22.05.2025
LEADERSHIP

Rainhard Fuchs übernimmt alleinige Führung bei Glacier – Andreas Tschas zieht sich operativ zurück

Rainhard Fuchs übernimmt als alleiniger CEO, während Co‑Founder Andreas Tschas als Gesellschafter aktiv bleibt. Im brutkasten-Talk spricht Fuchs über die Hintergründe des lang geplanten Führungswechsels.
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Rainhard Fuchs | (c) brutkasten / viktoria waba

Fünf Jahre nach der Gründung übergibt Co‑Founder Andreas Tschas die alleinige, operative Führung des Wiener ClimateTech‑Startups Glacier an seinen langjährigen Wegbegleiter Rainhard Fuchs. „Andreas hat mir schon im Zuge der Gründung gesagt: ‚Ich mache das drei Jahre und dann übernimmst du‘“, erinnert sich Fuchs im brutkasten‑Studio‑Talk . Aus den drei wurden zwar fünf Jahre, doch nun zieht sich Tschas bis Herbst schrittweise aus der Geschäftsführung zurück und bleibt als aktiver Gesellschafter an Bord.

Für Fuchs ist es ein nahtloser Schritt: Die beiden arbeiten seit 2015 eng zusammen – erst bei Pioneers, später bei der staatlichen Digitalisierungsagentur DIA – und haben laut eigenen Angaben bewusst in Coaching‑Formate investiert, um frühzeitig Rollen-Fragen zu klären. „Den Boden legt man in den guten Zeiten“, lautet sein Rat an andere Gründer:innen.

Zwei Wachstumssäulen: Education & „Glacier AI“

Strategisch verfolgt Glacier weiterhin ein duales Modell. Auf der einen Seite steht der Education‑Bereich, in dem Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen – vom Lehrling bis zum Aufsichtsrat – zu Nachhaltigkeitsthemen schulen. Die Unit wird operativ von Magdalena Wallis und Denise Kovarik geführt und liefert laut Fuchs die inhaltliche Basis, „um den Nachhaltigkeitsgedanken tief in die Organisation zu tragen“.

Die zweite Säule bildet Glacier AI – jenes KI‑Tool, das das Startup heuer beim Weltwirtschaftsforum in Davos präsentierte – brutkasten war live vor Ort und hat darüber berichtet. Die Software erstellt CSRD‑konforme ESG‑Berichte automatisiert zu 80–90 Prozent und soll die Arbeitslast in Nachhaltigkeitsabteilungen um bis zu 70 Prozent senken. Innerhalb von zwei Monaten nach dem Soft‑Launch verzeichnete Glacier mehr als zehn Neukunden, darunter Palfinger, Kelag, Shopware und Gewista.

„Unsere KI schafft es, aus Tausenden Seiten Unternehmensdokumenten in nur einem Monat einen prüfbaren Probereport zusammenzustellen“, erklärt Fuchs. Sie werde bereits von Berater‑Netzwerken wie EY Denkstatt, KPMG oder Grant Thornton mitgenutzt, um Prozesse zu beschleunigen.

ARR‑Modell mit Ambitionen

Vertrieben wird Glacier AI ausschließlich im Annual‑Recurring‑Revenue‑Modell. „Wenn wir einmal drin sind, liefern wir über Jahre hinweg zusätzlichen Mehrwert – und das zahlt direkt auf unsere ARR‑Komponente ein“, so Fuchs.

(c) Viktora Waba / brutkasten

Bis Jahresende will das Startup einen dreistelligen Kundenstock erreichen; der schnellste Abschluss dauerte zuletzt gerade einmal zehn Tage – bei einem Unternehmen aus einem Börsenindex.

Während rund die Hälfte der Kundschaft aktuell aus Deutschland stammt – darunter Großkonzerne wie Fraport – wächst die andere Hälfte in Österreich mit Namen wie EVN, Vöslauer oder Manner. Hidden Champions in Familienhand ergänzen das Portfolio. Eine Internationalisierung in weitere europäische Märkte ist für das zweite Halbjahr „durchaus realistisch“, lässt Fuchs anklingen.

Sanfter Führungswechsel

Tschas bleibt in der Übergangsphase noch beratend aktiv, bevor er sich einem neuen Projekt widmet, das demnächst öffentlich kommuniziert werden soll. Mit Blick auf 2025 will Glacier seine Position als europäischer „Category Leader für KI‑basierte ESG‑Agents“ festigen und prüft dazu eine Series‑A‑Runde, die bereits in Davos in ersten Gesprächen vorbereitet wurde. Parallel soll der Education‑Bereich weiter skalieren – immer enger verzahnt mit dem KI‑Produkt. „Wir haben jetzt die Struktur, das Team und den Markt‑Pull. Jetzt geht es darum, Tempo zu machen“, fasst Fuchs die nächsten Schritte zusammen.


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Gropyus, Berlin, Lichtenberg
© Gropyus

Es ist wohl eine der aufsehenerregendsten Insolvenzen in der heimischen Startup-Geschichte: Die auf automatisierten Hausbau spezialisierte Wiener Gropyus AG, die zuletzt im März dieses Jahres eine weitere in einer Reihe von Finanzierungen über je 100 Millionen Euro kommunizierte, vermeldet die Insolvenz mehrerer Tochtergesellschaften. Öffentliche Daten gibt es zu diesen Insolvenzen aktuell noch nicht – bislang ist nur bekannt, was Gropyus selbst per Aussendung kommuniziert.

Investorenzahlung laut Gropyus ausgeblieben

Demnach ist die Muttergesellschaft nicht insolvent. Auslöser für die Anträge bei den Tochtergesellschaften sei ein akuter Liquiditätsengpass. „Die Auszahlung einer vertraglich vereinbarten und bereits fälligen Investorenfinanzierung ist nicht wie geplant erfolgt, eine Überbrückung durch bestehende Gesellschafter reichte nicht für alle Gesellschaften aus“, heißt es vom Unternehmen. Die Verfahren sollen nun „einen geordneten rechtlichen Rahmen“ schaffen, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, Finanzierungslösungen umzusetzen und die Fortführung der betroffenen Gesellschaften zu ermöglichen. „Zugleich verschaffen sie die Zeit, die laufenden Gespräche mit bestehenden und neuen Kapitalgebern strukturiert zum Abschluss zu bringen“, heißt es in der Aussendung weiter.

CEO Erler: „Gropyus soll gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen“

Gründer und seit dem Abgang von Markus Fuhrmann im August alleiniger CEO Philipp Erler kommentiert: „Die Anträge sind kein Rückzug, sondern ein aktiver Schritt, um diese Substanz zu sichern und Gropyus neu aufzustellen. Unser Fokus liegt auf der Fortführung laufender Projekte, der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und einer tragfähigen Finanzierung, mit der frisches Kapital gezielt in Produktion und Projekte fließt. Die weit fortgeschrittenen Investorengespräche wollen wir schnell abschließen – noch vor Eröffnung der Verfahren. Unser Ziel ist klar: Gropyus soll gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen.“

Vergesellschaftungsdebatte in Berlin als Unsicherheitsfaktor

Trotz der dezidierten Begründung der Insolvenz mit der ausbleibenden Investoren-Zahlung verweist Gropyus in der Aussendung auch auf ein „deutlich verschärftes“ Marktumfeld. „Hohe Bau- und Finanzierungskosten belasten die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte, lange Planungs- und Genehmigungszyklen verzögern Projektstarts“, heißt es vom Unternehmen. Hinzu kämen politische und regulatorische Unsicherheiten, „insbesondere die aktuellen Debatten um die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin, einem wichtigen Markt für Gropyus“.

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