03.02.2021

Planted: So möchte ein ETH Zürich Spin-off mit veganem Hendl in Österreich durchstarten

Planted wurde im Juli 2019 als Spin-off der ETH Zürich gegründet und hat letzte Woche in Österreich eine erbsenbasierte Fleischalternative auf den Markt gebracht. Im Interview sprechen die beiden Co-Founder Lukas Böni und Pascal Bieri, wie die Idee zum veganen "Hendl-Fleisch" entstand und welche weiteren Projekte noch in der Pipeline stehen.
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v.l.n.r.: Lukas Böni und Pascal Bieri im Interview | (c) planted

Seite Ende Jänner ist mit Planted in Österreich ein neuer Player für vegane Fleischalternativen am Markt vertreten – der brutkasten berichtete. Planted wurde ursprünglich als ETH Zürich Spin-off gegründet und hat sich mittlerweile im DACH-Raum erfolgreich etabliert. In Österreich ist das vegane „Hendl-Fleisch“ bei Spar im Einzelhandel gelistet. Im Interview sprechen die beiden Co-Founder Lukas Böni und Pascal Bieri, wie die Idee zu Planted entstand und welche weiteren Projekte noch in der Pipeline stehen.


Wie ist die Idee zu Planted entstanden?

Pascal Bieri: Als ich 2014 bis 2017 beruflich in den USA war, wurde ich auf verschiedene Fleischersatzprodukte einer neuen Generation aufmerksam. Im Gespräch mit meinem Cousin Lukas, der gerade dabei war, seinen Doktortitel in Lebensmittelverfahrenstechnik abzuschließen, entwickelten wir die Idee weiter. Prof. Erich Windhab der ETH Zürich brachte uns beide dann mit Eric zusammen, Christoph stieß aus der Finanz- und Restaurationsindustrie dazu und unser Team war für’s erste komplett. Im Winter 2019 fiel der Startschuss des ETH Pioneer Fellowshop und im Sommer 2019 erfolgte die Firmengründung – Planted war geboren. 

Welche Vision verfolgt Planted und wie setzt sich das Gründerteam zusammen?

Lukas Böni: Unsere Vision war es seit Beginn eine gesunde, echte Alternative zu tierischem Fleisch mit vollem Geschmackserlebnis zu entwickeln, die es ermöglicht, auch traditionelle Gerichte vollständig pflanzlich und somit besser für die Umwelt zuzubereiten. Um den Auswirkungen der Nutzierhaltung auf die Umwelt entgegen zu wirken, verfolgen wir einen wissenschaftlichen Ansatz und haben in jahrelanger Forschung ein ausgeklügeltes Verfahren zur Herstellung unserer innovativen Produkte entwickelt.

Was unterscheidet Planted von anderen Fleischersatz-Produkten?

Lukas Böni: Von herkömmlichen Fleischalternativen unterscheidet sich Planted vor allem durch die einzigartige Faserstruktur, die durch den von uns entwickelten Produktionsprozess zur Geltung kommt – diese Struktur fehlt vielen anderen Ersatzprodukten. Wir sehen Planted als Problemlöser für die Fleischindustrie: Unsere Produkte schmecken wie Fleisch und sehen auch so aus. Außerdem beanspruchen wir dank unseres innovativen Herstellungsverfahrens im Vergleich zur konventionellen Fleischproduktion nur rund die Hälfte an Land und Wasser und sparen etwa zwei Drittel der Treibhausgasemissionen ein.

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(c) planted

Welche Rolle spielt der wissenschaftliche Background der Gründer?

Lukas Böni: Die Wissenschaft ist tief in unserer Unternehmenskultur verankert. Das kommt einerseits daher, dass mit Eric Stirnemann und mir zwei der Gründer einen Science-Background haben und Wissenschaft eine wichtige Rolle in unserem Leben spielt. Andererseits sehen wir alle das Bedürfnis nach mehr radikaler Innovation im Food-Bereich, um die gegenwärtigen Herausforderungen betreffend Nachhaltigkeit, Tierwohl und Gesundheit mithilfe pflanzlicher Lebensmittel zu meistern.

Welche Zutaten kommen in die Produkte?

Pascal Bieri: Wir setzen ausschließlich auf auserlesene pflanzliche und zu 100 Prozent natürliche Zutaten: Erbsenprotein, Erbsenfasern, Rapsöl und Wasser und eine gesunde Portion Vitamin B12. Die Zutaten beziehen wir nachhaltig aus Europa.

Was ist in der Produktion notwendig, um die einzigartige Faserstruktur der Produkte zu gewährleisten?

Lukas Böni: Das A und O bei Lebensmitteln ist immer die Qualität der Rohstoffe. Nur mit den besten Rohstoffen kann man qualitativ hochwertige Lebensmittel herstellen. Zudem ist die Kombination aus Formulierung, Prozessparameter und dann Nachbearbeitung essentiell, um die perfekte Faserstruktur zu erreichen.

Welche Produkte sind zum Start in Österreich erhältlich und wie vertreibt ihr euer Produkt?

Pascal Bieri: Nach dem erfolgreichen Markteintritt in der Schweiz und in Deutschland sind zwei Produkte nun auch in Österreich erhältlich. Die beiden Geschmacksrichtungen „planted.chicken Natur“ und „planted.chicken Kräuter & Zitrone“ sind exklusiv bei SPAR in ganz Österreich gelistet. Zudem vertreiben wir unsere Produkte über den eigenen Online-Shop unter https://shop.eatplanted.com/.

Wie habt ihr es im geschafft, bei SPAR gelistet zu werden und was waren die größten Herausforderungen im Zuge der Listung?

Pascal Bieri: Ich denke, es war die Kombination aus einem überzeugenden Produkt, der Einzigartigkeit am Markt, einer sehr relevanten Produkteinnovationspipeline – und dem gemeinsamen Hunger, etwas Großes zu Erreichen. Die größte Herausforderung war es wahrscheinlich, die Timings zur Listung festzulegen.

Wie habt ihr bisher die Entwicklung finanziert und wie wollt ihr künftig weiter wachsen? 

Pascal Bieri: Wir haben für den Bau unserer Fabrik, den Ausbau unseres Teams sowie für die Erschließung von weiteren Märkten im Oktober 2019 eine erfolgreiche Finanzierungsrunde abgeschlossen. Wir wollen auch zukünftig schnell und agil Menschen in neuen Märkten von unserer Vision überzeugen und mit unseren Produkten Leute inspirieren und begeistern.

Gibt es darüber hinaus Pläne, weitere Produkte zu launchen?

Lukas Böni: Zum Start werden in Österreich zwei Produkte erhältlich sein: „planted.chicken Natur“ und „planted.chicken Kräuter & Zitrone“. Natürlich möchten wir auch unsere weiteren Produkte in Österreich anbieten – also „planted.pulled“ und „planted.kebab“. Neben dem Lebensmittelhandel werden unsere Produkte auch in der Gastronomie sehr gut angenommen.

Wir haben auf jeden Fall eine gut gefüllte Pipeline an innovativen Produkten. Mit unserem Produktionsverfahren können wir Geschmack, Textur und Mundgefühl von tierischem Fleisch nachempfinden, dadurch haben wir viel Spielraum, was die Entwicklung neuer Produkte angeht. Aktuell arbeiten wir etwa an der Entwicklung eines Schnitzels.


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Impression von der Preisverleihung im Vorjahr | (c) BMWET/Noisternig
Impression von der Preisverleihung im Vorjahr | (c) BMWET/Noisternig

Auch dieses Jahr wird der Brigitte-Bierlein-Frauenpreis des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) vergeben. Erstmalig erfolgt die Ausschreibung in Kooperation mit der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Mit dem Preis soll die Sichtbarkeit von Frauen erhöht werden, die in den Bereichen Innovation, Unternehmertum und gesellschaftliches Engagement in Österreich tätig sind. Die Auszeichnung erinnert an die Namensgeberin Brigitte Bierlein, die erste Bundeskanzlerin in der Geschichte Österreichs, und würdigt zugleich das Lebenswerk der Schirmherrin des Preises, der ehemaligen Bundesministerin Maria Rauch-Kallat.

Ziel der Initiative ist es, Frauen im unternehmerischen und wirtschaftlichen Umfeld sichtbar zu machen und deren Leistungen durch öffentliche Aufmerksamkeit sowie politische Anerkennung zu unterstützen. Die Veranstalter:innen wollen damit erfolgreiche Frauen als Vorbilder für nachfolgende Generationen positionieren, um junge Talente zur Verfolgung von Laufbahnen in Wirtschaft, Forschung und Innovation zu motivieren. Das soll auch langfristig zum Abbau von Geschlechterungleichheiten in Führungspositionen beitragen.

Die Voraussetzungen für den Brigitte-Bierlein-Frauenpreis 2026

Konkret richtet sich die Ausschreibung an Frauen unter 35 Jahren, die in Führungspositionen oder mit Verantwortung in Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Organisationen tätig sind. Schwerpunkte liegen dabei auf den Bereichen Entrepreneurship, Innovation und Technologie, angewandte wirtschaftlich-technische Forschung und Wissenschaft, Familienunternehmen sowie Startups.

Für eine Nominierung müssen die Leistungen der Bewerberinnen einen Bezug zu Österreich aufweisen. Das kann durch eine Wirkung auf den Wirtschafts- oder Innovationsstandort, eine entsprechende Tätigkeit im Land oder relevante Projekte mit Österreich-Fokus passieren. Die Staatsbürgerschaft und der aktuelle Wohnsitz der Kandidatinnen sind für die Vergabe hingegen kein Kriterium.

Die Vorjahres-Preisträgerinnen: v.l. Marlene Rezk-Füreder (3. Platz), Anja Moser-Tscharf (2. Platz), Katharina Baumgartner (1. Platz), Lara Vadlau (Ehrenpreis); Foto: BMWET/Veronika Noisternig

Die drei Preiskategorien

Die Vergabe des Preises erfolgt dieses Jahr in drei Kategorien, die mit jeweils 5.000 Euro dotiert sind:

  • Entrepreneurship, Führungskräfte & Nachfolge: Diese vom BMWET vergebene Kategorie richtet sich an Frauen, die als Gründerinnen, Unternehmensübernehmerinnen oder Managerinnen mit Ergebnisverantwortung zur Entwicklung eines Unternehmens beitragen. Berücksichtigt werden laut Ausschreibung Leistungen in Bereichen wie Betriebsübernahmen, Generationenwechseln, Internationalisierung, Wachstum aus bestehenden Strukturen, Social Entrepreneurship sowie bei der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle.
  • Forschung, Innovation & Transfer: In dieser von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) gestifteten Kategorie werden Frauen ausgezeichnet, die wissenschaftliche Arbeit mit wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Wirkung verbinden. Der Fokus liegt auf der Überführung von Forschungsergebnissen in marktfähige Anwendungen – wie etwa Spinoffs, technologiegetriebene Startups oder Kooperationsprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft – sowie auf Lösungen mit wirtschaftlicher Relevanz oder Skalierbarkeit.
  • Ehrenpreis Maria Rauch-Kallat: Gesellschaftlicher Impact & Role Model: Diese vom BMWET vergebene Auszeichnung würdigt Frauen, die durch eine Vorbildfunktion und einen gesellschaftlichen Beitrag über Branchengrenzen hinweg wirken. Preisträgerinnen sollen beispielhaft für gesellschaftlichen Wandel und Empowerment stehen. Die Ausgezeichnete erhält neben dem Preisgeld einen Platz im WoMentoring-Programm des club alpha.


Zeitplan und Nominierungsverfahren

Die Einreichfrist für Nominierungen hat bereits begonnen und läuft bis zum 17. August 2026. Für Mitte September ist die Veröffentlichung der Liste „35 under 35“ mit den nominierten Frauen vorgesehen. Anfang November tritt eine achtköpfige Fachjury aus den Bereichen Unternehmertum, Wissenschaft und Startups zusammen, um die Preisträgerinnen auszuwählen. Die feierliche Preisverleihung findet am 7. Dezember 2026 statt.

Nominierungen können sowohl als Selbstnominierung der Bewerberinnen als auch als Fremdnominierung durch Dritte eingereicht werden.


Jetzt Nominieren oder Bewerben!

Die Einreichung von Nominierungen und Bewerbungen ist über die Online-Formulare des Bundesministeriums möglich.

Weitere Details und die vollständigen Vergaberichtlinien stehen auf der offiziellen Website zum Preis zur Verfügung.

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