09.05.2017

Darf’s auch ein wenig Dinosaurier-Protein für Sie sein?

Geltor-Co-Founder Alex Lorestani möchte mit Gelatine aus dem Labor den tierfreien Food-Tech-Bereich revolutionieren. Am Pioneers Festival 2017 wir er uns auf den neuesten Stand bringen – wir sind gespannt wie man in Zukunft auf die Vergangenheit zurückblicken wird... Von Richard Asher
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Ist es möglich, dass wir eines Tages in der Zukunft auf die Zeit zurückblicken, in der wir Tiere noch getötet haben und dabei unsere Köpfe erstaunt schütteln werden? Werden zukünftige Gesellschaften die Menschen aus dem Jahr 2017 für Höhlenmenschen halten, die Tiere routinemäßig für ihr eigenes Abendessen geschlachtet haben?

Eine neue Zukunftsvision

Schauen wir uns einige aktuelle Durchbrüche in der Lebensmittel-Industrie an: Da wird deutlich, dass eine solche Zukunftsvision unvermeidlich ist. Das sage ich als langjähriger Steak-Liebhaber mit Plänen, zu Mittag eine ethisch fragwürdige Thunfisch-Pizza zu mampfen.

Redaktionstipps

Einer der Speaker am Pioneersfestival 2017 gehört zu jenen zukunftsweisenden Menschen, die an einer Welt von morgen arbeiten, die ohne tierische Nahrungsmittel auskommt: Alex Lorestani ist Co-Founder von Geltor. Auf der Bühne in der Wiener Hofburg wird er über die bemerkenswerten Fortschritte seiner Firma bei der Entwicklung nachhaltiger Proteine sprechen.

Süßigkeiten aus „Mastodon Gelatine“

„Unser Prozess ist völlig unabhängig davon, ob das Tier lebt, denn es gibt dabei keinerlei tierische Komponenten. Alles was wir brauchen, ist die entsprechende DNA Sequenz und das war’s“, sagt Alex, dessen Firma im vergangen Jahr Süßigkeiten aus „Mastodon Gelatine“ präsentierte. Damit wollten die Unternehmer die Wirksamkeit der DNA-Synthese demonstrieren, denn wie man sieht musste man gar nicht erst das Tier für die Gewinnung der Gelatine schlachten, sondern konnte auf biologische Strukturen zurückgreifen, die bereits lange vor unserer Zeit existierten.

Den Fortschritt selbst in die Hand nehmen

Lorestani und sein Co-Founder Nick Ouzounov gründeten Geltor aus Wut über den Mangel an Fortschritt in einem so kritischen Bereich wie der Ernährung. Seither hat das Unternehmen  erhebliche Durchbrüche bei der Herstellung von künstlichen Kollagenen (den Bausteinen von Gelatine) gemacht. „Kleine Mengen von sehr teurem Protein herzustellen, ist nicht so schwer“, sagt Alex. „Die eigentliche Herausforderung ist es, Tonnen davon zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu produzieren.“

Dank der kostengünstigeren DNA-Sequenz-Drucktechnologie und der „Millionen Liter an Fermentationskapazität“, die ein Erbe der Biokraftstoffindustrie ist, glaubt Lorestani, einen konkurrenzfähige Preis erzielen zu können. Und es könnte der Grundstein für eine Reihe anderer tierfreier Ersatz-Lebensmittel sein.

Vegetarisches Steak-Erlebnis

Wenn die Technologie uns so weit bringen kann, dass wir ein Steak- oder Thunfisch-Erlebnis ohne tierischen Bestandteil haben können, sollten wir nicht alle dafür sein? Nicht nur wegen des unangenehmen Gefühls, dass die Schlachtung unserer Mitgeschöpfe nicht mit unserem technischen Niveau vereinbar ist. Nicht nur, weil es Zeit ist, dass wir damit aufhören, gefährdete Arten für immer auszurotten. Und nicht nur, weil weniger Kühe weniger Emissionen und mehr Wälder bedeuten. All das sind gute Gründe, aber mehr als alles andere geht es um die gigantischen Vorteile einer nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung. Deshalb werden Innovatoren wie Lorestani zum Pioneers Festival eingeladen.

Übersetzung: eho

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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