16.07.2025
UMWELT

Planet Matters: Wiener Startup organisiert über App Cleanups und geht dabei viral

In der App von Planet Matters werden gesammelte Liter Müll zu Planet Coins, die gegen Partner-Gutscheine eingelöst werden können. Wir haben mit Felix Krainer über das Konzept gesprochen. Unterstützung erhält er dabei von Österreichs größte TikTok-Agentur marswalk rund um Victor Samuel Vécsei.
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(c) Planet Matters

Planet Matters ist ein junges Wiener Impact-Startup, das aus Müllsammelaktionen – sogenannte Cleanups – ein Social-Media-Phänomen macht. Gegründet hat es der heute 24-jährige Kärntner Felix Krainer, der seine ersten Online-Erfolge mit Meme-Seiten feierte. „Ich habe Planet Matters vor mittlerweile circa drei Jahren gegründet und baue seitdem ich sechzehn bin, verschiedene Themenseiten auf Social Media auf“, erzählt er. Durch die Kombination aus viralen Videos und handfester Umweltaktion will Krainer zeigen, dass Engagement für den Planeten genauso niederschwellig sein kann wie das tägliche Scrollen.

Vom TikTok-Kanal zur eigenen App

Der Durchbruch kam praktisch über Nacht: Ein Cleanup-Video ging viral, kurz darauf zählte der TikTok-Kanal bereits rund drei Millionen Follower und mehrere hundert Millionen Aufrufe. Die Community fragte bald nach Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden – mehr als nur ein Like zu hinterlassen. Krainers Antwort heißt Planet Matters-App. „Man trackt – das ist ein bisschen wie bei Strava – Standort und Foto des Müllsacks, gibt ein, wie viele Liter man gesammelt hat, und pro Liter bekommt man dann einen Planet Coin.“ Die Coins lassen sich gegen Partner-Gutscheine eintauschen.

Victor Samuel Vécsei (marswalk) und Felix Krainer (planet matters) | (c) Planet Matters

Warum eine TikTok-Agentur ein Prozent ihres Gewinns abgibt

Einer der Unterstützer im B2B-Bereich ist marswalk, laut Eigendefinition Österreichs größte TikTok-Agentur. Gründer Victor Samuel Vécsei und Krainer teilen nicht nur die Liebe zu Kurzvideos, sondern auch eine Wohnung: „Wir haben eine Business-WG in Wien gegründet namens Summit 58” 

Aus dieser Nähe entstand eine besondere Kooperation. „Wir möchten, dass die Projekte, die wir umsetzen, auch etwas Gutes nach sich ziehen. Deshalb spenden wir ein Prozent jedes Projektgewinns an Planet Matters und finanzieren damit Cleanups in Österreich, Deutschland oder sogar Afrika“, sagt Vécsei. Jeder neue Marswalk-Kunde säubert somit indirekt einen Flecken Natur – ein Verkaufsargument, das in Pitches bei Marken wie Raiffeisen, Coca-Cola oder DM gut ankommt.

Cleanup-Erlebnis statt theoretischer Beratung

Bei den Aktionen selbst setzt das Team auf einfache Mittel: Handschuhe, Müllsäcke, eine Einweisung zum Trennen – und dann raus ins Grüne. „Cleanups sind für uns Mittel zum Zweck, um zu zeigen, wie gut es sich anfühlt, Teil der Lösung zu sein“, sagt Krainer. Neben firmengesponserten Touren veranstalten sie offene Events; eines davon brachte zuletzt rund fünfzig Freiwillige zusammen.

(c) Planet Matters

Unternehmen wie die KELAG aus Kärnten buchen Tagespakete, bei denen Lehrlinge gemeinsam sammeln und das Ergebnis in der App festhalten. Für die Sponsoren gibt es Sichtbarkeit auf TikTok, in der App sowie intern als Teambuilding-Story.

Finanzierung & Geschäftsmodell – die harte Mechanik hinter der Mission

„Wir verdienen unser Geld mit Sponsoring von Firmen – die App ist dabei immer Teil des Pakets“, erklärt Krainer offen. Kern des Geschäftsmodells sind Corporate-Cleanups: Unternehmen buchen Halb- oder Ganztagesevents (“Cleanup & Connect”), bei denen Teams draußen sammeln, eine Challenge absolvieren und anschließend Social-Media-Content bekommen.  Im Fall der KELAG etwa läuft ein Jahrespaket, bei dem Lehrlinge gemeinsam Müll sammeln; das bringt dem Konzern Teambuilding und Nachhaltigkeits-Sichtbarkeit auf TikTok und in der App. 

“Wir sind in dem Sinn profitabel, dass unsere Cleanups unsere Aktivitäten finanzieren. Für weiteres Wachstum werden wir uns Ende des Jahres eine Finanzierungsrunde näher anschauen“. Pekka Mäki rund um 3TS Capital Partners hält als Angel-Investor neben Krainer aktuell 22 Prozent der im Dezember 2022 gegründeten GmbH.

Die App läuft noch in der Betaphase, doch das Ziel ist klar: mehr Länder, mehr Partner, mehr Nutzer:innen. „Unser Ziel ist, so viele Menschen wie möglich für den Cause zu motivieren.“ Marswalk wird dabei als Multiplikator dienen, indem die Agentur Planet-Matters-Geschichten in Kampagnen integriert und neue Sponsoren an Bord holt.


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Zwei der PlanRadar-Co-Founder, Sander van de Rijdt und Ibrahim Imam | (c) PlanRadar
Zwei der PlanRadar-Co-Founder, Sander van de Rijdt und Ibrahim Imam | (c) PlanRadar

Das Unternehmen konnte sein Standing innerhalb Österreichs in den vergangenen Jahren konstant halten: 2013 in Wien gegründet zählt PlanRadar zu den erfolgreichsten Scaleups im Land – nicht zuletzt wegen seiner anhaltenden internationalen Expansion. Nun legte das Unternehmen seinen Jahresabschluss 2025 und einen begleitenden Lagebericht vor, die nicht nur Einblicke in die Finanzen geben.

Umsatz steigt auf 33,64 Millionen Euro

Aber zunächst zu den zentralen Kennzahlen: Im vergangenen Jahr erzielte die Wiener PlanRadar GmbH, die nach wie vor als Muttergesellschaft der internationalen Gruppe fungiert, Umsatzerlöse in Höhe von 33,64 Millionen Euro nach 31,97 Mio. Euro im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung von 5,24 Prozent. Und das „trotz eines herausfordernden Marktumfelds“ im europäischen Kernmarkt, wie die Geschäftsführung im Lagebericht festhält. Zu beachten ist hier, dass es sich um den Einzelabschluss der GmbH handelt und für die internationalen Tochtergesellschaften keine Zahlen vorliegen. Der ausgewiesene Umsatz enthält auch sogenannte Intercompany-Umsätze, da die Muttergesellschaft ihren Vertriebstöchtern konzernintern Lizenzgebühren für die Softwarenutzung verrechnet.

Als wesentliche Treiber der Entwicklung im Jahr 2025 nennt das Unternehmen „sowohl die Akquise neuer Kunden als auch die Erweiterung bestehender Verträge“. Während der europäische Markt unter den Nachwehen des Rückgangs im Wohnungsbau gelitten habe, sei die Konjunktur in den Wachstumsmärkten MENA (Middle East / Northern Africa) und APAC (Asia Pacific), wo Großprojekte für eine erhöhte Nachfrage sorgten, dynamischer verlaufen, heißt es weiter. Gerade in der MENA-Region hat sich die Gesamtlage bekanntermaßen seitdem geändert: Im Lagebericht weist die Geschäftsführung explizit auf eine erhöhte geopolitische Unsicherheit infolge des Konflikts im Iran hin. Zudem musste ein konzerninternes Darlehen an die Tochtergesellschaft in Dubai bereits vollständig abgeschrieben werden.

Zudem gab es 2025 laut Lagebericht Konsolidierungsmaßnahmen in mehreren Märkten. So wurden die Tochtergesellschaften in Brasilien und der Schweiz im Geschäftsjahr 2025 geschlossen, in Deutschland läuft eine Liquidation und der Rückzug aus Russland dauere aufgrund bürokratischer Hürden weiter an.

Sprung beim Betriebsergebnis (EBIT)

Auf operativer Ebene konnte die PlanRadar GmbH ihre Profitabilität deutlich steigern. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg laut Jahresabschluss von 2,52 Millionen Euro im Vorjahr auf 3,98 Millionen Euro im Jahr 2025 – ein Zuwachs von knapp 58 Prozent. „Diese Entwicklung spiegelt die fortgesetzte Ausrichtung des Unternehmens auf effizientes Wachstum wider“, heißt es von der Geschäftsführung dazu im Lagebericht.

Hauptverantwortlich für die verbesserte operative Marge war eine erhöhte Kosteneffizienz. Laut der im Lagebericht enthaltenen Kostenanalyse blieben die Marketingkosten im Verhältnis zum Umsatz konstant bei drei Prozent, während der Personalaufwand im Verhältnis zum Umsatz von 48 Prozent im Vorjahr auf 42 Prozent sank. Die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl stieg gleichzeitig von 144 auf 157 Personen. Ein Wermutstropfen blieb dabei laut Bericht die Zahlungsmoral mancher Kunden: Wegen Uneinbringlichkeit mussten 2025 Forderungen in Höhe von 344.000 Euro abgeschrieben werden – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 190.000 Euro im Jahr 2024.

Negativer Finanzerfolg sorgt unterm Strich für Minus

Dem positiven Betriebsergebnis steht beim Finanzerfolg ein Minus von 4,71 Millionen Euro gegenüber (2024: minus 5,55 Millionen Euro). Dieser Posten ist maßgeblich durch Aufwendungen aus Finanzanlagen in Höhe von 6,72 Millionen Euro geprägt. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Abschreibungen auf Ausleihungen an (internationale) Tochtergesellschaften. Dem standen teilweise Wertzuschreibungen bei Finanzanlagen in Höhe von rund 393.000 Euro gegenüber. Zudem wurde ein Teil des Darlehens an die italienische Tochtergesellschaft zur Finanzierung in Eigenkapital umgewandelt, womit die Wiener Muttergesellschaft einen entsprechenden Forderungsverzicht übte.

Unterm Strich ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von minus 732.699 Euro. Der Verlust konnte gegenüber dem Vorjahresfehlbetrag (-3,02 Millionen Euro) dabei um mehr als 75 Prozent reduziert werden. Unter Berücksichtigung des Verlustvortrags aus Vorjahren (-52,89 Millionen Euro) lag der Bilanzverlust zum 31. Dezember 2025 bei minus 53,62 Millionen Euro.

17 Millionen Euro liquide Mittel

Zur Einordnung der finanziellen Gesamtlage und der Risikostruktur verweist das Unternehmen auch auf seine Barreserven und den operativen Zahlungsstrom. Die liquiden Mittel erhöhten sich demnach auf rund 17 Millionen Euro (2024: ca. 15 Millionen Euro). Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit stieg auf 5,38 Millionen Euro nach 3,66 Millionen Euro im Jahr 2024.

„Wachstumsaussichten bleiben optimistisch“

Für die Weiterentwicklung setzt PlanRadar laut Lagebericht weiterhin auf Produktinnovationen und Expansion. Im Geschäftsjahr 2025 wurden 4,06 Mio. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben und durchschnittlich 37 Mitarbeiter in diesem Bereich beschäftigt. Neben KI-gestützten Funktionen hebt das Unternehmen die Markteinführung der Technologie „PlanRadar SiteView 360°“ hervor.

Und wie geht es weiter? „Trotz der anhaltenden Herausforderungen bleiben unsere Wachstumsaussichten aber optimistisch. Das Unternehmen strebt eine moderate Umsatzsteigerung an, während wir unsere Dienstleistungen über die Bauindustrie hinaus auf Branchen wie Facility Management und Brandschutz ausweiten“, heißt es von der Geschäftsführung.

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