18.07.2019

startup300 verkündet Aus für Pioneers Events „aus wirtschaftlichen Gründen“

Der Eigentümer startup300 schließt die Event-Abteilung des Pioneers. Das Pioneers Main Event in der Wiener Hofburg ist somit ebenfalls gestrichen wie die kleinen Side Events.
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Pioneers 2020
(c) Pioneers

Pioneers, in erster Linie bekannt für seine Startup-Events, gibt heute per Presseaussendung eine „Änderung der Eventstrategie“ bekannt: Das Pioneers Main Event – früher bekannt unter dem Namen „Pioneers Festival“ – in der Wiener Hofburg wird 2020 bis auf weiteres nicht mehr in der bekannten Form stattfinden. Auch die Organisation der sogenannten „Chapter Events“ – also die kleineren, auf themenspezifische Tages-Formate ausgerichteten Veranstaltungen – wird eingefroren.

Event-Abteilung wird geschlossen

Die JFDI GmbH, Organisator der Pioneers-Events, wurde vor zehn Jahren gegründet. Im Jahr 2012 fand das Main Event erstmals in der Wiener Hofburg statt. Davor hieß das Event „Startup Week“ und wurde im Haus der Industrie veranstaltet, der Gewinner der damaligen „Startup Week Challenge“ war ein damals noch junges Unternehmen namens mysugr. Zur Startup Week kamen noch 1300 Teilnehmer, beim Pioneers Festival 2012 und beim Pioneers 19 dieses Jahr waren es jeweils 2500 Gäste.

+++Pioneers-Gründer Andreas Tschas verlässt die Digitalisierungsagentur+++

Wegen der neuen strategischen Ausrichtung „muss auch die Größe und Struktur des Pioneers-Teams neu gestaltet werden“, wie es weiter in der Presseaussendung des Unternehmens heißt: Betroffen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pioneers Events-Teams, aus den Bereichen Production, Operations, Marketing und Business Development.

+++Das waren die Highlights des Pioneers 19+++

„Das Pioneers Flagship Event (Pioneers Festival) war eine zentrale Triebfeder der guten Entwicklung der Startup-Landschaft in Österreich“, sagt Oliver Csendes, Geschäftsführer von Pioneers-Veranstalter JFDI GmbH: „Jeder einzelne Mitarbeiter, jeder Volunteer und jedes Mitglied des Managements derzeit oder in der Vergangenheit kann immens stolz auf diese großartige Leistung sein. Wir bedanken uns aus ganzem Herzen für eure Energie, eure Leidenschaft und euren Einsatz. Ihr habt die Dynamik für Startups in Österreich verändert.“

„Aus wirtschaftlichen Gründen“

Csendes betont, dass das Umfeld der Startup-Business-Events extrem dynamisch sei, sich das Ecosystem in den vergangenen Jahren grundlegend verändert habe und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer komplexer werden. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir sind uns der Verantwortung gegenüber unseren Team-Members und auch der gesamten österreichischen Startup-Community absolut bewusst“, sagt Csendes: „Aus wirtschaftlichen Überlegungen und im Zuge einer Schärfung der Strategie von startup300 haben wir uns jedoch zu diesem Schritt entschlossen.“

+++Finde aktuelle Events im Eventkalender des brutkasten+++

„Events sind ein wichtiger Treiber von Startup-Ökosystemen. Allerdings ist es erforderlich die Organisation solcher Events präzise auf die anderen Systemteile in unserem Angebot abzustimmen“, ergänzt Michel Eisler, CEO der startup300 AG: Im Zuge eines Strategieprozesses der startup300-Gruppe habe sich herauskristallisiert, dass man beim Thema „Events“ mit dem bisherigen Setup nicht mehr die perfekten Antworten auf die Fragen unserer Zielgruppen habe.  „Dieser Schritt ist hart, aber leider notwendig“, sagt Eisler.

Ergänzend sagt Eisler im Gespräch mit dem brutkasten, dass allein die Bühne des Events eine halbe Million Euro gekostet hat – zugleich habe man gemerkt, dass die Events nicht mehr so sehr geschätzt werden wie früher, weil man ähnliche Inhalte auch auf YouTube konsumieren kann. Auch betont Eisler, dass man heute nicht mehr eigene Abteilungen mit zahlreichen Mitarbeitern schaffen würde, nur um einmal im Jahr ein großes Event zu veranstalten. Die Umwegrentabilität sehe er heutzutage bei den Pioneers Events nicht mehr – zugleich haben sich andere Abteilungen wie Pioneers Discover optimal entwickelt und generieren immer mehr Umsatz.

Das Video-Interview mit Michael Eisler in voller Länge

Wie es nun mit Pioneers weitergeht

Künftig werde man sich dem Thema „Events“ in enger Zusammenarbeit aller Unternehmen und Units der startup300-Gruppe nähern, ergänzt Eisler: „Wie das genau funktionieren wird, arbeiten wir gerade aus. Fest steht, dass wir nach wie vor eine effektive Unterstützung für unsere primäre Zielgruppe, die Gründer und Startups, liefern werden.“

Der Fokus von Pioneers liegt künftig auf den Business Units Pioneers Discover – dem Consulting-Arm von Pioneers an der Schnittstelle zwischen Startups und Corporates -, sowie der Match & Meet- und Deal Flow Management Plattform Piobay. Mit Pioneers Ventures II und dem bereits angekündigten Pioneers Ventures III bekommt darüber hinaus das Thema Early Stage Risikokapital für Startups mehr Bedeutung als bisher, heißt es außerdem in der Presseaussendung.

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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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