische Bedingungen sollen getestet werden, wodurch Schwachstellen identifiziert werden können. Zudem sollen die psychotherapeutischen Dokumentationen und Analysen durch Fachpersonal der Sigmund Freud Privatuniversität verbessert werden.

„Für uns ist diese Kooperation besonders wichtig, weil wir nicht nur technisch leistungsfähige KI entwickeln möchten. Wir wollen auch wissenschaftlich überprüfen, ob die Ergebnisse psychotherapeutischen Qualitätsstandards entsprechen und in der Praxis tatsächlich einen Mehrwert schaffen“, sagt Matun und ergänzt: „Gemeinsam möchten wir einen wissenschaftlich fundierten Evaluationsprozess etablieren, durch den die Qualität unserer KI-Ergebnisse nicht nur technisch, sondern auch anhand psychotherapeutischer Kriterien beurteilt und kontinuierlich verbessert werden kann.“

Etablierung im DACH-Raum

Neben der qualitativen Verbesserung der KI möchte Theradocx in Zukunft weiter skalieren und sich noch stärker im DACH-Raum festigen. Das Ziel sei laut Matun, zu einer „zentralen digitalen Arbeitsplattform für Psychotherapeut:innen“ zu werden. Anschließend möchte das Startup weitere europäische Märkte erschließen.

Brigitte-Hamann-Preis 2026

Kürzlich wurde das Projekt mit dem  Brigitte-Hamann-Preis 2026 in der Kategorie „Startup“ ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt herausragende Leistungen von Studierenden und Absolvent:innen österreichischer Privatuniversitäten in den Bereichen Forschung, Startups und Kunst. Eine Fachjury zeichnet pro Kategorie eine Person aus.

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