22.07.2025
SPACE

qtlabs: Wiener Startup kommuniziert mit NASA-Raumsonde über 265 Mio. Kilometer hinweg

Das österreichische Unternehmen qtlabs (Quantum Technology Laboratories) spielte eine zentrale Rolle bei dieser Deep-Space-Kommunikation.
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Das Empfangssystem am Teleskop des Helmos-Observatoriums, mitentwickelt von qtlabs. © Quantum Technology Laboratories GmbH

Wie die Plattform Austria in Space vergangene Woche berichtete, gelang erstmals ein erfolgreicher optischer Kommunikationslink zwischen Europa und der NASA-Raumsonde „Psyche“, die sich derzeit auf dem Weg zum gleichnamigen Asteroiden befindet – rund 1,8 astronomische Einheiten (ca. 265 Millionen Kilometer) entfernt von der Erde. An diesem historischen Moment war maßgeblich das Wiener Startup qtlabs beteiligt, das zentrale Komponenten für das europäische Empfangssystem entwickelte und den Kommunikationslink mit durchgeführt hat.

qtlabs in Kooperation mit NASA und ESA

Hierbei handelte es sich um eine Kooperation zwischen der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der NASA. Mit dem Ziel, den Einsatz von optischer Kommunikationstechnologie für Deep-Space-Missionen zu testen. Um vor allem die Datenübertragungsraten in der Raumfahrt auf ein neues Level zu heben, mit dem Blick auf den Aufbau einer Weltraumwirtschaft über erdnahe Orbits hinaus. Dies solle künftig Mond- und interplanetare Missionen ermöglichen.

„Aus technischer Sicht war das ein absoluter Meilenstein. Damit dieser Datenaustausch in beide Richtungen funktionieren kann, galt es, zwei bedeutende technische Hürden zu überwinden: Zum einen musste ein Laser entwickelt werden, der leistungsstark genug ist, um ein weit entferntes Raumfahrzeug mit höchster Genauigkeit anzusteuern. Zum anderen war ein extrem empfindlicher Empfänger erforderlich, der selbst das schwächste zurückkehrende Signal – oftmals bestehend aus nur wenigen Photonen nach einer Reise über Hunderte Millionen Kilometer – zuverlässig erfassen kann. Unser optisches Interface zwischen Teleskop und Detektor war entscheidend dafür, dass dieser Nachweis überhaupt möglich war“, erklärt Lukas Bulla, technischer Leiter bei qtlabs.

Internationales Projektkonsortium

Das österreichische Unternehmen leitete und koordinierte das internationale Projektkonsortium, bestehend aus Partnern aus Deutschland (Quantum Space Systems GmbH), der Schweiz (General Atomics Synopta GmbH) und den Niederlanden (Single Quantum). Im Rahmen des Projekts war qtlabs für das optische Design sowie die Lieferung hochpräziser passiver Komponenten verantwortlich. Zusätzlich zeichnete sich das Wiener Unternehmen für Integration, Tests und die Inbetriebnahme des Optical Ground Laser Receivers (OGLR) verantwortlich. Der Empfänger wurde an einem astronomischen Teleskop mit einem 2,3-Meter-Primärspiegel in Griechenland installiert.

Das vom Physiker Rupert Ursin zusammen mit Thomas Scheidl gegründete Startup bewegt sich seit einigen Jahren im Bereich der optischen Kommunikation und der Quantenkommunikation. Dieses Know-how war ausschlaggebend dafür, von der ESA für die Entwicklung des optischen Subsystems beauftragt zu werden, heißt es.

„10- bis 100-mal höhere Datenraten“

„Die nun erfolgte Demonstration stellt einen wichtigen Meilenstein dar: Sie zeigt, dass optische Kommunikation unter realen Bedingungen über interplanetare Distanzen technisch machbar ist. Optische Verbindungen versprechen 10- bis 100-mal höhere Datenraten als heutige Systeme auf Funkfrequenzbasis. Die Kombination beider Technologien – optisch und funkbasiert – ist entscheidend, um den ständig wachsenden Bedarf an Datenübertragung bei Missionen zur Erforschung des Universums zu decken“, sagt Johannes Pseiner, Projektleiter bei qtlabs.

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Michael Dobersberger ist der "Startup-Wingman" im Silicon Valley. | © brutkasten

Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.

Michael Dobersberger im Gespräch mit brutkasten-Redakteurin Ann-Kathrin Salmen vor der Bay Bridge in San Francisco. © brutkasten

Ein Ökosystem für den Aufstieg

Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“

Die Teilnehmer:innen des GOUSA Kickoffs im Silicon Valley. © Michael Dobersberger

Das Mindset: Ja, wenn … statt Nein, weil …

Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.

Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler

Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.

Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“

Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.

Ein Großteil von Dobersbergers Arbeit besteht darin, Menschen miteinander zu vernetzen. © brutkasten

Die Matrjoschka-Logik beim Pitchen

Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.

„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.

Menschen investieren in Menschen

Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.

Dobersberger mit seinem ehemaligen indonesischen Diplomaten-Kennzeichen. Vor seiner Zeit in Amerika war er in Indonesien, Serbien und England tätig. © brutkasten
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