Prewave: Lisa Smith zieht sich aus der Geschäftsführung zurück
Das Wiener Lieferketten-Scaleup Prewave gibt heute eine bedeutende Personalentscheidung bekannt: Lisa Smith tritt aus der Geschäftsführung zurück. Die Hintergründe erläuterte sie in einem Brief an das Team, der brutkasten vorliegt.
Als Co-CEO an der Seite von Harald Nitschinger hatte Lisa Smith maßgeblich zum Wachstum vom Wiener Scaleup Prewave beigetragen: Unter ihrer Führung wurden eine Serie-A-Finanzierung von elf Millionen Euro sowie eine Serie-B-Runde über 63 Millionen Euro abgeschlossen.
Änderungen auf Führungsebene
Wie aus dem Brief herauszulesen ist, entschieden Smith und ihr Co-Founder gemeinsam, dass es für das Unternehmen am besten sei, wenn sie sich künftig ausschließlich auf den öffentlichen Sektor konzentriere. Nitschinger übernimmt ab sofort die alleinige CEO-Rolle.
Trotz ihres Rückzugs aus der operativen Geschäftsführung bleibt Smith als Vorsitzende des Aufsichtsrats und Mitglied des Leadership-Teams aktiv. Auch die enge Zusammenarbeit mit Nitschinger soll wie gehabt fortgeführt werden.
Zunehmende Bedeutung des öffentlichen Sektors
Der Schritt hängt laut Statement von Smith eng mit der wachsenden Bedeutung des öffentlichen Sektors zusammen. Das 2017 gegründete Unternehmen nutzt eine KI-gestützte Plattform, die Millionen Online-Quellen analysiert, um Risiken in Lieferketten frühzeitig zu erkennen. Unternehmen erhalten entsprechende Risikowarnungen, um Probleme mit ihren Lieferanten zu lösen und Unterbrechungen zu minimieren.
Im vergangenen Jahr hat Prewave zudem eine strategische Neuausrichtung vorgenommen. Das Unternehmen konzentriert seine Lösung seither stärker auf Nachhaltigkeit und Resilienz im Rahmen eines ganzheitlichen Risikomanagements, um den wachsenden Unsicherheiten in beiden Bereichen Rechnung zu tragen. Teil dieser Anpassung war auch der Abbau von rund acht Prozent der Belegschaft (brutkasten berichtete).
„Turbulente Zeiten“
“Lieferketten sind zu Instrumenten des Einflusses in internationalen Machtkonflikten geworden, und die Resilienz von Lieferketten hat sich von einem Thema privater Unternehmen zum Schutz ihrer operativen Tätigkeiten hin zu einem Thema von Staaten zum Schutz ihrer nationalen Sicherheit entwickelt”, schreibt Smith in ihrem Brief.
Prewave habe daher bereits im vergangenen Jahr begonnen, Daten und Technologie für den öffentlichen Sektor zugänglich zu machen. “Wenn wir auf die globalen Entwicklungen blicken, ist klar geworden, dass dieser Bereich nun die dedizierte Aufmerksamkeit einer Gründerin bzw. eines Gründers erfordert”, schreibt sie weiter. “Ich bin überzeugt, dass Prewave durch die Bereitstellung unserer Technologie für öffentliche Institutionen in diesen turbulenten Zeiten einen enorm wichtigen Beitrag leisten kann.”
Satellives: Das Tullner SpaceTech-Startup, das Satelliten wie ein Leporello faltet
Satellives entwickelt einen flachen, modularen Satelliten, der sich im Orbit zu einer Kette entfaltet. Anfang 2029 soll er erstmals fliegen. Wir haben mit Gründerin und CEO Lilly Eichinger über die Hintergründe gesprochen.
Satellives: Das Tullner SpaceTech-Startup, das Satelliten wie ein Leporello faltet
Satellives entwickelt einen flachen, modularen Satelliten, der sich im Orbit zu einer Kette entfaltet. Anfang 2029 soll er erstmals fliegen. Wir haben mit Gründerin und CEO Lilly Eichinger über die Hintergründe gesprochen.
Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives: Der erste Flug ihres modularen Satelliten ist für Q1 2029 geplant. | (c) brutkasten / Haris Dervisevic
Wer heute im All etwas anderes vorhat als Erdbeobachtung oder Kommunikation, stößt schnell an eine Wand. „Wenn du irgendetwas im All machen willst, egal ob Experimente, Manufacturing, Datenspeicherung oder eine Plattform für Quantenkommunikation, dann hast du keine Infrastruktur“, sagt Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives. „Es gibt kaum Plattformanbieter.“ Bisher führe der Weg für solche Missionen im Wesentlichen über die ISS. Deren Betrieb soll 2030 enden, kommerzielle Nachfolgestationen sind in Entwicklung, aber noch keine im Regelbetrieb.
In diese Lücke will das Tullner Startup. Der Ausgangspunkt war das Ergänzungsstudium Extended Studies on Innovation am Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien, wo Eichinger die Idee entwickelte. Kunst und Philosophie hatte sie vor ihrem Physik- und Architekturstudium in Wien studiert.
Der Leporello-Satellit
Das Produkt ist ein flacher Satellit, der aus einzelnen Einheiten besteht: den Tiles, jede fünf Zentimeter hoch und etwa so groß wie eine Pizzaschachtel. „Es sieht aus wie Kacheln, im Grunde wie Solarpaneele, die sich im Orbit entfalten“, sagt sie. „Aber es sind keine Solarpaneele. Es sind voll funktionsfähige Satelliten.“
Der Kniff steckt im Scharnier. Die Einheiten sind verbunden und übereinander gestapelt, ähnlich einem Leporello. Gestapelt passen sie in einen handelsüblichen CubeSat-Dispenser, was die Startkosten drückt. Im Orbit entfalten sie sich zu einer langen Kette: „Wir nennen sie Mosaics Satellites.“
Ein Mosaic von Satellives | (c) Satellives
Der technische Kernclaim betrifft Energie. Pro Einheit könne man bei gleichem Gewicht viermal so viel Energie speichern wie ein durchschnittlicher CubeSat, sagt Eichinger. Der Wert beruht auf eigenen Berechnungen und ist im Flug nicht demonstriert. „Das Einzige, was es im All unbegrenzt gibt, ist Energie.“ Nur lasse sie sich kaum nutzen: Bei CubeSats sei nicht das Einsammeln das Problem, sondern der fehlende Platz für Batterien. Wer energiehungrige Missionen fliegen wolle, habe deshalb nur schlechte Optionen. „Entweder du baust einen 50-Millionen-Dollar-Satelliten, was fast niemand kann, oder du kannst es nicht.“
Dazu kommt Modularität. „Die meisten Satelliten sind One-Trick-Ponys“, sagt Eichinger. An die Plattform lassen sich dagegen Produktionsboxen andocken. Zwei Tiles würden nach ihrer Rechnung reichen, um einen kleinen 3D-Drucker dauerhaft zu versorgen und gleichzeitig als Plattform für Quantenkommunikation oder Datenspeicherung zu dienen.
Flache Satelliten an sich sind nicht neu, das räumt Eichinger ein: Starlink stapelt sie längst, weil sich so Startkosten sparen lassen. Neu sei die Kombination aus flachem Formfaktor und echter Modularität. Das Patent dafür ist nach ihren Angaben bei der WIPO und in Österreich angemeldet, zunächst bewusst auf ihren Namen und nicht auf die Gesellschaft. Ende Juli wurde es an die Gesellschaft übertragen. Ab einem gewissen Punkt, sagt sie, mache staatsnahe oder fremdgehaltene IP ein Unternehmen für Investor:innen unattraktiv.
Gegen den Hype
Rechenzentren im Orbit sind für Satellives selbst ein Zielmarkt. Beim Hype darum bremst Eichinger trotzdem. „Alle sagen: Bringt die Datenspeicher ins All, dort ist es kalt. So funktioniert das nicht.“ Kühlung sei auch oben nötig. Wäre das der einzige Punkt, sagt sie, bräuchte es den Orbit gar nicht: „Warum bringt man die Daten dann nicht in die Arktis? Dort kann man sie kühlen.“ Der größte Engpass sei das Wärmemanagement: Im Vakuum lasse sich ein Rechenzentrum nur schwer kühlen. Dazu kämen Verarbeitung und Downlink per Laserkommunikation, beides brauche kontinuierlich hohe Energie. Ein riesiges und künftig sehr relevantes Geschäftsfeld sei es dennoch.
Satellives-Gründerin Lilly Eichinger im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic
Verglühen lassen will sie nichts. „Wir planen, zu 100 Prozent nachhaltig zu operieren.“ Der übliche Wiedereintritt am Missionsende erzeuge giftige Gase. „Okay, nicht ein einzelner CubeSat. Aber wenn es eine Million sind oder zehntausend im Jahr, dann summiert sich das.“ Beschädigte Tiles sollen stattdessen über einen Reentry-Service zurückkommen und recycelt werden.
Kapitalbedarf
Firmensitz ist Tulln, weil Satellives über das AplusB-Scale-up-Programm vom accent Inkubator begleitet wird, bis Ende Januar 2027. Das Headquarter soll langfristig in Wien liegen. Das Kernteam umfasst laut Website vier Personen: neben Eichinger als CEO ein Technical Co-Founder, ein Operations Co-Founder und eine weitere Person im Bereich Operations.
Der Kapitalbedarf: rund 1,6 Millionen Euro für 18 Monate. Die Hälfte davon soll aus Förderungen und von Business Angels kommen. „Wir arbeiten da gerade wirklich zehn Stunden am Tag dran“, sagt Eichinger. Erst mit dem Geld könne man Ingenieur:innen einstellen und vom Prototyping in den echten Bau wechseln. Dazu sucht das Startup 25.000 bis 50.000 Euro für die Patentanmeldung in weiteren Ländern.
Das Ziel: zwei Einheiten, erste On-Orbit-Demonstration in Q1 2029, die bereits Pilotkund:innen bedienen soll. Das Fernziel formuliert sie größer. „Österreich kann für Space das werden, was Estland für die Digitalisierung ist. Es ist ein kleines Land, niemand hätte erwartet, dass Estland zum digitalen Hub wird. Aber sie sind es geworden, und sie rocken es.“
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