08.01.2021

Ponies statt E-Scooter: Pitchdeck-Parodie belustigt Startup-Welt

WeWork-.Gründer Adam Neumann als "Creative Financial Officer" und Vladimir Putin als Beta-Tester: Pöny braucht 50 Millionen US-Dollar, um das erste Ponycorn zu bauen.
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Christoph Sollich: Screenshot aus dem Pöny-Pitchdeck
(c) Christoph Sollich: Screenshot aus dem Pöny-Pitchdeck

Was ist die bessere Mobilitäts-Lösung als E-Scooter? Na klar: Ponies. Das behauptet zumindest das Startup Pöny und legt ein haarsträubendes Pitchdeck vor, das kein noch so abgedroschenes Startup-Klischee auslässt. Auf mehr als 70 Folien wird erklärt, warum es eine gute Idee wäre, 50 Millionen US-Dollar zu investieren, um das erste Ponycorn entstehen zu lassen.

Pöny: Unterstützung durch Theranos- und WeWork-Gründer

Bei Pöny handelt es sich natürlich um ein fiktives Unternehmen. Hinter der Pitchdeck-Parodie steht der deutsche „Pitch Doctor“ Christoph Sollich, der mit seiner Seite startupfunny.com regelmäßig die Startup-Welt auf die Schippe nimmt. Mit der E-Scooter-Parodie überzeichnet er klassisches Startup-Bullshitting und liefert eine Reihe weiterer Witze über die Tech-Szene. So werden etwa Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes als Beraterin im Bereich Business Ethics, WeWork-Gründer Adam Neumann als „Creative Financial Officer“ und Uber-Gründer Travis Kalanick als „Chief Muffin Officer“ präsentiert. Auch der gegenwärtige SPAC-Hype bei US-Startups wird nicht ausgelassen. und nach dem Jahr 2020 soll das ganze natürlich nicht viral gehen, sondern lieber „bacterial“.

Einige Folien aus dem Parodie-Pitchdeck:

In einem Video-Beitrag (siehe unten) pitcht Sollich auch eine etwas andere Version des Decks. Seine Vorliebe für Ponies ist übrigens nicht neu. Schon 2015 lieferte er eine Pitch-Parodie mit einem anderen fiktiven Pony-basierten Geschäftsmodell.

Startup Comedy: Pöny – The Mobility Revolution

You still believe e-scooters are the future of mobility? Well, you're wrong. The future of mobility are obviously…PONIES! If you don't believe me, watch this short #pitch for my new #startup "Pöny". Once you realize it's amazing, comment with the amount (carrots, hay, Ponycoin) you want to invest!

Posted by The Pitch Doctor on Friday, November 13, 2020

Disclaimer: Der Autor dieses Artikels lebt selbst auf einem Ponyhof und hat einige Ponies.

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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019
Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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