Pura Gum-Erfinder hatte Idee zu antiviralem Kaugummi nach „Burnout“
Valentino Bonsanto und Silke Letzgus haben mit ihrem Unternehmen Puravitum einen Kaugummi namens Pura Gum entwickelt, dessen Rezeptur aus antiviralen und antibakteriellen Pflanzenstoffen besteht.
Valentino Bonsanto und Silke Letzgus haben mit Pura Gum einen antibakteriellen und antiviralen Kaugummi entwickelt, der durch spezielle Pflanzenstoffe ein Schutzschild im Mundrachenraum bilden soll. Zudem ist Pura Gum rein biologisch und löst sich binnen weniger Wochen von selbst auf. Die veganen Produkte sind in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen verfügbar und werden in Deutschland hergestellt.
Anfänge von Pura Gum auf einem Balkon
Der Beginn des Kaugummi-produzierenden Startups Puravitum hat eigentlich keinen positiven Hintergrund. Bonsanto stand auf einem Balkon eines Hotelzimmers und grübelte über viele Dinge nach, die ihn dahin gebracht haben. Davor hatte der deutsche Gründer nach dem Studium 15 Jahre im Ausland gearbeitet und im Gesundheits- und Fitnessbereich diverse Projekte geleitet.
Die letzte Station vor seiner Krankheit, die ihn zur Kur und auf den Balkon brachte war in der Schweiz. Nach rund acht Monaten als Geschäftsführer eines Startups war Bonsanto erledigt. Ausgebrannt. Einen der Gründe erkannte der Founder in der mangelhaften Ernährung: „Wir geben jeden Tag verdammt viel von uns. Und es sind leider nicht mehr wenige, die dabei vollkommen ausbrennen“, so eine Aussage auf der Website.
Pura Gum-Entwickler: „Kaum Mikro- und Makronährstoffe heutzutage“
Heutige Nahrung, so Bonsanto, würde uns nur noch zu kleinen Bruchteilen mit den wichtigen Bausteinen für unseren Körper und Geist versorgen. Ausreichend Mikro- und Makronährstoffe suche man heutzutage oft vergebens. Daher die Gründung von Puravitum, dessen Unternehmensstory auf dem Balkon eines Kurortes beginnt.
Ein perfektes Paar
Kurz nach der Entscheidung, etwas in Richtung gesunder Körper zu erschaffen, lernte er seine Partnerin Letzgus kennen, die sich mit ihrer Expertise in vegetarischer Vollwertkost und als Extremsportlerin als kongeniale Ergänzung erweisen sollte.
Keine Studien zur Wirkung
Heute gibt es neben dem Kaugummi auch ein Sortiment an Nahrungsergänzungsmitteln, die eigenen Angaben nach als Vitalstoffkomplex daherkommen und ausschließlich in Deutschland aus Naturprodukten produziert werden, dabei das Immunsystem stärken sollen oder etwa Anti-Aging-Wirkungen in sich tragen. Das Startup teilt mit, dass ihre Produktion einer ständigen Qualitätskontrolle unterliege und die hohen Standards des „Made in Germany“-Siegels erfülle, allerdings gebe es keine Studien, die die Wirkungen der Produkte bestätigen würden.
Pura Gum wird Dienstag Abend bei „2 Minuten 2 Millionen“ dem TV-Publikum bei seiner Jagd nach Kapitalgebern vorgestellt. Zudem dabei: Naturefloor, Bitterschön, Wood Fashion und TwistOut.
Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark
Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark
Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.
Es wurlt in der Larvenkiste des österreichischen Scaleups Reploid: Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden hier seit einigen Tagen gemästet. Sie ahnen natürlich nicht, dass sie bald eine wichtige Rolle im Kreislaufkonzept dreier Jungunternehmen spielen werden.
Zuerst aber dorthin, wo alles begonnen hat: an den NOI Techpark in Bozen, Südtirol. Auch hier wurlt es, nur bringen statt Insektenlarven Startups Leben in das 12 Hektar große Innovationsviertel. Aktuell arbeiten 76 Unternehmen, 37 Startups, drei Forschungsinstitute, vier Fakultäten der Freien Universität Bozen und insgesamt 2.400 Menschen hier gemeinsam für nachhaltigen Fortschritt. Man tüftelt in den Laboren an Prototypen, vernetzt sich auf Events, feilt beim Spaziergang über den 2017 eröffneten Campus, der sich inzwischen stark vergrößert und weiterentwickelt hat, an der nächsten Idee. Was Gründer:innen hier aber am meisten schätzen: das weitreichende Netzwerk.
Nicht gesucht – trotzdem gefunden
„Wer am NOI Techpark Fuß fasst, bekommt Zugang zu etablierten Akteuren und Investoren in Südtirol“, erklärt Manuel Mairinger, Managing Director und CEO von Reploid Italia. Das ursprünglich aus Österreich stammende Insekten-Scaleup hat sich bei der Expansion nach Italien wegen der hervorragenden Lage zwischen Österreich und Mailand für das Acceleration & Scale-up Programme des NOI Techpark als Launchpad entschieden. „Das NOI baut als renommierter Partner die Brücke zu potenziellen Kund:innen und Partner:innen, ganz ohne die Hilfe von Plattformen wie LinkedIn“, fügt der Reploid-Italia-CEO hinzu.
Mairinger weiß genau, wovon er spricht. Reploid Italia ist eines von drei am NOI inkubierten Jungunternehmen, die zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. Initiiert hat die Zusammenarbeit Sonja Tetter vom Team des Start-up Incubator. „Wir arbeiten sehr eng mit unseren Startups zusammen, kennen ihre Geschäftsmodelle, Technologien und Herausforderungen. Deshalb sehen wir relativ früh, wo eine Kooperation wirklich Mehrwert schaffen könnte“, erläutert Tetter. Gemeinsam wollen die drei Unternehmen zur regionalen Kreislaufwirtschaft in Bozen beitragen. Und hier kommt die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wieder ins Spiel.
Nach nur einer Woche sind die Larven laut Reploid mit rund 25 Millimetern ausgewachsen und überzeugen mit innerer Größe: Sie sind sehr reich an tierischem Protein. Das aus ihnen gewonnene Mehl kann einen Proteingehalt von über 62 Prozent aufweisen.
Das macht die Larven zum potenziellen Proteinersatz, vor allem im Futtermittelbereich, etwa für Fische. „Wir züchten Welse, das sind Fleischfresser“, erklärt Matthäus Kircher, Gründer von Solos. Das Südtiroler Startup betreibt Aquaponik und verbindet Fischzucht mit dem Anbau von Kräutern und Salat.
Das Prinzip dahinter: Die Fische reichern das Wasser durch ihre Ausscheidungen mit natürlichen Nährstoffen an, ein Biofilter leitet es ins Pflanzenbecken, wo Salat und Kräuter die Nährstoffe aufnehmen und das Wasser reinigen, bevor es zurück zu den Fischen fließt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf im Zeichen der Nachhaltigkeit.
Ein Punkt war Kircher dabei allerdings von Anfang an ein Dorn im Auge: das mit Fischmehl angereicherte Futter. „Bereits vor vier Jahren haben wir uns gefragt, wie wir tierische Proteine ohne Fischmehl verfüttern können“, erzählt er. Insekten bildeten schließlich die Lösung. Eine Studie ergab: Futtermischungen auf Insektenmehlbasis, angereichert mit Spirulina-Algen, lassen den Omega-3-Gehalt im Fischfilet höher ausfallen als bei herkömmlich gefütterten Tieren.
Hier kommt Reploid ins Spiel: Das Unternehmen implementiert modulare Anlagen, die sogenannten „ReFarm-Units“. Dort verarbeiten Larven der Schwarzen Soldatenfliege regionale Reststoffe zu Insektenprotein und -fett für Futtermittel- sowie Industrieanwendungen. Ein weiteres Nebenprodukt ist der Insektenfraß, also die Ausscheidungen, aus denen organischer Dünger entsteht. Den dritten Baustein liefert Kinsect: Das italienische Startup entwickelt Technologien für die industrielle Zucht der Fliege und liefert Eier sowie Junglarven.
Am Standort von Solos in Tramin greifen so die unterschiedlichen Kompetenzen ineinander: Die von Kinsect bereitgestellten Larven werden in einer Insektenmastanlage von Reploid mit Lebensmittelnebenprodukten wie Apfeltrester, Kartoffelschalen oder Altbrot gefüttert. Solos nutzt sie anschließend als nachhaltiges Futtermittel in der Fischzucht. So soll Fischmehl ersetzt, sollen organische Reststoffe sinnvoll verwertet werden. Neben den ökologischen Vorteilen ergeben sich durch das Vorzeigeprojekt und den realen Usecase natürlich auch wirtschaftliche Vorteile, von denen die drei Startups profitieren.
Es ist eine Kooperation im Namen der Kreislaufwirtschaft, die ohne den NOI Techpark nie zustande gekommen wäre. „Am NOI Techpark konnte diese Synergie organisch entstehen“, fasst Kinsect-CEO Giacomo Benassi zusammen. „Dank der Zusammenarbeit im selben Ökosystem konnten wir viel schneller Vertrauen zueinander aufbauen.“ Der NOI Techpark ermöglicht damit nicht nur grenzüberschreitende, sondern auch branchenübergreifende Vernetzungen, die Startups entscheidend weiterbringen.
Und so wurlt es weiter am NOI Techpark. Jedes Jahr kommen neue Startups zur NOI-Community dazu. Für den Herbst-Batch kann man sich noch bis zum 5. Oktober bewerben – vielleicht entsteht daraus bald die nächste erfolgreiche grenzüberschreitende Startup-Kooperation.
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