03.03.2021

Nachhaltigkeit: Wiener Startup liefert KI-Lösung für VW, Audi und Porsche

Das Wiener Startup Prewave durchleuchtet mit seiner KI-Lösung internationale Lieferketten. Der VW-Konzern nutzt die Technologie nun, um Mängel in Sachen Nachhaltigkeit zu erkennen.
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Prewave: Das Gründer-Team Lisa Smith und Harald Nitschinger
(c) Prewave: Das Gründer-Team Lisa Smith und Harald Nitschinger

Wer einmal einmal ein entsprechendes Beispiel angesehen hat, weiß, dass internationale Lieferketten alleine schon bei einem Produkt wie weißen T-Shirts hoch komplex sein können. Entsprechend unübersichtlich wird es bei Dingen, die aus besonders vielen Komponenten bestehen, etwa Autos. Das 2017 gegründete TU Wien-Spinoff Prewave hat sich mit seiner KI-Lösung auf das Monitoring von Lieferketten spezialisiert und stellte die Stärke seiner Software unter anderem zu Beginn der Coronakrise unter Beweis. Nun konnte es mit dem Volkswagen-Konzern einen bedeutenden Kunden an Land ziehen.

Im Hintergrund steht auch ein neues Lieferkettengesetz in Deutschland, das große Unternehmen dazu verpflichtet, auch bei Zulieferern Sozial- und Umweltstandards einzuhalten. Prewave liefert dem Autokonzern eine auf das Thema Nachhaltigkeit zugeschnittene Lösung, die für die Marken VW, Audi und Porsche angewendet werden soll. Konkret sollen mit der Software Nachhaltigkeitsrisiken wie Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverstöße und Korruption nicht nur bei direkten Geschäftspartnern, sondern auch in den tieferen Stufen ihrer Lieferkette frühzeitig zu erkennen sein.

Prewave: KI-Medien-Screening zeigt Probleme auf

Die Technologie identifiziert dazu automatisiert lieferantenbezogene Nachrichten aus öffentlich zugänglichen Medien und sozialen Netzwerken in mehr als 50 Sprachen und aus über 150 Ländern und wertet diese aus. Bei Anzeichen von Problemen werden die Verantwortlichen im Konzern benachrichtigt undkönnen dann die mögliche Einleitung von Gegenmaßnahmen prüfen. Seit Beginn des Pilotprojekts im Oktober 2020 seien so von den drei Automarken bereits mehr als 4000 Lieferanten analysiert worden, heißt es vom Startup.

„Damit können wir uns direkt an die Partner wenden und Verbesserungen bei der Nachhaltigkeit einfordern. Unser Ziel ist es, dies gemeinsam mit den Lieferanten zu erreichen. Im Eskalationsfall, bei Nichterfüllung der vereinbarten Maßnahmen, kann dies bis zu einer Beendigung der Geschäftsbeziehung führen“, kommentiert Markus Wagner, Leiter Beschaffung Strategie und Nachhaltigkeit der Porsche AG.

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Gründer-Duo Josef Chen (l.) und Ivan Tregear (r.) mit dem Roboter Fusion. (c) Kaikaku

Im China-Restaurant seiner Eltern in Linz schälte Josef Chen bereits in seiner Kindheit Kartoffeln und half im Betrieb. Die Idee für sein Startup kam dem Oberösterreicher genau hier: Wiederkehrende Restaurantarbeit mit Robotik zu automatisieren. Über Chens Werdegang hat brutkasten bereits berichtet.

Nach einigen Gründungen verzeichnete Chen durch Kaikaku seinen bislang größten Erfolg: Innerhalb von drei Monaten nach der Gründung im April 2023 konnten dafür bereits 750.000 US-Dollar an Investments eingesammelt werden. Nun gibt der Founder die Übernahme durch das US-Unternehmen Reef, und damit einen erfolgreichen Exit bekannt.

„Kaikaku haben wir in London aufgebaut. Die Idee entstand aber im Restaurant meiner Eltern in Linz. Dass wir jetzt bei Reef daran weiterarbeiten können, macht mich stolz“, sagt Chen.

360 Bowls pro Stunde

Das Herzstück von Kaikaku heißt Fusion, ein modularer Roboter. Im eigenen Bowl-Restaurant Common Room, das bis November 2024 in London geöffnet hatte, wurde der Roboter getestet. Mittlerweile hat Kaikaku fünf Generationen von Fusion entwickelt. Der Roboter portioniert die Zutaten nach Bestellung. Nach Unternehmensangaben schafft die fünfte Generation je nach Konfiguration bis zu 360 Bowls pro Stunde.

30 Mio.-Dollar Bewertung

„Wir haben eine (bisher) unangekündigte Seed-Runde über 4 Millionen Dollar in einer Branche eingesammelt, die die meisten Investoren – ehrlich gesagt – als total unsexy abgeschrieben hatten“, kommentiert der Founder auf LinkedIn. Das Unternehmen wurde nach Angaben von Chen Ende 2025 mit 30. Mio.-US-Dollar bewertet.

Über den jetzigen Verkaufspreis an Reef wird geschwiegen. Was bekannt ist: Kaikaku bringt seine Technologie und sein Kernteam zu Reef.

SoftBank Vision Fund 1 als Investor

Das US-Unternehmen Reef – spezialisiert auf digitale Infrastruktur für Gastronomie und lokale Services – hat seit der Gründung über 1,5 Milliarden US-Dollar Kapital eingeworben. Zu den Investoren zählt unter anderem der 98,6 Milliarden US-Dollar schwere SoftBank Vision Fund 1. Details zur aktuellen Finanzlage, der Eigentümerstruktur oder der genauen Höhe einzelner Beteiligungen lässt Reef in seiner aktuellen Ankündigung allerdings offen.

„Reef ist die Skalierung“

Mit den Worten: „Wir sind nicht hier, um einfach nur einen beeindruckenden Roboter zu bauen. Wir sind angetreten, um zu beweisen, dass die Technologie reif ist, die Unit Economics funktionieren und das Einzige, was jetzt noch fehlt, Skalierung ist. Reef ist diese Skalierung. Bald mehr dazu“, lässt Chen die Zukunft des Unternehmens offen. Was nach Chen jedenfalls feststeht: Im Markt für Gastronomie-Infrastruktur und Kitchen-Tech würde sich derzeit eine Phase hoher Kapitalzuflüsse abzeichnen.

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