17.03.2021

PimpMyShop: Startups starten „Bootcamp“ für lokale Online-Shops

Byrd, Boomerank und Swat.io wollen kleinere Händler mit PimpMyShop bei der Digitalisierung helfen. Mit Rat und kostenlosen Tools.
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David Mirzaei (byrd), Sebastian Schwelle (boomerank.io) und Michael Kamleitner (Swat.io) von der Initiative PimpMyShop © beigestellt
David Mirzaei (byrd), Sebastian Schwelle (boomerank.io) und Michael Kamleitner (Swat.io) von der Initiative PimpMyShop © beigestellt

Drei österreichische Startups haben sich zusammengetan, um heimischen Online-Shops dabei zu helfen, sich besser gegen internationale Konkurrenz zu behaupten. PimpMyShop heißt die Initiative der Startups Boomerank, Swat.io und byrd. Ein Jahr lang gibt es für teilnehmende Online-Shops kostenlose bzw. stark vergünstigte Tools und sechs Monate Unterstützung durch ExpertInnen in einem „Bootcamp“. Aufgenommen werden allerdings nur drei Shops – Bewerbungen sind ab sofort bis vorerst 11. April möglich.

Learnings mit der Community teilen

Das Bootcamp von PimpMyShop soll für jeden Teilnehmer Wachstum in Umsatz und Profitabilität bedeuten, so die Initiatoren in einer Aussendung zum Start. Und damit jede und jeder etwas davon hat, werden die Learnings geteilt: „Am Schluss gibt es eine Übergabe und wir zeigen, dass jeder Online Shop damit arbeiten und erfolgreich sein kann ohne großes Know-How zu besitzen“, sagt Sebastian Schwelle von Boomerank. Als PimpMyShop-Partner wird der brutkasten die Initiative begleiten und gemeinsam mit Byrd, Swat.io, Boomerank und den Bootcamp-TeilnehmerInnen die besten Tipps und Tricks für die Community aufarbeiten. Weitere Partner des Online-Shop-Bootcamps sind der Handelsverband und der Senat der Wirtschaft.

Zur Bewerbung

„Lokalen Händlern helfen“

„In Zeiten von wiederkehrenden Lockdowns, eingeschränkten Ladenöffnungszeiten und fast unendlichen digitalen Einkaufsmöglichkeiten haben E-Commerce-Giganten wie Amazon einen klaren Vorteil gegenüber kleinen, lokalen Händlern“, sagt Schwelle. Sein Startup Boomerank bietet ein Tool, das Google Werbung und Suchmaschinen-Optimierung automatisiert. Swat.io bietet TeilnehmerInnen seine Social-Media-Tools kostenlos an und der Logistik-Software-Profi byrd hilft bei Versand, Lager- und Order-Management. Insgesamt haben die Leistungen laut den Initiatoren einen Gegenwert von 15.000 Euro. Neben Sebastian Schwelle werden David Mirzaei von byrd und Michael Kamleitner von swat.io die Online-HändlerInnen durch das Bootcamp begleiten.

„Die Covid-Krise wirkt ganz klar als Turbo Boost für den E-Commerce. Allein 2020 hat der Online-Handel in Österreich um mehr als 17 Prozent zugelegt. Mittlerweile setzen hierzulande rund 14.000 Webshops auf das Internet als krisenresilienten Vertriebskanal“, betont Handelsverband-Chef Rainer Will die Wichtigkeit von Initiativen wie PimpMyShop.

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Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

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