27.04.2026
FINANZIERUNG

QuoIntelligence: Elevator Ventures führt 7,3 Mio. Euro Series-A an

Das Frankfurter Cybersecurity-Startup QuoIntelligence sichert sich in einer Series-A-Finanzierungsrunde 7,3 Millionen Euro. Im Fokus der Investoren, allen voran Elevator Ventures, steht die Stärkung der europäischen digitalen Souveränität durch "Unified Risk Intelligence".
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QuoIntelligence Team mit Gründer Marco Riccardi - © QuoIntelligence

Das in Frankfurt ansässige Cybersecurity-Unternehmen QuoIntelligence hat erfolgreich eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 7,3 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Elevator Ventures, dem Venture-Capital-Zweig der Raiffeisen Bank International, und co-geführt von der BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen. Das Startup positioniert sich als rein europäischer Anbieter von fertiger Threat Intelligence und adressiert damit die stark gestiegenen regulatorischen Anforderungen des europäischen Marktes.

Kein Churn und starkes Wachstum

Europäische Regularien wie NIS2 und DORA verpflichten mittlerweile über 160.000 Organisationen zu einem proaktiven und präventiven Cyberrisikomanagement. Gründer Marco Riccardi erklärt: „Threat Intelligence auf Weltklasseniveau wurde immer als etwas beschrieben, das
nur große Teams produzieren können. Wir haben QuoIntelligence gegründet, um das
zu widerlegen.“

Sein Team bietet eine Lösung namens „Unified Risk Intelligence“, also eine Kombination aus der KI-gestützten Plattform „Mercury“ und europäischen Analysten. Diese werten Cyberbedrohungen sowie geopolitische Signale aus und liefern kontextualisierte Ergebnisse.

Der Vorteil für Unternehmen: Sie müssen keine eigenen, kostenintensiven internen Expertenteams aufbauen. Da europäische Beschaffungsrahmen zunehmend fordern, dass hochsensible Daten unter EU-Jurisdiktion verbleiben, profitieren die Frankfurter von ihrem konsequenten Ansatz: Alle Daten werden auf deutschem Boden und nach EU-Recht gespeichert.

Dass dieses Modell den Nerv der Zeit trifft, zeigen die Geschäftszahlen: Das Startup verzeichnete 2025 laut eigenen Angaben keinerlei Kundenabwanderung (Churn). Der Customer Lifetime Value (CLV) ist seit 2023 um nahezu das Sechsfache gestiegen, getrieben durch größere Vertragsvolumina und vertiefte Kundenbeziehungen.

Elevator Ventures investiert in europäische Souveränität

Neben Elevator Ventures und der BMH beteiligen sich auch der bestehende Investor eCAPITAL sowie Mercurius Private Equity an der aktuellen Runde. Für Elevator Ventures ist besonders die strategische Unabhängigkeit Europas von zentraler Bedeutung. Magdalena Chalas, Senior Investment Manager bei Elevator Ventures, betont den Stellenwert des Startups in diesem Kontext:

„Im heutigen globalen Umfeld ist die Förderung des Wachstums heimischer Cybersicherheitsführer wie QuoIntelligence für den Schutz der digitalen Infrastruktur und Souveränität Europas entscheidend“.

Skalierungskurs unter erfahrener Führung

Mit dem frischen Kapital plant QuoIntelligence, seine Markteinführung auszubauen, die Produktentwicklung voranzutreiben und das eigene Team zu vergrößern. Ziel sei es, QuoIntelligence als Marktführer in Europa zu etablieren. Operativ liegt der diesjährige Fokus auf einer vertriebspartnerschaftlichen Go-to-Market-Strategie, bei der Systemintegratoren und Reseller verstärkt Neukunden gewinnen sollen.

Das Fundament für diesen Wachstumskurs legte CEO und Gründer Marco Riccardi bereits Anfang 2020 in Frankfurt. Bevor er QuoIntelligence ins Leben rief, sammelte Riccardi über fast 20 Jahre Erfahrung im Intelligence- und Cyberbereich. Zunächst diente er im italienischen Militär, bevor er als IT-Sicherheitsexperte unter anderem für die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bank tätig war sowie als Head of Intelligence Operations bei QuoScient arbeitete.

Einen wichtigen ersten Unternehmensmeilenstein verzeichnete QuoIntelligence bereits im Jahr 2023, als sich eCAPITAL erstmals mit einer Seed-Finanzierung von 5 Millionen Euro beteiligte. Aufbauend auf diesem frühen Vertrauensbeweis und einem rasanten Kundenwachstum soll nun der nächste strategische Schritt folgen.

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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