01.07.2025
NEUAUSRICHTUNG

Prewave: Wiener Lieferketten-Scaleup baut 8 Prozent seiner Mitarbeiter:innen ab

Das Lieferketten-Scaleup Prewave muss sich von 20 Mitarbeiter:innen trennen. Die Gründe dafür und wie es weitergeht, haben die beiden Gründer:innen Lisa Smith und Harald Nitschinger ihrem Team in einem Brief erklärt, der dem brutkasten vorliegt.
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Prewave
(c) Prewave - Lisa Smith und Harald Nitschinger von Prewave.

Dreht man die Zeit um rund ein Jahr zurück, so liest man, dass das Wiener Scaleup Prewave in einer Serie-B-Finanzierungsrunde 67 Millionen US-Dollar (63 Millionen Euro) einsammeln konnte, wie brutkasten damals berichtete.

Die Runde von 2024 wurde von der Investmentgesellschaft Hedosophia angeführt und umfasste Beteiligungen der bestehenden Investoren Creandum, Ventech, Kompas, Speedinvest und Working Capital Fund.

Prewave unter Top 100

Springt man in den Mai 2025, so erfährt man, dass das 2017 gegründete Lieferketten-Startup von Lisa Smith und Harald Nitschinger im renommierten Ranking von VivaTech als der einzige österreichische Vertreter unter den „Top 100 Rising Startups“ geführt wurde.

Nun jedoch gibt es Nachrichten anderer Art: Prewave muss sich, wie eine Sprecherin des Scaleups bestätigt, von rund acht Prozent seiner Mitarbeiter:innenschaft trennen. „Wir konzentrieren alle unsere Anstrengungen und unseren Fokus auf die betroffenen Mitarbeiter:innen, um ihnen die notwendige Unterstützung, Fürsorge und Wertschätzung zu gewährleisten“, sagt sie.

„Letter of the founders“

Smith und Nitschinger haben in diesem Sinne ihrem Team einen Brief geschrieben, der die Situation erklärt und dem brutkasten vorliegt.

Darin heißt es: “ Heute ist ein schwieriger Tag für uns, wir mussten uns von 20 unserer geschätzten Kolleg:innen trennen, was etwa acht Prozent unseres Teams entspricht. Alle direkt Betroffenen wurden heute früher persönlich informiert. Diese Nachricht soll erklären, wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind und was als Nächstes passiert.“

Verändertes Marktumfeld und weniger Regeln bei Lieferkette

Weiters werden im Schreiben zuerst die erfolgreichen vergangenen Jahre thematisiert und dann das veränderte Marktumfeld in den Fokus gestellt:

„Wir haben Verzögerungen und eine Verringerung des Umfangs bei Vorschriften zur Nachhaltigkeit in Lieferketten gesehen, was die Positionierung von Nachhaltigkeit in Unternehmen verändert hat. Gleichzeitig hat sich das Umfeld für Lieferkettenresilienz durch jüngste geopolitische Entwicklungen, die die globale Unsicherheit erhöhen, deutlich verändert“, so die beiden Founder:innen weiter.

Vor einigen Monaten habe man deshalb begonnen, die Positionierung der Prewave-Lösung anzupassen. Mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Resilienz im ganzheitlichen Risikomanagementansatz, um auf die Unsicherheit in beiden Bereichen zu reagieren.

Für Prewave bedeute das als Organisation in anderen Worten, dass man die Go-to-Market-Prozesse, Produkt- und Entwicklungsaktivitäten und vor allem das gesamte Unternehmen auf dieses neue und sich entwickelnde Umfeld ausrichten müsse.

„Wir haben daher entschieden, unsere Organisationsstruktur zu ändern, um besser in der Lage zu sein, unsere ganzheitliche Risikomanagementlösung anzubieten, den Zeitpunkt der Investitionen mit den Verschiebungen bei den Compliance-Anforderungen abzustimmen und die Investitionen gleichmäßiger auf Resilienz und Nachhaltigkeit zu verteilen“, liest man weiter.

Prewave-Founder mit Support-Angeboten

Die Gründer:innen gestehen, dass dieser Schritt zwar eine sehr schwierige, aber fürs Unternehmen die richtige Entscheidung ist; man sei sich jedoch der persönlichen Auswirkungen auf einige der Teammitglieder bewusst.

„Wir bieten allen direkt betroffenen Prewavers Abfindungs- und Unterstützungsangebote an und werden mit jedem Einzelnen persönlich sprechen, um zu sehen, wie wir sie in dieser herausfordernden Zeit bestmöglich unterstützen können. Am wichtigsten ist uns, ihnen herzlich für ihren Beitrag zu Prewave zu danken.“

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Kasia Sadowska und Stephan Kreiger vom Founder Institute Austria beim Vibecoding-Hackathon in der AI Factory Austria AI:AT. (c) brutkasten

Rund 30 Leute sitzen an einem Abend Ende September vor ihren Laptops und arbeiten konzentriert. Der Schauplatz ist die AI Factory Austria AI:AT im sechsten Stock in der Karl-Farkas-Gasse, von hier blickt man auf eine Skyline, die in den vergangenen Jahren rundherum entstanden ist. Hier findet an diesem Abend der Vibecoding-Hackathon des Founder Institute Austria statt. Das Publikum ist bunt gemischt, nach Alter wie nach Background. Die Jüngsten seien Studierende um die 19 Jahre, sagt Kasia Sadowska, die das Austria-Chapter gemeinsam mit Stephan Kreiger leitet. Daneben sitzen erfahrene Berufstätige. Sie alle haben 60 Minuten Zeit, um aus einer Idee eine funktionierende App zu bauen.

„Wir überzeugen die Leute davon, dass es sehr einfach ist, alles zu bauen, was sie wollen, eine App oder eine Website, indem sie einfach in Worten beschreiben, was sie bauen möchten“, sagt Sadowska. Gebaut wird mit dem KI-Tool Lovable, danach pitchen alle ihr Ergebnis. Laut Eventbeschreibung winkt der besten Idee ein Platz im Bootcamp des Founder Institute.

Für Kreiger, Director des Founder Institute Austria, zeigt dieser Abend, warum sich sein Programm neu erfinden musste. „Klassische Accelerator-Programme funktionieren eigentlich nicht mehr wirklich gut“, sagt er. Bis vor Kurzem war das Founder Institute selbst noch einer. Genau aus diesem Grund hat es sich weiterentwickelt, zu einem Company Builder, wie es sich inzwischen auch offiziell nennt.

Ein erstes Produkt zu bauen, sei für ein Startup „jetzt nicht mehr die große Hürde“, erklärt Kreiger. Teilnehmer:innen kämen heute mit einer Idee ins Programm und hätten nach kurzer Zeit einen Prototyp, ein MVP und oft schon erste zahlende Kund:innen.

Rund 30 Teilnehmer:innen bauten in der AI Factory Austria AI:AT in Wien ihre Prototypen mit dem KI-Tool Lovable. | (c) Founder Institute Austria

Was bleibt, ist Branchenwissen

Was verkauft ein Programm wie das Founder Institute also noch, wenn das Bauen so einfach geworden ist? Kreigers Antwort: Erfahrung. „Man kann relativ viel jetzt an einem Nachmittag bauen. Was aber bleibt, ist wirklich tiefe Expertise in einem gewissen Bereich.“

Deshalb richtet sich das Programm in erster Linie an erfahrene Berufstätige mit zehn bis 15 Jahren im Job. Wer lange in einer Branche gearbeitet und dort immer wieder dieselben Probleme gesehen hat, soll nun selbst die Lösung bauen. Das Programm läuft online und berufsbegleitend.

KI unterstützt dabei in vielen Bereichen, etwa bei Produktentwicklung, Marktrecherche und Businessplan. Für die Pitch-Vorbereitung gibt es ein eigenes KI-Tool: Man wählt, ob man vor Business Angels, VCs oder Freunden und Familie pitcht. Das Tool unterbricht, stellt Zwischenfragen und bewertet am Ende die Idee.

Dazu kommen Mentor:innen, in erster Linie selbst Gründer:innen oder Investor:innen. Kreiger nennt etwa Ferdinand Dietrich, Mitgründer von Storebox, und Annu Gmeiner von xista Science Ventures. Auch Gregor Zehetner gehört dazu. Der Tapkey-Mitgründer baut sein neues Startup Fractionista allein mit Claude Code, laut Founder Institute sind es inzwischen über 70.000 Zeilen Code.

Der Preis: Gebühr, Equity und eine hohe Hürde

Umsonst ist das nicht. Teilnehmer:innen zahlen eine Eintrittsgebühr, laut Founder Institute derzeit 1.149 US-Dollar. Damit werden die laufenden Programmkosten gedeckt. „Wir haben nämlich keinen großen Sponsor im Hintergrund oder eine andere Organisation“, sagt Kreiger. Wer abschließt und tatsächlich gründet, gibt außerdem 2,5 Prozent Equity ab. Daran sind die Direktor:innen und die Mentor:innen beteiligt.

Beim Vibecoding-Hackathon des Founder Institute Austria hatten die Teilnehmer:innen 60 Minuten Zeit, um aus einer Idee eine App zu bauen. (c) brutkasten / Martin Pacher

Eine österreichische Gesellschaft gibt es nicht. Rechtlich ist das Founder Institute im Silicon Valley angesiedelt, Kreiger vergleicht das Modell mit einem Franchise. Abschließen ist dabei keine Formsache: Nach Angaben des Founder Institute schaffen weniger als 40 Prozent der Gründer:innen das Programm.

Auch der Hackathon gehört zu dieser Rechnung. Er ist kostenlos und offen für alle. Vor allem soll er zeigen, wie schnell man heute von der Idee zum MVP kommt. Kreiger sagt aber auch ganz offen, dass er für das Founder Institute ein Marketing- und Recruiting-Event ist.

Die Bilanz nach zwei Jahren

Das Founder Institute gibt es seit 2009, das Austria-Chapter startete im Herbst 2024. Seither hat das Wiener Team 27 Startups gelauncht, das jüngste erst eine Woche vor dem Hackathon. Viele davon kommen allerdings nicht aus Österreich, sondern etwa aus Frankreich, Benelux oder der Schweiz. Denn das Team betreut auch Frankreich und Benelux, wo es kein eigenes Chapter gibt. Das Headquarter habe ihnen diese Länder übertragen, „nachdem wir anscheinend eh einen gut genug Job machen“, so Kreiger.

Fünf der 27 Startups haben laut Kreiger österreichische Gründer:innen, eines davon ist als Delaware C-Corp in den USA gegründet. Sie arbeiten in MedTech, AdTech, EdTech und im Projektmanagement für Softwareentwicklung. Kennt man sie schon? „Nein, die sind noch nicht so groß“, sagt Kreiger. Die ältesten seien eineinhalb Jahre alt.

Auch das Chapter selbst ist nicht der erste Versuch. Laut Kreiger war das Founder Institute rund um 2020 schon einmal in Österreich aktiv, aber nur kurz. Für den Neustart ging das Headquarter auf Sadowska zu, die als Executive in mehreren Tech-Startups gearbeitet hat. Sie holte Kreiger für das operative Geschäft dazu. Er hatte zuvor am i²c der TU Wien sein erstes Startup gebaut. Und warum Wien? Ganz pragmatisch: Beide leben hier.

Die Hürde hat sich verschoben

Für das Ende des Abends rechnet Sadowska mit rund 20 Pitches. Bei der ersten Auflage im Juni in der ÖBB Open Innovation Factory waren es nach 60 Minuten 16. Abgestimmt wird über ein Voting-Tool, das ebenfalls mit Lovable gebaut wurde.

Ob aus den Prototypen des Abends Startups werden, entscheidet sich woanders. Das Founder Institute setzt darauf, dass sich die Hürde verschoben hat: weg vom Bauen, hin zur Frage, ob jemand ein Problem löst, für das Kund:innen zahlen. Ob diese These trägt, müssen die nächsten Batches zeigen.


Info:

Bewerbungsschluss für den Herbst-Batch des Founder Institute Austria ist der 6. Oktober, Programmstart der 21. Oktober. Bewerbung über fi.co/apply/austria.

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