28.02.2025
SEXUALITÄT

Pimp your Doll nach TV-Auftritt: Kein Investment, aber (noch offene) Spendenzusage

Pimp your Doll aus Attnang-Puchheim arbeitet seit rund eineinhalb Jahren daran, Sex für Menschen mit Behinderung aus der Tabu-Zone zu holen. Nun zeigte man sich einem breiten Publikum und hat weitere Erfolge zu vermelden. Gründer Jürgen Kirchgatterer und Partnerin Silke Mairinger erklären, wie es zum "2m2m"-Auftritt kam und warum die zugesagte Spende noch nicht eingetroffen ist.
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© PyD - Silke Maringer und Jürgen Kirchgatterer von Pimp your Doll.

Im PYD (Pimp your Doll)-Standort in Attnang-Puchheim finden Menschen mit Behinderung Zugang zur eigenen Sexualität mit lebensechten Silikon-Puppen. Silke Mairinger und Gründer Jürgen Kirchgatterer wollen das Tabuthema “Sex bei beeinträchtigten Menschen” aufbrechen – brutkasten berichtete.

Pimp your Doll bei „Licht ins Dunkel“

Das Unternehmen startete seine Arbeit im November 2023 und hat seitdem bemerkenswerte Erfolge erzielt. “Medial sind wir mittlerweile deutlich präsenter, und es ist schön zu sehen, dass das Interesse an unserem Projekt wächst. Besonders stolz sind wir darauf, dass ‚Licht ins Dunkel‘ mit uns zusammenarbeitet. Wir wurden von den Initiatoren eingeladen, unser Anliegen und Projekt vorzustellen und gleichzeitig eine Host-Rolle zu übernehmen. Das ist für uns eine große Ehre und ein wertvoller Schritt in die richtige Richtung”, sagt Kirchgatterer. “Außerdem hatten wir bereits zwei Speaker-Auftritte bei ‘TEDx Donauinsel’, was uns eine großartige Plattform geboten hat, um unsere Botschaft zu verbreiten.”

Sieg bei WSA-Awards 2024

Ein besonderer Meilenstein für das Startup war zudem der Gewinn des WSA-Awards 2024 in der Kategorie “Inclusion und Empowerment”. “Dieser Preis hilft uns, noch mehr Sichtbarkeit zu erlangen und unsere Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen”, so der Founder weiter. “Hier wurden die Veranstalter auf unsere Homepage und Social-Media-Auftritte aufmerksam und luden uns ein, uns für den Preis zu bewerben. Wir haben dies gerne getan, und die freudige Überraschung über den Gewinn war überwältigend. Der Preis hat für uns eine große Aussagekraft – er bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass die Rechte, Wünsche und Anliegen von Menschen mit Behinderungen in all ihren Facetten gehört, gesehen und wahrgenommen werden.”

Pimp your Doll
(c) PyD – Pimp your Doll bei den WSA-Awards.

Pimp your Doll hatte seit dessen Bestehen von der hohen Politik wenig Unterstützung für ihr Projekt erhalten, wie Kirchgatterer und Mairinger im Vorjahr erzählt haben. “Leider hat sich in der politischen Landschaft bezüglich der Sexualität von Menschen mit Behinderungen nicht viel verändert”, präzisiert die Oberösterreicherin den Status Quo. “Wir haben glücklicherweise einige mutige und couragierte Unterstützer in den kleineren Parteien, die sich für unsere Anliegen einsetzen. Die großen Parteien hingegen bleiben in diesem Bereich nach wie vor taub und stumm; hier wird oft nur an der Oberfläche gekratzt. Es scheint, als hätten viele Entscheidungsträger nicht verstanden, was Inklusion wirklich bedeutet.”

Für Pimp your Doll ist die Bedeutung dieses Begriffes jedoch klar: Menschen mit Behinderung Zugang zur eigenen Sexualität (mit lebensechten Silikon-Puppen) zu bieten und Gewaltprävention zum Thema zu machen, wie beide im Vorjahr erklärt haben. Daneben sei auch die geschlechtliche Aufklärung ein weiteres großes Thema. “Sexualität umfasst viel mehr als nur den Geschlechtsakt – es ist ein breites Spektrum, das sowohl Beratung als auch die Möglichkeit des Auslebens erfordert. Besonders freut uns, dass wir zunehmend Anfragen von Sexualpädagog:innen in Ausbildung für Praktika in unserer Einrichtung erhalten”, erzählt Mairinger.

Menschen etwas offener

Insgesamt würden Menschen mittlerweile etwas offener auf das Startup zugehen. Betroffene Personen sowie deren Angehörige oder Erwachsenenvertreter täten sich jedoch nach wie vor schwer bei diesem Thema. Wichtig sei es, weiterhin zu vermitteln, dass “Sexualität etwas Natürliches und Gutes ist, das zum Leben dazugehört und für das man sich nicht schämen müsse”.

Sex mit Behinderung, Sexualität
(c) PyD – Silke Mairinger von Pimp your Doll.

Kirchgatterer hatte für sein Startup Franchise-Pläne, die sich bislang noch nicht verwirklicht haben, da die nötigen Geldmittel fehlen. “Leider hat ein Crowdfunding nicht den erhofften Erfolg gebracht”, sagt er. “Umso mehr freuen wir uns, dass viele, die investiert haben, ihre Beiträge in Spenden an unseren Verein Inklusions-Brücke umgewandelt haben. Das zeigt, dass es ihnen wirklich eine Herzensangelegenheit war. Der Verein unterstützt das Projekt PYD und somit die Menschen mit Behinderungen, die uns benötigen. Es bleibt jedoch nach wie vor unsere Vision flächendeckend in Österreich zu etablieren.”

Pimp your Doll bei „2 Minuten 2 Millionen“

Ein Schritt dabei: Awareness steigern. So etwa beim Auftritt bei “2 Minuten 2 Millionen”, der deswegen zustande kam, weil man nach einer Online-Bewerbung zum 4Gamechangers-Festival eingeladen wurde, um vor Ort einen Probe-Pitch zu halten. Dieser gelang und der Weg in die TV-Show öffnete sich plötzlich.

Vor der TV-Bühne gab es von den sechs Investor:innen kein Investment, da das Geschäftsmodell als zu wenig gewinnbringend angesehen wurde und, laut Kirchgatterer, die Juror:inenn Skrupel hatten, “mit dem Thema Sex Geld zu verdienen”. Dafür gab es eine Zusage einer großzügigen Spende für den Verein “Inklusions-Brücke”, wobei sich bis heute nichts konkret materialisiert hat.

“Die Investoren warten darauf, dass unser Verein spendenbegünstigt wird (Anm.: eine Spendenbegünstigung regelt, unter welchen Voraussetzungen Spenden beim Zahler als Betriebsausgaben oder Sonderausgaben einkommen- bzw. lohnsteuermindernd zu berücksichtigen sind), was die Situation spannend hält”, erklärt der Founder die Verzögerung. “Da es keinen Deal in dem Sinne gab, ist er auch nicht geplatzt. Aber so schön und einfach es sich auf der Bühne beim Auftritt angehört hat, ein ‚Gebt mir nach der Sendung die Kontonummer und wir werden was zustande bringen‘, ist es dann doch nicht. Es ist eben eine Show. Dennoch sind wir optimistisch und freuen uns auf die nächsten Schritte.”

Inklusion im Sozialstaat

Zu diesen gehören weiterhin mit “Entschlossenheit und Leidenschaft” das Thema “Sex und Behinderung” zu verbreiten, unabhängig davon, ob man Kapital aus der Sendung erhält oder nicht. “Wir werden auf jeden Fall weiterkämpfen, bis uns die Luft ausgeht – bis zum letzten Atemzug”, sagen Mairinger und Kirchgatterer. “Wir sind guter Dinge, dass wir noch viel bewirken können, denn Inklusion sollte in einem sozialen Staat wie dem unseren, konsequent umgesetzt werden.”

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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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