17.03.2025
PLANQC

Alexander Glätzle: „Quantencomputer zu bauen, ist eine Mission to Mars“

Schon in der Schulzeit entfachten Bücher von Stephen Hawking Alexander Glätzles Leidenschaft für die Physik. 2022 gründete er gemeinsam mit Johannes Zeiher und Sebastian Blatt das Quantencomputer-Startup planqc. Kurz nach Gründung erhielt das Unternehmen bereits einen 30-Millionen-Auftrag.
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Alexander Glätzle | (c) planqc

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von März 2025 “Hoch hinaus” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.

Ein neues Kapitel der Computertechnologie wird aufgeschlagen – mit einer Entwicklung, die das Potenzia hat, klassische Rechenmethoden grundlegend zu verändern. Die Rede ist von Quantencomputern: Sie basieren auf winzigen Teilchen wie Atomen oder Elektronen, die zeitgleich den Zustand „0“ und „1“ annehmen können – ein Phänomen, das uns an die Grenzen des menschlichen Vorstellungsvermögens führt. Nach rund hundert Jahren intensiver Grundlagenforschung rückt nun die Kommerzialisierung dieser atemberaubenden Technologie in Reichweite. Dies eröffnet Potenziale für hochkomplexe Berechnungen, etwa in der Entwicklung neuer Materialien, bei der Wirkstoffsuche für Medikamente oder in der Klimaforschung. Neben Tech-Giganten wie Microsoft, IBM und Google treten auch junge Unternehmen aus Europa ins Rampenlicht – dazu gehört das in Garching bei München angesiedelte Startup planqc. Das Unternehmen wurde 2022 vom Tiroler Physiker Alexander Glätzle mitgegründet. Im Sommer 2024 gab planqc den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen Euro bekannt und sorgte damit international für Aufsehen.

Von Idolen der Kindheit zur Startup-Gründung

Die Leidenschaft für Physik entwickelte Glätzle schon während seiner Schulzeit. „Ich hatte einen sehr guten Physiklehrer in der Schule und habe mir damals die ersten Bücher von Stephen Hawking gekauft. Da war mir klar: Ich möchte Physik studieren.“ Diesen Wunsch setzte er in die Tat um und begann ein Studium der theoretischen Physik an der Universität Innsbruck. „Die Universität Innsbruck war damals wie heute eines der Mekkas für Quantencomputing“, so Glätzle im Gespräch mit brutkasten.

An der Universität Innsbruck forschen unter anderem die beiden weltweit führenden Quantenphysiker Rainer Blatt und Peter Zoller. Während seiner Studienzeit spezialisierte sich Glätzle auf die Themengebiete Quantenoptik und Quantensimulation und promovierte 2014. Zudem absolvierte er – ebenfalls an der Universität Innsbruck – einen Master im Fach Angewandte Ökonomie sowie die I.E.C.T Summer School von Hermann Hauser. Das Programm unterstützt angehende Unternehmer:innen darin, ihre technologiebasierten Geschäftsideen weiterzuentwickeln.

Alexander Glätzle (planqc Co-Founder und CEO), Johannes Zeiher (planqc Co-Founder und Principal Scientist), Sebastian Blatt (planqc Co-Founder und CTO | Foto: Dirk Bruniecki / planqc GmbH

Besonders prägend für die Gründung eines eigenen Unternehmens war für den heute 40-Jährigen jedoch ein Forschungsaufenthalt in Stanford – mitten im Startup-Ökosystem Kaliforniens – ließ Glätzle schnell erkennen, dass er nicht nur akademische Neugier, sondern auch Unternehmergeist in sich trägt: „Praktisch bei jedem Bier am Abend ging es um Geschäftsideen und darum, wie man sie kommerzialisieren kann.“ Zurück in Europa war der unternehmerische Funke gezündet. Er wollte die Ergebnisse der Quantenforschung in kommerziell nutzbare Lösungen überführen. „Mir war es nie genug, rein Publikationen zu schreiben oder wissenschaftlich zu arbeiten; ich wollte immer auch den Kundennutzen in den Vordergrund stellen“, so Glätzle.

Die Ausgründung und der 30-Mil­lionen-Auftrag

2022 sollte es schließlich so weit sein: Gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Quantenoptik und seinen beiden Mitgründern Johannes Zeiher und Sebastian Blatt gründete er in Garching bei München das Unternehmen planqc. In Garching liegt einer der zentralen ­ Knotenpunkte im sogenannten Munich Quantum Valley, einer Initiative des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland zur großflächigen Förderung von Quantentechnologien. „Das Max-Planck-Institut erhielt Anteile bei planqc; wir können dafür die gesamte IP, das gesamte Know-how exklusiv kommerzialisieren“, erläutert Glätzle.

Gleich im Gründungsjahr 2022 schaffte planqc das, wovon andere Deep-Tech-Startups nur träumen können: einen 30-Millionen-Euro-Auftrag. Er kam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – für Glätzle ein Meilenstein, denn der Staat tritt hier als erster Kunde und wichtiger Partner auf: „Quantencomputer zu bauen, ist eine Mission to Mars. Das braucht einen langen Atem von zehn Jahren oder mehr. Der Staat als erster Auftraggeber ist hier extrem wichtig.“ Im Auftrag des DLR baut planqc einen Quantencomputer mit 100 Qubits der am Innovationzentrum in Ulm aufgestellt und die DLR-Infrastruktur angebunden werden soll. Das Ziel: Anwendungen in der Material- und Aerodynamikforschung, die das DLR mithilfe quantenmechanischer Rechenpower effizienter lösen will. Diese Referenz hilft planqc auch beim Fundraising: Wer solch einen Staatsauftrag erhält, überzeugt erfahrungsgemäß auch Geldgeber, wie Glätzle anmerkt.

Warum es neben privaten Investoren den Staat braucht

Die Geldgeber für eine Finanzierungsrunde im zweistelligen Millionenbereich sollten nicht lange auf sich warten lassen. „Es war wie Weihnachten und Ostern zusammen“, kommentiert Glätzle die große Series-A-Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro, die planqc im Sommer 2024 kommunizierte. Die Runde wurde vom Wiener Family Office Catron Holding angeführt. Zudem zogen auch Bestandsinvestoren wie APEX Ventures, Speedinvest, der österreichische Business Angel Markus Wagner sowie Hermann Hauser mit. „Das Family Office hat mich telefonisch kontaktiert. Es hat sich mehrere Wettbewerber von uns angeschaut und gesagt: ‚Wir wollen in planqc investieren!‘“, so Glätzle. Mit dem DeepTech & Climate Fonds (einer Initiative der deutschen Bundes­regierung) und Bayern Kapital sicherte sich planqc zudem die Unterstützung staatlicher Co-Investoren, die das private Kapital hebelten.

Derartige Fonds seien laut Glätzle essenziell, um Europas Technologiesouveränität zu sichern. „In den USA investieren Konzerne wie Google und IBM seit Jahren massiv in supraleitende Qubits und Quantenchips. Dass Europa mit Unternehmen wie planqc, AQT oder IQM ernst zu nehmende Player hervorbringt, liegt maßgeblich an diesen kombinierten Finanzierungsinstrumenten.“

USP: Quantencomputer bei Raumtemperatur

Doch worin genau liegt der besondere USP der planqc-Technologie, die renommierte Investoren anzieht? Während andere Unternehmen auf supraleitende Qubits (wie Google oder IBM) oder auf Ionenfallen (wie das österreichische Spin-off AQT) setzen, nutzt planqc „gasförmige“ oder „neutrale“ Atome als Quantenbits. Im Gegensatz zu supraleitenden Qubits benötigen neutrale Atome keine extreme Kühlung nahe dem absoluten Nullpunkt. Ein planqc-Quantencomputer könnte perspektivisch in einem kompakten Gehäuse bei Raumtemperatur arbeiten. Das ist nicht nur energieeffizienter, sondern laut Glätzle auch deutlich alltagstauglicher.

Im Labor sieht das noch recht komplex aus: Besucher:innen fällt oft als Erstes eine kleine Glaszelle auf, die von einem „Labyrinth“ aus Lasern, Spiegeln, Vakuumpumpen und Kühltechnik umgeben ist. Doch der Plan ist klar: Er lautet, die gesamte Apparatur in standardisierte Racks zu verpacken, wie man es von Server-Schaltschränken kennt. Ein solches Gerät könnte dann künftig in Hochleistungsrechenzentren integriert werden, zum Beispiel, um strömungsmechanische Simulationen für Flugzeug- und Windturbinen-Design zu beschleunigen.

Wie planqc Geld verdient

Planqc verfolgt mehrere Geschäftsmodelle. Zum einen sollen ganze Quantencomputer staatliche und akademische Einrichtungen verkauft werden. Das ist aktuell der Markt, in dem sich erste Projekte realisieren lassen und nennenswerte Budgets bereitgestellt werden. Zum anderen lockt perspektivisch der Verkauf von Rechenzeit (Quantum-as-a-Service): Anstatt Dutzende Millionen Euro in eine eigene Quanteninfrastruktur zu investieren, könnten Industriekunden stunden oder tageweise Kapazitäten mieten. Drittes Standbein: Consulting – viele Firmen wollen wissen, welche Anwendungsfälle sich für Quantencomputing lohnen und welche nicht.

„Nicht alle Probleme werden auf dem Quantencomputer besser gelöst werden“, räumt Glätzle ein. Doch überall dort, wo Quanteneffekte eine Rolle spielen – etwa in der Materialforschung oder beim Design von Medikamenten –, könnte ein riesiges Potenzial schlummern. „Man muss sich nur Richard Feynmans berühmten Satz in Erinnerung rufen: ,Wenn du Quantenprozesse berechnen willst, dann mach das auf einem Quantencomputer.“

Von Medikamenten bis zum Militär

Derzeit beschäftigt planqc rund 50 Mitarbeiter:innen – Tendenz steigend. Das Kapital aus der Series A soll bis 2026 reichen. „Wir sind offen für weitere Finanzierungsrunden, wenn das Momentum stimmt“, so Glätzle. Aktuell arbeitet das Team an Quantenalgorithmen, die speziell die Vorteile neutraler Atome nutzen sollen. So forscht man an Verfahren in der Fluiddynamik, um komplexe Strömungen zu berechnen (etwa für Flugzeugbau oder Windräder). Auch Simulationen molekularer Prozesse für die Medikamentenentwicklung sind ein vielversprechender Pfad.

Während planqc in zivilen Anwendungsfeldern vielversprechende Potenziale sieht, rückt gleichzeitig auch das Thema Dual Use in den Fokus – ein Aspekt, der zahlreiche regulatorische Herausforderungen für ein junges Startup mit sich bringt. Dual Use bezeichnet Güter, Technologien oder Wissen, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendet werden können. „Natürlich kann so ein Quantencomputer auch militärisch eingesetzt werden.

Das ist klar. Seit Kurzem brauchen wir für den Export Exportkontrollgenehmigungen“, sagt Glätzle. Tatsächlich gelten Quantencomputer seit einiger Zeit offiziell als Dual-Use-Technologie, was bürokratische Hürden mit sich bringt. Für ein junges Unternehmen wie planqc bedeutet dies zusätzlichen Aufwand, um sicherzustellen, dass die Technologie künftig nicht unerlaubt in Konfliktregionen exportiert wird.

Die Achse Innsbruck-München

Mit seinen rund 50 Mitarbeitenden befindet sich planqc schon in beachtlicher Größe – Tendenz steigend. Mittlerweile verfügt planqc auch über eine Niederlassung in Innsbruck, um nicht zuletzt den Recruiting-Pool der dort an der Universität ausgebildeten Quantenphysiker:innen zu nutzen. Zudem bietet der Standort auch einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil im Recruiting: niedrigere Mietpreise im Vergleich zu München, wie Glätzle anmerkt.

Das Kapital aus der Series A soll bis 2026 reichen, trotzdem befindet sich Glätzle gemeinsam mit seinem Team permanent im Austausch mit interessierten Investoren. Denn Quantencomputer zu bauen erfordert viel Geld, Geduld und einen langen Atem. „Ich sehe schon ein Problem in ein paar Jahren bei größeren Runden, wenn mal 200 oder 300 Millionen Euro geraist werden müssen“, so Glätzle. Er ist aber zuversichtlich, dass Europa diese Chance nutzen kann und nicht wie bei der künstlichen Intelligenz von US-Big-Tech-Unternehmen abgehängt wird. „Ich glaube, wenn wir uns auf das berufen, was Europa wirklich kann – exzellente Forschung und exzellente Ingenieurarbeit –, und wenn wir alle zusammenhalten, dann kriegen wir das hin“, so Glätzle.


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Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

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Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

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