31.07.2019

Pipibox verklagt öKlo: So reagiert der Gründer

Interview: Pipibox, ein Marktführer für Mobilklos im Osten Österreichs, geht gerichtlich gegen das Startup öKlo vor und hat in einer unlängst veröffentlichten Stellungnahme kritisiert, dass Sägespäne nicht die Hygienestandards für den Betrieb von Mobilklos erfüllen könnten. In einem Interview mit dem brutkasten haben wir öKlo Gründer Niko Bogianzidis mit den Vorwürfen konfrontiert und ihn zum aktuellen Stand des Gerichtsverfahrens befragt.
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ÖKlo
(c) ÖKlo/FB: Niko Bogianzidis bezieht im brutkasten Interview Stellung

Das im niederösterreichischen Wolkersdorf ansässige Startup öKlo wurde im Jahr 2017 mit dem Ziel gegründet, eine Alternative zu Mobilklos aus Plastik zu entwickeln. Entstanden ist eine Komposttoilette, bei der die Benützer ihre Fäkalien mit Sägespänen bedecken. Wie das Startup rund um den Gründer Niko Bogianzidis versichert, kommt dafür weder Chemie noch Spülwasser zum Einsatz.

+++ Die “grüne” Alternative unter den Aufstelltoiletten +++

Das Startup, das unter anderem bei „2 Minuten 2 Millionen“ aufgetreten ist und Teil des Inkubators „greenstart“ des Klima- und Energiefonds war, konnte sich nach kürzester Zeit mit seinem öKlo am Markt behaupten. So kamen die Holztoiletten bei Großveranstaltungen am Wiener Rathausplatz, der Donauinsel oder dem Schloss Schönbrunn zum Einsatz. Derzeit verfügt das Startup laut eigenen Angaben über 14 Mitarbeiter und 200 Toiletten.

Hintergründe zum Rechtsstreit

Im Mai  2018 sollte der Höhenflug des jungen Startups allerdings getrübt werden. Wie Bogianzidis erläutert, erhielt er ein Anwaltsschreiben, indem die „Unterlassung wettbewerbswidriger Aussagen“ gefordert wurde. Konkreter Stein des Anstoßes: Das Startup hätte durch öffentliche Aussagen den Eindruck erweckt, außer öKlo gäbe es keine umweltfreundlichen mobilen Toiletten. Bogianzidis lenkte ein und nahm gewisse Werbeslogans wieder vom Netz. Dies sollte Pipibox allerdings nicht gereicht haben – das Unternehmen hielt an einer Klage fest. Schlussendlich landete der Sachverhalt im August 2018 vor dem Landesgericht Korneuburg und wurde daraufhin voll umfänglich in erster Instanz abgewiesen.

Berufung und Blog-Eintrag von Pipibox

Wie unlängst bekannt wurde, legte Pipibox Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil ein. Zudem nahm das Unternehmen auf seiner Webseite in einem Blog-Eintrag zu den „Auffassungsunterschieden mit einem Mitbewerber“ ausführlich Stellung (öKlo wird darin namentlich nicht genannt). Im Eintrag wird beispielsweise auf die Einhaltung von hygienischen Standards im Betrieb von Mobilklos hingewiesen und argumentiert, dass Sägespäne diese nicht erfüllen könnten. Der brutkasten hat den öKlo-Gründer Bogianzidis mit der Stellungnahme von Pipibox konfrontiert und zu den Vorwürfen befragt.

=> zum Pipibox Blog-Eintrag „Im Interesse der Gesundheit: kein Öko-Schmäh am Mobil-WC“


Interview mit dem öKlo-Gründer Bogianzidis

Wie ist der aktuelle Stand des Verfahrens? 

Der aktuelle Stand ist, dass am Landesgericht Korneuburg in erster Instanz alle Vorwürfe abgewiesen wurden. Pipibox hat allerdings Berufung eingelegt. Dadurch geht das Verfahren nun die in die nächste Instanz zum Oberlandesgericht. Derzeit ist aber noch kein Termin für die weitere Verhandlung fixiert.

Wie hast du von den Vorwürfen gegen dein Startup erfahren? 

Der Geschäftsführer von Pipibox hat mir über seinen Anwalt ein Schreiben zukommen lassen, das eine Unterlassungsverfügung und eine Schadenersatzforderung beinhaltete. Wenn ich das unterschrieben hätte, hätten wir am nächsten Tag den Betrieb schließen müssen. Das Schreiben habe ich letztes Jahr im Mai bekommen, die Klage folgte im August.

Gab es zwischen Pipibox und dir vor der Unterlassungsverfügung eine Kontaktaufnahme? 

Bevor ich selbst einen Anwalt eingeschalten habe, habe ich natürlich versucht mit dem Geschäftsführer von Pipibox persönlich Kontakt aufzunehmen. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass wir uns persönlich treffen, um über die Vorwürfe zu sprechen. Er wollte allerdings keine außergerichtliche Lösung des Problems, sondern die Sache vor Gericht bringen. Seitdem gab es auch keinen persönlichen Kontakt mit ihm.

Auf einem unlängst veröffentlichten Blog-Eintrag auf der Website von Pipibox heißt es: “So verlockend es auch für manche sein mag, menschliche Fäkalien direkt als Kompost sowohl in den Öko- als auch den Wirtschaftskreislauf einzubringen – es ist schlicht und einfach verboten.” Bringt ihr Fäkalien in den Ökokreislauf ein?  

Nein, wir bringen keine Fäkalien in den Ökokreislauf ein – wir könnten bzw. würden es gerne auch dürfen. Wir haben aber einen eigenen Prozess entwickelt, um diese Stoffe zu kompostieren. 

Was vielleicht sehr wichtig ist zu erwähnen: Der Geschäftsführer sieht sich – wenn man seine Vorwürfe liest – nicht nur von Aussagen von uns angegriffen. Es ist hier ganz klar sichtbar, dass eine ganz andere Motivation dahinter steckt. Seitdem wir den Betrieb aufgenommen haben, haben wir keine einzige Verwaltungsstrafe bekommen. Bei uns waren auch sämtliche Behörden am Gelände, die überprüft haben, ob wir die Fäkalien fachgerecht entsorgen. öKlo wurde sorgsam geprüft und gecheckt. Zudem bringen wir laufend Proben zur Boku und Laboren.

Weiters heißt es im Blog-Eintrag: “Sägespäne statt Wasser am Mobil-WC stellen ebenfalls keine ökologische Alternative dar, denn die Sägespäne verursachen in der Kläranlage große Probleme, u.a. bei den Rechen, behindern eine reibungslose Abwicklung und verursachen bei der Reinigung der Rechen erst recht einen enormen Wasserverbrauch. Was sagst du dazu? 

Dazu sollte zunächst die Funktion einer Kläranlage erläutert werden. In einer Kläranlage befindet sich ein Rechen, der alles aufhält, was mit dem Abwasser mitschwimmt – unter anderem Klopapier oder sonstige Gegenstände. Sobald der Rechen voll ist, hebt er sich heraus und entleert diese Gegenstände in Tanks. Es kann sein, dass an den Rechen Späne hängen bleiben. Diese müssen dann manuell gereinigt werden. Der Verbrauch ist dabei allerdings bei Weitem nicht so hoch, wie es kolportiert wird.

Zudem wird auf die hygienischen Probleme mit Holz hingewiesen: “Holz ist wesentlich anfälliger für Keime und Bakterien und kann niemals so gründlich gereinigt werden wie Kunststoff. Daher sind z.B. in der Gastronomieküche keine Holzschneidebretter erlaubt.” Wie siehst du das?

Das ist natürlich ein Reizthema. Sowohl Holz, als auch Plastik haben ihre Vor- und Nachteile. Eine positive Eigenschaft von Holz ist, dass es Feuchtigkeit entziehen kann. Feuchtigkeit ist die Grundlage, dass es zu einer erhöhten Belastung durch Bakterien kommt. Durch den Einsatz von Holzspänen kann diese Belastung reduziert werden. Zudem verwenden wir auch biologisches Desinfektionsmittel und reinigen unsere öKlos sehr gründlich. Diese verfügen im Inneren auch über Platten, die mit einem speziellen Harz beschichtet sind und lassen sich dadurch genauso gut abwischen und reinigen wie Plastik.

Pipibox führt weiters an: “Der händische Tausch der Behälter birgt stets ein Gesundheitsrisiko für die Mitarbeiter – weshalb die meisten Betreiber auf Absaugen setzen.” Setzt ihr mit öKlo auch auf maschinelles Absaugen? 

Nein, unsere Behälter werden händisch getauscht. Dadurch ergeben sich aber auch Vorteile, da dies überall durchgeführt werden kann. Niemand kommt während des ganzen Tauschprozesses direkt in Kontakt mit den Fäkalien. Außerdem sind Arbeitsschutz und Sicherheitsvorkehrungen bei uns ein großer Punkt, den wir sehr ernst nehmen.

Wie sieht die weitere Vorgehensweise aus?

Wir konzentrieren uns voll und ganz auf unser Geschäft, um öKlo als Unternehmen weiter aufzubauen. Wichtig ist mir, dass wir durch den Prozess nicht zu viel Energie verlieren und uns auf unser Ziel fokussieren.

Beeinträchtigt das Verfahren derzeit euer operatives Geschäft und wie schätzt du dessen Ausgang ein?

Das operative Geschäft wird vorerst nicht beeinflusst, zumindest merken wir nichts davon – aber natürlich besteht die Sorge! Und es wäre unseriös hier eine Einschätzung zu geben. Laut unseren Anwälten hat die Richterin in erster Instanz ein sachlich, für uns sehr gutes Urteil abgegeben – aber was am OLG passiert, kann man so nie vorhersagen. Natürlich hoffen wir auf das Beste und dass das Urteil der ersten Instanz hält.


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Während der ViennaUP wurde Wien einmal mehr zur internationalen Drehscheibe der Startup-Welt. Inmitten dieser Woche voller Begegnungen, Ideen und Innovationen setzte ein Event einen ganz besonderen Akzent: Im Wien Museum, mit weitem Blick über den Karlsplatz, kamen zahlreiche Founder, Investor:innen, Corporate-Partner und Wegbegleiter:innen zusammen, um ein Jubiläum zu feiern, das sinnbildlich für den internationalen Fokus des österreichischen Innovationsstandorts steht: 10 Jahre Global Incubator Network Austria (GIN).

Schon beim Eintreten wurde spürbar, was GIN über das vergangene Jahrzehnt ausgemacht hat – das Zusammenspiel aus österreichischen Wurzeln und globaler Reichweite. Gründer:innen aus Wien trafen auf asiatische Startups, die diese Woche in der Stadt zu Gast waren, um in Europa Fuß zu fassen.

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Eine von ihnen war Nga Chi Lydia Yip, Co-Founderin und CSO von Elleon Biotech aus Hongkong. Ihr Startup hat ein Reagenz entwickelt, mit dem sich markierte Zellen – etwa Krebs- oder virusinfizierte Zellen – mit bloßem Auge oder per Smartphone sichtbar machen lassen, ganz ohne teure Mikroskope oder geschultes Personal. „Ich habe in den letzten Tagen mehr wertvolle Leads getroffen als in zwei Jahren in Hongkong“, erzählte sie. Über das GIN-Programm war sie auf der Suche nach einem strategischen Partner für die Antikörper-Produktion – und wurde bei einem der Networking-Momente tatsächlich fündig. „Ich liebe den Vibe hier. Die Leute sind wirklich da, um einander zu helfen.“

Genau diese Atmosphäre baut GIN seit 2016 systematisch auf: Verbindungen, die weit über ein einzelnes Programm oder eine Delegationsreise hinausreichen.

Ein Jahrzehnt Brückenbauen zwischen Österreich und Asien

Seit seiner Gründung 2016 verfolgt GIN ein klares Ziel: innovative Startups beim internationalen Wachstum zu unterstützen und gleichzeitig Österreich als zentralen Innovationsstandort zu stärken. Unter dem Leitgedanken „Connecting the Circles of Growth“ hat sich daraus ein Netzwerk entwickelt, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht.

Die Bilanz nach zehn Jahren spricht für sich: 756 unterstützte Startups, 71 internationale Programm-Batches, 7 zentrale Partnerregionen und über 30 internationale Innovationspartner. Im Zentrum stehen die beiden Programme GO ASIA und GO AUSTRIA, die den Austausch in beide Richtungen ermöglichen – ein zweiseitiger Ansatz, der GIN zu einer einzigartigen Brückenbauerin macht. Geschichten wie jene von Elleon Biotech zeigen, was das konkret bedeutet.

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Zur Beginn reflektierten Henrietta Egerth (Geschäftsführerin FFG) und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) über die Vision hinter GIN, die gemeinsame Steuerung der beiden Programme und den Blick nach vorne. „Zehn Jahre Global Incubator Network Austria bedeuten zehn Jahre messbaren Impact für das österreichische Startup-Ökosystem und weit darüber hinaus“, betont Henrietta Egerth. „Allein am aktuellen GIN-Programm nehmen 56 Startups aus sieben asiatischen Zielregionen teil – mehr als jemals zuvor.“

Panel: Local Roots, Global Reach

Unter dem Titel „Local Roots, Global Reach: The New Rules of Internationalization“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die veränderten Spielregeln internationaler Expansion. Marcus Berger (CEO, Aviloo), Ayashi Das Majumder (Co-Founderin & COO, Sensegrass), Markus Lang (General Partner, Speedinvest) und Andreas Mühlberger (Infineon Technologies Austria) brachten vier sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die zentrale Botschaft: Für einen kleinen Exportmarkt wie Österreich ist Internationalisierung essenziell – gleichzeitig aber komplexer geworden, und sie gelingt nur durch starke Partnerschaften und langfristige Begleitung.

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Workshop: Impulse für die nächsten zehn Jahre

Im interaktiven Workshop-Teil, moderiert von Viktoria Ilger (Venture Clienting Austria), wurden die Gäste selbst zu Mitgestaltenden. An mehreren Tischen diskutierten sie in kleinen Runden über die zentralen Fragen rund um Internationalisierung. Begleitet wurde der Nachmittag von einem Live-Graphic-Recording-Team, das die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse in Echtzeit visuell festhielt – ein wachsendes Bild, das ebenso entstand wie die Insights selbst und am Ende eindrucksvoll präsentiert wurde.

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Blick nach vorne: Indien als nächster Meilenstein

Mit der geplanten Erweiterung von GIN GO ASIA nach Indien ab 2027 wurde ein klares Signal für die nächste Phase gesetzt. Bereits heute holt das aktuelle GO AUSTRIA Programm sieben indische Deep-Tech-Startups nach Österreich. Indien zählt mittlerweile über 130 Startup-Unicorns und entwickelt sich mit enormer Dynamik zu einem der wichtigsten Technologie- und Wachstumsmärkte der Welt. Mit der India-Austria Startup Bridge wurde bereits vor zwei Jahren ein erstes Instrument geschaffen, um indische Startups nach Österreich zu holen – ab 2027 öffnen sich die Türen gezielt auch für österreichische Startups in diesen Zukunftsmarkt. So festigt GIN Österreichs Rolle als europäisches Gateway für Innovation, Technologie und internationale Zusammenarbeit.

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Zum Abschluss wurde sichtbar, was GIN über die Zahlen hinaus ausmacht: eine globale Community aus Foundern, Partner:innen, Mentor:innen und Freund:innen. In einem Happy-Birthday-Video schickten Wegbegleiter*innen aus aller Welt ihre Glückwünsche. Das GIN-Team kam auf die Bühne, die Gläser wurden erhoben – und der Nachmittag mündete in eine Feier, die anschließend bei GIN & Friends am Karlsplatz ihre Fortsetzung fand. Für Lydia Yip stand da nur noch ein letztes Meeting an, bevor auch sie dazustieß: „Ich hätte nie erwartet, dass eine Geschäftsreise so viel Freude macht.“


Das Global Incubator Network Austria (GIN) ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und wird von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt. Ziel ist es, Start-ups, Investor:innen und Innovationspartner:innen international zu vernetzen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken. Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt.

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