07.07.2022

Warum wir einen Rekord bei Startup-Finanzierungen trotz trüber Marktaussichten erleben

In der aktuellen Podcast-Folge von Editor's Choice analysiert Florian Haas, EY Head of Startup Austria, die Ergebnisse des jüngsten EY-Startup Barometers. Unter anderem beantwortet der Experte die Frage, warum wir trotz einer Eintrübung des Marktes im ersten Halbjahr 2022 einen neuen Finanzierungsrekord für Startups erleben.
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Die Zeiten für Startups werden stürmischer. Steigende Zinsen, eine drohende Rezession und die hohe Inflation trüben das Marktumfeld für Finanzierungen aktuell sehr stark ein. Besonders betroffen sind laut der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY insbesondere börsennotierte Tech-Unternehmen sowie hoch bewertete Scaleups und Unicorns, die aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage teilweise Mitarbeiter:innen entlassen mussten. Und auch Österreich bleibt nicht verschont, wie der jüngste Layoff bei Bitpanda zeigt.

EY Startup Experte Florian Haas zu Gast im Podcast

In den Zahlen für das erste Halbjahr 2022 lässt sich laut dem jüngsten EY-Startup Barometer hingegen noch keine Eintrübung des Finanzierungsmarkts für österreichische Startups erkennen. Im Gegenteil: Österreichische Startups erhielten im ersten Halbjahr 2022 mehr frisches Kapital als je zuvor. In der aktuellen Folge von Editor’s Choice erläutert Florian Haas, EY Head of Startup Austria, was die Gründe dafür sind. Die Zahlen und Daten zum Startup Barometer könnt ihr übrigens hier nachlesen.

Die Einschätzung des Experten

„Die Marktkonsolidierung und das Absinken von Bewertungen trifft einerseits vor allem Märkte, in denen der Wettbewerb um Investments in den vergangenen 18 Monaten sehr stark war, und andererseits vor allem Scaleups und Unicorns, die auf sehr starkes und schnelles Wachstum und das rasche Gewinnen von Markteinteilen fokussieren und daher einen entsprechend hohen Kapitalbedarf haben – Stichwort „the winner takes it all“. Beides trifft trotz der positiven Entwicklung mit steigenden Finanzierungsvolumina und erster Unicorns nur sehr bedingt auf Österreich zu. Investorengruppen verlagern ihren Fokus aktuell von Potenzial auf Profitabilität. Da bei heimischen Startups und Scaleups konkrete Kennzahlen im Normalfall über dem Anspruch auf fremdfinanzierte Weltherrschaft um jeden Preis stehen, sollte das österreichische Startup-Ökosystem verhältnismäßig gut durch die kommenden schwierigen Monate kommen.“

Florian Haas, EY Head of Startup Austria.

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Christina Hirschl, Geschäftsführerin von Silicon Austria Labs | (c) Helge Bauer
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Laut internationaler Energieagentur wird sich der weltweite Stromverbrauch der Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Das entspricht etwas mehr als dem gesamten Stromverbrauch Japans heute. Während die EU ein verpflichtendes Nachhaltigkeits-Label entwirft, um den Energie- und Wasserverbrauch der Branche einheitlich bewerten zu können, arbeitet man in Österreich bei Silicon Austria Labs an energieeffizienter KI und Rechen-Hardware.

Stromsparen mittels Chip-Bausteinen und optimierten KI-Modellen

Bei Silicon Austria Labs arbeitete man schon 2025 an einer effizienteren KI, wie brutkasten berichtete. Nun soll Energie mittels Hardware-Beschleunigern gespart werden, also mit Chip-Bausteinen, die KI-Berechnungen mit wesentlich geringerem Energieaufwand ausführen als herkömmliche Prozessoren. So entwickelt das Silicon Austria Labs für das europäische Projekt ISOLDE im Rahmen des Chips Joint Undertaking energieeffiziente Beschleuniger.

„Unsere Stärke liegt darin, KI dort effizient zu machen, wo sie tatsächlich rechnet, im Chip und im Datacenter“, sagt Christina Hirschl, CEO von Silicon Austria Labs. „Wir entwickeln Hardware und Verfahren, die dieselbe Rechenleistung mit deutlich weniger Energie erbringen. Das ist die Grundlage, damit KI in Europa nachhaltig wachsen kann.“

Zudem optimiert Silicon Austria Labs KI-Modelle so, dass sie Daten nicht in große Rechenzentren senden, sondern direkt auf den jeweiligen Geräten laufen, wie etwa Haushaltsgeräten, Sensoren oder Satelliten. Auch an einem energieeffizienten „föderierten Lernen“ wird bei Silicon Austria Labs geforscht. Bei dem Prozess wird KI trainiert, ohne dabei sensible Daten zusammenzuführen.

Energiesparende Elektronik für ein unabhängiges Europa

Laut Silicon Austria Labs geht es bei der Forschung nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um die technologische Unabhängigkeit Europas. Durch selbst entwickelte energieeffiziente Chips und Verfahren sei man weniger abhängig von außereuropäischen Anbietern. „Energieeffiziente Elektronik ist ein Standortvorteil für Österreich und Europa“, sagt Hirschl. „Wer die sparsamste Technologie beherrscht, macht sich unabhängiger und verbindet Digitalisierung mit Klimazielen.”

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