12.11.2020

Mega-Deal: Pipedrive wird mit neuem Mehrheitseigentümer zum Unicorn

Der ursprünglich in Estland gegründete CRM-System-Anbieter Pipedrive holt sich ein Mega-Investment vom US-VC Vista Equity Partners.
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Pipedrive CEO Raj Sabhlok
(c) Helis Hämarsalu: Pipedrive CEO Raj Sabhlok

Man sei das neueste europäische Unicorn, schreibt CRM-Software-Anbieter Pipedrive stolz in einer Aussendung. Ganz stimmt das aber nicht. Zwar liegt die Bewertung nach der jüngsten Finanzierungsrunde deutlich über einer Milliarde US-Dollar – das US-Magazin TechCrunch berichtet unter Berufung auf Insider von einer 1,5 Milliarden Dollar-Bewertung. Doch europäisch ist das Unternehmen nur mehr teilweise. 2010 in Estland gegründet verlegte es seinen Hauptsitz schon vor Jahren nach New York City. Weitere Standorte hat es neben Tallin in mehreren amerikanischen und europäischen Städten, darunter ein Rechenzentrum in Frankfurt am Main.

Nun investierte der US-VC Vista Equity Partners, der einen Fokus auf Enterprise-Software-, Data- und Technologie-Unternehmen hat, eine nicht näher bezifferte Summe in das Scaleup. Da der Investor nach Angaben des Unternehmens damit Mehrheitseigentümer des frischgebackenen Unicorns wird, ist von einem Mega-Deal im mittleren neunstelligen Bereich auszugehen. Die Bestandsinvestoren Atomico, Deutsche Telekom Capital Partners, Bessemer Venture Partners, Insight Partners und Rembrandt Venture Partners, blieben als Minderheitsinvestoren am Unternehmen beteiligt, heißt es von Pipedrive.

Pipedrive behält klaren Fokus auf KMU

Das Scaleup ist mit seiner Software, die Nutzer mittels Künstlicher Intelligenz und Automatisierungstechnologie Leads und Deals managen und die Kommunikation mit Kunden und Interessenten tracken lässt, auf KMU spezialisiert. Derzeit zählt man weltweit rund 95.000 Kunden. „Als neuestes Einhorn verstärken wir im Rahmen der Partnerschaft mit Vista unseren Fokus auf kleine und mittelständische Unternehmen, mit dem Ziel deren Digitalisierung sowie Wachstum noch besser zu unterstützen“, kommentiert CEO Raj Sabhlok. Mit dem Kapital und der Partnerschaft mit Vista wolle man die Expansionspläne weiter voranzutreiben. Dazu gehöre der Ausbau des Produktportfolios, die internationale Expansion und der Ausbau des eigenen Kundenstamms durch gezielte Investitionen in Go-to-Market-Maßnahmen.

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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019
Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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Mega-Deal: Pipedrive wird mit neuem Mehrheitseigentümer zum Unicorn

  • Man sei das neueste europäische Unicorn, schreibt CRM-Software-Anbieter Pipedrive stolz in einer Aussendung.
  • Nun investierte der US-VC Vista Equity Partners, der einen Fokus auf Enterprise-Software-, Data- und Technologie-Unternehmen hat, eine nicht näher bezifferte Summe in das Scaleup.
  • Da der Investor nach Angaben des Unternehmens damit Mehrheitseigentümer des frischgebackenen Unicorns wird, ist von einem Mega-Deal im mittleren neunstelligen Bereich auszugehen.
  • Die Bestandsinvestoren Atomico, Deutsche Telekom Capital Partners, Bessemer Venture Partners, Insight Partners und Rembrandt Venture Partners, blieben als Minderheitsinvestoren am Unternehmen beteiligt, heißt es von Pipedrive.
  • Das Scaleup ist mit seiner Software, die Nutzer mittels Künstlicher Intelligenz und Automatisierungstechnologie Leads und Deals managen und die Kommunikation mit Kunden und Interessenten tracken lässt, auf KMU spezialisiert.
  • „Als neuestes Einhorn verstärken wir im Rahmen der Partnerschaft mit Vista unseren Fokus auf kleine und mittelständische Unternehmen, mit dem Ziel deren Digitalisierung sowie Wachstum noch besser zu unterstützen“, kommentiert CEO Raj Sabhlok.

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