17.01.2022

Pkw-Neuzulassungen in Österreich auf 37-Jahres-Tief – Halbleitermangel bringt Branche unter Druck

Die Zahl der Neuzulassungen von PWK in Österreich ist 2021 auf den niedrigsten Wert seit 1984 gefallen. Mangelende Verfügbarkeit von Halbleitern bringt die Branche unter Druck.
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(c) Adobestock

Im vergangen Jahr wurden 239.803 Autos neu zugelassen, das entspricht einem Minus von 3,6 Prozent zum Vorjahr. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 sind es sogar 27,2 Prozent weniger Zulassungen. Ein Anstieg ist hingegen bei Hybrid- und Elektroautos feststellbar. Diese Zahlen präsentierte am Montag die Statistik Austria gemeinsam mit Vertretern der österreichischen Automobilwirtschaft.

Aufschwung bei alternativ betriebenen Fahrzeugen

„Während sich die Zulassungszahlen von Benzinern und vor allem von Diesel-Pkw deutlich rückläufig entwickelten, legte die Zahl der mit alternativen Kraftstoffen betriebenen Pkw um beinahe das Doppelte auf 90.062 Fahrzeuge zu“, so Peter Laimer, verantwortlich für die Kfz-Statistik bei Statistik Austria.

Diese Zunahme ist vor allem auf Neuzulassungen von Benzin-Hybrid-Pkw und ausschließlich elektrisch betriebene Pkw zurückzuführen, die jeweils überdurchschnittliche Zuwächse verzeichneten. Bis Ende Dezember 2021 wurden 33.366 vollelektrische E-Autos in Österreich neu zugelassen. Das ist ein Plus von 109 Prozent gegenüber Dezember 2020. Damit sind 13,9 Prozent aller Neuzulassungen E-PKW. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 15.972 E-PKW neu zugelassen. Aktuell entfallen rund 83,5 Prozent aller Neuzulassungen in diesem Segment auf juristische Personen, Firmen und Gebietskörperschaften und nur 16,5 Prozent auf private Fahrzeughalter.

(c) Bundesverband Elektromobilität Österreich

Die Gründe für den Einbruch am Automarkt

Der Gesamtmarkt ist trotz stabiler Nachfrage erneut rückläufig. Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, nennt in erster Linie die COVID-19-Pandemie, die mangelnde Verfügbarkeit von Halbleitern sowie die schwierigen politischen Rahmenbedingungen als Gründe für den Einbruch am Automarkt.

„Hatte man im ersten Halbjahr im Autohandel noch so etwas wie Aufbruchsstimmung nach dem Krisenjahr 2020 gespürt, so wurde diese bald getrübt, als klar wurde, wie sehr die Automobilproduktion von Computerchips und anderen wesentlichen Zulieferteilen aus Asien abhängig ist“, so Kerle zum schlechtesten Autojahr seit 1984.

Aufgrund der Lieferprobleme bei Neuwagen gebe es bei gewissen Modellen Wartezeiten von einem Jahr und mehr, wobei sich dies auch auf den Gebrauchtwagenmarkt auswirkt. Die Folge sind steigende Preise auch in diesem Segment, so der Obmann des Bundesgremiums des Fahrzeughandels in der Wirtschaftskammer Österreich, Klaus Edelsbrunner. Eine Entspannung sei 2022 aufgrund der Halbleiterthematik noch nicht absehbar.

Neue Vertriebsmodelle

Auch heimische Startups versuchen sich am Automarkt zu positionieren und bieten mittlerweile für B2B- und B2C-Kunden alternative Vertriebsmodelle an. Eines dieser Startups ist der E-Auto-Abo-Spezialist vibe mit Sitz in Wien. Im E-Auto-Abo sind im monatlichen Fixpreis sämtliche fahrzeugrelevanten Kosten – von der Versicherung über die Reifen bis hin zur Wartung – inkludiert. 

Das Startup wirbt unter anderem mit der raschen Verfügbarkeit von besonders nachgefragten Modellen. Während Käufer im Handel aktuell bis zu zwölf Monate oder länger auf Modelle wie bspw. den Audi Q4 e-tron, Skoda Enyaq oder Hyundai Ioniq 5 warten müssen, stehen diese Modelle laut dem Startup über das Auto-Abo wesentlich schneller zur Verfügung. Möglich macht dies der enge Kontakt zu den Herstellern.

„Aufgrund der jahrelangen Erfahrung im Mobilitätsbereich sind wir nah am Markt und eng mit den Herstellern in Kontakt. Daher sichern wir uns bereits vor den jeweiligen Marktstarts entsprechende Stückzahlen. Dank dieser vorausschauenden Planung können wir aktuell auch die beliebtesten Modelle meist noch innerhalb weniger Wochen liefern“, so Daniel Hammerl, langjähriger Geschäftsführer von Tesla Österreich und nun Head of Operations bei vibe.


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V.l.n.r. LH Stv. Stephan Pernkopf, COO Gate Space Johannes Pammer, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher | © NLK Filzwieser

Die Zukunft des ESA-Phi-Lab Austria ist bis 2031 sicher. Das Land Niederösterreich und die ESA (über den Bund) finanzieren den Space Hub in Schwechat mit 4,4 bzw. 5,2 Millionen Euro, wie bei den Austrian Space Days bekanntgegeben wurde. Somit können weitere Unternehmen gefördert werden. Ziel für die Förderperiode ab 2028 ist, neuartige Raumfahrttechnologien schneller vom Prototyp in die industrielle Produktion zu bringen.

Unabhängigkeit und Wertschöpfung

Aufgrund der geopolitischen Lage sei es zentral, mit der „Konkurrenz aus den USA und Asien mithalten zu können“, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Sie präzisiert: „Wenn wir die Schlüsseltechnologien nicht in der Hand haben, dann steigt unsere Abhängigkeit sowohl politisch, aber vor allem auch wirtschaftlich. Was das heißt, haben wir in den letzten Jahren hautnah zu spüren bekommen.“

Außerdem sieht sie eine Chance für den Wirtschaftsstandort Österreich: „Wir erwarten uns neue Jobs, neue Unternehmen und dadurch auch neue Wertschöpfung, aber vor allem auch Wohlstand in der Zukunft.“ Während andere Branchen laut Mikl-Leitner wegen der wirtschaftlichen Lage verloren gingen, habe die Raumfahrt Potential. „Es gibt in der Raumfahrt ein Wachstum von zehn Prozent pro Jahr. Raumfahrttechnologie und auch Bahntechnologie sind die am schnellsten wachsenden Bereiche weltweit und da wollen wir natürlich auch mit dabei sein.“

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf betont: „Die Verlängerung des ESA-Phi-Lab ist wichtig, um zu zeigen, dass wir auch in angespannten Budgetzeiten in Zukunftstechnologien investieren.“

Vier Ausschreibungen, mehr als 150 Einreichungen

Seit seiner Einführung im Jahr 2024 gab es vier Ausschreibungsrunden, in denen insgesamt über 150 Projekte eingereicht wurden. Einreichungen seien weiterhin laufend möglich. Die Förderung betrage zwischen 200.000 und 500.000 Euro die Projekte würden 12 bis 24 Monate begleitet werden. Der Schwerpunkt liege auf Upstream-Technologien, also der Hard- und Software für Satelliten und Raumfahrzeuge und ihren Betrieb. Das Programm verbindet die Finanzierung mit Unterstützung u. a. bei Geschäftsmodellen, Marktanalyse und Skalierung.

Im ESA Phi-Lab Austria werden aktuell 13 Projekte umgesetzt. Dabei sind Firmen wie Peak Technology, R-Space oder auch Gate Space beteiligt. Letztere designte einen Satelliten, der im Februar nächsten Jahres von SpaceX in den Orbit geschossen werden soll. Der Beaconsat ist Österreichs erster Militärsatellit und soll Angriffe auf Navigationssignale sichtbar machen.

Der Beatconsat (Bildmitte) wurde von Gate Space im Auftrag des Verteidigungsministeriums entwickelt. | © brutkasten

Auf Space Factory folgt Ausbau von Space Hub

Im Sommer dieses Jahres wurde die Space Factory, eine Infrastruktur für Prototyping und Tests, gegründet (brutkasten berichtete). Nun folgt der Ausbau des Space Hubs, um Platz für mehr Firmen zu schaffen. Aktuell sind dort zehn Unternehmen tätig. „Als österreichischer Generaldirektor bin ich wirklich sehr beeindruckt, wie dynamisch die Szene hier ist, wie schnell sich das aufbaut und wie vorwärtsschauend die Region Niederösterreich, aber Österreich insgesamt ist. Die Industrie ist aufgewacht und sehr aktiv. Das rennt jetzt“, sagt ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher.

Space Region Lower Austria

In Niederösterreich möchte man „Raumfahrt weiterdenken“ und arbeitet daher an der Initiative „Space Region Lower Austria“. Von Seibersdorf über Wiener Neustadt bis zum Flughafen Wien-Schwechat sollen Forschungseinrichtungen und Unternehmen besser vernetzt werden und unter einer Dachmarke auftreten. „Wir stehen für Raumfahrttechnologie, wir wollen im internationalen Wettbewerb auch mitspielen können. Wir wollen uns von den USA und letztendlich auch von Asien abheben können“, sagt Mikl-Leitner.

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