16.04.2026
ENERGIE

R.E.S.I.: OÖ-Startup Energy+ vernetzt Photovoltaik und Stromspeicher mit KI

Das oberösterreichische Startup Energy+ hat sein Energiemanagementsystem R.E.S.I. gelauncht. Die Software vernetzt Photovoltaik, Speicher sowie Verbraucher:innen und soll durch KI-Prognosen die Effizienz steigern.
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Das Energy+-Team rund um Michael Schneiderbauer (rechts im Bild) | (c) Energy+
Das Energy+-Team rund um Michael Schneiderbauer (rechts im Bild) | (c) Energy+

„Photovoltaik und Stromspeicher sind heute weit verbreitet. Was häufig fehlt, ist die Intelligenz im System“, sagt Michael Schneiderbauer, CEO von Energy+. Um diese Lücke zu schließen, hat das 2023 im oberösterreichischen Engerwitzdorf gegründete Startup nun sein neues Energiemanagementsystem R.E.S.I. (Renewable Energy smart & intelligent) auf den Markt gebracht.

Das System zielt darauf ab, Photovoltaikanlagen, Stromspeicher und den Energieverbrauch zu einem intelligent gesteuerten Gesamtsystem zu verbinden. Denn viele bestehende Energiesysteme würden bislang nach einem einfachen, reaktiven Prinzip arbeiten, bei dem Strom ohne vorausschauende Steuerung erzeugt, gespeichert oder ins Netz eingespeist werde.

KI verarbeitet Wetterdaten, Preisprognosen und Co.

R.E.S.I. soll hier ansetzen, indem es historische Betriebsdaten mit externen Wetterinformationen kombiniert, um KI-gestützte Prognosen zu erstellen. Außerdem bezieht das System Entwicklungen auf dem Energiemarkt sowie Preisprognosen mit ein, um Entscheidungen für den Energiebezug oder die Einspeisung zu optimieren. Auf dieser Datenbasis berechnet die Software zukünftige Lastprofile sowie Photovoltaikerträge und steuert automatisch, wann Energie genutzt, gespeichert oder abgegeben wird. Dadurch sollen sich der Eigenverbrauch sowie die Autarkie erhöhen und die Energiekosten reduzieren lassen.

Auch B2B-Angebot

Die Software richtet sich zudem an Unternehmen mit hohem Energiebedarf und bietet Funktionen für ein intelligentes Lastmanagement. Ein zentraler Aspekt ist dabei das sogenannte Peak Shaving, das Lastspitzen im Betrieb vermeiden und Netzentgelte senken soll. „Fast alle Energiesysteme arbeiten heute reaktiv. R.E.S.I. analysiert Daten, erstellt Prognosen und trifft darauf basierend automatisierte Entscheidungen für das gesamte Energiesystem“, so Schneiderbauer.

FFG-Förderung für Forschungskooperation mit FH

Bei der technologischen Entwicklung setzt das Startup auf externe Expertise. Im Rahmen eines von der FFG geförderten Projekts kooperierte Energy+ zunächst mit der FH Oberösterreich und arbeitet nun mit der auf datenbasierte Optimierung spezialisierten RISC Software GmbH zusammen. Gemeinsam sollen neue Ansätze zur Steuerung entwickelt und künftig in das System integriert werden. „Mit R.E.S.I. schaffen wir eine Lösung, die Energieflüsse automatisch optimiert und das volle Potenzial bestehender Anlagen nutzbar macht“, meint der Gründer.

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Vlnr: Mag. Markus Manz (CEO SCCH Innovations GmbH) und die Gründer*innen von LUML, Nikita Gonchar, Oleh Kostromin und Iryna Kondrashchenko | (c) SCCH

Das Software Competence Center Hagenberg forscht als COMET-Zentrum seit Jahren für Industriepartner wie Siemens, Bosch oder Fronius. Mit der SCCH Innovations GmbH will das oberösterreichische Forschungszentrum seine Ergebnisse zusätzlich auch selbst in Unternehmen überführen, statt sie ausschließlich an Auftraggeber weiterzugeben. „Es war mir immer ein besonderes Anliegen, dass die Ergebnisse unserer Forschung nicht mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts enden, sondern ihren Weg in die wirtschaftliche Anwendung finden“, sagt Markus Manz, CEO der SCCH Innovations GmbH.

Rund 30 Unternehmen als Ziel

Im Gespräch mit brutkasten formuliert Manz ein ambitioniertes Zielbild: Rund 30 Beteiligungen sollen bis 2030 und darüber hinaus realisiert bzw. aufgebaut  werden. Die Vision beschreibt er als Unendlichsymbol (∞), welches das Forschungs- und das Gründerökosystem iterativ verbindet. Tiefe Technologien aus der angewandten Forschung sollen in Unternehmensgründungen überführt werden, die Rückflüsse daraus wiederum die Forschung speisen. Es gehe dabei nicht darum, eine App zu entwickeln, betont Manz, sondern darum, tiefe Technologien aus der eigenen Forschung mit Industriepartnern und Universitäten in Unternehmensgründungen zu bringen. Ein vergleichbares Modell, bei dem ein angewandtes Forschungszentrum eine eigene Beteiligungsgesellschaft betreibt, kenne er aus seiner Recherche nicht.

Die Gesellschaft soll zu Beginn mit rund 500.000 Euro kapitalisiert werden. Große Einzelinvestments sind damit nicht geplant: Die Ticketgröße für Erstinvestments liegt laut Manz bei maximal 100.000 Euro. Das Startkapital soll Gründer:innen helfen, die erste Phase zu überbrücken, Förderungen einzureichen und das Produkt weiterzuentwickeln. Noch heuer sind drei weitere Beteiligungen geplant, zwei davon im Deep-Tech-Bereich und eine im Dienstleistungsbereich, um schneller rekapitalisieren zu können.

Die Wege in den Markt

Die SCCH Innovations GmbH verfolgt mehrere Beteiligungsmodelle. Bei klassischen Spinoffs aus Forschungsprojekten setzt das Forschungszentrum bewusst auf externe, erfahrene Gründer:innen statt auf die eigenen Forscher:innen. Diese erhalten die Mehrheit der Anteile, während sich das SCCH einen bis zu einem vereinbarten Unternehmenswert nicht verwässerbaren Minderheitsanteil sichert. Dazu kommen Joint Ventures mit Unternehmenspartnern, etwa die gemeinsam mit TÜV AUSTRIA gegründete TRUSTIFAI, der österreichische Prüf- und Zertifizierungshub für KI-Systeme, sowie strategische Beteiligungen ohne Kapitalfluss.

Das vierte Modell heißt Research for Equity: Das SCCH bringt Forschungs- und Entwicklungsleistungen in ein Startup ein und erhält dafür, ganz oder teilweise anstelle einer klassischen Vergütung, Unternehmensanteile. „Mit diesen unterschiedlichen Modellen schafft die SCCH Innovations GmbH neue Möglichkeiten für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft“, so Manz.

Erste Beteiligungen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die erste Beteiligung der neuen Gesellschaft. Oleh Kostromin, Data Scientist am SCCH, hat gemeinsam mit Iryna Kondrashchenko und Nikita Gonchar die LUML FlexCo gegründet. Die entwickelte Plattform soll Data Scientists helfen, Machine-Learning-Modelle schneller in die Praxis zu bringen, und ist von Anfang an darauf ausgelegt, dass Menschen und KI-Agenten gemeinsam an ML-Projekten arbeiten. „LUML läuft auf der Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Die Daten und Modelle verlassen die Unternehmensumgebung nicht“, sagt Kostromin.

An LUML hält die SCCH Innovations GmbH auf brutkasten-Nachfrage fünf Prozent, als reine strategische Beteiligung ohne Kapitalfluss. Laut Manz bringt das SCCH dafür vor allem Zugang zu seinem Industrienetzwerk, eine gemeinsame Vermarktungskampagne und Mitarbeiterstunden ein und setzt die Plattform in eigenen Forschungsprojekten ein. Zusätzliches Kapital habe das Startup nicht benötigt, weil das Produkt bereits fertig entwickelt war. Der bewusst niedrige Anteil soll LUML für spätere Investoren attraktiv halten. Das Wachstum soll vorerst gebootstrapped erfolgen, je nach Entwicklung sind laut SCCH aber auch eigene Finanzierungsrunden denkbar.

Das SCCH gehört als Mitglied des UAR Innovation Network zu den Beteiligungsgesellschaften der Upper Austrian Research GmbH und beschäftigt derzeit rund 130 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jänner hatte sich das Forschungszentrum am KI-Spin-off Responsible Annotation Services beteiligt (brutkasten berichtete) und hält weitere Beteiligungen, die zukünftig auf die SCCH Innovations GmbH übertragen werden sollen.

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