02.12.2025
BLOCKCHAIN

Stablecoin-Projekt von RBI und weiteren EU-Banken präsentiert Namen und Führungsteam

Ein Konsortium mehrerer europäischer Banken, darunter die Raiffeisen Bank International (RBI), hatte im September ein eigenes Euro-Stablecoin-Projekt angekündigt. Nun präsentierte das Konsortium Namen und Führungsteam des Projekts - und ein weiteres prominentes Mitglied.
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die Zentrale der Raiffeisen Bank International (RBI) in Wien
die Zentrale der Raiffeisen Bank International (RBI) in Wien | Foto: RBI

Ein Konsortium von neun europäischen Banken – inklusive der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI), haben im September angekündigt, einen gemeinsamen Euro-Stablecoin herausgeben zu wollen. Nun gaben die Banken neue Details bekannt – darunter den Namen des Projekts („qivalis“) und die Führungsebene des neuen Unternehmens mit Sitz in den Niederlanden.

Mit der BNP Paribas ist zudem eine der größten europäischen Banken dem Konsortium beigetreten, wie ebenfalls im Rahmen einer Pressekonferenz in Amsterdam bekanntgegeben wurde.

Früherer Coinbase-Deutschland-Chef als qivalis-CEO

CEO von qivalis wird Jan-Oliver Sell. Er hatte zuvor unter anderem von 2020 bis Frühjahr 2025 das Deutschland-Geschäft der US-Kryptobörse aufgebaut. Frühere berufliche Stationen beinhalten unter anderem auch Binance und Morgan Stanley.

Floris Lugt wird die Rolle des Chief Financial Officers (CFO) übernehmen. Er war bisher Digital Assets Lead bei der ING, einer der Banken des Konsortiums. Zwei weitere Vorstandsmitglieder seien bereits ausgewählt worden, sagte Sell auf der Pressekonferenz.

Als Aufsichtsratsvorsitzenden präsentierte qivalis Howard Davies. Er war unter anderem stellvertretender Governor der Bank of England, Gründungsvorsitzender der britischen Finanzaufsicht FSA und später Director der London School of Economics.

Start für Beginn der zweiten Jahreshälfte 2026 angekündigt

Die Namenswahl begründete der neue CEO Sell in der Pressekonferenz folgendermaßen: „Qivalis klingt international, inklusiv und neutral – das passt gut zu einem europäischen Konsortium“. Der Name sei in allen Sprachen leicht auszusprechen und trage keinen kulturellen Bias in sich.

„Technisch und operativ sollten wir zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2026 bereit sein“, sagte Sell auf der Pressekonferenz. qivalis will sich nun um eine „Electronic Money Institution“-Lizenz (EMI) bemühen. Dies soll in den Niederlanden geschehen, wo sich auch der Sitz des Unternehmens befindet.

„Sobald der Lizenzantrag abgeschlossen ist, werden wir den Betrieb aufnehmen, da unser Ziel ist, bis dahin technologisch und operativ bereit zu sein“, führte Sell weiter aus. Man rechne, dass die Lizenz innerhalb von sechs bis neun Monaten erteilt werde.

qivalis will größte Euro-Stablecoin werden

Auch wenn es bereits andere Euro-Stablecoins gebe, sei man zuversichtlich die Größte zu werden. Derzeit ist die größte Euro-Stablecoin der EURC (Euro Coin) des US-Anbieters Circle mit einer Marktkapitalisierung von rund 300 Millionen US-Dollar. Nummer zwei ist EURS (Stasis Euro) des europäischen Anbieters Stasis. Die französische Großbank Société Générale hat einen eigenen Stablecoin („EURCV“) ausgegeben, dessen Börsenwert derzeit bei insgesamt 80 Millionen Dollar liegt. Auf der Pressekonferenz nannte Sell EURC und EURCV als größte Konkurrenten.

Generell wird der Stablecoin-Markt aber völlig von Dollar-Stablecoins dominiert. Die Datenplattform Coingecko weist aktuell eine Marktkapitalisierung von über 310 Milliarden US-Dollar für alle Stablecoins kombiniert aus. Euro-Stablecoins liegen bei 670 Millionen, also bei 0,2 Prozent des Gesamtmarktes.

qivalis setzt auf Multichain-Ansatz und EMI-Lizenz

Technisch setzt man auf einen Multi-Chain-Ansatz. Dies hatte auch Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der RBI, im September im brutkasten-Interview bereits angekündigt. Das neue Führungsteam bekräftigte dies nun.

CFO Lugt verwies darauf, dass man jene Blockchains unterstützen würde, auf denen es die meiste Nachfrage gebe. Der Multi-Chain-Ansatz entspreche auch dem Fokus auf Zahlungen. Lediglich Proof-of-Work-Blockchains schließe man aus.

Gespräche mit weiteren Banken laufen

Neben der RBI und der ING mit dabei sind die KBC aus Belgien, UniCredit und Banca Sella aus Italien, die CaixaBank aus Spanien, die Danske Bank aus Dänemark, die SEB aus Schweden und die DekaBank aus Deutschland. Als neues Konsortium-Mitglieder wurde die französische BNP Paribas vorgestellt.

Dabei soll es aber nicht bleiben, Gespräche mit weiteren Banken laufen: „Es gibt viel Interesse und wir heißen weitere Banken willkommen“, sagte Sell auf der Pressekonferenz.

RBI-Wolf: „Jetzt ist der Markt reif“

„Jetzt ist der Markt reif, jetzt sind auch wir im traditionellen Bankbereich soweit, dass wir uns hier engagieren wollen“, hatte Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der RBI, bereits im September im Interview mit brutkasten angekündigt. „Dazu haben wir uns in einem sehr namhaften Setup zusammengefunden.“ Dieses Netzwerk der „supportive banks“ solle weiter wachsen, hatte Wolf schon damals gesagt.


Aus dem Archiv: Christian Wolf (RBI) über das Stablecoin-Projekt qivalis (September 2025):

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Der Supercomputer MUSICA ist unter den schnellsten 100 Computern weltweit. (c) TUW_ASC Matthias Heisler

Im Juni 2026 liegt der Supercomputer MUSICA unter den 100 schnellsten Computern im TOP500-Ranking weltweit. Die aktuell schnellsten Computer Österreichs, der VSC-4 und VSC-5, werden damit um mehr als das Achtfache überholt.

Mit der offiziellen Inbetriebnahme von MUSICA am 3. Juli wurde die österreichweite Rechenleistung erheblich gesteigert. Der Supercomputer soll wissenschaftlichen Einrichtungen, Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung dienen.

„MUSICA ist ein Meilenstein für den Forschungsstandort Österreich. Der Supercomputer schafft die Grundlage dafür, dass Spitzenforschung, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Innovation auch künftig in Österreich auf höchstem Niveau stattfinden können. Wer die Zukunft gestalten will, muss heute in die dafür notwendige Infrastruktur investieren“, so Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung zur Inbetriebnahme des Computers.

KI, Quanten und High-Performance

MUSICA arbeitet mit einer Gesamtleistung von 45.11 Petaflops. Das entspricht einer Leistung von 45.000 Standard-Laptops, sofern alle auf Hochtouren laufen. Ausgestattet mit über 1.000 hochmodernen Spezial-Prozessoren (Grafikkarten) liefert die Anlage eine enorme Rechenleistung, die für das Training großer KI-Modelle notwendig ist. Gleichzeitig ermöglicht das System anspruchsvolle Computersimulationen und die Verarbeitung riesiger Datenmengen in Rekordzeit.

Über MUSICA sei auch Österreichs erster produktiv nutzbarer Quantencomputer „niederschwellig“ erreichbar: Mit dem Ionenfallen-Quantencomputer OTTER und maßgeschneiderten Ausbildungsangeboten erweitern wir den ASC um die dritte Zukunftstechnologie im Scientific Computing: High Performance Computing, Künstliche Intelligenz und Quantencomputing auf internationalem Niveau ergeben so einen Leuchtturm in der europäischen Forschungslandschaft“, so Gregor Weihs, Vizerektor für Forschung an der Universität Innsbruck.

Zusammenschluss von Unis

Das Supercomputer-Projekt basiert auf der langjährigen Zusammenarbeit heimischer Universitäten und Forschungseinrichtungen innerhalb des ASC-Konsortiums (Austrian Scientific Computing, früher bekannt als Vienna Scientific Cluster). Die TU Wien übernimmt die Projektkoordination. Zu den weiteren Partnern zählen die Universität Wien, die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), die Universität Innsbruck, die Technische Universität Graz sowie die Johannes Kepler Universität Linz. Ergänzt wird der Zusammenschluss durch das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), das das Konsortium als jüngstes Mitglied unterstützt.

„Universitäten sind die Wurzeln, aus denen das Wissen und der Fortschritt der Menschheit wachsen. Dazu müssen wir zusammenarbeiten, und MUSICA ist ein gelungenes Beispiel für diese Art der Kooperation“, so Alberta Bonanni, Vizerektorin für Forschung und Internationales der Johannes Kepler Universität Linz.

Multi-Site-Architektur

Der Supercomputer steht nicht in einem einzigen Rechenzentrum, sondern ist physisch auf drei verschiedene Standorte aufgeteilt. Diese sind das Science Center der TU Wien, die Universität Innsbruck und die Johannes Kepler Universität in Linz. Obwohl die Hardware räumlich getrennt ist, sind die Systeme intelligent miteinander vernetzt und werden zentral verwaltet, sodass sie für die Forschenden wie ein einziger, gigantischer Computer funktionieren. Sollte es an einem Standort zu einem Ausfall kommen, kann an den anderen der Betrieb fortgeführt werden.

45 Mio. Euro Fördermittel

Für den Aufbau des Supercomputers MUSICA und die Anschaffung des Quantencomputers QACI fließen insgesamt 45 Millionen Euro an Fördergeldern. 20 Millionen Euro kamen von Seiten der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG, 16 Mio. vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung. Die Beschaffung und HPC-Integration des Quantencomputers im Projekt QACI wurde zusätzlich mit 9 Millionen Euro unterstützt.

Errichtung gesichert – Erhaltung fraglich

Eine offene Frage wird bleiben, wie sich die Erhaltung des Computers langfristig finanziert. Während Errichtung und Beschaffung abgedeckt sind, werden laufende Kosten wie Kühlung und Stromversorgung zunächst von den Universitäten gedeckt. Durch die derzeit geplanten Budgetkürzungen an Universitäten entstehen Sorgen: „Wenn bei den Universitätsbudgets gekürzt wird, trifft das nicht nur Hochleistungsrechnen und KI – es würde auch Österreichs ersten Quantencomputer massiv in seiner Nutzung und Weiterentwicklung betreffen“, betont Gregor Weihs.

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